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Dokumentation
des Herbsttreffens der AG Grenze der GRH am 02.12.2006 in Strausberg
(Die illustrierte Broschüre mit dieser Dokumentation kann über die Geschäftsstelle der GRH >s. Impressum< gegen einen Spendenbeitrag von 4,-- € bezogen werden)
Vorbemerkungen
Siegfried Kahn, Oberst a.D.
Das Herbsttreffen der AG Grenze der GRH, das am 02.12.2006 in Strausberg stattfand, war der Gründung der Deutschen Grenzpolizei und der aus ihr hervorgegangenen Grenztruppen der Deutschen Demokratischen Republik vor 60 Jahren gewidmet. Der Leiter der AG Grenze, Oberstleutnant a.D. Manfred Kleemann, konnte 457 Teilnehmer, darunter zahlreiche in- und ausländische Gäste begrüßen und bekannt geben, dass Grußschreiben an die Teilnehmer des Herbsttreffens von Generalleutnant a.D. Karl Leonhardt, Generalmajor a.D. Bernhard Geier, Egon Krenz, vom Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Deutschlands und dem Mitglied der Kommunistischen Partei Griechenlands, Genossen Sokrates Papadopoulos, eingegangen sind. Als ein Grenzer der ersten Jahre erinnerte der heute 80 jährige Oberst a.D. Helmuth Beuthe an die schwierigen materiellen Bedingungen der Anfangszeit, unter denen die Verlagerung von Ausrüstungen aus Betrieben der Volkswirtschaft in die Westzonen verhindert sowie Spione, Saboteure, Schmuggler und andere Kriminelle beim Versuch des illegalen Grenzübertritts festgenommen wurden. In seinem Beitrag zog der langjährige Chef der Grenztruppen, Generaloberst a.D. Klaus-Dieter Baumgarten, die Bilanz aus den 43 Jahren der Existenz der DGP/GT, dass Ruhe, Ordnung und Sicherheit im Grenzgebiet gewährleistet, Provokationen und Anschläge gegen die Staatsgrenze unterbunden sowie ein Beitrag zur Aufrechterhaltung der militärischen Stabilität und zur Erhaltung des Friedens in Europa geleistet wurde. Auch er erinnerte an die schweren Jahre des Anfangs, besonders an die Bildung eines eigenen von Faschismus und Imperialismus unbelasteten Offiziers-Korps. Hohe Würdigung erfuhren die Einbeziehung der Grenzbevölkerung in die Sicherung der Staatsgrenze, die Zusammenarbeit mit den örtlichen Organen der Staatsmacht sowie das enge und freundschaftliche Zusammenwirken mit den sowjetischen Grenztruppen, den Truppenteilen und Verbänden der sowjetischen Streitkräften in Deutschland. Für die Nacht des 9. November 1989 stellte er fest, dass die Grenztruppen diese extreme Bewährungsprobe selbständig bestanden haben. Er dankte allen Grenzern und Zivilbeschäftigten und forderte dazu auf, jeder Diskreditierung der DDR und Negierung ihrer Errungenschaften entgegenzutreten sowie zu einer objektiven Sicht auf die Geschichte beizutragen.
Generaloberst a.D. Fritz Streletz erläuterte in seinen Ausführungen militärhistorische Aspekte der Unterstellung der Grenztruppen dem Ministerium für Nationale Verteidigung, ihres Einsatzes und ihrer Ausrüstung, die sich aus dem Auftrag des Warschauer Vertrages sowie im Interesse und zum Schutz seiner Staaten ergaben. Er brachte seine Überzeugung zum Ausdruck, dass die Geschichte ein gerechtes Urteil über die Grenztruppen und ihren Beitrag zur Sicherung des Friedens in Europa fällen wird.
Oberst a.D. Günter Leo schilderte als unmittelbarer Zeitzeuge die Vorgänge um den 9. November 1989, die zur einzig richtigen Entscheidung vor Ort führten und aus denen eindeutig sichtbar wurde, dass die Grenztruppen nach Recht und Gesetz gehandelt sowie ihre Waffen nie gegen das eigene Volk gerichtet hätten.
Der Vorsitzende der GRH, Hans Bauer, setzte sich mit der Kriminalisierung der Grenztruppen auseinander, die einen Bestandteil der versuchten Delegitimierung der DDR darstellt. Auf der Grundlage juristisch haltloser Konstrukte wurden 250 Angehörige der Grenztruppen vor Gericht gestellt. Ihnen gebührt unsere Wertschätzung und Solidarität.
Mit dem Auftreten von Vertretern der damaligen Grenzschutzorganen der CSSR und der VR Polen wurden die aus der gemeinsamen Vergangenheit entstandenen freundschaftlichen Beziehungen und ihre Fortsetzung bekräftigt.
Einen emotionalen Höhepunkt dieses Treffens bildete der Auftritt des Ernst-Busch-Chores. Sowohl aktuelle Lieder ostdeutscher Befindlichkeit wie auch aus der Arbeiter- und Friedenbewegung sowie ironisch-satirische Beiträge bereicherten die Veranstaltung, die mit dem gemeinsamen Gesang der Internationale ausklang.
Zu ihrer würdigen Umrahmung trugen auch eine Gedenkausstellung zu Ehren der im Dienst an der Staatsgrenze getöteten Grenzer und eine Ausstellung über die Geschichte der DGP/GT bei.
Aufruf Wir wenden uns an alle Teilnehmer des Herbsttreffens 2006, die dort Foto- bzw. Videoaufnahmen angefertigt haben, uns ein Exemplar ihrer Aufnahmen zu überlassen und an die Geschäftsstelle der GRH zu senden (Adresse bitte dem Impressum entnehmen). Wir planen die Anfertigung und Herausgabe einer DVD mit den stimmungsvollsten Bildern unserer Veranstaltung bis zum Herbsttreffen 2007 und freuen uns über jede Unterstützung zur Realisierung dieses Vorhabens.
Inhaltsverzeichnis
Manfred Kleemann, Oberstleutnant a. D. Eröffnungsansprache
Helmuth Beuthe, Oberst a. D. Erinnerungen eines Grenzers der Ersten Stunde
Klaus-Dieter Baumgarten, Generaloberst a. D. Die Sicherung der Grenzen von Dezember 1946 bis Oktober 1990 – ein Beitrag zur Erhaltung des Friedens
Fritz Streletz, Generaloberst a. D. Die Sicherung der Staatsgrenze im Rahmen des Warschauer Vertrages
Dr. rer. pol. Milan Richter, Oberst a. D. Grußworte des ehemaligen Leiters der Politabteilung der Grenzbrigade der tschechoslowakischen Grenztruppen in Cheb
Mag. Walerian Mikolajczak, Oberst a. D. Grußworte des ehemaligen Stellvertreter des Chefs der Polnischen Grenztruppen und langjähriger Kommandeur der Grenzbrigade in Krosno Odrzanskie
Günter Leo, Oberst a. D. Der 9. November 1989 und die besondere Verantwortung der Grenzsoldaten für die Erhaltung des Friedens in Europa
Hans Bauer, Rechtsanwalt und Vorsitzender der GRH e.V. Die politisch motivierte Strafverfolgung von Verantwortungsträgern der DDR, insbesondere der Angehörigen der Grenztruppen der DDR
Grußworte an die Teilnehmer der Veranstaltung Karl Leonhardt, Generalleutnant a. D. Bernhard Geier, Generalmajor a. D. Egon Krenz Zentralkomitee der KPD Sokrates Papadopoulos
Siegfried Kahn, Oberst a. D. Resümee
Manfred Kleemann, Oberstleutnant a. D.
Eröffnungsansprache
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Genossinnen und Genossen! Ich begrüße Sie im Namen des Vorstandes der Gesellschaft zur rechtlichen und humanitären Unterstützung e.V. und der Arbeitsgruppe ehemaliger Angehöriger der Grenztruppen der DDR recht herzlich zu unserem Herbsttreffen 2006. Ich danke Ihnen, dass Sie unserer Einladung folgten und heiße Sie alle recht herzlich willkommen.
Das Treffen ist dem 60. Jahrestag der Gründung der Grenzpolizei / Grenztruppen der DDR gewidmet. Wir möchten mit dieser Veranstaltung die Leistungen tausender Soldaten, Unteroffiziere, Fähnriche, Offiziere, Generale und Zivilbeschäftigte, aber auch der vielen Freiwilligen Helfer der Grenztruppen würdigen. Sie erfüllten von 1946 bis 1990 unter den kompliziertesten Bedingungen des Kalten Krieges , in dem Deutschland von Anfang an einbezogen war, immer in vorderster Linie in unterschiedlichsten Funktionen und an verschiedensten Dienstorten getreu ihrem Fahneneid bzw. ihrer Dienstverpflichtung ihren schweren und entbehrungsreichen Dienst. Wir wollen uns derer erinnern, mit denen wir gemeinsam an den Grenzen der DDR standen. Wir wollen den 25 Genossen gedenken, die im Grenzdienst ihr Leben gaben und auch jene nicht vergessen, die beim Versuch des illegalen Grenzübertritts und bei gewaltsamen Durchbruchsversuchen unter Missachtung des geltenden Rechts der DDR ihr Leben verloren. Wir wollen jene nicht vergessen, die uns in den Organen des Zusammenwirkens und der Zusammenarbeit treue Partner bei der Erfüllung der uns gestellten militärischen Pflichten zum Schutz unseres sozialistischen Vaterlandes waren. Wir stellen uns der Diskriminierung der ehemaligen Angehörigen der Grenztruppen der DDR entgegen. Sie reicht bis zur gerichtlichen Verfolgung von ehemaligen Angehörigen der Grenztruppen, die ihren Dienst in Übereinstimmung mit der Verfassung und den Gesetzen der DDR erfüllten. Wir wenden uns entschieden gegen die Verfälschung der Urheberrolle für die Spaltung Deutschlands und der folgenden politischen, ökonomischen und sozialen Entwicklung. Wir ehemaligen Angehörigen der Grenzpolizei / Grenztruppen dienten der DDR, die ständig für eine friedenserhaltende Politik eintrat. Wir standen an den Grenzen der DDR für die Erhaltung des Friedens in Europa und für die Sicherung der friedlichen Entwicklung in unserem Staat, für das Wohl aller seiner Bürger. Wir erklären uns mit all denen solidarisch, die diesem edlen Ziel dienten und dafür nach Herstellung der Einheit Deutschlands strafrechtlich verfolgt und verurteilt wurden. Wir bekunden von unserer Veranstaltung aus unsere Solidarität mit den noch immer in den USA in Haft befindlichen Kundschaftern Theresa Squillacate, Kurt Stand und James Clark. Sie wurden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Wir grüßen sie und wünschen ihnen alles Gute. Wir fordern ihre Freilassung. Ich bedanke mich im Namen des Vorstandes für die Bereitschaft der Genossen Generaloberst a. D. Klaus-Dieter Baumgarten Generaloberst a. D. Fritz Streletz Oberst a. D. Helmuth Beuthe Oberst a. D. Günter Leo und Rechtsanwalt Hans Bauer – Vorsitzender der GRH e.V., die aus Anlass des 60. Jahrestages hier heute das Wort ergreifen werden. Generalleutnant a. D. Karl Leonhardt und Generalmajor a. D. Bernhard Geier, die wegen ihrer dauerhaften schweren Erkrankung an unserem Treffen nicht teilnehmen können, übergaben uns ihre Diskussionsbeiträge mit der Bitte, sie zu verlesen. Der Genosse Sokrates Papadopoulos, Mitglied der KP Griechenlands, übersandte uns im Auftrag der Kommunisten Thessalonikis eine Grußbotschaft. Sie übermitteln uns die herzlichsten Kampfesgrüße. Aus Zeitgründen können wir diese Beiträge nicht verlesen und werden sie in der Sonderinformation über die heutige Veranstaltung veröffentlichen. Wir grüßen all jene Freunde und Mitstreiter, die auf Grund ihres Gesundheitszustandes und ihres hohen Alters unserer Einladung nicht folgen konnten. Wir wünschen ihnen eine baldige Genesung und ihren Familienangehörigen alles Gute. Wir gedenken von dieser Veranstaltung aus unseren Genossinnen und Genossen, die den 60. Jahrestag nicht mehr erleben konnten. Sie werden in unseren Erinnerungen weiter leben.
Wir begrüßen recht herzlich alle Gäste, unter ihnen die Vorsitzenden und Vertreter der gesellschaftlichen Organisationen, die die ehemaligen Angehörigen der Grenztruppen der DDR im Kampf um ihre verfassungsmäßigen Rechte unterstützen und sagen ihnen dafür unseren herzlichen Dank. Unter ihnen befinden sich Vertreter - der Gesellschaft zum Schutze von Bürgerrechten und Menschenwürde (GBM), - der Initiativgemeinschaft zum Schutz der sozialen Rechte der ehemaligen Angehörigen der bewaffneten Organe und der Zollverwaltung der DDR e. V. (ISOR), - des Ostdeutschen Kuratoriums von Verbänden e.V. (OKV), - des Solidaritätskomitees für die Opfer der politischen Verfolgung in Deutschland, - der Deutschen Kommunistischen Partei und - der Linkspartei.PDS.
Wir begrüßen die Offiziere und Generale der Nationalen Volksarmee, des Ministeriums für Staatsicherheit und des Ministeriums des Innern der DDR. Erfreut sind wir, dass eine Vielzahl von Soldaten, Unteroffizieren und Fähnrichen der Grenztruppen unserer Einladung gefolgt sind.
Mit besonderer Freude begrüßen wir unsere Gäste und Kampfgefährten aus Tschechien und Polen, die an unserem Treffen teilnehmen. Wir entbieten ihnen die herzlichsten Kampfesgrüße und wünschen ihnen und ihren Kameraden alles Gute sowie eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit der AG – Grenze International der GRH.
