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Akt. Sportpolitik

Gesellschaft zur Rechtlichen und Humanitären Unterstützung e.V.
Der Vorstand

 

 

 

 


Sonderdruck

der Arbeitsgruppe Sport der GRH
 

 

Zu aktuellen Problemen der Sportpolitik

 

mit Beiträgen von
Helmut Horatschke,
Prof. Dr. Horst Röder,
Erhard Richter und
Dr. Norbert Rogalski

 

 

 

Für Mitglieder und Sympathisanten

 

 

Berlin, April 2009

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Inhaltsverzeichnis
 

Was wurde aus dem sportlichen Erbe der DDR?

Helmut Horatschke

 

Die gesellschaftliche Stellung des Trainers und zur Entwicklung des Trainerwesens in der DDR

Prof. Dr. Horst Röder

 

DDR –Trainer, die nicht mehr gefragt waren und ihre Tätigkeit im Ausland aufnahmen

Das Recht auf sportliche Betätigung

Erhard Richter

 

Karl-Marx-Relief auf DHfK-Boden

Dr. Norbert Rogalski

 

 

 

 

 

Was wurde aus dem sportlichen Erbe der DDR?

Von Helmut Horatschke

 

Körperkultur und Sport erreichten bis 1987/88 einen beachtlichen und international anerkannten Entwicklungsstand. Im DTSB und seinen angeschlossenen Verbänden ADMV und Anglerverband waren 3,2 Millionen Mitglieder in rund 17.500 Grundorganisationen vereint. Darüber hinaus wurden Hunderttausende Bürger sportlich betreut, ohne Mitglied des DTSB zu sein. Rund 270.000 Übungsleiter, 175.000 Kampf- und Schiedsrichter, 4.700 vollbeschäftigte Trainer sowie Sportlehrer in allen Kreisen sicherten eine qualifizierte sportliche Ausbildung. Das Rückgrat der Organisationsstruktur, die Sportgemeinschaften der Betriebe und Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG), wurde ergänzt durch Sportgemeinschaften im kommunalen Bereich, an den Hoch- und Fachschulen und allgemeinbildenden Schulen.
Für eine spezielle Förderung sportlicher Talente im Kindesalter sorgten in 1.650 Trainingszentren 9.000 ehrenamtliche Übungsleiter und 1.960 vollbeschäftigte Trainer. Sie betreuten dort über 3-4 Jahre eine gleichbleibende Zahl von 68.000 der jüngsten zukünftigen Leistungssportler. Auf der nächsten Stufe trainierten in 27 Sportklubs und 11 Fußballclubs 12.500 Sportler. Sie wurden von 1.985 Trainern betreut. Jugendliche Sportler besuchten die dem Sportklub zugeordnete Kinder- und Jugendsportschule. Die Organisationsstruktur des Sportes wurde vervollständigt durch
- die Hochschule und das Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport in Leipzig,
- den sportmedizinischen Dienst der DDR mit Beratungsstellen bis in die Kreise, besetzt 
  mit Fachärzten für Sportmedizin,
- eine Forschungs- und Entwicklungsstelle für Sportgeräte sowie
- zentrale und Bezirkssportschulen des DTSB.
Als wesentliche Faktoren sportlicher Breitenentwicklung seien hier noch der obligatorische Schulsport, die Turnfestbewegung und die Kinder- und Jugendspartakiaden genannt.
Körperkultur und Sport als gesellschaftliches Anliegen zu fördern, war ausdrückliches Verfassungsgebot, niedergelegt in den Artikeln 18, 25, 35 und 44 (Verfassung der DDR, angenommen durch Volksentscheid vom 6.4.1968) sowie in weiteren Gesetzen und Verordnungen ausgeführt und damit Bestandteil der gültigen Rechtsordnung.
Diese Förderung schloss für alle Sportarten und Organisationsformen eine stabile Sicherstellung der notwendigen finanziellen, personellen und materiellen Bedingungen im Rahmen des Gesamthaushaltes der DDR ein und wurde über staatliche Organe, über die volkseigenen Betriebe oder über den DTSB abgestimmt realisiert. Auf eigene Entscheidung sorgten die LPGen für ihre Sportgemeinschaften. Der FDGB förderte insbesondere den Massensport der Werktätigen mit bedeutenden Initiativen und Mitteln.

Die Unterhaltung der Sportanlagen einschließlich ihres Personalbestandes lag beim jeweiligen Rechtsträger, also in der Regel bei den Kommunen oder Betrieben. Der DTSB war lediglich Rechtsträger seiner Sportschulen und einiger kleiner Ferienheime.

Für alle organisiert Sporttreibenden galt kostenlose Nutzung aller Sportanlagen und Geräte und für alle Bürger eine kostenlose Betreuung durch den sportmedizinischen Dienst.

Insgesamt lagen die Aufwendungen zur Förderung von Körperkultur und Sport im Jahre 1987 bei rund 2 Milliarden Mark, das heißt, bei ca. 0,8 Prozent des Gesamthaushaltes der DDR.

Rund 25 Prozent dieser Summe wurden für den Leistungssport aufgewendet. Die Turnfeste und die Olympiamannschaften der DDR wurden übrigens aus Spenden finanziert.

Diese Übersicht sollte deutlich machen, was am 3.Oktober 1990 zur Disposition stand und von Optimisten für ein bewahrenswertes Allgemeingut gehalten wurde.
Aber mit der äußerst originellen kapitalistischen Methode zur Beseitigung eines ungeliebten Kontrahenten wurde dem nunmehr ehemaligen DDR-Sport zunächst vorsorglich der Geldhahn zugedreht.

Rund 10.400 Mitarbeiter des DTSB einschließlich aller Trainer und Sportlehrer standen damit zunächst – die meisten von ihnen endgültig – vor dem beruflichen Aus.

Der DSB richtete seine Strukturen in den neuen Bundesländern neu ein. Anstelle der ausgebildeten Sportfachkräfte des DDR-Sports besetzten vorzugsweise Geschäftsleute, Politiker, Juristen und Beamte leitende Positionen. Bei drastisch reduziertem Stellenangebot blieb ehemaligen Mitarbeitern des DDR-Sports lediglich die Möglichkeit, sich neu um eine Stelle zu bewerben. Eine Übernahme von bewährten Spitzentrainern der DDR in Verbandsfunktionen wurde zum Beispiel mehrfach mit dem Argument verhindert, dass Trainer der alten Bundesländer über rechtsgültige Verträge verfügen, ehemalige DDR-Trainer sich aber in vertragslosem Zustand befinden. Nur wenige Verbände hatten den Weitblick, der Qualität der Trainer den Vorzug zu geben. Mehr als 70 der erfolgreichsten Trainer waren gezwungen, Vertragsangebote aus dem Ausland anzunehmen. So wurde mit dem Ende des Volkseigentums dem Sport nicht nur seine wesentliche finanzielle und personelle Grundlage entzogen – Sportanlagen und Geräte standen zunächst unverändert weiter zur Verfügung -, sondern auch der Erkenntnisprozess eingeleitet, dass der Sport nunmehr zur Privatangelegenheit der Bürger und darüber hinaus zur Spielwiese privater Interessen geworden ist.

 

 

 

 

 

Zur gesellschaftlichen Stellung des Trainers und zur Entwicklung des Trainerwesens in der DDR

Von Prof. Dr. Horst Röder

 

Es war schon bemerkenswert, ja erstaunlich, wie viele Menschen in Deutschland wie auch im Ausland im Dezember 2008 an dem 80. Geburtstag der Eiskunstlauftrainerin, Jutta Müller aus Chemnitz, Anteil nahmen. Sie ist in ihrer Sportart die erfolgreichste Trainerin der Welt und führte ihre Schützlinge zu 57 Medaillen bei Europa- und Weltmeisterschaften sowie bei Olympischen Spielen. Katarina Witt, Gabi Seifert, Anett Pötsch, Jan Hoffman und andere gingen aus ihrer Meisterschule hervor und begeisterten Millionen von Menschen mit ihren sportlichen Leistungen und ihrer individuellen Ausstrahlung. Fachkenner und Freunde heben besonders die hohe fachliche Kompetenz, die Zielstrebigkeit und die pädagogische Beharrlichkeit Jutta Müllers hervor. Ähnliches traf auch für viele andere langjährig erfolgreiche Trainer im Sport der DDR zu. Beispielhaft seien hier Hans Renner (Skispringen), Ewald Mertens (Leichtathletik), „Jule“ Feicht (Sportschwimmen), Theo Körner (Rudern), Peter Kretschmar (Handball), Wolfram Lindner (Radsport) oder Jürgen Heritz (Gerätturnen) genannt. Blickt man auf ihre Karriere als Sportler und Trainer, so wird deutlich, dass sie eng mit der Erfolgsgeschichte des Sports in der DDR von 1949 bis 1990 verbunden ist. Sie widerspiegelt in vielerlei Weise die Entwicklung des Trainerberufs und die Stellung des Trainers in der DDR.

 

Zur gesellschaftlichen Stellung des Trainers in der DDR

Die mit diesen Namen und Beispielen verbundene gesellschaftliche Anerkennung der Tätigkeit der Trainer und des Trainerberufes gründete sich in erster Linie auf die Rolle des Sports und seine umfangreiche staatliche Förderung als ein wichtiger Bestandteil einer kulturvollen, sozialistischen Lebensweise. Von Beginn an standen Körperkultur und Sport auf der Agenda der im Oktober 1949 gewählten Regierung.

 

Bereits ein Jahr später wurde das erste Gesetz zur Förderung der Jugend und des Sports beschlossen in dem, weit in die Zukunft gerichtet, unter anderem der Aufbau der Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport (DHfK) in Leipzig geplant war. Die Hochschule wurde zur zentralen Ausbildungsstätte von Tausenden Diplomsportlehrern und Trainern, die maßgeblich an der Entwicklung des Kinder-und Jugendsports, des Breiten-und des Leistungssports mitwirkten. Weitere Meilensteine waren viele auf den Sport bezogene staatliche Beschlüsse sowie die Verankerung von Körperkultur, Sport und Touristik als wichtige Elemente der sozialistischen Kultur in der Verfassung der DDR. Von hoher Bedeutung für die Ausgestaltung des Trainerwesens und der Rolle der Trainer waren auch die langfristig angelegten Leistungssportbeschlüsse, kollektiv erarbeitete Materialien, die von den Leitungsgremien der SED und dem Ministerrat der DDR beschlossen und mit der Autorität dieser Gremien vom Deutschen Turn-und Sportbund, dem Staatssekretariat für Körperkultur und Sport, dem Ministerium für Volksbildung sowie weiteren gesellschaftlichen Institutionen nachhaltig umgesetzt wurden. Auf dieser Basis kam es nicht nur zu einer erheblichen Vergrößerung der Anzahl der Trainer, sondern vor allem zu einer inhaltlichen Profilierung und zu einer gesellschaftlichen Aufwertung des Trainerberufs und der Trainer in der DDR.
Einen starken Einfluß übte die internationale Verbreitung des Leistungssports und der Olympischen Bewegung auf die Entwicklung des Trainerwesens und des Trainerberufs aus. Das rasche zahlenmäßige Anwachsen neuer Sportarten und internationaler Meisterschaften, die durch die modernen Massenmedien erheblich verstärkte Ausstrahlung der Olympischen Spiele, das erfolgreiche Auftreten der sowjetischen Sportmannschaft bei den Olympischen Spielen 1952, die Wirksamkeit sportlicher Erfolge in der Systemauseinandersetzung zwischen sozialistischen und kapitalistischen Ländern und die damit verbundene staatliche Förderung des Spitzensports in immer mehr Ländern trugen direkt und indirekt zu einer öffentlichen Aufwertung der Tätigkeit des Trainers und der Berufsgruppe der Trainer bei. In den beiden deutschen Staaten waren diese Veränderungen besonders deutlich nachzuweisen. Beeinflusst durch das Beispiel des DDR-Sports wie auch der Erfahrungen anderer Länder setzte sich auch in der BRD die Praxis durch, dass die Vorbereitung von Athleten auf Spitzenleistungen in nahezu allen Sportarten der Betreuung durch fachlich befähigte Trainer bedarf. In den gesellschaftlichen Ansprüchen, in den inhaltlichen Aufgaben und in den Anforderungen an ihre Persönlichkeit bestanden deutliche Unterschiede zwischen dem Trainer in der DDR und in der BRD. Sie ergaben sich nicht nur aus den an den Trainer gerichteten unterschiedlichen gesellschaftlichen Erwartungen. Sie entstanden vor allem auch aus dem in der DDR bestehenden erziehungswissenschaftlichen Verständnis von dem, vom Trainer geleiteten Training als einen pädagogischen Prozess. In diesem Sinne war Training nie nur Ausbildung, sondern Bildung und Erziehung in ihrer ganzen Komplexität. Die alte, enge Auffassung vom Trainer als „Ausbilder“ oder „Coach“ wurde im Sport der DDR weitestgehend überwunden. Der Trainer war in der DDR eine sozialistische Erzieherpersönlichkeit, die gemeinsam mit den ihm anvertrauten Sportlern das Training als einheitlichen pädagogischen Prozess der Bildung und Erziehung plante, durchführte und leitete. Das Ziel dieses besonderen pädagogischen Prozesses bestand darin, die Sportler zu Höchstleistungen in der betreffenden Sportart zu führen und sie in Einheit damit als allseitig – das heißt körperlich, geistig und moralisch – entwickelte Menschen zu fördern. Zwischen Sportler und Trainer entwickelte sich in diesem Prozess der Leistungs- und Persönlichkeitsausprägung eine enge Partnerschaft. Die Vielfalt und die inhaltlichen Ansprüche, die mit diesen Aufgaben verbunden waren, konnten durch einen ehrenamtlich tätigen Übungsleiter nicht gewährleistet werden.
Eine derartige Auffassung führte unter den gesellschaftlichen Bedingungen der DDR folgerichtig zu vier Konsequenzen:

 

- Der Trainer ist der Hauptträger der Ausbildung und Erziehung der Leistungssportler und zugleich der wichtigste Akteur bei der Durchsetzung eines wissenschaftlich fundierten Trainings.
- Dem Charakter nach ist seine Tätigkeit vor allem eine pädagogische Arbeit in deren Mittelpunkt das Training als ein spezifischer Bildungs- und Erziehungsprozess steht.
- Die in diesem Prozess zu lösenden Aufgaben und deren Komplexität erfordern in der Regel eine mehrjährige, staatlich anerkannte Hochschulausbildung als Diplomsportlehrer/Trainer.
- Die mit der Tätigkeit des Trainers verbundenen Aufgaben und Ziele sind nur durch eine gesicherte, vollberufliche Beschäftigung zu erfüllen.

