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Solidaritätskomitee für die Opfer der politischen Verfolgung in Deutschland |
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Die Bilanz der politischen Strafverfolgung in Deutschland nach 1990* |
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Nach dem Anschluss der DDR an die Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990 unterlagen 108.000 Funktions- und Verantwortungsträger der DDR sowie Bürger der Alt-Bundesrepublik und Westberlins, die als Kundschafter des Friedens tätig waren, in ca. 85.000 Verfahren als Beschuldigte oder Betroffene der politischen Strafverfolgung durch die bundesdeutsche Polizei und Justiz, davon 105.000 Bürger der DDR
1.636 Fällen Anklageerhebung gegen 1.540 Bürger der DDR (davon 96 inmehreren Verfahren), davon wurden in
821 mit Verurteilungen gegen 786 Bürger der DDR (davon 35 in mehreren Verfahren):
48 mit Freiheitsstrafe,
In 480 Fällen erfolgte Verfahrenseinstellung bzw. sonstige Verfahrensbeendigung bei 454 Bürgern der DDR - (davon 26 mit mehreren Verfahren) durch Nichteröffnung bzw. Einstellung des Hauptverfahrens aus tatsächlichen oder rechtlichen Gründen, wegen Geringfügigkeit bzw. nicht ausreichender Beweislast, Rücknahme der Anklage, Geldauflagen vor bzw. während der Hauptverhandlung, Verhandlungsunfähigkeit, Verjährung, fehlendem Strafantrag oder wegen Tod des Beschuldigten.
Verfahrensergebnisse zu den Verurteilungen von 786 Bürgern der DDR - (davon 96 in mehreren Verfahren):
sowie Verurteilung von:
mit
119 Angehörigen der Schutz- und Sicherheitsorgane der DDR in insgesamt 127 Verfahren wegen angeblicher Rechtsverletzung in Ausübung ihres Dienstes zur Wahrnehmung von Sicherheitsinteressen der DDR, insbesondere wegen des unterstellten Tatvorwurfs begangener Straftaten gegen das Leben (Mordversuch und Totschlag), der Körperverletzung, Misshandlung von Strafgefangenen, Aussageerpressung, Nötigung, Freiheitsberaubung, Verschleppung, Amtsmissbrauch, Verletzung des Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnisses, Telefonüberwachung sowie der geheimdienstlichen Agententätigkeit, darunter 92 Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit, 15 Angehörige der DDR-Nachrichtendienste und weitere 12 Angehörige der Deutschen Volkspolizei und des Strafvollzugs der DDR (davon 8 in mehreren Verfahren) mit 7 Freiheitsstrafen
Verurteilung von:
mit
Verurteilung von:
51 Sportfunktionären, Trainern, Sportärzten und Sportmedizinern der DDR wegen des Tatvorwurfs der Körperverletzung infolge Dopingmittelvergabe im DDR-Leistungssport mit In einer erheblichen Anzahl der aufgeführten Verfahren erfolgten zusätzliche Geldauflagen und Geldstrafen. Verfahrensergebnisse gegen 245 Bürger der Alt-Bundesrepublik und Westberlins, die als Kundschafter des Friedens tätig waren, mit dem Tatvorwurf der Spionage zugunsten der DDR mit 51 Freiheitsstrafen, davon 8 Urteile mit Freiheitsstrafen von 5 und mehr Jahren
*„SIEGERjustiz? – die politische Strafverfolgung infolge der Deutschen Einheit“, herausgegeben von der Gesellschaft zur Rechtlichen und Humanitären Unterstützung e.V., KAI HOMILIUS VERLAG 2003, EDITION ZEITGESCHICHTE BAND 9, ISBN 3-89706-887-7 (GRH-Archiv 3 I/ 3 A 19) ** GRH-Statistik und Verfahrensübersicht zur politischen Strafverfolgung von DDR-Verantwortungsträgern und Kundschaftern des Friedens durch die bundesdeutsche Justiz nach dem Anschluss der DDR an die BRD am 03. 10. 1990 (GRH-Archiv 4/1)
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OPFER POLITISCHER STRAFJUSTIZ (Beispiele)
- geboren 1929 in einer kommunistischen Arbeiterfamilie
Es war seine Aufgabe als Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR, westdeutsche und Spione amerikanischer, englischer und französischer Geheimdienste sowie Agenten der gegen die DDR tätigen Subversionszentren aufzuklären, zu untersuchen und zu entlarven. Seit 1984 war er Leiter einer operativen Hauptabteilung des MfS.
Gaida, Erich - Oberst a. D. des Ministeriums für Staatssicherheit
- geboren 1928 im böhmischen Riesengebirge (CSR) Grenzarbeit, wurde nach der Besetzung des Sudetengebietes 1938 in ,,Schutzhaft" genommen und 1944 in Buchenwald ermordet
Zu den nachrichtendienstlichen Aufgaben der Informationsgewinnung kam im Laufe der Zeit die Überwindung der Embargopolitik der NATO-Staaten zur Behinderung der Volkswirtschaft der DDR und zur Entwicklung von Wissenschaft und Technik.
Gawol, Erwin - Angehöriger der Grenztruppen der DDR
- geboren 1942 in Zerbst Als Stabsfeldwebel der Grenztruppen der DDR versah er auch am 10. Juni 1976 gewissenhaft seinen Dienst an der Westgrenze. In jener Zeit gab es an diesem Grenzabschnitt verstärkte Provokationen. Als ein Bürger der BRD die Staatsgrenze der DDR verletzte, machte Stabsfeldwebel Gawol von der Schusswaffe Gebrauch, weil dieser der Aufforderung zum Stehen bleiben nicht Folge leistete.
Geier, Bernhard - Generalmajor a. D. der Grenztruppen der DDR Grundlage seines Handelns waren Recht und Gesetz der DDR.