Werte Genossinnen und Genossen! Ich möchte im Namen des Vorstandes Dank sagen - den Sponsoren unserer Veranstaltung, ohne deren finanzielle Unterstützung dieses Treffen kaum durchzuführen wäre. Wir danken insbesondere Oberst a.D. Prof. Dr. Richard Herrmann, Siegfried Ewert und Roland Glöckner; - den Genossen Werner Wagner und Jörn Döhlert für die Gestaltung der Erinnerungsmedaille, des Logos für das Herbsttreffen und des weißen Button; - dem Genossen Frank Novotka und seinem Kollektiv für die großartige Unterstützung bei der Organisation und Gestaltung unseres Treffens in seinem Haus; - den Genossen der Organisationsgruppe unter der Leitung von Oberst a.D. Günter Leo, - den weiteren Mitgliedern der AG Grenze und der Gruppe Ansprechpartner Berlin für ihren Fleiß und ihre Initiative zur Gestaltung unseres heutigen Treffens.
Hervorzuheben sind die außerordentlichen Leistungen - der Genossen Werner Wagner, Jörn Döhlert, Walter Schneider und Siegfried Hannig für die Gesamtgestaltung; - der Genossen Günter Ganßauge und Franz Herz für die Gestaltung der Ausstellung zur Geschichte der Grenzpolizei / Grenztruppen der DDR; - dem Genossen Liebig für die Gestaltung der Galerie der im Grenzdienst Gefallenen. Ohne sie und vieler weiterer namentlich kaum zu erfassender Genossen wäre die Veranstaltung in dieser Form nicht durchführbar gewesen. Dank sei auch den vielen Ehefrauen gesagt, die unser Vorhaben, wie schon oft, aktiv unterstützten. Dank sage ich dem Oberst a. D. Dieter Hoffmann für die Schaffung einer Dia-Show zur Geschichte der Grenzpolizei und der Grenztruppen der DDR 1946 bis 1990. Dank gebührt auch dem Oberst a. D. Horst Bracke für seine uneigennützige Mitarbeit bei der Gestaltung und Fertigstellung der DVD und der Eintritts-Button sowie all jenen, die die Realisierung des Vorhaben in unterschiedlichsten Formen unterstützten. Mehr als 4.500 Bilderseiten waren zu fertigen, von denen ca. 2.500 auszuwählen, einzuordnen, zu vervollkommnen und musikalisch zu unterlegen waren. Die bisherige Arbeitszeit betrug 2.091 Stunden, 6.399 km waren für die Sicherstellungsmaßnahmen zu fahren. Dieter Hoffmann bürgt für sein Produkt. Leider können wir heute auf Grund eines Computer - Schadens nur den 1. Teil (1946 bis 1961) den Interessenten übergeben. Der zweite Teil für den Zeitabschnitt 1961 bis 1990 wird den Bestellern bis Februar 2007 zur Verfügung stehen. Er wird nachgeschickt. Wir bitten um Verständnis. Nachbestellungen für die Dia-Show sind möglich. Sollte trotz Qualitätskontrolle ein schadhaftes Exemplar festgestellt werden, erfolgt der Austausch.
Gedankt sei auch dem Genossen Oberst a. D. Heinz Oelschläger und seinen Genossen für ihre ständige Bereitschaft, uns in einer sehr kameradschaftlichen Weise bei der Organisation und Sicherstellung des Treffens zu unterstützen. Letztlich danke ich im Namen der Organisatoren des Herbsttreffens dem Vorstand der GRH und dem Genossen Hans Bauer persönlich für die uns gewährte Unterstützung bei der Planung und Sicherstellung der Veranstaltung.
Noch einmal gilt allen Aktiven unser Dankeschön. Entstanden ist im Ergebnis einer großartigen kollektiven Leistung, so hoffen wir, ein Treffen, das allen in angenehmer Erinnerung bleiben wird.
Werte Anwesende ! Es ist mir ein Bedürfnis, noch auf ein Ereignis von welthistorischer Bedeutung hinzuweisen. Heute vor 50 Jahren, am 02.12.1956, erhob sich unter Führung der Bewegung des 26. Juli mit Fidel und Raul Castro, Ernesto „Che“ Guevara und Camilo Cienfuegos an der Spitze die Volksbewegung auf Kuba. Der bewaffnete Aufstand endete im Januar 1959 mit dem Sturz Batistas und des Einsatzes Fiedel Castros im Februar 1959 als Ministerpräsident. Der 2. Dezember 2006 ist zugleich der 50. Jahrestag der kubanischen Streitkräfte, der heute mit einer Militärparade begangen wird. Wir bekunden aus diesem Anlass den kubanischen Genossen und dem kubanischen Volk unsere Solidarität im Kampf für die Erhaltung ihrer sozialistischen Errungenschaften.
Helmuth Beuthe, Oberst a. D.
Erinnerungen eines Grenzers der Ersten Stunde
Verehrte Genossinnen und Genosse ! Liebe Freunde und Teilnehmer am heutigen Herbsttreffen !
Die Frühjahrs- und Herbsttreffen sind für uns immer Höhepunkte der Erinnerungen an unsere Dienstzeit im aufgezwungenen Kalten Krieg, der von uns allerhöchstes politisches Pflichtbewusstsein und persönliche Einsatzbereitschaft abverlangte. Ich trete hier nicht auf, um gegen die BRD und deren Verfassung anzugehen. Nein, ich will meinen Beitrag dazu leisten, das der historische wahre Inhalt des Bestehens der Grenztruppen und ihres Klassenauftrages, nämlich mit dafür zu sorgen, dass von deutschem Boden niemals mehr ein Krieg ausgehen darf, dargestellt wird. Und das uns das gelungen ist, darauf bin ich sehr stolz. Allein das erfüllt meinen Sinn des Lebens und das meines Soldatseins. Jawohl, so wie es das Lied ausdrückt: „Grau war der Tag und dunkel die Nacht und der Regen peitscht uns ins Gesicht, wir Grenzsoldaten standen auf Wacht – ein Verzagen kannten wir nicht. Vorwärts Grenzkameraden für uns geht’s nicht zurück, wir schützen unsere Fahne und unsere Republik.“ So haben wir, so habe ich meinen Dienst begonnen, oftmals war der Frieden und die Sicherheit der DDR gefährdet, verursacht von denen, die den Kalten Krieg zu einer Gefahr für den Frieden ständig eskalieren ließen. Tausende und Abertausende Grenzer standen immer, wie man so sagt, ihren Mann. Vor genau 60 Jahren wurde dazu die Grenzpolizei gebildet mit dem Hauptziel, unser Land nach dem schrecklichen 2.Weltkrieg und dem Ende der faschistischen, verbrecherischen Nazidiktatur, das Leben unserer Menschen zu schützen und zu verhindern, dass kriminelle Handlungen über und an der Demarkationslinie sich nicht auf das friedlich begonnene Leben unserer Bürger ausdehnen konnten. Ein gutes Programm für den Neuaufbau lag vor und die Erhaltung des Friedens, der so sehnlichst erwartet wurde, stand im Vordergrund. In dieser Aufbauphase trat ich in die bewaffneten Kräfte unseres Landes ein. Zunächst beim VPKA Weimar in den städtischen Polizeidienst. Ich wollte nach den letzten Kriegsereignissen und das Erleben in der US-Gefangenschaft keine Waffe mehr angreifen. Es war für mich und meine Zukunft von großem Glück, dass ich gerade zu dieser Zeit mit zahlreichen Kommunisten und Antifaschisten zusammen kam, die entweder erst aus Moskau zurückgekehrt, oder aber erst aus den KZ oder anderen Kerkern entlassen waren. Sie haben mich ehrlich und überzeugend von der Notwendigkeit des Schutzes unseres Landes überzeugt. Sie wurden meine Vorbilder und Erzieher. Ich erinnere mich besonders heute, am Tage unseres Herbsttreffens, an die ersten Tage meines Dienstes in der soeben gebildeten Grenzpolizei. Natürlich war damals alles nicht so organisiert. Es war eines Tages im August 1948. Wir wurden zu einer wichtigen Dienstbesprechung ins VPKA einberufen. Dort erfolgte der Aufruf zum freiwilligen Dienst in der Grenzpolizei. Referent: Polizeidirektor Braun, ein Kommunist und glühender Antifaschist. Der Grund war, dass die Ordnung an der Demarkationslinie nicht genügend war und Verstärkung notwendig wurde. Ich meldete mich mit zahlreichen Kameraden, besonders aus Weimar, freiwillig. Wir hatten zu diesen Stunden keine Erfahrung im Grenzdienst, und uns war klar, dass wir uns die Fertigkeiten und Erfahrungen vorwiegend in der Praxis aneignen mussten. Die zu diesem Zeitpunkt noch mit uns gemeinsam handelnden Grenzsoldaten der sowjetischen Grenztruppen zeigten uns aus ihren Erfahrungen das Nötige und gaben uns das nötige Rüstzeug. Schon nach wenigen Tagen nach dem Aufruf meldeten wir uns nach einem Sammeltransport in Obersachswerfen (bei Nordhausen) in einer vorläufigen Kommandantur beim dortigen Kommandeur, Polizeirat Kühne. Er begrüßte uns und teilte uns in das Kommando Mackenrode bei Gudersleben zum Grenzdienst ein. Da kein Kfz. zur Verfügung stand, liefen wir zu Fuß in die angegebene Richtung zum Ziel. Bauern nahmen uns unterwegs mit ihren Fahrzeugen mit. Nach dem Eintreffen in der dortigen Grenzdienststelle führte uns nach der Begrüßung der dortige Kommandochef grob in unsere künftigen Aufgaben ein und wies uns an, dass wir uns im Quartier bei einem Großbauern im Ort melden sollen und die Einquartierung vorzunehmen. Die Situation war damals so, dass es keine Gemeinschaftsunterkünfte gab, die Lage sehr schwer war. Die Begrüßung in unserem Quartier war gut, aber über die wirkliche Einstellung der Quartierleute konnten wir uns noch keinen Eindruck machen. Eines bekamen wir sofort mit, sie hatten 2 hübsche Töchter, über deren Attraktivität wir uns natürlich zu dieser Zeit nicht beschäftigen konnten, weil unsere neuen Aufgaben auf uns warteten.
Wie war nun die Lage? Hunderte von Grenzverletzern und Schmuggler bzw. andere kriminelle Elemente wurden tagtäglich in einer Auffangbaracke abgefertigt. Übermäßig fielen täglich immense Asservaten an wie: Sprit, Bekleidung, Stoffe, Reifen. Als bedeutsame Schmugglerware galten damals die „Wochenbettpackungen“ für schwangere Frauen. Sie standen hoch im Kurs und verlangten unsere besondere Aufmerksamkeit. Etappenmässig wurden die Asservate über die Kommandantur Gudersleben nach Weimar zur dortigen Landesbehörde-Abteilung Grenze, Kommandeur Inspekteur H. Joop, später Werner Ebertz, Willy Salden und Harald Bär als Stabschef abgeführt. Im Dorfe war große Unruhe, wir wurden von der Bevölkerung ernst genommen und vor allen Dingen von unseren Quartiereltern hervorragend versorgt. Eine Statistik weist nach: In der Zeit von 1946 bis 1955 schützten wir als Grenzpolizei gemeinsam mit sowjetischen Soldaten die Demarkationslinie, die dann 1955 auf Grund politischer Veränderungen zwischen der DDR und der BRD als Staatsgrenze mit völkerrechtlicher Anerkennung entstand. Aus einer Statistik für das Land Thüringen geht hervor, dass durch die Grenzpolizei wöchentlich bis zu sechs illegale Verlagerungen von Betriebseinrichtungen in die Westzone verhindert wurden. Vom 1.6.1948 bis zum 1.7.1949 nahm die Grenzpolizei Thüringen 214 Spione und Saboteure, 2418 Kriminelle, 668 Großschieber sowie 2115 Schmuggler fest. Dutzende Tonnen Lebensmittel, Gebrauchsgegenstände, Maschinen und Fahrzeuge wurden sichergestellt
Wie sah es nun bei uns aus? Wir hatten als Posten einen Bereich von ca. 6-15 km Länge zu sichern. Schusswaffen waren nicht für jeden da und mussten z.T. von Posten zu Posten übergeben werden. Die Nachrichten aus dem Grenzdienst mussten über das öffentliche Netz übermittelt werden. Transportmittel fehlten. Wie war die Lage an der Demarkationslinie? Wir trafen uns täglich mit den westseitigen Beamten, meist Zöllner, begrüßten und unterhielten uns, führten manch einen erfolgreichen gemeinsamen erfolgreichen Schlag gegen die Schmuggelei. Jeder von beiden kannte die Lage und es war ein gutes Verhältnis. Das sollte sich aber schnell ändern. Mit Bildung der BRD brachen über Nacht die Verbindungen nach drüben ab. Keine Gespräche, die Zöllner meist getarnt im Hintergrund, Militär tauchte immer öfter auf. Der erste Mord geschah im Walkenrieder Tunnel, die ersten Schüsse auf die Grenzpolizisten in anderen Abschnitten Thüringens wurden von der Westseite abgegeben. Der Kalte Krieg begann. Da die Lage an der Staatsgrenze immer mehr eskalierte, machten sich natürlich bei uns neue Strukturen oder Ausrüstungen notwendig. Die Grenztruppen wurden gebildet. Ich wechselte in diesen Zeiten mehrere Dienststellen und Dienststellungen. Denn die Kaderfragen gehörten von Etappe zu Etappe dazu und auf Grund des Vertrauens zu meinen Dienstergebnissen war ich in den über 30 Jahren Stabschef der Kommandantur Gudersleben, Bereitschaft Benneckenstein, Kommandeur in Hildburghausen, Aufbau der Bereitschaft Köppelsdorf, Stabschef der Grenzbereitschaft Gefell, Kommandeur der Bereitschaft Glowe und im Grenzregiment Wittenburg sowie Kommandeur der Grenzbrigade Kalbe/Milde und schließlich Kommandeur der 9.Grenzbrigade Erfurt. Nach der Reorganisation war ich Stabschef im Grenzkommando SÜD. Ich habe also in diesen Bereichen die ständigen aggressiven Handlungen an der Staatsgrenze persönlich erlebt und bin deshalb auch Zeitzeuge jener Ereignisse, die völlig falsch heute dargestellt werden. Ich muss hier schon eine Schlussfolgerung vorziehen. Wenn von westdeutscher Seite diese unzähligen Provokationen gegen uns nicht billigend in Kauf genommen wären, würde die Geschichte unseres Landes anders ausgesehen haben. Ich erinnere mich dabei an meinen Prozess, wo mir das billig in Kauf nehmen unterstellt wurde. Sonderbar ist auch, dass zu dem politischen Prozess keiner von den Provokateuren gehört wurde oder erscheinen durfte.