 

Berufliche Tätigkeit und akademische Ausbildung stellten den Trainer in eine Reihe mit dem Lehrer und Erzieher, deren berufliches Wirken in der DDR eine hohe Wertschätzung genoss. Vergleichbar mit ihnen, war der Trainer eine wichtige Vertrauensperson, die nicht nur für die fachlich hochqualifizierte Vorbereitung der ihm anvertrauten jungen Sportler verantwortlich zeichnete, sondern die sich zugleich um deren allseitige Persönlichkeitsentwicklung, einschließlich der schulischen und beruflichen Ausbildung kümmerte. Ein vertrauensvolles Zusammenwirken mit den Sportlern, den Eltern und den Familien stellte die Regel dar. Die breite und solide Ausbildung des Trainers auf sportwissenschaftlichem, gesellschafts- und naturwissenschaftlichem Gebiet gewährleistete seine Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit zu wichtigen Partnern aus den Bereichen der Wissenschaft und Forschung, zu Ärzten, Ingenieuren und Technikern. Der Beruf des Trainers genoss in der Gesellschaft der DDR Ansehen und Vertrauen. Für viele Athleten und sportinteressierte junge Menschen war dieser Beruf ein persönlich anzustrebendes Lebensziel. Die hier skizzierte Stellung des Trainers und des Trainerberufs beruhte auf einer vom sozialistischen Staat gesicherten sozialen, arbeitsrechtlichen und finanziellen Basis. Ein Kernstück bildete ein einheitliches Vergütungssystem, das von wichtigen zusätzlichen Formen der Leistungsstimulation ergänzt wurde. Ein zwischen dem Deutschen Turn- und Sportbund (DTSB), der Gewerkschaft (FDGB) und den zuständigen staatlichen Einrichtungen vereinbartes Gehaltsregulativ für Trainer regelte deren Entlohnung. Es orientierte sich im Grundgehalt an vergleichbaren Berufen, wie zum Beispiel dem des Sportlehrers in der Volksbildung und entsprach in seiner Höhe dem in der DDR allgemein gültigen (nicht zu hohen) Normen. Den Besonderheiten des Leistungssports Rechnung tragend, konnte dieses Grundgehalt aufgestockt werden. Aller vier Jahre erfolgte nach den Olympischen Spielen eine Neueinstufung der Trainergehälter. Für die im Nachwuchsleistungssport tätigen Trainer wurde in den achtziger Jahren die Gehaltseinstufung aller zwei Jahre eingeführt. Bereits in den 60-er Jahren wurde die Gehaltseinstufung der Trainer durch ein Prämiensystem ergänzt. Es zielte konsequent auf die Leistungsstimulation der Sportler und Trainer und das Erreichen von Siegen und Spitzenleistungen bei internationalen Wettkampfhöhepunkten. Ein ganz wesentlicher Vorzug dieser Prämienordnung bestand darin, dass sie alle olympisch geförderten Sportarten gleich bewertete. Lediglich für Fußball gab es Ausnahmen. Auch Leiter, Wissenschaftler, Sportärzte und Techniker konnten einbezogen werden, sofern sie direkt in den Vorbereitungsprozess der Athleten mit eingebunden waren. Dieses Prämiensystem, im Verlaufe der Jahre mehrfach aktualisiert, erwies sich als starker materieller Anreiz. Darüber hinaus wurden die Leistungen der Sportler und ihrer Trainer nach Olympischen Spielen mit hohen staatlichen Orden und Auszeichnungen geehrt. Trainer von Athleten, die bei Olympischen Spielen Medaillen erkämpft hatten, kamen in den Genuss von Urlaubsreisen und anderen Vergünstigungen. Auch der Ehrentitel „Verdienter Meister des Sports“ war eine von Trainern begehrte Auszeichnung.
Ebenso gehörte es zu den Selbstverständlichkeiten, dass bei den Ehrungen der besten Sportler eines Jahres in der Regel auch deren Trainer geehrt bzw. genannt wurden. Bei den Kinder- und Jugendspartakiaden erfolgte die Ehrung der erfolgreichen jungen Sportler gemeinsam mit ihren Trainern bzw. Übungsleitern. Über Jahre gewachsen, entstand auf diese Weise ein ganzes System von ideellen und materiellen Anreizen, das Sportler und Trainer zu hohen Leistungen stimulierte und das in dieser Form damals wohl einmalig im internationalen Sport wie in der DDR selbst war.

 

Entwicklungsetappen des Trainerwesens und des Trainerberufs in der DDR

Die Entwicklung des Berufes des Trainers sowie des Trainerwesens insgesamt ist auf das Engste mit dem kontinuierlichen Aufbau des Sports in der DDR verknüpft. Deshalb bietet es sich zwangsläufig an, diese Entwicklung in bestimmten zeitlich begrenzten Etappen nachzuzeichnen. Wir lehnen uns hierbei einerseits an zeitliche Strukturen wie sie von den Autoren der „Geschichte des DDR-Sports“ vorgenommen wurden an, stützen uns aber für den Zeitraum ab 1960 stärker auf die Beschlüsse zum Leistungssport, um so der spezifischen Entwicklung des Trainerwesens Rechnung zu tragen. Der Begriff des Trainerwesens soll dabei im Sinne eines Oberbegriffes die Entwicklung der beruflichen Tätigkeit der Trainer, ihre Struktuierung, Formen und Maßnahmen der Aus- und Weiterbildung sowie auch soziale und rechtliche Aspekte des Trainerberufes berücksichtigen. Der Autor stützt sich in den beiden ersten Abschnitten dieses Kapitels vorwiegend auf seine Dissertation „Der Trainer als Erziehungspersönlichkeit im Leistungssport der Deutschen Demokratischen Republik“. Die Aussagen zur Aus- und Weiterbildung von Trainern an der DHfK beruhen weitgehend auf dem Beitrag von Norbert Rogalski „Die Ausbildung von Trainern“ im Sammelband „Deutsche Hochschule für Körperkultur Leipzig 1950-1990“. Für wertvolle Hinweise bzw. Zahlenmaterial gilt ihm sowie Helmut Horatschke, Dr. Thomas Köhler, Prof. Dr. Gerhard Lehmann, Dr. Emil Stolle und Wolfgang Turowski mein Dank.

 

Zur Entwicklung des Trainerwesens von der Gründung der DDR 1949 bis zum Jahr 1957

Die Gründung der DDR leitete auch für den Sport eine neue Entwicklungsetappe ein. Bereits in den Jahren 1948 und 1949 hatten sich in der sowjetischen Besatzungszone die politischen und materiellen Bedingungen für den Wettkampfsport soweit verbessert, dass ein Einsatz von Trainern besonders im Fußball, Feldhandball, aber auch in solchen Sportarten wie in der Leichtathletik und Sportschwimmen zunehmend möglich wurde. Die wachsende Zahl von Ostzonenmeisterschaften und besonders Großsportveranstaltungen, wie die Wintersportmeisterschaften des Deutschen Sportausschusses (DS) im Februar 1949 in Oberhof, das „Sportfest der Jugend“ zu Pfingsten 1949 in Leipzig und nicht zuletzt die Teilnahme einer Sportlerdelegation an den II. Weltfestspielen der Jugend und Studenten in Budapest beförderten diesen Prozess ganz erheblich. Durch den DS konnten Trainer, die im Sport haupt-, neben- oder ehrenamtlich tätig waren, erstmals eine Lizenz erwerben.
Bereits wenige Wochen nach der Gründung der Republik erläuterte Walter Ulbricht, als Stellvertretender Ministerpräsident auch für den Sport zuständig, Grundzüge des Sportkonzeptes der DDR-Regierung auf einer Konferenz in Leipzig. Das Ziel, so erklärte er, sei ein „wirklicher Volkssport“ mit „höchsten sportlichen Leistungen“. Das erfordere unter anderem die Ausbildung von Sportlehrern, den „großzügigeren Einsatz“ von erfahrenen Sportspezialisten und Trainern und ein systematisches Training (Geschichte des DDR-Sports, S.75).

Die Einstellung von einigen, bereits vor oder während der Zeit des Faschismus ausgebildeten Sportlehrern, Trainern und erfolgreichen Sportlern als Lehrkräfte oder Trainer vermochte natürlich den zunehmenden Bedarf der jungen demokratischen Sportbewegung in keiner Weise abzudecken. Auch die 1949 in Leipzig eingerichtete Deutsche Sportschule und die in den Ländern aufgebauten Landessportschulen stellten für die Ausbildung von Fachkräften durch kurzfristige Lehrgänge keine grundlegende Lösung dar. Eine neue Generation von fachlich und politisch solide ausgebildeten Sportlehrern und Trainern musste herangebildet werden. Die auf Beschluss des 1. Jugendgesetzes vom 2.Februar 1950 einzurichtende Deutsche Hochschule für Körperkultur – übernahm dafür die Hauptverantwortung. Vor allem die seit 1952 gebildeten Schwerpunkte des Leistungssports und die ab 1954 entstehenden Sportklubs benötigten dringend qualifizierte Trainer in den verschiedenen Sportarten. Da die ersten Hochschulabsolventen frühestens ab 1952/53 zur Verfügung standen und nur zu einem geringeren Teil als Trainer eingesetzt werden konnten – Schätzungen sprechen von etwa 20 bis 25% des jeweiligen Absolventenjahrganges (Rogalski, S. 106) – machte sich neben dem Diplomsportlehrerstudium eine kurzfristige Qualifizierung von Trainern dringend erforderlich. Zu diesem Zweck wurde an der DHfK eine Trainerfakultät eingerichtet, die schon ab 12. November 1951 ihre Arbeit begann. Die Teilnehmer - unter ihnen solche bekannten Sportler bzw. Trainer wie J. Feicht, F. Gödicke, E. Mertens, E. Schmidt, A. Lätzer – waren zumeist schon als Übungsleiter oder Trainer tätig gewesen. Sie verfügten in der Regel über keine Hochschulreife und mussten mindestens 24 Jahre alt sein (Ebenda, S.107). Anfangs (1951/52) betrug die Lehrgangsdauer lediglich fünf Wochen. Sie wurde ab 1952 auf fünf Monate und schließlich von 1953 bis 1957 auf 10 Monate erweitert. Die für diese Lehrgänge erforderlichen Ausbildungsprogramme lehnten sich an die Lehrmaterialien des Diplomsportlehrerstudiums an, konzentrierten sich jedoch inhaltlich und zeitlich auf die damals in der Sportbewegung praktisch als Trainer zu lösenden Erziehungs- und Bildungsaufgaben. Ein wichtiges Lehrgebiet bildete die Einführung in die Grundzüge einer allgemeinen Trainings- und Wettkampflehre. Auch die Vermittlung von wissenschaftlichen Erkenntnissen und von Erfahrungen aus dem sowjetischen Sport nahm einen wichtigen Platz ein. Weitere Lehrgebiete waren nach Rogalski Marxismus-Leninismus, Geschichte der Körperkultur, Pädagogik, Psychologie, Physiologie, Anatomie, Biomechanik, Bewegungslehre u.a. Ungeachtet der begrenzten Zeitdauer erhielten die Lehrgangsteilnehmer eine relativ breite Ausbildung als Grundlage für ihre weitere Tätigkeit in der Sportpraxis. Viele von den insgesamt etwa 600 Ausgebildeten entwickelten sich zu erfolgreich wirkenden Trainerpersönlichkeiten, die einen wichtigen Beitrag zum Aufstieg des DDR-Sports in die Weltspitze leisteten.
Die auf Beschluss der Regierung der DDR vom 24. Juli 1952 erfolgte Bildung eines Staatlichen Komitees für Körperkultur und Sport war nicht nur für den weiteren Aufbau der DHfK außerordentlich bedeutsam. Das Komitee beförderte auch die notwendige soziale und rechtliche Absicherung der Trainer und des Trainerberufes. Bislang war ein großer Teil der Trainer nicht haupt-, sondern neben- oder ehrenamtlich tätig. Ihre Beschäftigung erfolgte sowohl in Sportgemeinschaften, in den Leistungsschwerpunkten der BSG bzw. in den späteren Sportklubs sowie in den zentralen Sektionen der Sportarten. Ihre finanzielle Vergütung war sehr unterschiedlich – nach Aussagen einzelner Trainer lag sie zwischen 450 und 600 Mark monatlich – und wirkte sich damals sogar auf den Bezug von Lebensmittelkarten aus. (Röder: Dissertation, S.301). Eine einheitliche staatliche Regelung wurde vielerorts gefordert. Die vom Ministerrat am 28.Juni 1956 beschlossene „Verordnung über die Vergütung der Trainer und Sportlehrer der demokratischen Sportbewegung“ war die erste gesetzliche Verfügung des Staates zu Fragen des Trainerwesens.