- geboren 1928 in einer Arbeiterfamilie, verstorben 2009
Als Kommandeur des Grenzkommandos Mitte an der Staatsgrenze der DDR war er an der Trennlinie zwischen dem Warschauer Vertrag und der NATO für die Verhinderung von Grenzprovokationen verantwortlich.
Geschke, Heinz - Oberst a. D. der Grenztruppen der DDR
- geboren 1930
In seiner Dienstzeit in den bewaffneten Organen der DDR hat er sich bei der Erfüllung seiner Pflichten immer von der Verfassung der DDR, den geltenden Gesetzen und Rechtsvorschriften sowie von den für die Grenztruppen verbindlichen militärischen Bestimmungen, die der Verhinderung von Verletzungen der Grenze der DDR dienten, leiten lassen. Er hat sich gewissenhaft für die Sicherheitsinteressen der DDR und der Staaten des Warschauer Vertrages und damit für die Erhaltung des Friedens in Europa eingesetzt.
Heyer, Eleonore - ehem. Abteilungsleiterin beim Generalstaatsanwalt der DDR
- geboren 1930
Nach 1990 ca. 60 Ermittlungsverfahren wegen Rechtsbeugung, in fünf Fällen wurde Anklage erhoben. Von 1995 bis 2000 vor verschiedenen Gerichten Verhandlungen mit mehr als 250 Verhandlungstagen.
Jendretzky, Irmgard - ehemalige Richterin - geboren 1918
1997 wurde sie “wegen Rechtsbeugung, Freiheitsentzug und Totschlag” zu einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren verurteilt. Nach jahrelangen Protesten demokratischer Kräfte und auf Grund ärztlicher Gutachten wurde das Urteil im Jahre 2000 ,,auf Dauer ausgesetzt”.
Keßler, Heinz - Armeegeneral a. D., ehemaliger Minister für Nationale Verteidigung der DDR
- geboren 1920 in Schlesien
Ab 1991 Ermittlungen und mehr als zwei Jahre Untersuchungshaft; 1993 Verurteilung wegen „Totschlag und Mitverantwortung für das Grenzregime der DDR“ zu siebeneinhalbjähriger Gefängnishaft.
Klabuhn, Gerda - ehemalige Oberrichterin am Stadtgericht Berlin
- geboren 1926 in Berlin
Gegen Gerda Klabuhn wurde seit 1992 ermittelt. Zunächst wurde ihr vorgeworfen, in 15 Fällen DDR-Recht gebeugt und Freiheitsberaubung begangen zu haben. Das Landgericht Berlin verurteilte sie 1994 „nur noch“ wegen Rechtsbeugung in 8 Fällen. Auch dieses Urteil hatte keinen Bestand vor dem Bundesgerichtshof. Für die verbliebenen 3 Fälle wurde eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und 9 Monaten ohne Bewährung ausgesprochen. Ohne Nachweis wurde die Schuld einfach unterstellt. Sie wurde verurteilt, weil sie in der DDR als Richterin ihre Pflicht erfüllte.
Köhler, Dr. Thomas - Olympiasieger, Ehemaliger Vizepräsident des DTSB der DDR
- geboren 1940
Am 7. Mai 1996 wurde während seiner Abwesenheit sein Haus aufgebrochen und mehrere Stunden nach „Beweismitteln“ durchsucht.
Kuron, Klaus - Kundschafter der Hauptverwaltung Aufklärung des MfS (HVA)
-geboren 1936
1990 wurde er verhaftet und 1992 vom Oberlandesgericht Düsseldorf zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Davon verbüßte er sechs Jahre. Außerdem sprach das Gericht eine „Verfallsstrafe“ in Höhe von 692.000,00 DM aus. Klaus Kuron hat 120.000,00 DM an Gerichts- und Anwaltskosten zu zahlen. Sein Reihenhaus wurde gepfändet und zwangsversteigert.
Leo, Günter - Oberst a. D. der Grenztruppen der DDR
- geboren 1941
Günter Leo bewährte sich besonders in der schwierigen politischen und militärischen Lage nach dem
Dr. Neiber, Gerhard - Generalleutnant a. D. des Ministeriums für Staatssicherheit
- geboren 1929 in einer Arbeiterfamilie in der CSR, verstorben 2008
Im März 1991 Untersuchungshaft wegen „Verdachts der Beihilfe zum versuchten Mord und zum Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion in Tateinheit mit Unterstützung einer terroristischen Vereinigung“. Im August 1991 musste der Haftbefehl aufgehoben werden, weil die Anschuldigungen unhaltbar waren.
Stand, Kurt - Bürger der USA, freier Journalist
Werner, Heinz-Helmuth - Kundschafter der Militäraufklärung der DDR
- geboren 1944 - Zusammenarbeit mit der Verwaltung Aufklärung der Nationalen Volksarmee der DDR von 1968 bis 1990.
Heinz-Helmuth Werner wurde im April 1990 verhaftet und vom Oberlandesgericht Düsseldorf zu neun Jahren Haft verurteilt. Er war 5 ½ Jahre in Haft. Außerdem muß er 100.000,00 DM „Verfallsstrafe“ und 50.000,00 DM Gerichts- und Anwaltskosten bezahlen.
Alle Verurteilten „verbüßen“ eine Strafe nach der Strafe. Sie befinden sich vorwiegend in einer psychischen und sozialen schwierigen Situation. Durch Strafrenten sowie durch Wegfall von Pensionen, Renten und Vermögen wird ihnen teilweise die Existenzgrundlage entzogen. Zusätzlich müssen sie – oft bis an ihr Lebensende – noch hohe Gerichts- und Anwaltskosten begleichen.
Das darf nicht vergessen werden!
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