Ich bin stolz in meinen über 30 Dienstjahren Tausenden Soldaten, Unteroffizieren und Offizieren vorgestanden zu haben, die mit höchster Einsatzbereitschaft, kluges Denken und politisches Bewusstsein ihren Dienst für ihr Vaterland geleistet haben. Hier war Überzeugung, Bewusstsein und Pflicht eng in der Mehrzahl gepaart. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man sich als Vorgesetzter immer mit den Unterstellten verbinden muss, um diese Eigenschaften ständig zu festigen. Ich habe immer in meiner Dienstzeit z.B. den Postenführern große Aufmerksamkeit gewidmet. Obwohl sie ein Grenzmeldenetz hatten, haben sie oftmals ohne Rückfrage bei der Kompanie handeln müssen. Und wenn wir heute stolz sein können, 40 Jahre Frieden erlebt zu haben, dann müssen unsere Blicke auf jene gerichtet sein. Das ist der Verdienst der Offiziere, die in diesem Geiste erzogen wurden und auf ihre Unterstellten erfolgreich übertrugen. Wie im Hintergrund zu sehen ist, habe ich während meiner Dienstausführung auch hohe staatliche Orden verliehen bekommen. Ohne den Wert einer solchen Auszeichnung zu unterschätzen, bin ich besonders stolz, dass ich im Jahre 1977 vom Ministerrat der DDR mit dem Ehrentitel „Verdienter Angehöriger der Grenztruppen der DDR“ ausgezeichnet wurde. Ich bin stolz, ihn aus den Händen eines meiner Vorbilder, dem ehemaligen Minister für Nationale Verteidigung, Armeegeneral Heinz Hoffmann, empfangen zu haben. Er war ein hervorragender Antifaschist, erprobt im spanischen Freiheitskampf und hervorragender Militär. Ich habe diese und alle anderen Auszeichnungen nicht bekommen wegen eines vorbildlich erfüllten Schiessbefehl, der heute noch gesucht wird und gar nicht vorhanden war und ist, sondern ich habe diese Auszeichnungen bekommen für die Ruhe und Ordnung an der Staatsgrenze, denn das Ziel war, den Grenzverletzer in der Tiefe festzunehmen. Und das der Grenzverletzer ein Gesetzesverletzer der Gesetze der DDR war, wusste er, und das ist auch in jedem anderen Staat so. Das waren Gesetze unserer Volkskammer, die aber von den heute Regierenden völlig missachtet werden. Ich möchte auch zu diesem Problem sagen und kann aus eigenem Erleben berichten, dass ich im Laufe meiner Dienstzeit auch mit führenden Politikern ins Gespräch kam. So z.B. mit Walter Ulbricht, Erich Honecker, mit Bezirkssekretären der Partei, Vorgesetzten aus dem Ministerium für Nationale Verteidigung und der Grenztruppen. Das erfolgte bei besonderen Vorkommnissen oder Anlässen. Ich muss heute ehrlich erklären: Niemals hat mich einer von den Genannten aufgefordert, unnötig die Schusswaffe anzuwenden. Ihre Fragen waren immer auf Ruhe und Ordnung gerichtet und die Sorge um ihre Grenztruppen. Natürlich gab es in meiner Dienstzeit auch Momente, die in das Arsenal der Anekdoten bei mir eingegangen sind. Erlaubt mir, zwei davon zu schildern. 1. Eine Inspektion war angesagt. Es kamen der Chef des Hauptstabes, General Riedel, der Chef der Rückwärtigen Dienste, General Allenstein, der Chef Pionierwesen, General Strobel, der Chef und der Chef des Stabes der Grenztruppen. In dieser Reihenfolge ging es zur Besichtigung eines Hundezwingers in einem Grenzbataillon. General Riedel stellte fest, dass alle Hunde rechts und links am Kopf grüne Streifen hatten. Auf die Frage: „Was sind das für Zeichen?“, der Chef der Grenztruppen konnte die Frage nicht beantworten, so dass mir als Letztem in der Reihe diese Aufgabe zukam, „Das ist die Kennzeichnung der Hunde dieses Zwingers“ war meine Antwort. Später stellte sich heraus, dass die Zwinger in Vorbereitung der Inspektion frisch gestrichen wurden und die Hunde sich unbeabsichtigt diese „Kennzeichnung“ selbst beigebracht hatten. Auswertung des Ausbildungsjahres beim Minister. Nach dem Lob über die erreichten Ergebnisse bei der Inspektion kam die Frage an mich, „…weshalb ich dem Chef des Hauptstabes solch eine Lüge betreffs der Hundekennzeichnung aufgetischt hätte?“ Meine Antwort: „Genosse Minister, ich war der Letzte in der Reihe.“ 2. In meiner Funktion als Kommandeur der Grenzbereitschaft Glowe sollte ich Schiffe für den Stützpunkt Saßnitz beim Chef der Volksmarine abholen. Ich meldete mich bei Admiral Verner und brachte mein Anliegen, Schiffe abzuholen, vor. Darauf er zu seinem Stellvertreter „… Schiffe will er, womöglich Flugzeugträger und Kreuzer…“ an mich gewandt „… Schiffe hat die Volksmarine, ihr bekommt Boote…“
Ich möchte zum Abschluss kommen und erklären: 1. Ich bin im August 1948 bewusst und von der Notwendigkeit überzeugt in die Grenzpolizei eingetreten und habe im weiteren in den Grenztruppen bis zum August 1978 gemäß unserer Verfassung, entsprechend der Gesetze unseres Landes und meinem geleisteten Fahneneid meinem Vaterland treu gedient. Ich habe mich für nichts und bei Keinem zu entschuldigen. 2. Der gegen mich 1999 geführte Prozess war für mich ein politisch geplanter Unrechtsprozess. Ich habe in meinem Schlusswort gesagt: „… ich verlasse trotz Urteils den Raum als von der Sache her als unschuldig.“ 3. Ich bedaure jedes Opfer, das der Kalte Krieg verursacht hat. An erster Stelle meine Grenzer, die ihr Leben lassen mussten. Ich bedaure auch die anderen Opfer, die unnütz waren in der Auseinandersetzung zweier politisch entgegengesetzter Systeme, die in Verblendung und einer maßlosen Hetze gegen uns erfolgten. Denn die oftmals erforschten Gründe von Grenzverletzungen standen mit gesundem Lebensgefühl nicht im Einklang. 4. Ich danke auch hier von dieser Stelle meiner Familie, der Frau, die selbst einige Jahre in der Deutschen Grenzpolizei gedient hat (sie ist leider krank und konnte die Reise nicht antreten), bin mit ihr 55 Jahre verheiratet und danke meinen Kindern, die meinem Ruf in den Dienst der bewaffneten Kräfte einzutreten gefolgt sind. 5. Ich freue mich und bedanke mich nochmals von dieser Tribüne aus bei meinem Rechtsanwalt Dobrawa, der mich als guter Jurist im Prozess sehr gut unterstützt hat. Mit ihm habe ich einen neuen wertvollen Freund gefunden. Ich freue mich, dass er heute auch bei uns ist.
Liebe Genossen und Freunde ! Den Teilnehmern und den zu Hause Wartenden wünsche ich viel Gesundheit und gute Bewältigung ihrer Probleme.
Klaus-Dieter Baumgarten, Generaloberst a. D.
Die Sicherung der Grenzen von Dezember 1946 bis Oktober 1990 – ein Beitrag zur Erhaltung des Friedens
Liebe Grenzer ! Liebe ausländische Gäste und Freunde ! Liebe Genossen und werte Anwesende !
Fast auf den Tag genau vor 20 Jahren - auf der Festveranstaltung zum 40. Jahrestag der Grenztruppen der DDR - durchgeführt vom ZK der SED, vom Staatsrat und dem Ministerrat der DDR, wurden die Grenztruppen mit dem höchsten Orden der DDR - dem Karl-Marx-Orden ausgezeichnet. Ich hatte damals die Ehre, die Verpflichtung der Angehörigen der Grenztruppen vorzutragen, in der es u.a. hieß: „An der Trennlinie der beiden Gesellschafts- und Bündnissysteme auf Friedenswacht stehend werden wir alles tun, um Ruhe, Ordnung und Sicherheit im Grenzgebiet zu gewährleisten, Grenzverletzungen, Provokationen und Anschläge gegen die Staatsgrenze zu unterbinden. Getreu dem Fahneneid sind wir entschlossen, der DDR - unserem sozialistischen Vaterland - allzeit treu, mutig und verantwortungsbewusst zu dienen“. Diese Verpflichtung, liebe Genossen, haben wir Grenzer in jeder noch so komplizierten Situation eingelöst und in Ehren erfüllt. Heute nun auf unserem Herbsttreffen ist mir erneut die Möglichkeit gegeben, einige Gedanken zu unserer Geschichte darzulegen. Dafür darf ich mich herzlich bedanken.
Seit dem 1. Dezember 1946, als auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration in den fünf Ländern der damaligen Sowjetischen Besatzungszone Grenzpolizeieinheiten gebildet wurden, sind sechs Jahrzehnte verstrichen. In diesen 60 Jahren haben sich in der Welt und in Deutschland gewaltige Veränderungen vollzogen, sind Staaten gegründet und beseitigt worden, haben Spaltung und Vereinigung von Parteien, Organisationen - ja ganzer Nationen stattgefunden, sind revolutionäre und konterrevolutionäre Prozesse und Ereignisse abgelaufen. 44 Jahre lang herrschte in der Welt Kalter Krieg zwischen der Sowjetunion und den mit ihr verbündeten Staaten einerseits, den USA und den anderen führenden kapitalistischen Staaten andererseits. Er wurde von beiden Gesellschaftssystemen auf allen Gebieten mit beispielloser Härte geführt. Es ging um das Überleben der einen oder anderen Gesellschaftsordnung. it dem Ziel, den Sozialismus zu beseitigen, begann die NATO ein stetig wachsendes militärisches Potential und gefechtsbereite Streitkräftegruppierungen aufzubauen, was zu einem Rüstungswettlauf beider Seiten führte. Auf deutschem Boden standen sich die meisten und stärksten Verbände der Land- und Luftstreitkräfte beider Militärbündnisse, ausgerüstet mit modernster Technik und Bewaffnung, mit Raketen und anderen Kernwaffenträgermitteln auf Schussweite und gewissermaßen mit dem Finger am Abzug gegenüber. In jeder gewollten oder ungewollten Verschärfung der Lage, in jedem Zwischenfall, jeder Luftraumverletzung, jeder Provokation lag die Gefahr der Ausweitung des Kalten Krieges zu einem Weltkrieg, der furchtbare Folgen für die gesamte Menschheit gebracht hätte. Niemals aber ist es zu einem direkten Schlagabtausch, zu einem bewaffneten militärischen Konflikt entlang dieser Konfrontationslinie gekommen, aus dem ein Krieg in Europa - ja ein III. Weltkrieg fast unvermeidlich entstanden wäre. Allerdings hat es nicht an Versuchen beider Seiten gefehlt, das strategische Kräfteverhältnis zu verändern, vielleicht sogar umzukippen, mindestens aber regionale Überlegenheit zu erlangen. Durch strategische und operative Überraschungsaktionen der NATO sollten politische Veränderungen herbeigeführt, einzelne Länder aus dem gegnerischen Lager herausgebrochen, zumindest in den eigenen Einflussbereich gezogen werden. Eines der wichtigsten Zielobjekte in diesem Ringen war Ostdeutschland, später die DDR. Daran ließen die Regierung und die meisten politischen Parteien aber auch die Vertreter der bewaffneten Kräfte der BRD und der NATO keinen Zweifel. In den 50er Jahren musste deshalb die Führung der DDR ernsthaft mit der Möglichkeit rechnen, dass von westdeutscher Seite eine Art Blitzkrieg durch kombinierte Aktionen bewaffneter Kräfte der BRD und eingeschleuster bzw. in der DDR befindlicher konterrevolutionärer Gruppierungen erfolgen könnte. Solche Blitzkriegshandlungen zu vereiteln, überhaupt jegliche gefährliche Provokation möglichst im Keim zu ersticken und bewaffnete Zusammenstöße an der Grenze zu verhindern, darin bestand eine der wichtigsten Aufgaben der Grenzpolizei und später der Grenztruppen der DDR. Sie schufen einen dichten Schleier von Grenzsicherungs- und Aufklärungskräften, der das Vorfeld und den Grenzverlauf der DDR Tag und Nacht, zu jeder Jahreszeit im Blickfeld der militärischen und politischen Führung hielt und mindestens taktische Überraschungen ausschloss. Die Unverletzlichkeit dieser Staatsgrenze . die keine innerdeutsche Verwaltungsgrenze, wie das immer wieder behauptet wurde und wird, sondern die Staatsgrenze zweier souveräner Staaten, eine empfindliche Berührungslinie zweier militärischer Pakte war, hatte prinzipielle Bedeutung für die Stabilität und Friedenserhaltung in Europa. Unter diesen Bedingungen war die militärische Sicherung der Staatsgrenze der DDR, wie immer man das heute aus der Sicht veränderter politischer Gegebenheiten benennen mag, ein Element der Aufrechterhaltung des labilen militärischen Gleichgewichts und damit ein Erfordernis der Friedenserhaltung. Am 20. Januar 1961 fasste der Nationale Verteidigungsrat der DDR einen prinzipiellen Beschluss über die Grenzpolizei und die späteren Grenztruppen, der ihre Hauptaufgabe für die folgenden Jahrzehnte präzise bestimmte. Die Aufgabe bestand darin: - Keine Verletzung der Souveränität der Grenze der DDR zuzulassen, das Eindringen von Spionen, Agenten, Diversanten und bewaffneten Banditengruppen zu unterbinden sowie Provokationen jeglicher Art zu verhindern, - bei Einbruch des Gegners in den Hauptrichtungen günstig gelegene Abschnitte zu besetzen und zu halten, um Voraussetzungen für die Entfaltung der grenznahen Truppenteile der NVA und der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland zu schaffen. Zur Lösung dieser Aufgabe sind die Grenztruppen in wachsendem Maße befähigt worden, u.a. durch die Anlage und Verdichtung von Minen- und Pioniersperren sowie Grenzsicherungsanlagen und durch die Ausrüstung mit panzerbrechenden Waffen, SPW und Kfz, Hubschraubern, Aufklärungs- und Nachrichtenmitteln. Der langjährige Minister für Nationale Verteidigung der DDR, Armeegeneral Heinz Hoffmann, würdigte die militärischen Fähigkeiten der Grenztruppen auf der Festveranstaltung zu ihrem 30. Jahrestag am 1. Dezember 1976 mit den Worten: „Die NVA wie alle anderen Schutz - und Sicherheitsorgane unserer Republik können sich fest darauf verlassen, dass in der vordersten Linie gut ausgebildete und zweckmäßig ausgerüstete Grenzregimenter stehen, die fähig sind, jeden Vorstoß militärischer Kräfte des Gegners zu erkennen und zu bekämpfen, die gemeinsam mit der NVA und der Sowjetarmee die Grenze standhaft verteidigen werden.“ Sein Kampfgefährte und Nachfolger als Minister, Armeegeneral Heinz Keßler, umriss dann auf der Festveranstaltung zum 40. Jahrestag am 28. November 1986 den Dienst der Grenztruppen mit den Worten: „Auf den Kammhöhen des Mittelgebirges wie an der Staatsgrenze zu Westberlin haben die Grenzer in den 70er und 80er Jahren dafür gesorgt, dass alle imperialistischen Versuche, die ‚Mauer aufzubrechen’‚ ‚niederzureißen’ oder zu ‚durchlöchern’ Schiffbruch erlitten.“ Doch bis zu diesen Würdigungen unseres Dienstes galt es, einen langen beschwerlichen Weg zurückzulegen.