Sie war zugleich die erste gesetzliche Bestimmung, die je ein deutscher Staat zu diesem Berufsbereich herausgegeben hat. In ihr wurden die Vergütungssätze, die wöchentliche Pflichtstundenzahl (24 Stunden), der Jahresurlaub und die Weiterbildung der Trainer und Sportlehrer verbindlich geregelt. Eine zur gleichen Zeit in Kraft gesetzte Durchführungsbestimmung ordnete die Einstufung in verschiedene Vergütungsgruppen an. Sie berücksichtigten sowohl die Qualifikation als auch die Leistungs- bzw. Spielklasse in der der jeweilige Trainer wirkte. Bei der Qualifikation unterschied man zwischen Trainern mit mittlerer Ausbildung (5-oder 10-Monate-Lehrgang an der Trainerfakultät der DHfK) und Trainern mit abgeschlossener Hochschulausbildung (Diplom-, Turn- und Sportlehrer, ausgebildet entweder vor oder nach 1945). Durch weitere staatliche Verordnungen über Auszeichnungen auf dem Gebiet von Körperkultur und Sport wurden schließlich Maßnahmen eingeführt, die gleichermaßen zur staatlichen und gesellschaftlichen Anerkennung des Trainerberufes und der Trainertätigkeit in der DDR beitrugen.
Wichtige Impulse zur inhaltlichen Gestaltung der Arbeit der Trainer kamen durch zwei zentrale Trainertagungen – im April 1953 sowie im Mai 1955 – unter Leitung des Staatlichen Komitees für Körperkultur und Sport. Im Mittelpunkt standen die politisch-erzieherische Verantwortung der Trainer, die Notwendigkeit der Leistungsentwicklung und das Training der Sportler zunehmend zu planen sowie die verstärkte Anwendung von Erkenntnissen der sowjetischen Sportwissenschaft. Von 1951 bis 1958 fanden in der DDR 33 Trainingslehrgänge statt, in denen sowjetische Trainer ihre reichen Erfahrungen an ihre Kollegen in der DDR vermittelten (Ebenda, S.302). Eine besondere Bedeutung kam auch einer Trainerdelegation zu, die im November 1954 für etwa drei Monate in die Sowjetunion reiste, um die Erfahrungen des sowjetischen Sports zu studieren. Die dort gewonnenen Erkenntnisse bestimmten nachhaltig den Aufbau von Trainerräten, den Einsatz von verantwortlichen Trainern in den Sektionen (später Verbandstrainer) sowie von Bezirkstrainern in den einzelnen Sportarten.
Versucht man unter dem Aspekt des Trainerwesens die Zeitspanne zwischen 1949 und 1957 zusammen zu fassen, so war sie vor allem geprägt von der Gewinnung und zumeist kurzzeitigen Ausbildung von Trainern für den staatlicherseits als Bestandteil einer breiten Volkssportbewegung zunehmend geförderten Wettkampf- und Leistungssport. Erste staatliche Verordnungen schufen Voraussetzungen für die gesellschaftliche Anerkennung und Sicherstellung des Trainerberufes. Die Tätigkeit des Trainers gewann inhaltlich zunehmend an Konturen.

Die Gründung des DTSB und der schwerpunktmäßige Einsatz von Trainern bis 1969 in der 3. und 2. Förderstufe   

Mit der Gründung des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB) im Mai 1957 entstand eine einheitliche, rechtlich selbstständige Massenorganisation des Sports in der DDR. Sie passte sich in ihrem regionalen Aufbau nach Bezirken und Kreisen den entstandenen staatlichen Strukturen an und förderte durch die neu gebildeten Sportverbände die Voraussetzungen für eine Ausweitung der Sportbeziehungen und des internationalen Wettkampfverkehrs. Nach längeren Diskussionen und von vielen Sporttreibenden gewünscht, entstand so eine Organisationsform des Sports, die sich über mehrere Jahrzehnte als effektiv und stabil erweisen sollte. Breitensport und Leistungssport fanden darin gleichzeitig ihren Platz.
Das staatliche Komitee für Körperkultur und Sport konzentrierte sich zukünftig auf die volkswirtschaftliche Planung, die Ausbildung von Sportlehrkadern sowie auf die Führung und Entwicklung der Sportwissenschaft.

Das bündelte die bisher den Sport tragenden verschiedenen Organisationen und Einrichtungen und ermöglichte einen effektiveren Einsatz der vorhandenen Kräfte und Mittel. Alle diese Veränderungen beeinflussten auch spürbar die weitere Entwicklung des Trainerwesens. Die Begeisterung der Bevölkerung für den Sport, die Erfolge der Sportler bei der Friedensfahrt Ende der fünfziger Jahre, bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom sowie die realen politischen und ökonomischen Fortschritte im Land schufen die Grundlage für eine organisatorische Festigung des Trainerwesens und für die weitere soziale und materielle Förderung des Trainerberufs in der DDR. Drei von staatlicher Seite initiierte Maßnahmen erwiesen sich als besonders bedeutsam. So beschloss das Staatliche Komitee 1958 eine „Anordnung über das Trainerwesen“. In ihr wurden erstmals der gesellschaftliche Auftrag des Trainers in der DDR und bestimmte Anforderungen an ihn als Erzieherpersönlichkeit formuliert.
„Zur Lösung des gesellschaftlichen Auftrages ist es erforderlich“, so hieß es in dieser Verfügung, „dass der Trainer als politisch bewusste, fachlich gebildete und moralisch einwandfreie Persönlichkeit seinen Aufgaben und Pflichten gewissenhaft und verantwortungsbewusst nachkommt... Folgende Anforderungen werden an den Trainer gestellt:
Sozialistische Erziehung der Sportler zu Bürgern der DDR, die vorbildliche Leistungen im Sport und im Beruf nachweisen...
Systematische Förderung der sportlichen Ausbildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen.
Ständige politische, fachliche und pädagogische Weiterbildung durch regelmäßige Teilnahme an dafür vorgesehenen Lehrgängen, Seminaren und Konsultationen.
Vorbildliches Verhalten innerhalb und außerhalb des Trainingsprozesses“ (Gesetzblatt der DDR, Teil I, 1958, Nr.25)

Weiter wurde in dieser Anordnung die Einführung einer Trainerlizenz, eines Trainerausweises sowie der Berufsbezeichnung „Trainer“ und verschiedener Dienstbezeichnungen verfügt. Die Lizenz berechtigte zur Ausübung des Trainerberufs und wurde den im Trainingsprozess tätigen Sportpädagogen erteilt, die über eine abgeschlossene Fachschul- oder Hochschulausbildung als Trainer, Sport- oder Turnlehrer verfügten (Ebenda, S.338). In der Folgezeit fanden entsprechend dieser Anordnung mit etwa 900 Trainern Gespräche statt, in denen ihr Ausbildungsstand erfasst und ein Austausch der bisherigen Trainerausweise vorgenommen wurde. Etwa 600 Antragsteller erhielten eine Lizenz für eine hauptamtliche Arbeit als Trainer im DTSB, andere bekamen eine Trainerlizenz für eine neben- bzw. ehrenamtliche Tätigkeit. Das alles schuf die Voraussetzung für eine neue Trainervergütung, die zwischen dem Staatlichen Komitee für Körperkultur und Sport und der Gewerkschaft Unterricht und Erziehung vereinbart wurde und die per 1.10.1960 in Kraft trat. Diese Maßnahmen stärkten die Autorität des Trainerberufs und machten ihn zunehmend zu einem anerkannten, rechtlich gesicherten Erzieherberuf.
Mit dem Blick auf die künftigen Ziele und Aufgaben zu den Olympischen Spielen 1960, 1964 und 1968 machte sich auch eine weitere Verbesserung der Aus- und Weiterbildung der Trainer dringend erforderlich. Die Realisierung eines neuen Lehrprogramms, die Erhöhung der Unterrichtsstunden und die Einführung eines Berufspraktikums waren durch die bislang bewährten Lehrgänge an der Trainerfakultät der DHfK nicht zu bewältigen. Und da eine weitere Verlängerung dieser Lehrgänge durch die damit verbundene Herauslösung der Trainer aus der praktischen Arbeit nicht möglich war, bot sich eine Studienform ähnlich dem Fernstudium der Diplomsportlehrer an. Derartige Überlegungen und Sachzwänge führten 1958 zur Einführung eines dreijährigen Fachschulfernstudiums für Trainer.

Die Bedeutung dieser neuen Ausbildungsform bestand darin, dass eine große Anzahl von bislang unzureichend ausgebildeten Trainern eine wissenschaftlich solide Berufsausbildung erlangen konnte, ohne ihre Trainertätigkeit in der Praxis unterbrechen zu müssen. Organisatorisch vollzog sich das Fernstudium an den Außenstellen der DHfK, aber zu einem geringen Teil auch an der Hochschule selbst. Durch die großzügigen staatlichen Regelungen standen den Teilnehmern jährlich 48 Arbeitstage für Studium, Konsultationen, Seminare und Lehrgänge zur Verfügung. Trotz anfänglicher Vorbehalte und Schwierigkeiten entwickelte sich das neue Fachschulfernstudium zu einer bewährten Ausbildungsform. Bis zum Jahr 1967 absolvierten 647 Trainer erfolgreich diese Studienform als „Staatlich anerkannter Trainer mit Fachschulabschluß“ (Rogalski, S. 108).Parallel zu dieser neuen Studienform kam auch eine größere Anzahl von Absolventen aus dem Direktstudium der Diplomsportlehrer, die eine Tätigkeit als Trainer aufnahmen.
Die Olympischen Spiele 1964 in Tokio und Innsbruck markierten nach unserer Einschätzung eine „qualitativ neue Etappe in der Entwicklung des internationalen Leistungssports“.
- Neben der zu erwarteten beschleunigten Steigerung der Leistungen in der Spitze wiesen sie uns eindringlich auf die notwendige systematische Förderung des sportlichen Nachwuchses hin.
- Den Trainern, die in den Sportverbänden, den Sportklubs und in den Kinder- und Jugendsportschulen (KJS) – der 3. und 2. Förderstufe arbeiteten, wurde in Auswertung der Spiele vor allem die Aufgabe gestellt, das Training durch die breite und konsequente Durchsetzung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts qualitativ zu verbessern und die Gemeinschaftsarbeit zu aktivieren.
- Das erforderte in vieler Weise ein Umdenken bei Trainern und auch neue Formen der Kooperation mit den entstandenen Arbeitskreisen der Sportartengruppen, den wissenschaftlichen Zentren der Sportverbände und den Forschungsgruppen der Wissenschaftseinrichtungen.
- Zugleich wurden wichtige Schritte für den Aufbau einer zahlenmäßig umfangreichen ersten Förderstufe, für die Sichtung und Auswahl von sportlichen Talenten und für die erforderliche Gewinnung und Qualifizierung von Übungsleitern eingeleitet. Hierfür waren besonders die Bezirks- und Kreisvorstände des DTSB, die zuständigen Nachwuchsverbandstrainer und die in allen Bezirken eingesetzten Bezirkstrainer verantwortlich. Im Zusammenwirken mit Übungsleitern, Schulleitungen und den Sportlehrern leisteten sie in wenigen Jahren Beachtliches.
Der Beschluss über die „Weitere Entwicklung des Leistungssports bis 1972“ sah lediglich einen Planstellenzuwachs von jährlich 25 Trainern und 25 Trainerassistenten vor. Sie wurden damals fast ausschließlich zur personellen Verstärkung in den Sportverbänden und Sportklubs, also für die 3. und 2. Förderstufe, benötigt. In der 1. Förderstufe wurden hauptamtliche Trainer, von Ausnahmen abgesehen, erst einige Jahre später eingesetzt.

Die „Grundlinie der Entwicklung des Leistungssports in der DDR bis 1980“ und der verstärkte Einsatz von Trainern in der 1. Förderstufe als ein Merkmal der weiteren Entwicklung des Trainerwesens in den 70er Jahren

In den siebziger Jahren erfolgte die weitere Ausgestaltung des Leistungssports und des Trainerwesens auf der Basis der am 19. März 1969 beschlossenen „Grundlinie der Entwicklung des Leistungssports in der DDR bis 1980“. Dieses, von einem breiten Kreis von Fachleuten vorbereitete Dokument trug in hohem Maße prognostischen Charakter, versuchte es doch über einen Zeitraum von elf Jahren die Entwicklung eines Teilbereiches der Gesellschaft voraus zu sehen und zu planen.

Ein derartiges Wagnis wurde einerseits nur möglich durch den in den 60er Jahren relativ stabilen politischen und ökonomischen Aufschwung in der DDR, der eine langfristige Planung der Volkswirtschaft durch Fünf- bzw. Siebenjahrespläne möglich machte. Andererseits hatte sich das System des Leistungssports in seinen Grundstrukturen mit drei Förderstufen bereits soweit herausgebildet, dass seine langfristige effektive Ausgestaltung möglich und erforderlich wurde. Der Leistungssport erhielt dabei eine gewisse Vorrangigkeit gegenüber den anderen Teilbereichen der Körperkultur und des Sports.
Die Grundlinie nannte zwei Hauptrichtungen für die künftige Gestaltung des Leistungssports in der DDR:
- Langfristig galt es, die „gesamte Basis des Sports unter der Jugend zu verbreitern und ein
  möglichst lückenloses Talentsichtungs- und- förderungssystem aufzubauen“ (Grundlinie,
  S.6). Ein im Sommer 1969 bestätigter „Beschluss über die Entwicklung der Kinder- und
  Jugendsportschulen bis zum Jahre 1980“ ergänzte die Grundlinie und ermöglichte den 
  weiteren Ausbau der KJS zu Spezialschulen des Leistungssports.
- In Hinblick auf die bevorstehenden Olympischen Spielen bestand das Ziel darin, die
  „Zugehörigkeit zu den im Weltsport führenden Ländern“ zu bestätigen und eine
  „Platzierung vor Westdeutschland ... in der Mehrzahl der geförderten olympischen Sommer-
  und Wintersportarten“ zu erreichen (Ebenda, S.6). Eine Konzentration auf eine bestimmte
  Anzahl von medaillen- und punkteintensiven Sportarten sollte diese Zielstellung im Hinblick auf die Olympischen Spiele 1972 und darüber hinaus gewährleisten. Die Vorbereitung der Olympischen Spiele konzentrierte sich künftig auf 24 Sommer- und Wintersportarten.

Das stellte besonders den im Bereich der 3. und 2. Förderstufe tätigen Trainern die Aufgabe, in diesen Sportarten den Welthöchststand anzustreben, zu erreichen und dauerhaft mitzubestimmen. In den Jahren 1969 bis 1972 erhöhte sich die Anzahl der Trainerplanstellen insgesamt um 150. Darüber hinaus verstärkte ein Teil von Trainern, die bislang im Eishockey, im Alpinen Skisport oder im Wasserball tätig waren, den Kaderstamm im Eisschnelllauf, in den Nordischen Skidisziplinen und im Sportschwimmen. Das war anfangs mit nicht wenigen subjektiven und objektiven Problemen verbunden. Doch solche Trainer wie Rudolf Schmieder, Joachim Franke, Eberhard Illing oder Lothar Oelmann und andere entwickelten sich in der Folgezeit in ihren neuen Sportarten zu erfolgreichen und anerkannten Trainerpersönlichkeiten. Trainer, die in den anderen künftig nicht schwerpunktmäßig geförderten olympischen und nichtolympischen Sportarten beschäftigt waren, setzten ihre Tätigkeit in diesen Sportarten fort. Eine Anzahl von Studenten der DHfK wurde in der Folgezeit auch für diese Sportarten ausgebildet und arbeitete danach als Verbandstrainer oder als Trainer in den entsprechenden Sektionen von Betriebssportgemeinschaften. Schließlich wurde 1978 306 der an den Kinder- und Jugendsportschulen angestellten Trainer von den Sportklubs des DTSB übernommen (Ledig: S. 9).
Nachdem in den sechziger Jahren der Aufbau der Trainingszentren und das Training der Kinder und Jugendlichen fast ausschließlich durch Übungsleiter geleistet wurde, gab es in den Beschlüssen ab 1973 „grünes Licht“ für einen verstärkten Einsatz von hauptamtlichen Trainern in der 1. Förderstufe, die damals bereits bis zu 70.000 junge Sportler umfasste. Dadurch erhöhte sich der Trainerkader nahezu sprunghaft. Er steigerte sich in den drei Jahren von 1974 bis 1976 um 500 Planstellen. Im Zeitraum von 1977 bis 1980 kamen sogar 900 neue Trainerstellen hinzu. Die in Bezirkstrainingszentren und Trainingszentren eingesetzten Hoch-und Fachschulabsolventen trugen zu einer erheblichen Verbesserung der von den Sportverbänden geforderten vielseitigen sportartgerichteten Grundausbildung der talentierten Kinder und Jugendlichen bei. Tausende von Übungsleitern unterstützten weiterhin die Arbeit der Trainer.