Viele hier im Saal, die die schweren Jahre des Anfangs miterlebten und mitgestalteten, können sich noch gut erinnern, dass die Mehrzahl des Offiziersbestandes der Deutschen Grenzpolizei sich aus jungen Offizieren, die zu einem großen Teil nicht einmal eine Offiziersschule besucht hatten, jünger als 30 Jahre waren und vor Eintritt in die Volkspolizei den Beruf eines Industrie- oder Landarbeiters ausgeübt hatten, rekrutierte. Sie besaßen nur, so wie auch ich, ein niedriges Bildungsniveau, konnten aufgrund ihrer sozialen Herkunft nur eine Volks- oder Mittelschule besuchen. Der Einsatz in Führungsfunktionen erfolgte in der Regel ohne vorherige Qualifizierung, darauf vertrauend, dass die jeweiligen Kader mit Hilfe des Kollektivs, der Parteiorganisation, der Vorgesetzen und durch persönlichen Einsatz diese Aufgaben meistern würden. So war jeder in die Situation gestellt, die Schwierigkeiten bei der Aufgabenerfühlung durch hohe Einsatzbereitschaft, Fleiß und Nutzung aller sich bietenden Möglichkeiten zu meistern. Konrad Adenauer charakterisierte diese Situation schon am 18. August 1950 so, dass man dafür dankbar sein könne, „dass sie (die DDR) große Schwierigkeiten haben, alte Soldaten und Offiziere zu finden und insbesondere bei Offizieren auf junge Leute angewiesen sind“. Adenauer irrte wie so oft und verschwieg, dass wir sicher ohne sonderliche Schwierigkeiten ausreichend „alte Soldaten und Offiziere“ gefunden hätten, wäre da nicht die Zielstellung gewesen, Schlussfolgerungen aus den furchtbaren Verbrechen am deutschen Volke und den Völkern Europas zu ziehen. Es galt, eine andere, nicht den Interessen des deutschen Monopolkapitals verpflichtete Armee und bewaffnete Kräfte aufzubauen, sondern Streitkräfte und Sicherheitsorgane des Volkes. Im Gegensatz zur Bundeswehr und dem Bundesgrenzschutz, in denen bei Bildung über 60 % der Offiziere ehemalige Wehrmachtsoffiziere und mehr als 30 % ehemalige Polizeibeamte, Offiziere der Waffen-SS und anderer faschistischer Formationen waren, im Unterschied zur Bundeswehr, wo von 12.360 Offizieren, die bis Ende 1959 in die Bundeswehr aufgenommen wurden, alle Abitur, viele eine abgeschlossene Fach- oder Hochschulausbildung besaßen und den II. Weltkrieg zumeist als Offizier erlebt hatten, wurde auf diese „Vorteile“ bewusst verzichtet. Mit berechtigtem Stolz können wir sagen: Die jungen Freiwilligen der 50er und 60er Jahre, meist unzureichend ausgerüstet und ausgebildet, geführt von bewährten Funktionären der deutschen Arbeiterbewegung, von Kämpfern der Internationalen Brigaden in Spanien, Häftlingen der faschistischen Zuchthäuser und Konzentrationslager, von Partisanen und Angehörigen des Nationalkomitees Freies Deutschland haben die Fundamente der modernen Grenztruppen der 70er und 80er Jahre geschaffen. Unsere Kenntnisse in der Menschenführung und in der Stabsarbeit, unsere Entwicklungen zum politisch denkenden Soldaten, die Wertvorstellungen zum Dienst am Vaterland wurden vor allem von diesen Menschen geprägt. Zu ihnen gehören unsere Verteidigungsminister Heinz Hoffmann und Heinz Keßler, die Chefs der Deutschen Grenzpolizei Hermann Gartmann und Paul Ludwig, Generalmajor Walter Breitfeld, Oberst Gronau, Oberst Mansfeld, Oberst Gaing, Oberst Kröber, Oberst Giebel, Oberstleutnant Fomferra und Hauptmann Walke, um nur einige zu nennen. Auch bei uns gab es einige ehemalige Offiziere der Wehrmacht, die in sowjetische Gefangenschaft gerieten und dort zu der Erkenntnis gelangten, einem verbrecherischen Regime gedient zu haben, die Lehren aus der Vergangenheit unseres Volkes und ihrer persönlichen Entwicklung gezogen hatten, denen Führungsfunktionen übertragen wurden. Ich erinnere an Generalmajor Helmut Borufka und Oberst Paul Markgraf.
Die Kommandeure und Führungsorgane der Deutschen Grenzpolizei und Grenztruppen erkannten sehr schnell, dass ihre vorrangige Aufgabe darin bestehen muss, den sichernden Einheiten beste Bedingungen zu gewährleisten. Das Wissen und Können, das bewusste Handeln und die Einsatzbereitschaft des Personalbestandes, der Linieneinheiten entschieden über Erfolg oder Misserfolg. Den Soldaten, Unteroffizieren, Fähnrichen und Offizieren wurden hohe, manchmal bis an die Grenze der Leistungsfähigkeit gehende Belastungen auferlegt. Enerseits hatten sie täglich mit hohem Zeit- und Kräfteeinsatz die Staatsgrenze zu sichern und andererseits bereit zu sein, in kürzester Zeit erfolgreich Gefechtshandlungen zu führen. Die Direktive über die Gefechtsbereitschaft verlangte, dass ständig 80 % des Personalbestandes der Einheiten und Dienststellen anwesend sein mussten. Der tägliche Grenzdienst von mehr als 10 Stunden zu allen Tages- und Jahreszeiten, bei übertragener Verantwortung für einen Grenzabschnitt von 2 bis 3 km für den Grenzposten, für Offiziere in den Führungsstellen bis 60 km, war permanent mit hoher physischer und psychischer Belastung verbunden. Dazu kam die Notwendigkeit, auf sich allein gestellt Entscheidungen, oft von großer Tragweite und in kürzester Zeit, zu treffen. Das alles forderte die ganze Persönlichkeit. So mancher Wunsch der Familie musste dienstlichen Belangen geopfert werden. Wie viel Einsicht und Verzicht haben wir den Ehefrauen und den Familien der Grenzer abverlangt!
Auch die Zivilbeschäftigten und die ehrenamtlichen Helfer der Grenztruppen haben ihren großen Anteil geleistet. Besonders nach der Schließung der Grenze zu Westberlin häuften sich die Angriffe auf Grenzposten und Grenzsicherungsanlagen, sind die meisten Todesopfer und Verletzten sowohl bei den Grenzern zu beklagen als auch bei jenen Grenzverletzern, die den Sirenenklängen vom „Sprung in die Freiheit“ und den Verlockungen des „goldenen Westens“ erlagen, Gesundheit und Leben trotz aller Warnungen riskierten.
Mit Trauer gedenken wir unserer an der Staatsgrenze getöteten Grenzsoldaten. Wir bewahren sie ehrend in unserer Erinnerung, wie das auch die hier vom Genossen Horst Liebig mit Liebe gestaltete Gedenkausstellung zeigt. Unser Mitgefühl gehört auch den Angehörigen der Grenzverletzer, die wissend um die Gefahren beim Versuch des rechtswidrigen Grenzübertritts Schaden an Leib und Leben erlitten. Die Grenzer an der Westgrenze und um Westberlin waren in besonderem Maße den Beschimpfungen und Verleumdungen, in der vordersten Linie auch den Tätlichkeiten aufgebrachter und aufgeputschter Gegner der DDR ausgesetzt.
Welcher Leistungswille und welche Einsatzbereitschaft damit Tag für Tag und Nacht für Nacht von jedem Posten, jedem Postenführer, von jedem Wehrpflichtigen, Zeit- und Berufssoldaten, von den Vorgesetzten und den Stabsarbeitern aller Stufen erbracht werden mussten, das kann der Außenstehende nur schwer ermessen. Nicht wenige Schocksituationen haben die Grenzer, besonders die langjährig dienenden Unteroffiziere, Fähnriche und Offiziere erlebt. Jeder Grenzalarm konnte der Ernstfall sein. Dazu kamen oftmals überraschende politische Entscheidungen: Heute verstärkte Grenzsicherung, am nächsten Tag Verbot jeglichen Waffeneinsatzes. Jahrzehntelang wurde der Ausbau und die Rekonstruktion der Pioniersperren vorangetrieben. Seit 1961 kamen auch Minen zum Einsatz. Dann musste als Maßnahme der Entspannung und der Verbesserung der Beziehungen zwischen DDR und BRD 1984/85 der völlige Abbau der SM-70-Anlagen und ca. 600 km Erdminenfelder in weniger als einem Jahr vollzogen werden. Dieser Abbau geschah ohne Vorkommnisse und war eine soldatische Meisterleistung.
Die Sicherung der Staatsgrenze erforderte zu jeder Zeit auch die Einbeziehung der Grenzbevölkerung und eine enge Zusammenarbeit mit den örtlichen Organen der Staatsmacht und anderer Organisationen und Vereinigungen. Um in Ruhe und Geborgenheit leben zu können unterstützte die übergroße Mehrheit der Bevölkerung des Grenzgebietes die Maßnahmen zur Sicherung der Staatsgrenze. Beweis hierfür ist ihr Wirken in über 500 Grenzsicherheitsaktiven der Städte, Wohnbezirke, Gemeinden, in Betrieben und Einrichtungen. Für vorbildliche Leistungen wurden über 200 Gemeindeverbände mit dem Titel „Gemeinde der vorbildlichen Ordnung und Sicherheit“ ausgezeichnet. In zunehmendem Maße erklärten sich Bewohner des Grenzgebietes bereit, als „Freiwillige Helfer der Grenztruppen“ tätig zu sein. Mit Stand vom 30.11.1982 gab es 5.565 Freiwillige Helfer (FHG) der Grenztruppen. Sie gliederten sich in Gruppen und Züge. Diese Stärke entsprach faktisch der Personalstärke von fünf Grenzregimentern. Die enge Verbindung der Grenzer mit ihren Standorten kam auch darin zum Ausdruck, dass 1989 bereits 470 Angehörige der Grenztruppen in Gemeindevertretungen, 39 in Kreistagen, 64 in Stadtverordnetenversammlungen und 3 in Stadtbezirksversammlungen gewählt waren. Dem Zeitgeist geschuldete Behauptungen, dass es gegen die Grenzsicherung und die Grenztruppen massiven Widerstand der Grenzbevölkerung gab, verfälschen die Tatsachen und gehören in das Arsenal der Hetze gegen die DDR. So war das Leben in den Grenzortschaften ein gegenseitiges Geben und Nehmen. In dieser engen Verbindung mit dem Volk lag eine der Ursachen für erfolgreiches Handeln beim Schutz der Staatsgrenze.
Von Anbeginn der Sicherung der Demarkationslinie, später der Staatsgrenze, handelten die Grenzer mit den sowjetischen Grenztruppen und den Truppenteilen und Verbänden der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland im engen Zusammenwirken. Angefangen vom gemeinsamen Postendienst gleich nach Bildung der ersten Grenzpolizeieinheiten, über die Tätigkeit von sowjetischen Beratern, die ihre reichen Erfahrungen vermittelten, der Ausbildung vieler Offiziere an sowjetischen Instituten, Hochschulen und Akademien bis hin zu einer umfassenden Vereinbarung über die planmäßige Zusammenarbeit der Grenztruppen beider Länder war der Entwicklungsweg der Grenztruppen der DDR eng und freundschaftlich mit den Grenztruppen der UdSSR und der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) verbunden. Alle Grenzkommandos, alle Grenzregimenter und Grenzsausbildungsregimenter, die Schulen und Grenzabschnitte, hatten enge herzliche Beziehungen der Waffenbrüderschaft zu den Armeen, Verbänden und Truppenteilen der GSSD, und die Regimentskommandeure und Stäbe hielten enge Verbindungen zu den in der Tiefe ihres Abschnittes stationierten grenznahen Divisionen, Regimentern oder Spezialeinheiten. Diese Zusammenarbeit beschränkte sich aber nicht nur auf dienstliche Maßnahmen. Überall gab es gemeinsame Veranstaltungen, um den Soldaten die Waffenbrüderschaft, die Freundschaft unserer beiden Länder erlebbar zu machen, besonders in der „Woche der Waffenbrüderschaft“. Es gab unzählige persönliche Freundschaften, die das Gefühl des Gemeinsamen, die Überzeugungen, sich auf den anderen verlassen zu können, vermittelten. Unbestritten war für uns die Führungsrolle der Sowjetunion im Warschauer Vertrag, die von den Militärs immer respektiert wurde. Mehr noch, allen Angehörigen der Grenztruppen war bewusst, dass die Existenz der DDR nur im festen Verbund mit der Sowjetunion möglich war. Als in der 2. Hälfte der 80er Jahre die Führung der Sowjetunion die DDR zum Handelsobjekt ihrer Politik machte, war dies einer der Gründe für unseren Untergang. Die einseitige und mit der DDR nicht abgestimmte Aufkündigung der Bündnisverpflichtungen rief bei den Grenzern der DDR tiefe Enttäuschung hervor. Enttäuschungen, ja Scham gab es auch bei vielen sowjetischen Genossen, weil sie die verräterische Politik ihrer Führung ablehnten und zutiefst verurteilten. Ich möchte hier in Erinnerung rufen, dass 10 Generale der sowjetischen Grenztruppen in einem Brief an den Bundeskanzler Gerhard Schröder in fester Solidarität mit den verurteilten und inhaftierten Grenzern der DDR unsere unverzügliche Freilassung und Rehabilitierung forderten. Unser Freund Oberst a. D. Iwan Glaskow mobilisierte gemeinsam mit der Organisation der Veteranen der Ukraine Proteste und Widerstand gegen die politische Strafverfolgung in der BRD. Wie sagt doch das Sprichwort „Echte Freunde erkennst du in der Not.“
Sehr herzliche Beziehungen wurden von unseren Grenzern mit den Grenzschutzorganen der im Warschauer Vertrag vereinten Staaten gepflegt, besonders eng waren sie mit den Grenztruppen der CSSR und der VR Polen. Zu diesen Ländern war ich Hauptgrenzbevollmächtigter der DDR und kann einschätzen, dass die gemeinsame Grenzüberwachung und die Zusammenarbeit mit ihnen sehr effektiv und freundschaftlich waren.
Die DDR hatte von Anbeginn die im Ergebnis des II. Weltkrieges entstandenen Grenzen anerkannt. So wurde die Friedensgrenze an Oder und Neiße bereits 1950 im Vertrag, von Görlitz/Zgorzelec für endgültig erklärt. Jahrzehnte standen die Grenzer unserer Länder gemeinsam an dieser Staatsgrenze, die uns nicht mehr trennte sondern verband. Ich erinnere mich auch sehr gut an die historische Unterzeichnung des Grenzvertrages zwischen der CSSR und der DDR 1980 in Prag. Dort wurde eine alte Grenze zwischen Sachsen und Böhmen, die von den deutschen Faschisten beseitigt werden sollte und über viele Jahrzehnte durch imperialistische Interessen umstritten war, festgeschrieben und zur Freundschaftsgrenze erklärt. Nie gab es zwischen unseren Ländern Gebietsforderungen. Wenn heute deutsche Politiker, Landsmannschaften und Vertriebenenverbände immer unverschämter Gebietsansprüche und Forderungen auf Entschädigung an Polen und die Tschechische Republik stellen, so sollte ihnen eindeutig unser gemeinsames entschiedenes Halt entgegengesetzt werden. Die schlimmen Erinnerungen an Auschwitz, das Warschauer Ghetto, Lidice, Theresienstadt und viele andere Orte des Schreckens und Grauens dürfen nicht verblassen, sondern mahnen zum Widerstand. So könnten diese Grenzen, an denen Generationen von Grenzsoldaten unserer 3 Länder ihren Dienst leisteten, heute und in Zukunft als Symbol guter Nachbarschaftsbeziehungen und enger Freundschaft dienen. Ich bedaure sehr, dass Frantisek Sadek, ehemals Chef der Grenztruppen der CSSR, mit dem ich einige Jahre gut und freundschaftlich zusammengearbeitet habe, auf Grund seines Gesundheitszustandes an unserem heutigen Treffen nicht teilnehmen kann. Wir wünschen ihm baldige Genesung. In fester Solidarität werden wir an eurer Seite stehen, wenn die reaktionäre politische Führung eures Landes weiterhin Prozesse gegen tschechische Grenzer durchführen will. Unser Zusammenhalt und unsere Solidarität miteinander, liebe polnische und tschechische Genossen aber auch die Wahrung unserer guten Traditionen sind wichtige Voraussetzungen, um gemeinsam für eine bessere und gerechtere Gesellschaftsordnung zu kämpfen.
Liebe Freunde und Genossen ! Viele kritische, oft bedrohliche Situationen wurden im Laufe der Jahre durch die Grenzer gemeinsam mit den Sicherheitsorganen durchgestanden und gemeistert. So auch am 9. November 1989. In einer unübersichtlichen Krisensituation handelten sie nach ihrem Gewissen, selbständig, überlegt und im höchsten Maße verantwortungsbewusst. Sie bewiesen in diesen Stunden, dass sie dem Grundsatz treu blieben, das Leben des Menschen als höchstes Gut zu achten, sich nicht gegen das Volk zu wenden und ein Blutvergießen zu verhindern. Die Bürger der DDR und ihrer Hauptstadt stießen nach den Meldungen über die unverzügliche Grenzöffnung auf überraschte Grenzer, Angehörige der Personenkontrolleinheiten des MfS und unserer Zollverwaltung. Was mag in den Köpfen und Herzen der Grenzer vorgegangen sein? Ihre Fragen, die sie in diesen Stunden bewegten, wo ist unsere politische und militärische Führung, warum gibt es keine eindeutigen Befehle und Weisungen von den Vorgesetzten, vom Chef der Grenztruppen, vom Verteidigungsminister, vom Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates, blieben damals unbeantwortet. Das Kollegium des Ministeriums für Nationale Verteidigung tagte in den späten Abendstunden in Strausberg, nicht wissend, was, verschuldet durch Schabowski, inzwischen an den Grenzübergangsstellen geschah. So hatten wir die Initiative verloren und konnten den „Lauf der Geschichte“ nur noch zur Kenntnis nehmen. Noch heute empfinde ich Schmerz und Scham beim Ansehen von Filmen über diese Stunden. Diese Gefühle werden mich wohl immer bedrücken. Doch eine solche Bewährungsprobe hatte es noch nie gegeben. Alle Grenzer in der Linie, in den Führungsstellen, alle Angehörigen der Passkontrolle und des Zolls handelten in dieser Nacht selbständig und trafen richtige Entscheidungen. Wenn es noch eines unwiderlegbaren Beweises bedurft hätte, wie verlogen die westliche Propaganda von den „schießwütigen Grenzern“, den „Mauermördern“ ist, dann wurde er in der Nacht des 9. November 1989 erbracht. Bundespräsident Richard von Weizsäcker kam zum Potsdamer Platz und dankte den Grenzern für ihr besonnenes Handeln mit Blumen und herzlichem Händedruck. Es sollten keine 2 Jahre vergehen, dann war die DDR verschwunden und mit ihr die Grenztruppen, die Nationale Volksarmee und die anderen Organe, die für die äußere und innere Sicherheit gesorgt hatten. Dann begann ein neuer Abschnitt des Kalten Krieges und mit ihm die so genannten „Mauerschützen-Prozesse“ gegen die Angehörigen der Grenztruppen, aber auch gegen die Mitglieder des Politbüros, des Kollegiums des Verteidigungsministeriums, des Nationalen Verteidigungsrates und andere, die von der bundesdeutschen Justiz als „Schreibtischtäter“ und zu „Totschlägern“ erklärt wurden. Nun waren keine Dankesworte vom Bundespräsidenten, vom Kanzler oder anderen Politikern der BRD mehr zu vernehmen, die DDR wurde zum „Unrechtsstaat“ erklärt. Um so mehr hat es mich und die anderen Angeklagten und verurteilten Genossen gefreut, dass eine große Solidarität mit uns einsetzte und dass der Zusammenhalt innerhalb der Grenzer erhalten blieb. Heute, auch nach zeitweiliger Zurückhaltung, bekennen sich immer mehr ehemalige Berufssoldaten, wehrpflichtige Grenzer und Zeitsoldaten zu ihrer Geschichte und ihrer Verantwortung, sie lassen sich von der massiven Hetze nicht mehr einschüchtern. Deshalb ist es wichtig, dass sich in allen ehemaligen Standorten der Grenzer TAG‘s der GRH oder Kameradschaften nach dem Beispiel der Grenzer in Dermbach oder der ehemaligen Hubschrauber-Staffel bilden. Dort und auch in den bestehenden Kameradschaften des Bundeswehrverbandes, des Bundesgrenzschutzverbandes, in den TIG‘s von ISOR und anderen gebildeten Vereinen sollten unsere guten Traditionen weiter gepflegt, das Für- und Miteinander zur gegenseitigen Hilfe und Unterstützung im Alter und bei Krankheit gestärkt werden.
Liebe Grenzer, Genossen und Freunde ! Dieses Treffen im Jahre 2006 möchte ich nutzen, auch einige Worte des Dankes zu sagen. Mit den hier Anwesenden und Zehntausenden Grenzern der DDR bin ich gemeinsam den nicht leichten Weg eines Soldaten gegangen. Erfolge und Niederlagen, Freude und Enttäuschung lagen oft dicht beieinander. Aber gegenseitiges Vertrauen und das Wissen um die große Verantwortung haben uns in die Lage versetzt, letztlich alle Aufgaben ehrenvoll zu erfüllen. Dafür möchte ich als ehemaliger Chef allen Grenzern der DDR und den Zivilbeschäftigten noch einmal Dank sagen. Ich habe auch erlebt, mit wie viel Liebe und mit welcher Mühe, mit wie viel Arbeit dieses uns sicher alle bewegende Treffen von der Arbeitsgruppe vorbereitet wurde. Wir sollten Manfred Kleemann, Dieter Hoffmann, Günter Leo, Günter Ganßauge, Werner Wagner, Peter Freitag, der uns viel zu früh verlassen hat, Jörn Döhlert, Horst Liebig und den vielen anderen hinter den Kulissen Tätigen von Herzen dafür danken.
Liebe Freunde und Genossen ! Kein Westfälischer Frieden, der nach Jahrzehnten der Feindschaft zwischen beiden deutschen Staaten unserem Volke die notwendige verdiente innere Ruhe gegeben hätte, nein, Geringschätzung der erbrachten achtenswerten Leistung von Millionen Menschen im Osten, soziale Bestrafung, Plattmachen ganzer Wirtschaftszweige und Regionen, Erniedrigungen und Demütigungen sind an der Tagesordnung. Mit Verleumdungen der DDR als Unrechtsstaat will man den Sozialismus diskreditieren und alle unsere Errungenschaften negieren. So ist es heute immer noch gängige Praxis der meisten Massenmedien, auch der sich seriös gebenden politischen und wissenschaftlichen Beiträge, das Grenzregime der DDR als den maßgeblichen Fakt für die Spaltung Deutschlands darzustellen. Der Kalte Krieg und die Einbindung Westdeutschlands in die westliche Allianz als die Auslöser der Konfrontation der beiden deutschen Staaten und ihrer Abgrenzung werden verschwiegen. Um so wichtiger ist es, dass wir, solange wir noch leben und unsere Kenntnisse und Erfahrungen weitergeben können, dies auch tun, damit die Saat nicht verloren geht. Das von uns in Jahrzehnten Erreichte und Geschaffene bleibt und muss in den Erinnerungen der Menschen wach gehalten werden. Unser Bemühen um eine möglichst objektive Sicht auf die Geschichte möge nicht erlahmen und Früchte tragen, denn wir Grenzer der DDR waren Mitgestalteter eines wichtigen Kapitels deutscher Geschichte und haben hohen Anteil daran, dass Frieden blieb.
Fritz Streletz, Generaloberst a. D.
Die Sicherung der Staatsgrenze im Rahmen des Warschauer Vertrages
Bei den Organisatoren dieser Veranstaltung möchte ich mich recht herzlich für die Möglichkeit bedanken, vor diesem Forum einige Gedanken zu dieser Problematik zu äußern.