Insgesamt standen damit in allen drei Förderstufen des Leistungssportsystems vollberuflich tätige Trainer zur Verfügung.
Die „Grundlinie“ vermittelte auch auf dem Gebiet der Aus- und Weiterbildung der Sportlehrer und Trainer neue Impulse. Das Diplomsportlehrerstudium (Direkt- und Fernstudium) – Kernstück des Hochschulstudiums an der DHfK – sollte noch stärker für die Qualifizierung von Trainern genutzt werden. Das vier Jahre umfassende Studium wurde auf der Basis einer soliden zweijährigen Grundausbildung und der sich daran anschließenden Spezialisierung für die gewählte Sportart durchgeführt. Im 8. Semester erfolgte ein „Trainerpraktikum“, und zwar möglichst an dem vorgesehenen Einsatzort des jeweiligen Absolventen. Dieses Vorgehen als auch die Anleitung sowohl durch Lehrkräfte und durch erfahrene Trainer vor Ort gewährleistete eine weitgehend nahtlose Überleitung der Absolventen in ihre künftige berufliche Tätigkeit als Diplomsportlehrer/Trainer in der Sportorganisation. Diese damals (und auch heute) wohl einmalige Vorgehensweise machte es erforderlich, dass die Einsatzlenkung der Studenten bereits bis zum Ende des 7. Semesters erfolgte. Natürlich musste der aus der Sicht des DTSB gezielte Einsatz neuer Trainer mit den Wünschen der Studenten in Übereinstimmung gebracht werden. Ungeachtet mancher persönlichen Probleme: Jedem Studenten konnte ein, seiner Ausbildung entsprechender, inhaltlich anspruchsvoller und sozial sicherer Arbeitsplatz angeboten werden. Beispielhaft und heute kaum vorstellbar! Nachdem ab 1972/73 die Schulsportlehrerausbildung Schritt für Schritt eingestellt wurde, konzentrierte sich die Hochschule in Leipzig in hohem Maße auf die Kaderausbildung für die Sportorganisation. Von 1977/78 an nahmen jährlich ca. 70% der Absolventen der DHfK eine Tätigkeit im DTSB auf (Rogalski, S.114). Die durch die Ausbildung vermittelte relativ hohe Disponibilität der Absolventen hatte dabei den Vorteil, dass sie einen Wechsel von einer Förderstufe zur anderen als auch den Einsatz in anderen Funktionsbereichen (z.B. als Kreissportlehrer oder als Sportlehrer im Breitensport) ermöglichte.
Zu den in der Grundlinie gestellten Aufgaben gehörte auch die Einführung von Weiterbildungslehrgängen für die in den vergangenen Jahren ausgebildeten Trainer und Funktionäre des Leistungssports. Bereits 1969 begannen an der DHfK die ersten Lehrgänge. Anfangs dauerten sie acht Wochen. Später wurden sie auf Grund der Einwände vieler Trainer, die es für bedenklich hielten, zwei Monate für die Trainingsarbeit mit ihren Athleten auszufallen, auf sechs und schließlich auf vier Wochen reduziert. Wichtig war, dass alle Trainer nach ihrem Studienabschluss in eine weiterführende Fortbildung auf Hochschulniveau einbezogen wurden. Dabei galt als Regel, dass jeder der Trainer innerhalb von vier Jahren, also in jedem Olympiazyklus, einmal einen solchen Weiterbildungskurs an der DHfK besuchen sollte. Ebenso galt als verbindlich, dass alle Teilnehmer in Verbindung mit dem Lehrgang eine Belegarbeit verfassten. Neben der Vermittlung von Fachwissen und neuesten Forschungsergebnissen sowie dem Erfahrungsaustausch untereinander erwiesen sich diese Belegarbeiten als ein großer Gewinn für die Teilnehmer wie auch für die Lehrarbeit selbst.
Diese im Hochschulwesen der DDR allgemeingültigen Prinzipien der Einheit von Theorie und Praxis sowie von Aus- und Weiterbildung wurden auch im Sport durch vielfältige Maßnahmen „im Prozess der Arbeit“ fortgesetzt. Die aller zwei Jahre von der Leistungssportkommission (LSK) einberufenen Konferenzen, an denen jeweils etwa 1.500 Trainer teilnahmen, bildeten dabei besondere Höhepunkte. In größeren Abständen fanden Arbeitstagungen mit allen Cheftrainern der Sportclubs (1978 und1981) bzw. mit allen Bezirkstrainern (1982) statt. Zweimal in jedem Olympiazyklus veranstalteten die Arbeitskreise der Sportartengruppen „Wissenschaftliche Seminare“, an denen die Trainer der betreffenden Sportarten aktiv beteiligt waren.

Unter Verantwortung der Sportverbände fanden regelmäßig Trainerkonferenzen, Tagungen der Trainerräte sowie Ergebniskonferenzen der sportartspezifischen Forschungsgruppen vor Trainern statt. Die Sport- und Fußballclubs führten ihrerseits monatlich Weiterbildungsveranstaltungen durch. Alle diese Maßnahmen dienten nicht nur der sportpolitischen Information und der fachlichen Fortbildung. Sie waren ebenso bedeutsam für die Einbindung der Trainer in die langfristige Konzeption des DDR-Leistungssports, für ihre Motivation und für die Förderung des Erfahrungsaustausches und der Gemeinschaftsarbeit im Leistungssport.

Die weitere Orientierung des Fördersystems sowie die auf den langfristigen Leistungsaufbau ausgerichtete Strukturierung und Spezialisierung der Trainertätigkeit in den 80er Jahren

Die Auswertung der Olympischen Spiele 1980 und 1984 bekräftigte die Schlussfolgerung, die für den Leistungssport bewährte Strategie in ihren zwei Hauptrichtungen planmäßig fortzuführen. Die Optimierung des Systems und eine erhöhte Effektivität in allen Bereichen standen dabei im Mittelpunkt.
Besonders in der ersten Hälfte der 80er Jahre vollzogen sich wichtige Entscheidungen und Veränderungen auf dem Gebiet des Trainerwesens. Sie betrafen den weiteren Einsatz von Trainern in der 1. Förderstufe, die Bildung von einheitlich strukturierten Trainerräten, den Einsatz von Chefverbandstrainern in allen geförderten olympischen Sportarten, die Neubestimmung der Tätigkeits- und Funktionsmerkmale der Trainer wie auch die Erweiterung der ideellen und materiellen Stimulierung.
Übergreifend rückten dabei drei Aufgaben in den Vordergrund:
Die Heranbildung von einer zunehmend größeren Zahl von Spitzentrainern, die sich durch höchstes fachliches und pädagogisches Können auszeichnen und denen es über einen längeren Zeitraum gelingt, immer wieder Sportler neu zu Weltspitzenleistungen zu führen. Als Vorbilder wirkten in diesem Sinne solche Trainerinnen und Trainer wie Jutta Müller, Inge Wischnewski (Eiskunstlauf), Hans Eckstein, Jörg und Hertha Weißig (Rudern), Erich Drechsler, Klaus Wübbenhorst, Lothar Hillebrand (Leichtathletik), Marlies Grohe, Norbert Warnatsch (Schwimmen), Gerd Völker, Heiner Rothe (Wasserspringen), Dietmar Hötger (Judo), Gerd Müller, Heiko Salzwedel (Radsport), Paul Borowski (Segeln), Klaus Langhoff, Klaus Miesner (Handball), um nur einige zu nennen.
Die Bildung von Trainerkollektiven, die über hohe Leistungsmaßstäbe, eine kritisch-schöpferische Arbeitsatmosphäre und über die Fähigkeit verfügen, gemeinschaftlich zu arbeiten und Erfahrungen miteinander auszutauschen.
Die Förderung eines notwendigen Spezialistentums unter den Trainern, das sie in ihren Sportarten bzw. Sportdisziplinen befähigt, in der jeweiligen Förderstufe eine erfolgreiche Arbeit zu leisten und so zum Gesamterfolg des Leistungssports beizutragen (Vgl. Röder:www.sport-ddr-roeder.de).
Das zahlenmäßig starke Wachstum der Trainer in den verschiedenen Förderstufen führte in den 70er und 80er Jahren immer mehr zu unterschiedlichen Trainergruppen mit differenzierten Arbeitsprofilen. Ab 1983/84 arbeiteten in fast allen olympisch geförderten Sportarten Chefverbandstrainer. Ihre Aufgabenstellung ergab sich vorrangig aus dem langfristigen Trainings- und Leistungsaufbau und der Verantwortung für die Planung und Umsetzung des sich daraus ergebenden Gesamtkonzeptes gemeinsam mit den Verbandstrainern und Trainern der jeweiligen Sportart.

In den Sport- und Fußballclubs standen die Cheftrainer der Sektionen an der Spitze ihrer oft großen Trainerkollektive. So waren z.B. im Sportclub DHfK Leipzig 18 Trainer im Sportschwimmen und 26 Trainer in der Leichtathletik tätig. Die Cheftrainer fungierten zunehmend als politische und fachliche Leiter dieser hochqualifizierten Kollektive. 95% aller in der 3. und 2. Förderstufe tätigen Clubtrainer wiesen zu dieser Zeit einen Hoch- oder Fachschulabschluss auf. In der 1. Förderstufe trugen die Bezirkstrainer als Mitarbeiter der Bezirksvorstände des DTSB die fachliche Verantwortung für die in den Kreisvorständen angestellten Trainer in den TZ. Im Kreisvorstand Berlin-Marzahn arbeiteten, um auch hier ein Beispiel anzuführen, in 9 Trainingszentren insgesamt 20 Trainer. Von den Trainern der 1. Förderstufe waren damals 63% Hoch- und Fachschulabsolventen. Sie wurden von etwa 9.000 Übungsleitern, die auf das Training von Kindern in ihrer Sportart spezialisiert waren und dafür eine Übungsleiterausbildung in den Stufen 3 oder 4 nachwiesen, tatkräftig unterstützt.
Für die 1. Förderstufe bestand das Ziel, in jedem Trainingszentrum mindestens einen hauptamtlich arbeitenden Trainer einzusetzen. Neben diesem Schwerpunkt wurden in den achtziger Jahren auch verstärkt Trainer für die Entwicklung der vom IOC neu in das Olympische Programm aufgenommenen Sportarten und Frauendisziplinen benötigt. Außerdem kam der wissenschaftlich-technischen Unterstützung des Wettkampf- und Trainingsprozesses immer mehr Bedeutung zu. Trainingsanalysen, leistungsdiagnostische Untersuchungen und die ersten Schritte hin zu einem parameterorientierten und computergestützten Training erforderten den Einsatz von Trainingsmethodikern und Spezialisten ohne Verantwortung für eine eigene Sportlergruppe. Auch unter diesen Aspekten wiesen die Leistungssportbeschlüsse vom Dezember 1980 und 1984 wiederum hohe Zuwachsraten an Trainerplanstellen auf. Für den Olympiazyklus 1981 bis 1984 waren es 800 und für den Zyklus 1985 bis 1988 400 Planstellen. Damit konnte erreicht werden, dass in der 1. Förderstufe annähernd gleich viel Trainer wie in der 2. und 3. Förderstufe tätig waren. Im Jahr 1988 verfügte der DTSB, einschließlich der Armeesportvereinigung und der Sportvereinigung Dynamo, über insgesamt 4661 Trainerplanstellen. Sie verteilten sich nach Angaben von Helmut Horatschke folgendermaßen auf die einzelnen Trainergruppen:

 

Verbandstrainer          

 129

Trainer in den Wissenschaftlichen Zentren der Sportverbände 

119

Trainer in den Sport- und Fußballclubs                 

1.985

Fußballtrainer in Betriebssportgemeinschaften             

 40

Bezirkstrainer     

 177

Trainer in den Trainingszentren         

1.977

Trainer in nichtolympischen bzw. in nicht
schwerpunktmäßig geförderten Sportarten 

 97

Trainerassistenten    

 100

Erzieher in den Sportclubs auf Trainerplanstellen 

19

Planstellenreserve

  18

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diese Zahlen widerspiegeln eindrucksvoll die seit der Gründung der DDR anhaltende breite Unterstützung des Sports, des Leistungssports und mit ihm der Berufsgruppe der Trainer durch den Staat. Nicht nur wegen seiner großen internationalen Ausstrahlung und politischen Wirkung wurde der Leistungssport so breit und so kontinuierlich gefördert. Der Leistungssport hatte gewichtige, nach innen auf die Bevölkerung und besonders auf die Kinder und Jugendlichen gerichtete Funktionen. Körperkultur, Sport und Leistungssport sollten Teil einer kulturvollen Lebensweise, eines vielfältigen olympischen Alltags sein.

Der Sport verfügte dafür in der DDR über ein erfolgerprobtes System mit vielen Tausenden von Sportlern, Übungsleitern, Trainern, Sportlehrern, wissenschaftlich-technischen Kräften und Leitern, die mit ihrer Arbeit und ihren Erfolgen auch immer wieder bewiesen hatten, dass sie die vom Staat und Regierung erhaltenen Mittel und Möglichkeiten mit hoher Effektivität zum Nutzen des Sports anzuwenden verstanden.
In der ersten Hälfte der achtziger Jahre vollzogen sich auch wesentliche Veränderungen bei den Trainerräten. Der Ausbau der drei Förderstufen mit ihren vier Ausbildungsetappen und die in den 70er Jahren in einer Reihe von Sportverbänden entstandenen Ausbildungskollektiven und Steueraktive erforderte zunehmend eine Neuordnung der bewährten Form der Trainerräte. Zu ihrem einheitlichen inhaltlichen Schwerpunkt wurde der langfristige Trainings- und Leistungsaufbau vom Grundlagentraining bis zum Hochleistungstraining in der betreffenden Sportart mit den damit verbundenen vielschichtigen Aufgaben der Erarbeitung, Beratung und Bestätigung von Trainingskonzepten und- analysen. Einen weiteren Schwerpunkt bildeten der organisierte Erfahrungsaustausch und die Fortbildung der Trainer. Die Trainerräte standen künftig unter der Leitung der Chefverbandstrainer. Ihnen gehörten, neben den Verbandstrainern, die Cheftrainer der Clubsektionen, der Verbandsarzt sowie die Leiter des Wissenschaftlichen Zentrums und der sportartspezifischen Forschungsgruppe an. Für die einzelnen Ausbildungsetappen entstanden Unterkommissionen, in denen erfahrene Nachwuchstrainer zusammengeführt wurden. Auf diese Weise waren Hunderte von Trainern am Erfahrungsaustausch, am Gewinn neuer Erkenntnisse sowie an der Ausarbeitung der trainingsmethodischen Programme in ihren Sportverbänden beteiligt. Durch ihre akademische Aus- und Weiterbildung an der DHfK hatte die große Mehrheit der Trainer eine positive Grundeinstellung zur Sportwissenschaft und zur Wissenschaft insgesamt gewonnen. Ihnen war der starke Einfluss der Wissenschaft als „produktive Kraft“ bei der Vorbereitung von Höchstleistungen durchaus bewusst. Dennoch gab es auch oftmals ein passives Verhalten zu den Arbeitsergebnissen der Wissenschaftler und Forscher. Die sich verstärkt entwickelnde sportartspezifische Forschung, Leistungsdiagnostik, Geräteentwicklung und vor allem die Erarbeitung von individuellen trainingsmethodischen Bestlösungen verlangten zwingend die aktive Mitarbeit der Trainer wie der Athleten in Kooperation mit den Wissenschaftlern. Trainer mussten lernen, dass sie nicht schlechthin Wissenschaft brauchen, sondern dass sie sie selbst gebrauchen und nutzen. Trainer wie Karl Hellmann (Leichtathletik), Gottfried Legler (Schlittensport) oder Dieter Hofmann (Gerätturnen) waren Wegbereiter auf diesem Weg. Sie verknüpften in gewissem Maße ihre Tätigkeit als Trainer mit der des Forschers. Trainer erarbeiteten eigenständig oder gemeinsam mit Wissenschaftlern Publikationen, übernahmen einzelne Lehrveranstaltungen oder schlossen eine Promotion ab. Besonders in den 80er Jahren entstanden Formen und Methoden der Gemeinschaftsarbeit zwischen Trainern, Sportwissenschaftlern, Sportmedizinern, Entwicklungsingenieuren und weiteren Fachkräften, die ihr Wissen und ihre Arbeitsergebnisse bündelten und sie erfolgreich für sportliche Höchstleistungen der Athleten zur Wirkung brachten. Bei den Olympischen Spielen 1988 in Calgary und Seoul zeigte sich erneut, dass der Leistungssport der DDR für die Herausforderungen im internationalen Sport gut gerüstet war. Die Sportler der Olympiamannschaften der DDR erzielten nach Siegleistungen, Medaillen und Punkten (für die Plätze 1 bis 6) das bislang beste Resultat und platzierten sich jeweils auf dem 2. Rangplatz einer Nationenwertung. Für die bevorstehenden Olympischen Spiele in den 90er Jahren bestanden solide, weitere Erfolge versprechende Ausgangspositionen.
Sie wurden durch die politische Implosion der DDR und die 1989/90 eingeleitete Wende zunichte gemacht. Binnen weniger Monate wurde das über Jahrzehnte gewachsene, erfolgreiche Leistungssportsystem zerstört.

Viele Hunderte von Trainern verloren ihre berufliche Tätigkeit.
Sie landeten in der Arbeitslosigkeit oder fanden in anderen Berufszweigen eine neue Arbeit oder gingen in den Vorruhestand.
Das war oftmals mit schwierigen, existenzbedrohlichen Entscheidungen, Veränderungen und Schicksalsschlägen verbunden. Presseangaben zufolge fanden nach 1990 von den über 4.000 ehemals im DTSB angestellten Trainern ca. 600 im Deutschen Sportbund (DSB), in seinen Landessportbünden und in Sportvereinen eine vollberufliche Beschäftigung. Etwa 70 hochqualifizierte Trainer, zumeist Verbands- und Auswahltrainer mit ausgeprägten Fach- und Führungsqualitäten, gingen ins Ausland, da man ihnen in Deutschland im Sport keine Beschäftigungsmöglichkeit bot. Mangelnde Finanzmittel, Stasi- oder Dopingvorwürfe dienten dabei oft nur als Vorwand, um fachkompetentere Trainer als Konkurrenten zu alteingesessenen Fachkräften in gesicherten Beschäftigungsverhältnissen auszuschalten. Zwei Meinungsäußerungen von ehemaligen Spitzentrainern des DDR-Sports sprechen für sich: So äußerte der mehrfache Olympiasieger und Kanu-Weltmeister, der Verbandstrainer Rüdiger Helm, auf die Frage eines Journalisten, warum für ihn 1990 kein Platz im bundesdeutschen Kanuverband gewesen sei: „Da wurden nach dem Ende der DDR Pfründe neu verteilt und auch persönliche Rechnungen beglichen. Die haben mir ganz klar gesagt: Ihr habt den Krieg verloren, mit Dir arbeiten wir nicht zusammen. Basta.“ (Neues Deutschland vom 30./31.12.2006, S.13). Wolfram Lindner, von 1970 bis 1990 erfolgreicher Verbandstrainer Straßenradsport im DRSV, schrieb in einem Erfahrungsbericht: „Nach der 1990 vollzogenen deutschen Einheit fungierte ich als Bundestrainer. An die Erstellung eines modernen Konzeptes, ausgerichtet auf die neuen Strukturen, war jedoch nicht zu denken. Es herrschte im Westen gegen alles was aus dem Osten kam, Misstrauen und Ablehnung. Das gut ausgebildete und trainierte Sportlerpersonal aus den neuen Bundesländern führte zu Euphorien mit kurzer Dauer, denn in den alten Bundesländern waren die Strukturen schwach und die Trainer schlecht ausgebildet. Die Bundestrainerseminare, die ich besucht habe, versetzten mich zurück in die 60er Jahre, als ich das Niveau eines Übungsleiters der Stufe IV besaß. Die im Leistungssport des DSB herrschenden Ideologien und die Verfahrensweisen ließen mich trotz zweier erfolgreicher Jahre zu dem Schluss kommen: Das ist nicht mehr meine Welt, das musst du dir nicht mehr antun.“ (Lindner, Wolfram: Berufsausklang: Trainer im Iran, in: Schriftenreihe Sport. Leistung. Persönlichkeit. (GNN-Verlag Schkeuditz, 2005, S.13).
Ein gewaltiges geistiges Potential ging durch politische Arroganz, fehlenden Willen und Mut und aus sportfachlicher Inkompetenz für immer verloren. Warnende Hinweise gab es auch von ehemals Verantwortlichen des Sports in der BRD. Umso bemerkenswerter sind die Erfolge von Athleten, die aus der Schule des DDR-Sports hervorgegangen sind, bei Olympischen Spielen und internationalen Meisterschaften nach 1990. Bei den Sommerspielen von 1992 bis 2004 gewannen sie annähernd zwei Drittel der Goldmedaillen und über 55 Prozent aller Medaillen der deutschen Olympiamannschaften. Die an der DHfK in Leipzig ausgebildeten Diplomsportlehrer/Trainer hatten daran maßgeblich Anteil.

Tabelle:

Qualifikation der verantwortlichen Trainer/-innen der deutschen Medaillengewinner bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen und 2006 in Turin (aus: Artikel Gienger, Eberhard in: Leistungssport, Heft 3/2008, S. 10).

 

Qualifikation   

Turin 2006

Athen 2004

Gesamt

Prozent

DHfK-Diplom  

 6

 16

22

36,7%

Diplom-Trainer TA Köln

5

8

 13

21,7%

Diplom-Sportlehrer/-Wissenschaftler

 0

 4

 4

 6,7%

Diplomsportlehrer und Diplomtrainer

2

 1

 3

5,0%

Sportlehrer Lehramt 

1

1

2

3,3%

Berufsreitlehrer 

0

 2

2

 3,3%

Trainer mit A-Lizenz

 2

10

 12

20,0%

Trainer mit B-Lizenz

0

1

1

1,7%

Trainer ohne Lizenz

0

1

1

1,7%

Gesamt

16

44

60

100%

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Versuch eines Vergleiches zur Stellung des Trainers in der BRD

Das hier dargestellte Bild vom Trainerwesen und vom Beruf des Trainers in der DDR regt zu einem Vergleich zur Stellung des Trainers im heutigen deutschen Sport an. Ein derartiges Unterfangen ist jedoch aus verschiedenen Gründen schwierig. Zu unterschiedlich waren bzw. sind die gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen Trainer in der DDR arbeiteten zu jenen im Sport der heutigen BRD. Auf der einen Seite, die durch den sozialistischen Staat und eine einheitlich strukturierte Sportorganisation sozial gesicherte, anerkannte Position des Trainers, der in der Regel über eine Hochschul- oder Fachschulausbildung verfügte und auf der Basis einheitlicher Grundaufgaben vollberuflich arbeitete. Andererseits: Haupt-, neben- und ehrenamtlich tätige Trainer in teilweise sehr unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern und Beschäftigungsverhältnissen, die zum Teil durch den Sport, durch den Staat sowie durch Wirtschaft und Sponsoren aller Art getragen werden. Das macht die gesellschaftliche Stellung, die Tätigkeit und Vergütung der Berufsgruppe der Trainer in vieler Hinsicht von den „Spielregeln des freien Marktes“ abhängig. Die Bundesrepublik unterstützt in ihrer neoliberalen Politik und Sportpolitik diese ausufernde Vermarktung des Leistungssports und leistete in den zurückliegenden Jahren kaum etwas, um die Situation der Trainer im Sport aufzuwerten und die Finanzierung von Trainern wesentlich zu erweitern. So blieb beispielsweise die Anzahl der durch den Bund finanzierten Bundestrainer seit 20 Jahren (von 1989 bis 2008) fast gleich. Erst jetzt, nach den Olympischen Spielen 2008, kam es zu einer Aufstockung um 40 zusätzliche Bundestrainerstellen.
Auch die in erheblichem Maße vorhandene Ungleichheit zwischen den Sportarten erschwert eine sachliche und detaillierte Beurteilung der Situation des Trainers im heutigen deutschen Sport. Zwischen den Trainern und ihrem Status im Fußball und im Eishockey und jenen im Wasserball, Volleyball oder im Ringen bestehen bekanntlich ganz erhebliche Unterschiede. Diese Situation macht es umso mehr erforderlich, dass wir uns bei dem Versuch, die aktuelle Lage der Trainer im heutigen deutschen Sport zu bewerten, auf Aussagen und Veröffentlichungen von im Sport der BRD tätigen Funktionären, Trainern, Wissenschaftlern und Journalisten stützen.
Versucht man auf dieser Basis eine Art von Gesamtbewertung zu finden, so kommt man zu der Feststellung, dass die Lage der Trainer im Sport weitestgehend kritisch beurteilt wird. So schreibt der renommierte Sportwissenschaftler und Sportfunktionär, Helmut Digel, in einer Betrachtung „Zur Situation des olympischen Sports in Deutschland“:
„Die Zukunft des Trainerberufs ist nur unzureichend gesichert. Sehr viel kritischer als die Situation der Athleten stellt sich uns die Situation der Trainer dar. Der Berufsstand des Trainers wird von einer erheblichen sozialen Ungleichheit geprägt.