Bekanntlich fasste der Nationale Verteidigungsrat (NVR) auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges am 15.09.1961 auf Empfehlung (Weisung) aus Moskau folgenden Beschluss: „Die deutsche Grenzpolizei wird dem Ministerium für Nationale Verteidigung unterstellt und das Kommando der Grenztruppen gebildet. Chef der Grenztruppen ist Oberst Erich Peter.“ Es war einmalig im Warschauer Vertrag, dass die Grenztruppen dem Verteidigungsminister unterstellt wurden. In allen anderen Staaten, einschließlich der Sowjetunion, unterstanden die Grenztruppen dem jeweiligen Minister des Innern bzw. der Staatssicherheit.
Aus meiner Sicht gab es für diese Entscheidung vorrangig drei Gründe. 1. Kein Land des Warschauer Vertrages hatte mit der NATO eine solche Staatsgrenze wie die DDR zur BRD, die 1.378 km umfasste. 2. Nirgendwo auf der Welt standen sich die modernsten und schlagkräftigsten Gruppierungen der NATO und des Warschauer Vertrages so unmittelbar in Grenznähe gegenüber, wie auf dem Territorium der BRD und der DDR. 3. In keinem Land des Warschauer Vertrages war es erforderlich, auf Grund der Anwesenheit von annährend einer halben Million Angehöriger der Sowjetarmee die militärische Grenzsicherung so eng mit der sowjetischen Seite abzustimmen, wie auf dem Territorium der DDR.
Sicherlich gab es noch einige andere Beweggründe, auf die aber nicht näher eingegangen werden soll. Als langjähriger Stellvertreter des Oberkommandierenden der Vereinten Streitkräfte des Warschauer Vertrages kann ich einschätzen: In Moskau herrschte Klarheit darüber, dass nur über den Minister für Nationale Verteidigung der DDR es möglich war, aktiven Einfluss auf - die Gestaltung des Grenzsicherungssystems, - die Struktur, Bewaffnung, Ausrüstung und Ausbildung der Grenztruppen, das Zusammenwirken zwischen der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) und den Grenztruppen sowie - auf die Aufgabenerfüllung der Grenztruppen im Verteidigungszustand - zu nehmen.
Auf der Grundlage der Vereinbarungen im Warschauer Vertrag wurden von uns alle Vorschläge und Empfehlungen, aber auch alle Direktiven und Befehle aus Moskau im Zusammenhang mit der Grenzsicherung entsprechend unseren Möglichkeiten erfüllt. Das betraf auch die Grenzsicherungsmaßnahmen am 13.August 1961 im Bezug auf Westberlin. Viele Spekulationen und Unwahrheiten werden in diesem Zusammenhang durch die Massenmedien und so genannte Historiker veröffentlicht. Auf wessen Weisung oder Initiative erfolgten die Grenzsicherungsmaßnahmen zu Westberlin? Immer wieder wird Walter Ulbricht ins Spiel gebracht. Es geht mir nicht darum, die Verantwortung auf andere abzuschieben, sondern der historischen Wahrheit zum Durchbruch zu verhelfen. Der langjährige sowjetische Außenminister Andrej Gromyko, der Jahrzehntelang die Außenpolitik der Sowjetunion bestimmt hat, schreibt in seinen Memoiren: „Die Regierungen der Staaten des Warschauer Vertrages haben sich an die Volkskammer und die Regierung der DDR, an alle Werktätigen der Deutschen Demokratischen Republik mit der Aufforderung gewandt, an der Grenze zu Westberlin Maßnahmen zu ergreifen, die zuverlässig alle Wege für die subversive Tätigkeit gegen die Teilnehmerstaaten des Warschauer Vertrages versperren. Es wurde empfohlen, um das gesamte Territorium Westberlins, einschließlich seiner Grenzen zum demokratischen Berlin, zuverlässige Bewachung und effektive Kontrolle zu gewährleisten. Diesem Appell entsprechend hat die Regierung der DDR einen Beschluss über Maßnahmen zum Schutz der Interessen der DDR und besonders ihrer Hauptstadt Berlin gefasst. In der denkwürdigen Nacht vom 12. zum 13. August wurde die Grenze zwischen West- und Ostberlin geschlossen.“ Hieraus ist klar ersichtlich in wessen Auftrag die Grenzsicherungsmaßnahmen am 13.August 1961 durchgeführt wurden. Natürlich hatten diese Maßnahmen auch eine große politische und ökonomische Bedeutung für die DDR. Jedoch erfüllten die Angehörigen der Grenztruppen auch in Berlin ihre Aufgaben zur zuverlässigen Sicherung der Staatsgrenze entsprechend den Festlegungen des Warschauer Vertrages. Immer gab es bei der Grenzsicherung ein enges Zusammenwirken mit der sowjetischen Seite. Angefangen vom Ministerium für Nationale Verteidigung über das Kommando der Grenztruppen, - die Grenzkommandos NORD, SÜD und MITTE und - die Kommandeure der Grenzregimenter gab es ein enges, kameradschaftliches Zusammenwirken mit den jeweiligen Partnern der GSSD. Jeder zur GSSD neu zuversetzte Regimentskommandeur, Divisionskommandeur oder Armee- Befehlshaber hat in den ersten vier Wochen des Aufenthaltes in der DDR gemeinsam mit den Offizieren der Grenztruppen seinen Grenzabschnitt besichtigt. Periodisch haben auch die jeweiligen Oberkommandierenden der GSSD - Armeegeneral Iwanowski, - Armeegeneral Saizew, - Armeegeneral Snetkow und andere mit den leitenden Kadern der GSSD, dank der aktiven Unterstützung durch das Grenzkommando NORD und SÜD jeweils eine mehrtägige Rekognoszierung des Grenzgebietes vorgenommen. Im Stab der GSSD befanden sich auch die wichtigsten Dokumente der Grenztruppen: - Die Struktur und Dislozierung, - die Bewaffnung und Ausrüstung, - die Dokumentation über die Verminung der Staatsgrenze, um nur die wichtigsten zu nennen.
Schlussfolgernd kann festgestellt werden: Während in einigen Staaten in der westlichen strategischen Richtung eine polizeiliche Grenzüberwachung durchgeführt wurde, gab es in der DDR auf Grund der militär- geografischen Lage eine moderne militärische Grenzsicherung. Immer bestand das Grundanliegen darin, durch eine gut organisierte militärische Grenzsicherung eine Überraschung durch den Gegner auszuschließen. ( Erfahrungen von 1941 ) An der Grenze zur BRD befanden sich bereits in Friedenszeiten militärisch gesehen - mit dem Grenzkommando NORD und SÜD zwei Divisionen - und mit dem Grenzkommando MITTE in Berlin eine Division im ständigen Gefechtseinsatz. Auch die Grenzbrigade „Küste“ erfüllte bereits in Friedenszeiten wichtige Aufgaben für die „Verbündeten Ostseeflotten“ des Warschauer Vertrages.
Ich möchte vor diesem Forum nicht auf die Schwere und die vielen Belastungen des Grenzdienstes eingehen, da sie allen hier Anwesenden bestens bekannt sind.Die Kommandeure der GSSD und der Landstreitkräfte der NVA wussten, dass sie ihre Aufgabe im Verteidigungszustand, ob bei der Abwehr einer Aggression des Gegners und dem nachfolgenden Übergang zur Gegenoffensive, oder bei der standhaften Verteidigung des Territoriums der DDR nur im engen Zusammenwirken und mit aktiver Unterstützung der Grenztruppen erfüllen können. In einer Spannungsperiode bzw. im Verteidigungszustand wären - 30% der Angehörigen des Grenzkommandos NORD und SÜD den Kommandeuren der NVA und - 70 % den sowjetischen Kommandeuren unterstellt worden. Deshalb hatte auch die militärische Ausbildung der Angehörigen der Grenztruppen eine große Bedeutung. Jeder entlassene Angehörige der Grenztruppen konnte im Verteidigungszustand auch als Reservist für die Landstreitkräfte einberufen werden. Deshalb beinhaltete der jährliche Befehl 101 des Ministeriums für Nationale Verteidigung 30 bis 40 % die Aufgaben in Friedenszeiten aber - 60 bis 70 % die Vorbereitung auf die Aufgaben im Verteidigungszustand. Deshalb befanden sich noch 1990 in den Lagern der Grenztruppen - 86.400 Panzerminen - 65.500 Infanterieminen sowie 187 Tonnen Sprengstoff. Darum war der Chef der Grenztruppen auch Stellvertreter des Ministers für Nationale Verteidigung. Um den anspruchsvollen militärischen Aufgaben gerecht zu werden haben die beiden Chefs der Grenztruppen, General Peter und General Baumgarten, sowie eine Reihe leitender Kader der Grenztruppen auch die Generalstabsakademie in Moskau absolviert.
Während der Block-Konfrontation und des Kalten Krieges wurden die Leistungen und Verdienste der Grenztruppen der DDR bei der Friedenssicherung weltweit gewürdigt. Zwei Beispiele sollen das veranschaulichen: 1. In der Zeit von 1961 bis 1989 haben 30.000 Delegationen aus 120 Staaten die Grenzsicherungsanlagen und die Ausstellung am Brandenburger Tor besichtigt. Dabei wurde mit Lob und Hochachtung vor den Leistungen der Grenzsoldaten nicht gespart. 2. Am 16.04.1986 wurde durch Gorbatschow beim Besuch der Staatsgrenze in Berlin folgende Eintragung in das Gästebuch des Stadtkommandanten am Brandenburger Tor vorgenommen: „Am Brandenburger Tor kann man sich anschaulich davon überzeugen, wie viel Kraft und wahrer Heldenmut der Schutz des ersten sozialistischen Staates auf deutschen Boden vor den Anschlägen des Klassenfeindes erfordert. Die Rechnung der Feinde des Sozialismus wird nicht aufgehen. Das Unterpfand dessen sind das unerschütterliche Bündnis zwischen der DDR und der UdSSR sowie das enge Zusammenwirken der Bruderländer im Rahmen des Warschauer Vertrages. Ewiges Andenken an die Grenzsoldaten, die ihr Leben für die sozialistische DDR gegeben haben. 16.04.1986 M.S. Gorbatschow”
Als Gorbatschow diese Eintragung in das Gästebuch des Stadtkommandanten 1986 vornahm, handelte er nicht als Privatmann, sondern als höchster Repräsentant des sozialistischen Lagers und zugleich als Oberster Befehlshaber der Vereinten Streitkräfte des Warschauer Vertrages und damit als international anerkannter höchster Vorgesetzter aller Armeen des Warschauer Vertrages. Diese Eintragung von Gorbatschow in das Ehrenbuch am Brandenburger Tor war für die Grenztruppen der DDR eine Bestätigung ihres gesetzlichen Auftrages und gleichzeitig eine Bestätigung der Notwendigkeit und Richtigkeit der zuverlässigen militärischen Sicherung der Staatsgrenze. Leider war Gorbatschow nicht bereit, beim Honecker - Prozess, bei dem der frühere Verteidigungsminister Heinz Keßler zu 7 ½ und ich zu 5 ½ Jahren Haft verurteilt wurden, als Zeuge aufzutreten und sich zu dieser Eintragung zu äußern. Derselbe Gorbatschow hat sich über die Grenzsicherungsmaßnahmen zu Westberlin am 20.12.2004 vor Schülern der Hildegard - Wegschneider - Oberschule in Berlin Wilmersdorf wie folgt geäußert: „Wenn ich mich an die Mauer in Berlin erinnere, spüre ich heute noch Entsetzen über dieses Bauwerk.“ Deshalb wurde nach 1990 Gorbatschow im „Rechtsstaat“ Deutschland mit höchsten Ehrungen bedacht. Es gab für uns immer, auch heute noch, einen Unterschied zwischen Gorbatschow, Schewardnadse und einigen anderen und den Angehörigen der Sowjetarmee und der Grenztruppen der Sowjetunion, mit denen wir eine feste Waffenbrüderschaft pflegten.
Aus dem Gesagten ergibt sich: Die militärische Grenzsicherung der Staatsgrenze der DDR zur BRD und zu Westberlin erfolgte in der 40 jährigen Periode des Kalten Krieges - im Auftrag des Warschauer Vertrages, - im Interesse des Warschauer Vertrages und - zum Schutze der Staaten des Warschauer Vertrages. Diese Maßnahmen waren ein wichtiger Beitrag zur Friedenserhaltung in Europa.
Gestatten Sie mir abschließend folgendes zu unterstreichen: Jeder Angehörige der Grenztruppen der DDR kann auch heute erhobenen Hauptes und mit Stolz auf seinen geleisteten Ehrendienst zurückblicken. Er hat seine Aufgaben nach dem Recht und den Gesetzen des Staates erfüllt, der von 138 Staaten dieser Welt anerkannt war und in der UNO einen geachteten Platz eingenommen hat. Die internationale Autorität der DDR war nicht schlechter als die der BRD. Keiner von uns hat in einem „Unrechtstaat“ gedient!
Ich bin fest davon überzeugt: Trotz der vielen Verleumdungen, Diskriminierungen und Kriminalisierungen wird die Geschichte ein gerechtes Urteil über den Beitrag der Grenztruppen der DDR zur Erhaltung des Friedens in Europa fällen.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.
Dr. rer. pol. Milan Richter, Oberst a. D.
Grußworte des ehemaligen Leiters der Politabteilung der Grenzbrigade der tschechoslowakischen Grenztruppen in Cheb
Geehrte Waffenbrüder ! Geehrte Gäste ! Liebe Genossinnen und Genossen !