Von einer akzeptablen Professionalität sind die Beschäftigungsverhältnisse der Trainer in den meisten olympischen Sportarten meilenweit entfernt. Der Trainerberuf zählt auf diese Weise zu den riskantesten Berufen in Deutschland, wobei seine Entlohnung meist völlig unzureichend ist.“
Der Autor begründet sein kritisches Urteil mit einer Reihe von Fakten, wie z.B.: 55,5 Prozent der Trainer haben ein monatliches Bruttoeinkommen von 3.000 Euro oder weniger, etwa ein Viertel aller Trainer im Spitzensport arbeitet auf Honorarbasis, ihr monatliches Honorar liegt bei 400 Euro, fast alle Trainer mit einem befristeten Arbeitsverhältnis haben ein sogenanntes „Kettenarbeitsverhältnis“, lediglich 12,9 Prozent der Trainer sind Frauen. Digel beschließt sein düsteres Resümee: „Das dieser Beruf nur selten oder gar nicht zu den beruflichen Wünschen junger Menschen zählt, kann angesichts dieser Verhältnisse kaum überraschen“ (Ebenda, S. 6). Zu ähnlichen Einschätzungen kommt auch der Sportausschuss des Bundestages, der sich auf seiner Sitzung am 21. Januar 2009 mit der „Situation von Trainern im deutschen Spitzensport“ befasste. In der entsprechenden Internet-Meldung des Bundestages heißt es: „Schlechte Bezahlung, kurzfristige Arbeitsverträge und Mängel bei der Aus-und Weiterbildung: Die Situation der Trainer von deutschen Spitzenathleten ist unbefriedigend. In diesem Punkt waren sich Abgeordnete und Experten... einig. Eine kurzfristige Lösung des Problems konnten jedoch weder die Vertreter der Sportwissenschaften noch jene des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) präsentieren. Zu komplex, so die Experten, sei die Materie.“ (www.bundestag.de/aktuell/hib/2009-017/02) Der Tübinger Sportsoziologe Thiel, der eine Studie zum „Berufsfeld Trainer“ durchführte, bezeichnete die Aufgaben eines Trainers, der heute „kein Übungsleiter mehr ist“ als „vielschichtig und vielfach unklar“. Er erklärte vor dem Ausschuss, „die größte Baustelle des deutschen Spitzensports ist die Situation des Trainers“. Auch der für den Leistungssport im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zuständige Vizepräsident, Eberhard Gienger, beurteilt die Situation der Trainer kritisch. So forderte er bereits 2006: „Wir müssen den Trainerberuf endlich attraktiver und gesellschaftsfähiger machen ... beispielsweise mit öffentlicher Anerkennung durch einen Trainerpreis, mit Prämiengestaltung, mit der Vertragsgestaltung. Dann wollen wir die Trainerakademie attraktiver machen und überlegen, wie können wir den Einstieg ins Berufsleben gewährleisten, wenn die Ausbildung abgeschlossen ist“ (www.dosb.de) Interview DOSB-Vizepräsident Leistungssport, Eberhard Gienger vom 26.06.2006).
Besonderer Nachholbedarf besteht auf dem Gebiet der Traineraus- und Weiterbildung. Als „Kompetenzzentrum für die Traineraus- und Fortbildung“ des DOSB bildet die seit 1974 bestehende Trainerakademie in Köln seit Jahren Bewerber im Direktstudium sowie in berufsbegleitenden Studiengängen zum Diplomtrainer des DOSB aus. Diese Ausbildung an der Kölner „Akademie“, die jedoch keine akademische Einrichtung ist, dauert eineinhalb (Direktstudium) bzw. drei Jahre. Die Prüfungen werden zwar staatlicherseits durch das Land Nordrhein Westfalen anerkannt, das Studium führt aber nicht zu einem akademischen Abschluss. Nun regte DOSB-Präsident, Dr. Bach, im Dezember 2008 an zu prüfen, „ob der hohen Komplexität des Trainerberufs durch eine universitäre Ausbildung Rechnung getragen werden muss“ (Bach, S.3). Ein Anstoß über den in der BRD bereits seit einiger Zeit diskutiert wird und der vergleichsweise in der DDR bereits in den Anfangsjahren der DHfK entschieden wurde. Bleibt abzuwarten, ob und wann eine spezialisierte Hochschulausbildung für Trainer in der BRD möglich sein wird. Übrigens: Die 1990 zur Abwicklung verurteilte DHfK hätte über alle erforderlichen wissenschaftlichen, organisatorischen und materiellen Voraussetzungen verfügt, um diese Aufgabe in höchster Qualität zu lösen.

 

Verlassen wir diese „Baustelle des deutschen Spitzensports“ ohne klar ersichtlichen Bauplan und versuchen wir, uns aus diesen und anderen Veröffentlichungen einen eigenen Standpunkt zu bilden.

 

Vier Punkte erscheinen wichtig:
- Die vom DSB bzw. DOSB, seinen Verbänden und Vereinen mit Unterstützung durch die Bundesregierung in den vergangenen Jahren betriebene Vermarktung des Leistungssports hat in Bezug auf die Trainer zu sehr unterschiedlichen Tätigkeits- und Beschäftigungsverhältnissen geführt. Sie reichen von den über das Bundesinnenministerium finanzierten Bundestrainern (1989-127) und Honorartrainern (1989-ca.390), über die haupt-, neben- und teilweise auch ehrenamtlich tätigen Trainer in den Stützpunkten und Sportvereinen und die bei der Bundeswehr, der Bundespolizei und dem Zoll beschäftigten Trainer bis hin zu denen im Profisport. Der gestiegene Einfluss von Wirtschaft, Medien, Werbung, Sponsoren und Managern verstärkte nicht nur die Ungleichheit der Entwicklungsbedingungen zwischen den Sportarten, sondern begünstigte auch sozial sehr ungleiche Beschäftigungsverhältnisse und die Gefahr einer inhaltlichen Einflussnahme auf die Tätigkeit von Trainern.

- Diese Voraussetzungen sowie das Fehlen eines ausgereiften, prozessorientierten Ausbildungs- und Fördersystems in der Mehrzahl der Sportarten behindern offensichtlich auch eine für den Trainer und für Trainergruppen allgemein gültige Definition ihrer Grundaufgaben und Persönlichkeitsanforderungen. So können Aufgaben und Anforderungen je nach Arbeitsbereich und Anstellungsbedingungen in der Sportpraxis sehr unterschiedlich sein und zum Teil einen hohen Anteil von organisatorischen Verpflichtungen beinhalten, die vorrangig Aufgaben eines professionellen Managements im Leistungssport sind.

- Die soziale Stellung, die berufliche Tätigkeit und die materielle Vergütung des Trainers werden in hohem Maße auch davon beeinträchtigt, dass eine Hochschulausbildung von Trainern im Sport und eine obligatorische Fortbildung auf Hochschulniveau nicht als eine grundlegende Voraussetzung für eine qualifizierte, wissenschaftlich fundierte Tätigkeit des Trainers angesehen, gefordert und gewährleistet werden.

- Auch nach fast zwanzig Jahren bestehen in der öffentlichen Bewertung, in der arbeitsrechtlichen Absicherung und finanziellen Vergütung zwischen den Trainern aus den neuen und aus den alten Bundesländern immer noch ungerechtfertigte Unterschiede. Die Trainer aus den neuen Bundesländern verfügen oft über Arbeitsverträge mit nur kurzfristigen Laufzeiten, sogenannten Mischfinanzierungen und geringen Bruttoentgelten, obwohl sie zumeist über eine Hochschulausbildung verfügen und über Jahre Spitzenathleten betreuen. Änderungen sind dringend angebracht. Oft wird diesen erfolgreich arbeitenden Trainern nicht die berechtigte Anerkennung und das erforderliche Vertrauen durch die im deutschen Sport Verantwortlichen entgegengebracht. Und zwar auch dann, wenn sie wie der Chemnitzer Eiskunstlauftrainer, Ingo Steuer, der Berliner Leichtathletiktrainer, Werner Goldmann, oder der Bundestrainer im Biathlon, Frank Ullrich, mit dem Abstand vieler Jahre öffentlich angegriffen und aus ihrer beruflichen Tätigkeit gedrängt werden sollen. Man vermisst hier eine eindeutige Position der verantwortlichen Funktionäre des Sports, mit der sie sich hinter diese sowie generell hinter alle im DOSB tätigen Trainer stellen und deren Ansehen stärken. Auch das würde dazu beitragen, die gesellschaftliche Stellung und die Autorität des Trainers im Sport der BRD nachhaltig zu erhöhen.

 

Die mangelnde Anerkennung und Förderung des Trainers und des Trainerberufes im heutigen deutschen Sport ist in der Tat ein vielschichtiges Problem. Es soll und darf nicht den Blick davor verstellen, dass es in allen Bereichen viele Trainer gibt, die hoch motiviert und erfolgreich mit ihren Athleten und Mannschaften um hohe sportliche Leistungen kämpfen.

Die seit 2005 vom DOSB verkündete „Traineroffensive“ führte bislang offensichtlich nur zu geringen Fortschritten. Sie trägt mit hoher Wahrscheinlichkeit nur dann zu einer Veränderung der kritischen Situation bei, wenn sie mit wesentlichen strukturellen Veränderungen verbunden wird. Die seit drei Jahren vorgenommene Auszeichnung „Trainer des Jahres“ ist für die Aufwertung der Tätigkeit der Trainer in der Öffentlichkeit sicherlich von Nutzen. Sie besitzt jedoch vor allem symbolischen Wert. Erfreulich ist: Neben dem verdienstvollen Handballtrainer, Heiner Brand, kommen zwei der bisher geehrten Trainer des Jahres – Raimund Bethge (Bobsport) und Rolf-Dieter Amend (Kanurennsport) – aus der erfolgreichen Schule des Sports der DDR.

 


Quellenverzeichnis:
- Anordnung über das Trainerwesen, in: Gesetzblatt der DDR, Teil I,1958, Nr. 25
- Autorenkollektiv: Geschichte des DDR-Sports, Spotless-Verlag, Berlin 2002
- Bach, Thomas: Rede anlässlich der 4. Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes am 6. Dezember 2008 in Rostock-Warnemünde, S. 3
. Digel, Helmut: Zur Situation des olympischen Sports in Deutschland, in Newsletter der Trainerakademie, Dezember 2008, S. 5.u. 6
- Gienger, Eberhard: Zur Zukunftsfähigkeit der Spitzensportförderung in Deutschland, in: Leistungssport, Heft 3/2008, S. 9-10
- Grundlinie der weiteren Entwicklung der Kinder-und Jugendsportschulen bis zum Jahre 1980, SAPMO, Dy/30/JIV 2/3, Bl.20-40
- Horatschke, Helmut: Persönliches Archiv
- Horatschke, Helmut: Sydney und die Deutschen, Beiträge zur Sportgeschichte, Heft 12/2001, S.14 sowie Heft 19/2004, S.12
- Internetmeldung des Deutschen Bundestages vom 21.1.2009, (www.bundestag.de/aktuell/hib/2009-017/02)
- Interview: DOSB-Präsident Leistungssport, Eberhard Gienger vom 26.6.2006 (www.dosb.de)
- Köhler, Thomas: Interpretation einer Zeitungsmeldung, in: Der Sport-Senior, 45.Ausgabe, Februar 2009, S.3
- Ledig, Rudolf: Die Kinder-und Jugendsportschulen in der DDR, Beiträge zur Sportgeschichte, Heft 13/2001, S.9
. Lindner, Wolfram: Berufsausklang: Trainer im Iran, in: Schriftenreihe Sport. Leistung. Persönlichkeit.
- GNN-Verlag Schkeuditz, 2005, S.13
- Neues Deutschland vom 30./31.12.2006, S.13, Interview mit Olympiasieger Rüdiger Helm
- Nordmann, Lutz: Zum Stellenwert der Trainer im deutschen Spitzensport, Newsletter - Februar/März 2009 - der Trainerakademie Köln, S.2 bis 5
- Röder, Horst: Der Trainer als Erzieherpersönlichkeit im Leistungssport der DDR, Inauguraldissertation an der DHfK, Leipzig 1961
- Röder, Horst: Referat auf dem Lehrgang leitender Kader des Leistungssports in Kleinmachnow am 14.3.1983, unveröffentlichtes Material
- Röder, Horst: www.sport-ddr-roeder.de
- Rogalski, Norbert: Die Ausbildung von Trainern, in: Lehmann, Kalb, Rogalski, Schröter, Wonneberger

 (Hrsg.): Deutsche Hochschule für Körperkultur 1950, 1990, Meyer&Meyer Verlag, Aachen 2007
. Siebter Sportbericht der Bundesregierung, Drucksache 11/8459 vom 22.11.1990, S.22-45


DDR-Trainer, die nicht mehr gefragt waren und ihre Tätigkeit im Ausland aufnahmen:

Leichtathletik:

Eckehard Arbeit - Italien
Heinz Kadow - Südkorea
Werner Trelenberg - Österreich
Wolfgang Meier - Frankreich
Ronald Weigel - Australien
Siegfried Stark- -Österreich

Turnen:
Dieter Hofmann - Schweiz
Maxi Gnauck - Südafrika/Schweiz
Ulf Hoffmann - Frankreich
Roland Brückner - Schweiz

Schwimmen:
Wolfgang Richter - Spanien
Roger Pyttel - Spanien
Rolf Gläser - Österreich
Andrea Eife - Luxemburg
Heike Friedrich - Japan

Radsport:
Wolfram Lindner - Schweiz
Günter Lux - Österreich
Eberhard Meinel - Frankreich

Ringen:
Wolfgang Nitschke - China
Horst Rothert - Australien

Rudern:

Theodor Körner - Italien/Australien
Jürgen Grobler - Großbritannien
Hans Eckstein - Österreich
Elmar Antony - Österreich
Harald Jährling - Australien
Stefan Mühlenberg - Australien
Jörg Landvoigt - Italien
Bernd Merbach - Italien
Eberhard Mund - Frankreich
Inge Mund - Frankreich
Jörg Weißig - Belgien
Herta Weißig - Belgien
Jutta Behrendt - Norwegen
Hartmut Buschbacher - USA/China

Kanu:

Rüdiger Helm - Österreich
Hans-Jürgen Tode - Dänemark
Peter Bischof - Norwegen
Wolfgang Lange - Österreich

Boxen:
Bodo Andreaß - Australien

Fechten
Peter Kalisch - Schweiz

Judo
Udo Quellmalz - Großbritannien
Peter Herrmann - Australien

Schießen

Harald Vollmar - Schweiz

Fußball
Bernd Stange - Ukraine/Australien/Irak/Weißrußland
Eberhard Vogel - Togo
Gerd Struppert - Österreich
Eduard Geyer - Ungarn

Handball:
Paul Tiedemann - Österreich
Waldemar Pappusch - Österreich

Eiskunstlauf:
Uwe Kagelmann - Schweiz
Sonja Morgenstern - Italien

Ski:

Karl-Heinz Luck - Schweiz
Jochen Danneberg - Südkorea/Schweiz/USA
Joachim Winterlich - Bulgarien

Biathlon:
Kurt Hinze - Italien
Matthias Jacob - Schweiz
Klaus Siebert - Österreich

Schlittensport:
Walter Jentzsch - Italien
Klaus Bonsack - Österreich
Bernd Hahn - Schweden

Bobsport:
Horst Hörnlein . Großbritannien
Meinhard Nehmer - USA/Italien
Erich Enders - Italien
Bernd Möbius - Norwegen

 

 

 

 

Das Recht auf sportliche Betätigung
Von Erhard Richter

Im folgenden Beitrag sollen nicht die Ergebnisse bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften sowie die volle Breite des Sports in der DDR im Vordergrund stehen.
Betrachtet man den Sport der Kinder, der Sechs- bis Vierzehnjährigen, so war die DDR der alten BRD um Längen, nicht einholbar – auch heute nicht – voraus. Bereits fünf Monate nach der Gründung der DDR verabschiedete der Ministerrat der DDR im Februar 1950 ein Gesetz über die Teilnahme der Jugend am Aufbau der Deutschen Demokratischen Republik und die Förderung der Jugend in Schule und Beruf, bei Sport und Erholung (Veröffentlicht im Gesetzblatt Nr.15 vom 21. Februar 1950).
Unter anderem beschloss der Ministerrat den Aufbau einer Hochschule für Körperkultur und Sport in Leipzig, die inzwischen bedauerlicherweise den Abwicklern zum Opfer fiel, den Bau einer Sprungschanze in Aschberg-Mühleiten, den Ausbau der Sportschule in Bad Blankenburg, Sportstadien sollen in Cottbus, Frankfurt(O.), in Finsterwalde, Schwerin und Wismar gebaut werden. Hinzu kamen weitere Anlagen für Schwimmen, Eissport, Radsport und für andere Sportarten. Bekräftigt wurde die staatliche Förderung des Sports, besonders der jungen Generation, durch die Festlegung in der Verfassung der DDR, beschlossen am 6. April 1968. Das Recht auf Sport fand Verankerung in der Verfassung. Im Gegensatz dazu findet man im Grundgesetz der BRD keine einzige Formulierung über das Recht auf sportliche Betätigung. Schon hier beginnen zwei Welten.
Der Sportunterricht an den Schulen stand fortan im Zentrum des Kindersports. Ein wichtiger Schritt war dazu die Zentrale Kinder- und Jugendsport-Konferenz 1961 in Leipzig, die sich mit dem außerschulischen Sport (SSG) beschäftigte. Drei Wochenstunden Sportunterricht war das hochgesteckte Ziel. Es war allerdings auf Grund fehlender Sportanlagen nicht allerorts realisierbar. Schritt für Schritt gewannen die Schulsportgemeinschaften, überwiegend von ausgebildeten Sportlehrern, oft von Absolventen der DHfK oder anderen Hochschulen betreut, an Bedeutung. Unterrichtet wurde auf der Grundlage präzisierter Lehrpläne, abgestimmt auf Altersklassen und Sportarten. Anliegen des Sportunterrichtes war die allseitige körperliche Grundausbildung und die Ausprägung fundamentaler Bewegungsfertigkeiten.
Für Alan Pato n(1903-1988, südafrikanischer Schriftsteller, Lehrer und Apartheid-Gegner) galten Menschen als unausgebildet, wenn sie weder schwimmen noch lesen konnten.
Schwimmen – in der BRD spricht man heute von „Bewegung im Wasser“ – gehörte seit 1950 zum obligatorischen Sportunterricht und stand im Lehrplan der 4. bis 6. Klassen. Da es noch große Lücken an Schwimmbädern gab, wurde der Schwimmunterricht in die Sommermonate verlegt. Von Bedeutung waren auch die Schwimmlager, die von Betrieben, der FDJ, den Schulen und vom DTSB organisiert wurden.
Die 218-fache Nationalspielerin im Handball, Waltraud Kretzschmar, schrieb in dem Buch „Anders als erwartet“: „... es gab kaum übergewichtige Kinder – 97 Prozent aller Zehnklässler waren gute Schwimmer.“ Und weiter Waltraud Kretzschmar: „Die Kinder hungerten nicht in den Schulen, Drogenkonsum, Jugendkriminalität und Kinderarmut alles Fremdwörter für die DDR.“
Gab es in der DDR 1960 nur 52 Hallenbäder, so stieg die Zahl 1986 auf über 200. Der obligatorische und unentgeltliche Schwimmunterricht begann oft in der 3.Klasse. In den folgenden zwei bis drei Jahren wurden 60 Stunden erreicht. Neben Startsprung und Tauchübung sah der Lehrplan vorrangig das Brustschwimmen und das Schwimmen in der Rückenlage vor. Das erklärte Ziel war es, das Schwimmabzeichen des Schwimmsportverbandes (DSSV) abzulegen, was den meisten Schülern auch gelang. Von den Schulabgängern der 10.Klassen waren 97 Prozent Schwimmer, von den Abiturienten sogar 99 Prozent. Höhepunkte für den Kindersport waren die Schulspartakiaden sowie die Kreiskinder-und Jugendspartakiaden. Beteiligten sich 1965 321.000 Kinder und Jugendliche an den Kreisspartakiaden, so waren es 1989 über 920.000. Nicht wenige von den jungen Schulsportlern fanden auf Grund ihrer Leistungen den Weg zum Leistungssport. Die erste Stufe dazu war das Grundlagentraining in den 1.650 Trainingszentren des DTSB. Bei drei- bis fünfmaligem Training in der Woche holten sich 6.800 Kinder das Rüstzeug für die Aufnahme an die Kinder- und Jugendsportschulen, die 1990 verteufelt wurden, aber heute – wenn auch fast ergebnislos – als Sportgymnasium ihr Dasein fristen.

Überwiegend hatten die Trainingszentren eine gute materielle Ausstattung. Den jungen Gewichthebern in Schwedt standen z.B. drei Hebebühnen zur Verfügung. Selbst ein warmes Mittagessen konnte verabreicht werden. Drei Ruderzentren mit Wasserbecken sicherten in Schwedt das ganzjährige Wassertraining. Bedingungen, die heute kaum ein Leistungszentrum aufweisen kann. Zweifelsohne war in dieser planmäßigen sportlichen Betätigung der Kinder der gesunde Nachwuchs für den Leistungssport gesichert. Diese sportlichen Strukturen – wenn sie auch ansatzweise übernommen wurden – hätten dem Leistungsstand des heutigen Spitzensports in Deutschland ein besseres Gesicht gegeben.
Beliebt im Kindersport war naturgemäß die „Kleine Friedensfahrt“, bei der die Kinder ihren Vorbildern wie Täve Schur, Bernhard Eckstein, Manfred Weisleder, Klaus Ampler, Olaf Ludwig oder Uwe Raab nachjagten. Tischtennisturniere der Tausenden, Rollerrennen, Crossläufe, Schwimmwettbewerbe, Fußball- und Volleyballturniere, Reitturniere auf dem Lande gehörten vielerorts zum sportlichen Programm der Pionierorganisation, der FDJ, der Schulen und des DTSB. Das gemeinsame Sportprogramm vom November 1974, beschlossen vom FDGB, der FDJ und dem DTSB sicherte die breite Unterstützung, also auch die Wahrnehmung der Verantwortung für den Sport der Mädchen und Jungen. Mit Begeisterung übten sie in den Vorschul- und Kinderübungsverbänden, die anlässlich der Turn- und Sportfeste in Leipzig ihr Können präsentierten. Noch heute erinnern sich viele, inzwischen etwas älter geworden, gern an die Übungen und Auftritte im Zentralstadion von Leipzig. Folglich fanden Tausende Kinder den Weg in die Sportgemeinschaften des DTSB und nahmen an den Wettkämpfen, die die Sportverbände organisierten, teil. Überwiegend durch ausgebildete Sportlehrer, Trainer und Übungsleiter betreut. Heute unvorstellbar: Die Mitgliedsbeiträge für Kinder und Schüler betrugen 0,20 Pfennig, dazu der einmalige Aufnahmebetrag von 0,50 Pfennig. In diesem Beitrag war die kostenlose Nutzung der kommunalen und betrieblichen Sportanlagen, der Versicherungsschutz bei Sportunfällen, die 50 bis75-prozentige Fahrpreisermäßigung und die sportärztliche Untersuchung enthalten. Gegenwärtig werden in Deutschland Schwimmhallen geschlossen oder privatisiert mit stattlichen Eintrittspreisen. Schon dadurch wird ein Teil der Kinder vom Schwimmsport ausgeschlossen. Auch hier gilt der Grundsatz der kapitalistischen Gesellschaft „weil du arm bist, musst du draußen bleiben“ (auch früher sterben).
Völlig unterschiedlich in beiden deutschen Staaten war die medizinische Betreuung entwickelt. Im November 1953 beschloss der DDR-Ministerrat die sportmedizinische Betreuung, die jährlich mindestens eine Untersuchung durch einen Sportarzt sicherte. In allen Kreisen arbeiteten Kreissportärzte und betreuten in den Kreisen und Bezirken sportärztliche Beratungsstellen. 1971 erfolgte die staatliche Anerkennung als Sportarzt. Bis 1990 erwarben ca. 700 Mediziner nach einem fünfjährigen Studium die Facharztanerkennung. Diese Berufsgruppe ist im reichen Deutschland nicht erforderlich!!!
Ausgeprägt war auch das Zusammenwirken von Trainern, Sportlehrern und Sportärzten. Eine solide Basis für die Breite und die Leistung im Kindersport.
Ein Staat, der viel Engagement und materielle Grundlagen für den Kindersport aufbrachte, hat sich ein bleibendes Denkmal gesetzt, auch wenn Ketzer und Verleumder die DDR als Unrechtstaat bezeichnen.
Die DDR nahm sich das verfassungsmäßige Recht heraus, viel, wenn nicht alles, für gesunde Kinder zu tun.
Dies ist mehr wert als nur eine Fußnote in den Geschichtsbüchern.

 

 

Karl-Marx-Relief auf DHfK-Boden
Von Dr. Norbert Rogalski

Wie bekannt, trug die Leipziger Universität von 1953 bis 1991 den verpflichtenden Namen „Karl Marx“. Am Hauptgebäude der zwischen 1972 und 1975 neu errichteten Universitätsbauten, die wegen der Zerstörungen im 2.Weltkrieg durch angloamerikanische Bombenangriffe notwendig geworden waren, wurde 1974 ein Bronze-Relief mit der Kurzbezeichnung „Aufbruch“ angebracht, um dem Namen Karl-Marx-Universität auch optisch Ausdruck zu verleihen. Von den Künstlern Rolf Kurth, Klaus Schwabe und Frank Ruddikeit geschaffen, nannten sie das Monument berechtigt „Karl Marx und das revolutionäre Wesen seiner Lehre“. Generationen von Studenten aller Hochschuleinrichtungen der Stadt, die Leipziger Bürger, Besucher und Touristen aus aller Welt betrachteten dieses Kunstwerk und wurden vielleicht auch von seiner Aussagekraft angeregt, über die im Kern noch heute gültigen Analysen von Marx über die kapitalistische Gesellschaft und seine Vorstellungen zur Veränderung hin zu sozialer Gerechtigkeit nachzudenken.
Als am 3.Oktober 1990 der Anschluss der DDR an die BRD vollzogen war, vergingen nur wenige Monate und die neuen politischen Kräfte der Stadt und des Senats der Universität verfolgten das Ziel, Karl Marx möglichst schnell aus dem Gedächtnis der Bevölkerung zu streichen. Aus der Karl-Marx-Universität wurde flugs wieder eine namenlose Universität, die Universität Leipzig, und der Karl-Marx-Platz hieß wieder Augustusplatz. Nun hing aber das 33 Tonnen schwere Marx-Relief nach wie vor am Hauptgebäude, für alle Besucher des Platzes sichtbar und konnte nicht in einer Nacht- oder Nebelaktion beseitigt werden. Außerdem würde seine Demontage 300.000 Euro kosten, die nach Mitteilung (LVZ v. 29.2.2008) der sächsischen Wissenschaftsministerin, Eva-Maria Stange, dafür nicht zur Verfügung gestellt werden sollten. So musste mehr als ein Jahrzehnt gewartet werden, bis im Zuge des geplanten Universitäts-Neubaus und dem damit verbundenen Abriss der bisherigen Gebäude das Marx-Relief entfernt werden konnte. Für antimarxistische Hartliner, besonders aus der CDU, aber auch aus Kreisen der SPD, der Kirchen und der sogenannten Bürgerrechtler aus Leipzig war die Präsens des Monuments und dem Blick von Marx auf den Augustusplatz stets ein Dorn im Auge. Als der Abriss feststand, ergab sich für die Leitung der Universität die Frage: Was soll aus diesem gewaltigen Bronze-Relief werden? Der genannte Personenkreis hegte nun die Hoffnung, das Karl-Marx-Relief auf diese Weise endgültig aus dem Bewusstsein der Menschen in Leipzig verbannen zu können und plädierte für ein Einschmelzen des Bronze-Materials. Der Senat der Universität, der sich berechtigt als Eigentümer des Reliefs verstand, spielte aber bei dieser extremen Forderung nicht mit und wollte eine andere Lösung. Die Vertreter gegen die Wiederaufstellung, die man berechtigt Bilderstürmer nennen konnte, zettelten gegen die Leitung der Universität, besonders gegen den Rektor, einen erbitterten und unsachlich geführten, öffentlich in der Leipziger Volkszeitung (LVZ) und im Internet ausgetragenen Meinungsstreit über zwei Jahre hinweg an. Obwohl in der Minderheit provozierten die „Einschmelzer“ mit dem Inhalt und Stil ihrer Verlautbarungen politisch-ideologische Feindbilder, die keine tragfähige Basis für einen korrekten Umgang mit der Geschichte und deren Bewertung darstellten.
Ideologische Vorreiter zur Vernichtung des Marx-Reliefs war Erich Loest, Leipzigs Ehrenbürger, der vor allem vom Ex-Pfarrer der Nikoleikirche, Christian Führer, dem CDU-Chef Leipzigs, Herrmann Winkler und den sächsischen SPD-Bundestagsabgeordneten Weißgerber und Fornahl assistiert wurde. Dazu ist auch der Thomaskirchenpfarrer, Christian Wolff zu zählen, der in der LVZ vom 25. Februar 2008 mitteilte, um ein Beispiel von ähnlichen Aussagen aus dem genannten Personenkreis zu zitieren, dass es sich bei dem Relief „um ein monströses Kampfinstrument des SED-Staates handele.“ Sinngemäß schrieb er weiter, es sei eingesetzt worden, um Diktatur und Bevormundung gegen die Freiheit des Wortes und der Kirche durchzusetzen. Nicht von ungefähr sei das Relief an der Stelle des Ostgiebels der 1968 auf Befehl Ulbrichts gesprengten Universitätskirche installiert worden. Es gäbe nur einen sinnvollen Ort für die Ablagerung, so Wolff weiter, das sei die Etzoldsche Sandgrube, die mit den Trümmern der zerstörten Universitätskirche gefüllt ist. Bemerkenswert dabei ist, dass sich auch der Oberbürgermeister der Stadt, Burkhard Jung (SPD), diesem Standpunkt anschloss und öffentlich verbreitete.
Die Mehrheit der Bürger aus allen Schichten der Bevölkerung sprach sich für einen objektiven Umgang mit der Geschichte in Leserbriefen aus und forderte, sich respektvoll gegenüber den Leistungen von Marx und dem Kunstwerk zu verhalten. In einer repräsentativen Befragung votierten 62 Prozent gegen ein Einschmelzen des Reliefs. Dazu zählten mehrfach auch Wissenschaftler der verschiedensten Fachgebiete, vorrangig Historiker, die nicht in jedem Fall Vertreter einer sozialistischen Gesellschaftsordnung waren. So trat z.B. der Professor für Kunstgeschichte der Universität Leipzig, Frank Zöllner, prinzipiell für den Erhalt des Monuments ein und bezeichnete das Relief als bedeutendes Denkmal der Zeitgeschichte. Letztlich hatten aber die leitenden Vertreter der Universität, Rektor und Senat, über den Verbleib des Marx-Reliefs zu entscheiden. Gegen alle verbalen Attacken blieben der Rektor, Prof. Dr. Häuser (seit 1992 an der Uni Leipzig tätig, seit 2003 Rektor, kam aus den alten Bundesländern) und – wie zu lesen war – auch die meisten Senatoren standhaft und beschlossen, das Marx-Relief (eben als Eigentum der Uni) auf dem Gelände der Universität wieder aufzustellen.
Da keine Mehrheiten für einen Standort in der Innenstadt und in der Nähe des neuen Universitätskomplexes zu erreichen waren, fiel die Entscheidung durch den Senats der Universität, das Marx-Relief auf dem Gelände der 1990/91 abgewickelten Deutschen Hochschule für Körperkultur (DHfK) zu platzieren, der jetzigen Fakultät für Sportwissenschaft, das nun Uni-Campus oder Sport-Campus an der Jahnallee genannt wird. Das war für ehemalige Mitarbeiter, aber auch für Leipziger Bürger und Sportfreunde, die sich mit dieser Hochschule auch im Rückblick eng verbunden fühlen, eine gewisse Überraschung und mit der Frage verbunden: Was mag den Senat wohl dazu bewogen haben? Kaum war dieser Standort in der Öffentlichkeit publik, kamen neue, aber auch bekannte alte Kräfte mit ihren Verleumdungen wieder aus der Deckung, wiederholten die Kampagne gegen das Relief, jetzt aber mit der DHfK und dem DDR-Sport in Verbindung gebracht. Nach ihrer Meinung wäre der Sport-Campus für die Aufstellung des Reliefs überhaupt nicht geeignet.
Einige wenige Zitate:

„Das neue Domizil des bronzenen Kommunismus-Erfinders ist allerdings historisch auch nicht ohne: Die Hochschule für Körperkultur war in der DDR die Zentrale des staatlichen Dopingsystems – ein weiteres Beispiel also für systematisches Unrecht in der ostdeutschen Diktatur.“ Noch deutlicher und feindseliger gegen den Sport in der DDR gerichtet, hieß es:
„Im Wettstreit der Gesellschaftsordnungen (ist) ein lückenloses System für sozialistische Leistungsmanipulation entwickelt (worden). In deren Mittelpunkt standen zum Beispiel auch die Deutsche Hochschule für Körperkultur (DHfK) sowie das ebenfalls in Leipzig beheimatete Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport (FKS). Die Universität Leipzig würdigt mit diesem Relief diese Stätte des historischen, wissenschaftlich-sozialistischen Dopingismus.“
Über diese Einrichtungen wurden damit bewusst Unwahrheiten in die Welt gesetzt und Verleumdungen verbreitet. Die gleichen lügenhaften Erfindungen über einen solchen Arbeitsgegenstand an der DHfK waren schon 1990/91 zu lesen und zu hören, was auch den
Sächsischen Landtag mit dazu veranlasste, einen Beschluss zur Abwicklung der DHfK zu fassen. Was den Senat mit dem Rektor an der Spitze bewogen haben mag, gerade diesen Standort für die Aufstellung des Reliefs auszuwählen, ist nicht öffentlich verbreitet worden. Entscheidend ist, dass die Führungsspitze der Uni während der gesamten Zeit, die von den Attacken der Gegner geprägt war, bei ihrem Standpunkt geblieben ist und damit das Marx-Relief nicht völlig aus der Öffentlichkeit verbannt wurde. Einen Kompromiss musste sie aber noch eingehen, um das Vorhaben nicht scheitern zu lassen. Dem Relief wurden einige Sätze als nähere Erläuterungen und eine Bildfolge, beides in Edelstahl gegossen, gesondert vorangestellt. Darin wird das Monument fälschlicherweise mit der 1968 gesprengten Universitätskirche in Verbindung gebracht.

Am 17.Oktober 2008 wurde das Monument auf dem Sport-Campus mit den Worten von Prof. Dr. Häuser übergeben: „Die Universität bekennt sich zu ihrer Geschichte und stellt das Marx-Relief wieder auf... Das Kunstwerk ist ein zeitgeschichtliches Zeugnis, mit dem man sich aktiv auseinander setzen muss.“

In Anerkennung und Würdigung der großen theoretischen Leistungen von Marx hätte man sich einen würdigeren Platz für das Relief in Leipzig gewünscht. Das war die mehrheitliche Auffassung ehemaliger Angehöriger der DHfK und veröffentlichter Meinungen Leipziger Bürger. Da für einen anderen Standort entsprechend der politischen Wetterlage in der Stadt keine Mehrheit zu erreichen war, ist das Gelände der ehemaligen DHfK doch ein akzeptabler Kompromiss und auch nicht als abwegig zu betrachten. Warum? Die große Schar mit dem Sport verbundener Bürger, Sportfunktionäre, Sportwissenschaftler u.v.a., die mit der Materie theoretischer Grundlagen einer fortschrittlichen Körperkultur des gesamten Volkes vertraut sind, wissen um den Beitrag, den Karl Marx auch dazu geleistet hat. Deshalb gibt es auch einen direkten Bezug von Marx zu den Zielen und Inhalten und zur praktischen Gestaltung des Sports im engeren Sinne und zu den Formen körperlicher Bildung und Erziehung aller Altersstufen und Ausbildungsinstitutionen in der DDR. Marx hatte sich nicht vordergründig zu diesen Fragen geäußert, aber doch in bestimmten Publikationen recht prinzipiell und überzeugend. Er stellte eine allseitig denkende und schöpferisch handelnde Persönlichkeit in den Mittelpunkt seiner Gesellschaftstheorie. In dem Zusammenhang benannte Marx stets den Anteil der bewussten körperlichen Bewegungen, was er als Leibeserziehung oder Gymnastik bezeichnete. Die wohl bekannteste Aussage von Marx zu dieser Problematik lautet: „Die Verbindung der produktiven Arbeit mit Unterricht und Gymnastik ist nicht nur eine Methode der gesellschaftlichen Produktion, sondern als einzige Methode zur Produktion vollseitiger entwickelter Menschen.“ (Marx/Engels. Werke Bd. 23, Berlin Dietz Verlag 1971, S. 507).
Alle sportwissenschaftlichen Institutionen der DDR, vor allem aber auch die DHfK, haben sich im Prozess von Lehre und Forschung wiederholt mit dem philosophischen Gedankengut von Marx beschäftigt. In der 40-jährigen Geschichte der DHfK sind seine Geschichtsauffassung und die Anwendung der dialektisch-materialistischen Methode auch eine bedeutende Grundlage der wissenschaftlichen Arbeit auf allen Gebieten der Sportwissenschaft gewesen. So hat sich z.B. auch Prof. Dr. Kurt Meinel, der aus dem Vogtland stammte und viele Jahrzehnte als Sportpädagoge in Leipzig tätig war, bei der Ausarbeitung der theoretischen Grundlagen seiner Bewegungslehre bereits in den 50er Jahren auf Feststellungen von Marx beziehen können, die in der 1.Ausgabe des gleichnamigen, vielbeachteten Buches „Bewegungslehre“ nachzulesen sind. Leider haben seine Nachfolger in mehreren Nachauflagen der „Bewegungslehre“ den Bezug auf Marx weggelassen. In den 60er Jahren erschienen in Publikationsorganen der Sportwissenschaft der DDR längere Beiträge zum Thema „Karl Marx und die Körperkultur“, so u.a. von Nitschke/Kleine und
G. Oelschlägel. Weiter wäre das von der DHfK herausgegebene Standardwerk „Enzyklopädie Körperkultur und Sport“ zu nennen, in dem die Ideen von Marx zur körperlichen Ausbildung in Verbindung mit geistiger und polytechnischer Bildung und Erziehung im Sinne des o.g.
Zitats dargestellt und erörtert worden sind. Generationen von Studenten und des wissenschaftlichen Personals der Hochschule konnten sich berechtigt in ihren Arbeiten auch auf Marx berufen. Insofern gibt es für den jetzigen Standort auch eine inhaltliche Begründung, abgeleitet aus Aussagen seines philosophischen, schriftlichen Nachlasses.
In einer Leserzuschrift in der LVZ vom 8./9.3.08 hieß es: „Die Stadt Trier kann ganz wunderbar damit leben, dass sich Touristen vor dem Geburtshaus von Karl Marx fotografieren lassen und das Marx-Museum besuchen.“ So ist nicht auszuschließen, dass das Marx-Relief auf dem Gelände der DHfK, dem heutigen Sport-Campus, auch zu einer Gedenkstätte in Leipzig wird, wie zentrale Plätze in anderen Städten Deutschlands. Ehemalige Mitarbeiter, Absolventen und Sympathisanten dieser Hochschule können – wie die Bürger von Trier – auch gut damit leben. Es könnte von den Besuchern noch die Frage gestellt werden: „Was war das eigentlich früher für ein Gelände?“ Es ergäbe sich somit noch der Nebeneffekt, dass die DHfK damit gleichzeitig auch in Erinnerung bliebe.

Es befremdet außerordentlich, wenn sich Leipziger SPD-Funktionäre für ein Einschmelzen des Marx-Reliefs ausgesprochen hatten, wo ihnen bekannt sein müsste, dass das Marx-Museum in Trier von der SPD nahen Friedrich-Ebert-Stiftung und damit letztlich von der SPD-Zentrale finanziert wird. Unzählige Straßen in Deutschland tragen nach wie vor den Namen Karl Marx, so auch in dem nur drei km von Leipzig entfernten Markranstädt. Die Deutsche Bundespost gab 1968 eine Gedenkbriefmarke zum 150. Geburtstag von Marx heraus, wie die DDR ebenfalls. In Berlin, im Marx-Engels-Forum, ist die Skulptur von Marx und Engels eine beliebte Fotokulisse für Touristen. Und die Bürger von Chemnitz sehen bis heute den elf m großen Karl-Marx-Kopf, im Volksmund auch „Nischel“ genannt, auf einem gewaltigen Sockel im Stadtzentrum stehend, als das Wahrzeichen ihrer Stadt an und nennen sie oft „Stadt mit Köpfchen“.
In mehreren Gebäuden der ehemaligen DHfK ist seit Mitte der 90er Jahre die private Handelshochschule und die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Uni untergebracht. Sie werden als Elite-Hochschuleinrichtungen bezeichnet und bilden den Nachwuchs der zukünftigen sogenannten Top- oder Spitzen-Manager für die großen Wirtschafts- und Finanzunternehmen aus. Gegenstand ihrer Ausbildung ist mit Sicherheit auch, wie man im kapitalistischen Wirtschaftssystem maximalen Gewinn und Profit erzielt, sprich Kapital auf Kosten breiter Bevölkerungsschichten anhäufen kann. Nur ca. 30 m davon entfernt neben der Mensa steht jetzt das Marx-Relief. Vom größten Teil der Fenster der Arbeits- und Seminarräume dieser Institutionen kann man direkt auf das Monument blicken. Dem Lehrkörper und den Studierenden wird es also auch nicht schaden, wenn sie stets an Marx und damit an sein „Kapital“ erinnert werden. Als Pflichtlektüre oder Lehrgegenstand wird das „Kapital“ von Marx wahrscheinlich nicht aufgenommen werden. Das Relief erfüllt also an diesem Standort noch eine weitere, wohl nicht beabsichtigte Funktion. Gerade zu der Zeit, als diese Zeilen geschrieben worden sind, hatte wahrscheinlich die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise noch nicht ihren Höhepunkt erreicht. Das zwingt geradezu, auf die Analyse und Kritik der kapitalistischen Ökonomie von Marx und auf die Verursacher solcher Krisen, auf das leitende Personal der Konzerne und der Weltfinanzen und auf das System als Ganzes hinzuweisen. Zwei grundverschiedene Standpunkte gesellschaftlicher Praxis und theoretische Ansätze stehen sich nunmehr auf engstem Raum im Sport-Campus praktisch sinnbildlich gegenüber, einerseits die Schriften von Marx und andererseits die studentischen Ausbildungsprogramme der zukünftigen Eliten der kapitalistischen Produktionsweise und Finanzwirtschaft.

Als ich 1954 an der Arbeiter- und Bauern-Fakultät der DHfK immatrikuliert wurde, hörte ich den Namen Karl Marx zum ersten Mal. Einige Aufsätze von Marx und Engels wurden im Unterricht behandelt. Im anschließenden Sportstudium an der DHfK erfolgte dann die ystematische Aneignung wesentlicher Bestandteile des Historischen und Dialektischen Materialismus, der vor allem von Marx und Engels begründet und ausgearbeitet worden ist. Besonders intensiv haben wir uns als Studenten mit den Ursachen von Kriegen und mit dem Widerspruch von Arbeit und Kapital beschäftigt. Die theoretische Auseinandersetzung mit wesentlichen Schriften von Marx und Engels sowie weitere Einflüsse haben bei mir zu politischen Grundüberzeugungen mit Langzeitwirkung und zu der Auffassung geführt, dass man sich in den Turbulenzen der kapitalistischen Wirtschafts- und Finanzpraxis immer wieder an Aussagen von Marx erinnern sollte. Als das Marx-Relief nun trotz großer Widerstände des angeführten Personenkreises auf dem Boden meiner ehemaligen Hochschule als Student und meiner späteren langjährigen Arbeitsstelle im Jahre 2008 wieder aufgestellt wurde, schloss sich für mich nach 54 Jahren der Kreis der Beschäftigung mit Marx in einer nicht zu erwartenden Art und Weise.

 

 

 

 

 

 

 

Herausgeber:
Vorstand der Gesellschaft zur Rechtlichen und Humanitären Unterstützung e.V. (GRH e.V.)
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Spenden zur materiellen Unterstützung von Opfern der politischen Strafjustiz und zur Finanzierung weiterer humanitärer Tätigkeit der GRH e.V. werden erbeten auf das Konto der Berliner Volksbank Nr. 578 890 000 9, BLZ 100 900 00.

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