Erlauben Sie mir, diese feierliche Veranstaltung unserer Freunde aus Anlaß des 60. Jahrestages des Schutzes der Staatsgrenze des ersten Arbeiter-und-Bauern-Staates in der deutschen Geschichte recht herzlich von den tschechoslowakischen Grenzsoldaten und Mitgliedern des Grenzer-Klubs zu begrüßen. Erlauben Sie mir auch, die Abwesenheit des ehemaligen Kommandeurs der tschechoslowakischen Grenzsoldaten, Generalleutnant Ingenieur Frantisek Sadek, zu entschuldigen. Mit Freude hat er Eure Einladung entgegengenommen, aber nach drei Operationen und nachfolgender Rekonvaleszenz ist es ihm nicht erlaubt, solch eine Reise zu unternehmen und hierher zu kommen. Er hat mich gebeten, dass ich Euch allen und Generaloberst Klaus-Dieter Baumgarten seinen persönlichen Kampfesgruß übermitteln soll. Weiter soll ich auch den Dank ausrichten für die wirksame Zusammenarbeit beim Grenzschutz an der westlichen Grenze, damit der Frieden und der Sozialismus erhalten wurde. Gleichzeitig wünscht er Euch Gesundheit und stabilen Willen bei der Verteidigung der Ehre und Würde der Grenzsoldaten der DDR. Und um das bemühen auch wir uns, die ehemaligen Grenzsoldaten der Tschechoslowakischen Republik.
Nach dem politischen Putsch und der Änderung des Eigentums im Jahre 1989 haben das Regime und seine Diener den Angriff gegen alles unternommen, was mit dem Namen Sozialismus im Zusammenhang steht. Die größte Erniedrigung und Beleidigung bezieht sich besonders auf die ehrliche Arbeit und den Dienst, die im Interesse der Mehrheit des Volkes geleistet wurden. So wie bei Euch, werden auch bei uns ehemalige Grenzsoldaten verfolgt. Trotz hartnäckiger Bemühungen einer sogenannten unabhängigen Justiz, auf der Basis politischer Bestellung ehemalige Grenzsoldaten ins Gefängnis zu bringen, ist das unseren Pseudodemokraten nicht gelungen. Ihre Bemühungen finden keine gesellschaftliche Unterstützung. Unser Grenzer-Klub hat vor zehn Tagen eine Petition mit fast 7.000 Unterschriften von Bürgern aus der ganzen Republik gegen die Verfolgung von Grenzsoldaten eingereicht. Aber wenn es bisher auf dem Rechtsweg nicht ging, bemühen sich unsere Herrschenden, unsere Familien psychisch und auch gesundheitlich zu brechen. Für den psychologischen Terror benutzen sie besonders die Massenmedien. Die Bevölkerung wird eingeschüchtert, die demokratische Öffentlichkeit im Allgemeinen und die ehemaligen Grenzer im Besonderen. Es begann schon mit dem Verbot des Kommunistischen Jugendverbandes und nach und nach sollen auch andere fortschrittliche Organisationen ein solches Schicksal ereilen. Die nächsten Opfer sollen Generalleutnant ing. Frantisek Sadek zusammen mit weiteren Offizieren von den Grenztruppen sein.
Worum geht es ? Im Jahre 1978 hat eine terroristische Gruppe die Entführung eines Ausflugbusses, der mit Studenten aus dem Gymnasium in Ricany besetzt war, in gewaltsamer Weise mit gestohlenen Schusswaffen durchgeführt. Diese terroristische Gruppe wollte nach Deutschland flüchten. Angehörige des Grenzschutzes haben diese terroristische Aktion verhindert. Jetzt sollen sie vor Gericht gestellt werden.
Derzeitig existieren verschiedene Organisationen, die für die Verfolgung von Menschen bezahlt werden. Die wichtigste Organisation ist das „Amt für Dokumentation und Untersuchung von Verbrechen des Kommunismus“ neben anderen ähnlichen. Sie müssen wenigstens einige Ergebnisse ihrer Tätigkeit nachweisen, damit sie bequem leben können. Ihr Leben und ihre Tätigkeit basieren auf Lügen und Verfälschungen der Vergangenheit. In unserer Republik hat sich eine solche realistische Wirklichkeit ergeben, dass Terroristen, Mörder und Verbrecher aller Art offiziell als Helden und wirkliche Helden als Verbrecher erklärt werden. Es reicht nur zu sagen: „Ich habe gegen den Kommunismus gekämpft.“ Solche Menschen sind dann große Helden. Man kann sich nur wundern. Wenn man im Senat der Tschechischen Republik drei Stunden lang hört, dass man Kommunisten und ihre Helfershelfer in bestimmten Situationen morden durfte, wird das als höheres moralisches Prinzip betrachtet. Eben deswegen sollen auch die Brüder Masin das höchste Ehrenzeichen bekommen. Ich erinnere nur, die Brüder Masin haben Anfang der fünfziger Jahre Sabotageakte und terroristische Tätigkeiten ausgeführt. Sie waren Mörder. Sie haben zwei Angehörige des Polizeidienstes und einen Kassierer einer wirtschaftlichen Organisation wegen Geld ermordet. Nach der illegalen Überschreitung der Staatsgrenze haben sie zwei Polizisten der DDR erschossen, damit sie in den „freien Westen“ kommen konnten. Es waren zwei Eurer Genossen. Einer von dieser Gruppe, Milan Paumer, ist 1989 ungestraft in die Tschechische Republik zurückgekommen. Dieser Mann hat vor zwei Jahren auf der KSC-Manifestation am 1. Mai frei und ungestraft proklamiert: „Vorläufig haben wir die Waffen noch nicht gezogen. Vorläufig !“ Also kann sich der Faschismus in unserer Republik ruhig weiter entwickeln. (Zu diesen Ereignissen wird die GRH demnächst eine ergänzende Information herausgeben)
Die tschechoslowakischen Grenzer verzichten nicht darauf, für die historische Wahrheit und eine gerechte menschliche Gesellschaft zu kämpfen. Tausende Grenzer haben sich organisiert und sind ein bedeutsamer Bestandteil des Grenzer-Klubs. Der Klub ist vor 14 Jahren spontan im nordwestlichen Grenzgebiet als eine Reaktion auf revanchistische Forderungen der Sudetendeutschen Landsmannschaften entstanden. Er hat sich bald in der ganzen Republik verbreitet. Unser Klub hat eine eigene Zeitung „Hranicar“ (Grenzer). Der Klub gehört zu den mächtigsten bürgerlichen Organisationen in der Tschechischen Republik. Ehemalige Grenzer treffen sich regelmäßig, so wie es in der Satzung des Grenzer-Klubs vorgesehen ist. Aktiv beteiligen sie sich an Maßnahmen der Vertretungskörperschaft, besuchen Schulen, damit den Kindern die Wahrheit gesagt wird und unternehmen mit ihnen Sonderfahrten durch unsere Heimat. Diese Gruppen kümmern sich um Gedenkstätten und Grabstätten gefallener Grenzer und Befreier der Tschechoslowakischen Republik. Es wurden schon vier historisch bedeutende Publikationen herausgegeben. Jedes verkaufte Buch bringt 20,- Kronen auf das Konto für die Hilfe gerichtlich verfolgter Grenzer. Das ist zusammen mit der juristischen und psychologischen Hilfe sehr wichtig. Fürs Erste waren es 5.000 Kronen. Wir bereiten auch ein Ehrenmahl für alle tschechoslowakischen Grenzer vor, nicht nur für die Gefallenen.
Außer Regionaltreffen wurden schon drei gesamtstaatliche Treffen tschechoslowakischer Grenzer realisiert. Hieran nahmen ca. 600 Menschen aus der ganzen Republik teil. Sie brachten ihren Protest gegen die Verfälschung der Vergangenheit und ihren Stolz auf ihren Dienst fürs Vaterland und den Frieden in der ganzen Welt zum Ausdruck. Denn darin bestand unser wichtigster gemeinsamer Beitrag. Diese Treffen haben internationalen Charakter. Wir sind froh, dass wir uns dabei auch mit Freunden aus der Slowakei und Polen, aber auch mit Freunden aus Deutschland, an der Spitze mit dem ehemaligen Stellvertreter des Ministers für Nationale Verteidigung der DDR und Chef der Grenztruppen, Generaloberst Klaus-Dieter Baumgarten, mit den Obersten Dr. Peter Freitag und Karl-Heinz Kathert sowie anderen Freunden treffen konnten. Ihr Auftritt hilft der Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen zwischen unseren Völkern. Die tschechoslowakischen Grenzer haben all diese Freunde als ihre eigenen angenommen. Eine ganz außergewöhnliche Arbeit hat in diesem Sinne der vor kurzem gestorbene Oberst Dr. Peter Freitag geleistet. Erlauben Sie mir festzustellen, dass selten jemand von uns so viel für die freundschaftlichen Beziehungen zwischen unseren Völkern in den letzten Jahren getan hat wie er. Er war ein Vermittler des guten Willens. Die Nachricht über sein Ableben, die in der tschechischen Presse veröffentlicht wurde, hat bei unseren Menschen tiefe Trauer und großes Mitleid hervorgerufen. In dieser Zeit fanden viele Versammlungen statt, auf denen am Anfang seiner Arbeit gedacht und ihm Ehre erwiesen wurde. Viele haben Beileidsbekundungen an Peters Gattin Sigrid übergeben. Tiefes Beileid habe ich persönlich auch im Namen des Grenzer-Klubs und der tschechoslowakischen Grenzer am Tag der Verabschiedung übermittelt. Das deutsche Volk kann stolz auf solche seiner Söhne sein, wie Peter es war. Tun wir alles nach seinem Vorbild, damit auch Generaloberst Klaus-Dieter Baumgarten und die ehemaligen Grenzsoldaten der DDR, die ihren Ideen, deretwegen sie gedient haben, treu geblieben sind, einmal so bewertet werden können. Wir dürfen nicht vergessen, dass an den Ergebnissen unserer Arbeit auch die Ehefrauen Anteil haben mit ihrer Toleranz, Geduld und Unterstützung.
Geehrte Freunde! m September dieses Jahres fand in Brno der VII. Nationalkongreß des Grenzer-Klubs statt. Kritisch wurden die Ergebnisse der bisherigen Arbeit ausgewertet und neue Aufgaben für die nächsten vier Jahre gestellt. Neben Aufgaben, die auf die Verteidigung der tschechischen Volksinteressen gerichtet sind, gibt es auch die, die auf die Freundschaft und Mitarbeit in fortschrittlichen, patriotischen und antifaschistischen Organisationen und mit Bürgern gerichtet sind. Wir sind davon überzeugt, dass wir bei Erfüllung unserer Aufgaben eine enge Zusammenarbeit mit den ehemaligen Grenzern der DDR und allen fortschrittlichen Organisationen und Bürgern der BRD erreichen werden. Auf diesem Kongreß wurde Karel Janda als Vorsitzender des Nationalrates wiedergewählt. Ehre und Ruhm allen Grenzsoldaten der DDR, die ihr Vaterland geschützt und verteidigt und damit ihren Beitrag für den Weltfrieden und die Freundschaft zwischen den Völkern geleistet haben. Es kommt unwiederbringlich die Zeit, in der Euer Dienst offiziell gewürdigt wird.
1) Zu diesen Ereignissen wird die GRH demnächst eine ergänzende Information herausgeben
Mag. Walerian Mikolajczak, Oberst a. D.
Grußworte des ehemaligen Stellvertreter des Chefs der Polnischen Grenztruppen und langjähriger Kommandeur der Grenzbrigade in Krosno Odrzanskie
Sehr geehrter Generaloberst a.D. Baumgarten ! Genossen !
Im Namen der Kollegen Oberst Henryk Grzybowski, ehemaliger Kommandeur der Pommerschen Brigade des Grenzschutzmilitärs (WOP) und Major Wieslaw Rutkowski, ehemaliger Kommandeur der Grenzübergangsstelle (GüSt) Swiecko, und auch im Namen unserer Ehefrauen bedanken wir uns für die Einladung und die Möglichkeit der Teilnahme an diesem Treffen mit Freunden zum 60. Jahrestag der Grenztruppen der DDR, unseren Nachbarn.
Die vergangenen Jahre, als wir noch im Militärdienst waren, sind unter dem Stichwort „Waffenbrüderschaft“ verlaufen. Heute, nachdem wir in den Ruhestand gegangen sind, hat sich die Waffenbrüderschaft in herzliche Freundschaftsbande verwandelt. Glücklicherweise wurde die Initiative der gegenseitigen Treffen ehemaliger Berufssoldaten von unter ergriffen, auf der Ebene der Grenzeinheiten besonders im Bereich Frankfurt / Oder – Slubice. Obwohl die Treffen ehemaliger Berufssoldaten und ihrer Ehefrauen mit den Partnern und Bekannten aus dem Nachbarland mit unterschiedlicher Häufigkeit stattfinden, ist es schwer aus heutiger Sicht die quantitativen Kategorien zu berücksichtigen. Viele Soldaten sind leider gestorben, andere sind in die Reserve gegangen oder haben sich woanders niedergelassen und verloren den Kontakt mit dem Grenzgebiet und den ehemaligen Genossen. Es gibt schließlich auch eine Gruppe ehemaliger Berufssoldaten, die sich zurückgezogen hat, die abseits bleibt, kein Interesse und keinen Willen an der Mitgliedschaft in einer Organisation ehemaliger Berufssoldaten zeigt. Die Ursachen eines solchen Zustandes sind verschieden. Zu den wichtigsten gehören bestimmt die schwierigen existenziellen Verhältnisse, der Gesundheitszustand und das Alter. Achtzigjährige, die in den gesellschaftlichen Organisationen aktiv bleiben, gehören zur Ausnahme. Ihr Dienst und ihre Tätigkeit in der Vergangenheit rufen unterschiedliches Interesse und eine differenzierte Bewertung seitens der jüngeren Generation hervor.
Voriges Jahr nahm ich an einem ähnlichen Treffen des tschechoslowakischen Grenzschutzmilitärs teil. Ich war beeindruckt von den Aktivitäten und der organisatorischen Kunst. Genauso heute, an diesem Berliner Treffen, schauen wir mit Bewunderung auf die Leistungen deutscher Kollegen aus dem ehemaligen Dienst. Man muß unterstreichen, dass die Schicksale unserer Freunde in den genannten Ländern unterschiedlich sind. Verschieden sind auch die Organisationsformen und ihre Position im gesellschaftlichen Leben jedes Landes. Unser Bund der ehemaligen Berufssoldaten WOP bildet keine besondere Vereinigung der Soldaten mit grünen Bändern. Wir sind Mitglieder eines allgemeinen polnischen Bundes ehemaliger Berufssoldaten und Reserveoffiziere und bilden dabei lediglich eine kleine Gruppe. An der Feier zum 60. Jahrestag der Grenztruppen unserer Nachbarn nehmen wir nicht als offizielle Vertreter des Bundes ehemaliger Berufssoldaten und Reserveoffiziere teil, sondern als Freunde. Diese besondere Freundschaft entstand, entwickelte und festigte sich im Dienst an der Grenze. Gut, dass die Freundschaftsbande nicht zerrissen wurden, und dass sie nicht in Vergessenheit geraten sind. Wichtig ist, dass sie keine Episode in unserem Leben sind. Unsere Bekanntschaften und Freundschaften haben sich gefestigt, auch dadurch, dass sie unsere Familien umfassen. Ein Beweis dafür ist die Einladung unserer Frauen zu der heutigen Feier. Ich bedanke mich sehr für die Einladung bei den Organisatoren. Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit mit den besten Wünschen für die weitere Entwicklung der Organisation und ihrer Rolle im gesellschaftlichen Leben. Zum Schluß möchte ich einen bekannten Spruch – abgewandelt – sagen: „Soldaten mit grünen Bändern vereinigt Euch !“
Danke für Ihre Aufmerksamkeit.
Günter Leo, Oberst a. D.
Der 9. November 1989 und die besondere Verantwortung der Grenzsoldaten für die Erhaltung des Friedens in Europa
Liebe ehemalige Mitstreiter ! Liebe Freunde und Genossen ! Verehrte Gäste !
1989 hatte ich gerade 30 Jahre als Angehöriger der Grenztruppen in den unterschiedlichsten Dienststellungen gedient und immer nach bestem Wissen und Gewissen Verantwortung gegenüber meinem Staat, dem Volk der DDR und den mir jeweils unterstellten Soldaten, Unteroffizieren, Offizieren und Zivilbeschäftigten getragen. Was in diesen Tagen im Herbst 1989 von allen Angehörigen der Grenztruppen zu bewältigen war, konnten wir uns bis dahin nicht vorstellen. Wie in solchen Situationen zu führen ist, wurde auf keiner Offiziershochschule und auch nicht auf der Militärakademie gelehrt. Über Ursachen, Zusammenhänge und Wirkungen der Ereignisse im Herbst 1989 wurde in mehr als 17 Jahren viel gesagt, geschrieben und noch mehr gestritten. Ich stehe heute nicht hier, um all die ungeklärten Fragen zu beantworten und Wertungen vorzunehmen, die einer späteren, den Realitäten verpflichtete Geschichtsschreibung obliegt. Mich erschüttert jedoch beinahe täglich, mit welcher Dreistigkeit durch die herrschende Politik und durch die Medien die jüngere deutsche Geschichte verfälscht, die Tatsachen verdreht und die übergroße Mehrheit der Bürger, die in der DDR gelebt und gearbeitet haben, beleidigt und verleumdet werden. Offiziell sind wir, die wir uns heute hier aus gutem Grund zusammengefunden haben und die wir zum größten Teil 1989 an den Brennpunkten der Geschichte standen, als Zeitzeugen nicht gefragt und auch nicht zugelassen. Es sei denn, wir wären bereit, uns selbst zu verleumden. Laßt mich deshalb aus der Sicht der Erlebnisse und Erfahrungen, die ich in Berlin, wie andere Genossen in Stendal, Erfurt, oder welchem Standort auch immer gesammelt haben sagen: Für uns als Grenzer begann die Zeit der Anspannungen nicht erst am 9. November 1989.
Die Ereignisse, die durch ausreisewillige DDR-Bürger in den BRD-Botschaften in Budapest und Prag hervorgerufen und durch die BRD-Regierung genutzt wurden, trugen das Ziel, die politische Situation in Europa anzuheizen und die Begehung des 40. Jahrestages der DDR zu stören. Immer häufiger stattfindende Demonstrationen in Berlin – der Höhepunkt war die am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz durchgeführte – führten zunehmend zu einer sich ständig steigernden Anspannung nicht nur bei den Führungskräften, sondern auch bei den Soldaten und Unteroffizieren in den Truppenteilen und Einheiten. In dieser Situation beschäftigte uns bereits vordringlich die Frage, wie ist ein gewaltsames Eindringen in die militärischen Objekte oder ein massenhafter Angriff auf die Staatsgrenze ohne Anwendung der Schusswaffe zu verhindern? Eine Frage, die uns in den folgenden Tagen und Nächten nicht mehr loslassen sollte. Die entstandene Lage verlangte einen maximalen Einsatz der Kräfte und Mittel zur Grenzsicherung. Reserven wurden gebildet und die Ausbildungskompanien der Grenzausbildungsregimenter-39 und -40 kamen verstärkte an der hinteren Begrenzung des Handlungsraumes der Grenztruppen zum Einsatz. Die Offiziershochschule „Rosa Luxemburg“ war fast durchgehend mit ein bis zwei Kompanien Offiziersschülern in Berlin vorwiegend in den provokationsgefährdeten Abschnitten im Handlungsstreifen eingesetzt. Bereits in dieser Zeit hatten wir immer neue politische und militärische Situationen zu meistern, die uns zwangen dazu zu lernen. Die zum Teil vorhandene Handlungsunfähigkeit der Staatsmacht der DDR hat uns Angehörige der Grenztruppen zu bestimmten Zeitpunkten und zu besonderen Anlässen jedoch gehörig zwischen die Stühle gesetzt. In den Tagen und Wochen vor dem 9. November 1989 hatten sich einige grundlegende Veränderungen im Denken und Handeln der Führungskräfte wie auch der Soldaten in der Truppe vollzogen. Das in vielen Jahren gewachsene Bild von der Unbesiegbarkeit der sozialistischen Staatengemeinschaft und vom festen Vertrauen des Volkes zur Partei stimmte nicht mehr. In einer für die DDR sehr ernsten Situation und unter dem Druck zur raschen Lösung anstehender Probleme fand in der Zeit vom 8. bis 12. November 1989 die 10. Tagung des Zentralkomitees der SED statt. Uns als Angehörige der Grenztruppen war nicht bekannt, dass ausgehend von der entstandenen Situation in Ungarn und in der CSSR und des Ausreisestroms von Bürgern der DDR ein Reisegesetz vorbereitet wurde, welches am 10. November 1989 in Kraft treten sollte. Am Abend des 9. November führten wir in der Führung des Grenzkommandos MITTE eine Lagebesprechung durch, um auskunftsfähig zu bleiben und auf mögliche Lageveränderungen schnell reagieren zu können. Wie sich die Lage jedoch an diesem Abend verändern sollte, haben wir nicht, und ich möchte behaupten, niemand in den Grenztruppen, erahnt oder gar vorausgesehen. Die Grenzregimenter waren zu dieser Zeit in der verstärkten Grenzsicherung. Am Brandenburger Tor war eine Kompanie Offiziersschüler zum Einsatz gekommen. Die am Brandenburger Tor gebildete vorgeschobene Führungsstelle war durch verantwortungsvolle Offiziere des Stabes des Grenzkommandos MITTE besetzt. Unser Interesse, die Beschlüsse des ZK der SED schnellstmöglich zur Kenntnis zu erhalten, war groß. So verfolgten wir im Fernsehen die Auswertung der ZK-Tagung, die das Mitglied des Politbüros Günter Schabowski an diesem Abend live vornahm. Was Schabowski auf die Frage eines Journalisten nach dem Reisegesetz der DDR antwortete, ist uns und der Welt bekannt. Ich brauche hier nicht alles wiederholen. Als er die Frage nach dem Inkrafttreten des Gesetzes mit den Worten „..sofort, unverzüglich...“ quittierte, war eine Situation eingetreten, deren letztendlichen Auswirkungen und Konsequenzen zu diesem Zeitpunkt niemand überblickte. In welchem geordneten Staatswesen kann man sich vorstellen, dass ein Gesetz, das die Sicherheit des Staates in höchstem Maße berührt, zeitgleich verkündet und in Kraft gesetzt wird, ohne die mit der Materie befassten Kräfte vorher in Kenntnis zu setzen und Durchführungsbestimmungen zum Gesetz zu erlassen. Nachdem wir die Aussagen von Schabowski im Fernsehen vernommen hatten, waren wir geschockt, sprachlos und bitter enttäuscht.
Die sich nun entwickelnde Lage an der Staatsgrenze zwang uns jedoch recht bald, uns an unsere Verantwortung zu erinnern und zu handeln. Die ersten Bürger Berlins hatten sich bereits auf den Weg gemacht, um an den Grenzübergangsstellen die Worte des Herrn Schabowski auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Da es zu diesem Zeitpunkt immer noch keine Befehle und Informationen vom vorgesetzten Führungsorgan gab, mussten die weiteren in der Folge der Lageentwicklung erforderlichen Handlungen durch uns selbst organisiert und geführt werden. Bekanntlich kam es in der Folgezeit zu großen Menschenansammlungen zu Fuß und mit Kfz an den Grenzübergangsstellen. Den Schwerpunkt bildeten die Grenzübergangsstellen Bornholmer Straße und Invalidenstraße. Die sofortige Öffnung der Grenze wurde mit Nachdruck unter Berufung auf Schabowski gefordert. Unter Berücksichtigung des Möglichen, bei Vermeidung von Blutvergießen, Gewalt und der weiteren Eskalation von Provokationen, musste unter Beachtung des noch vorhandenen Spielraumes vor Ort entschieden werden. Der Druck, der sich am Anfang auf nur wenige Grenzübergangsstellen konzentrierte, wurde von den westlichen Medien stark beeinflusst. Er führte dazu, vor Ort die einzig mögliche Entscheidung zu treffen. Sie lautete: „Öffnen der Schlagbäume!“ Es war eine folgenschwere aber notwendige und richtige Entscheidung. Uns war in diesem Moment klar, an den Grenzübergangsstellen ist die Sache gelaufen. Unser Schwerpunkt bildete jetzt die Sicherung des Abschnittes am Brandenburger Tor, denn hier befand sich keine Grenzübergangsstelle. Zu diesem Zeitpunkt gab es vereinzelte Versuche, die Grenzmauer von Westberliner Seite zu besteigen. Mit Aufforderungen, die Mauer wieder zu verlassen, versuchten wir dieses zu verhindern. An der rückwärtigen Begrenzung herrschte noch Ruhe und es gab keine sichtbaren Anzeichen, dass irgend etwas passiert. Ausgehend von der sich entwickelnden Lage an den Grenzübergangsstellen beurteilten wir die mögliche Lageentwicklung am Brandenburger Tor. Auf eine Anfrage an den Diensthabenden Stellvertreter im Kommando der Grenztruppen, Generalmajor Teichmann, wie bei einem Anwachsen der komplizierten Lage gehandelt werden soll, kam nur die Antwort: „Ich erreiche den Chef nicht, ich weiß auch nicht weiter.“ Unser Entschluß stand fest. Es kann passieren was will, am Brandenburger Tor wird es durch unser Handeln zu keinem Konflikt kommen. Wenn es zum gewaltsamen Versuch kommt, in den Abschnitt einzudringen, dann setzen wir unsere Kräfte um und sichern die Flanken ab. Die Anwendung der Schusswaffe ist auszuschließen. Diese Weisung wurde dem Leiter auf der vorgeschobenen Führungsstelle am Brandenburger Tor übermittelt. Gegen 00.15 Uhr kam der Befehl vom Chef der Grenztruppen im Grenzkommando MITTE die „Erhöhte Gefechtsbereitschaft“ auszulösen. Die Auslösung erfolgte mittels des entsprechenden Signals. Die Maßnahmen der „Erhöhten Gefechtsbereitschaft“ beinhalteten unter anderem die Herstellung der Führungsbereitschaft. Eine Drittelung des Stabes war zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr möglich, denn wir hatten die Mehrzahl der eintreffenden Offiziere sofort zur Unterstützung in den Grenzregimentern eingesetzt. Gegen 01.00 Uhr informierte uns das Präsidium der Deutschen Volkspolizei, dass sich ca. 150 Personen aus der Friedrichstraße kommend in Richtung zum Brandenburger Tor bewegten. Es erfolgte die sofortige Information der vorgeschobenen Führungsstelle. Die inzwischen über ca. 300 Personen angewachsene Menschengruppe erreichte die rückwärtige Begrenzung. Sie versuchten gewaltsam in den Abschnitt am Brandenburger Tor einzudringen. Unsere Kräfte handelten entsprechend der gegebenen Weisungen. Die Menschengruppe stürmte durch das Brandenburger Tor und besetzte die Grenzmauer. Zur gleichen Zeit bestieg diese auch eine größere Menschengruppe von der Westberliner Seite her. In dieser Situation durchliefen unseren handelnden Grenzern vielfältige unterschiedliche Gefühle. Es gehörte schon viel dazu, die Lage wieder in den Griff zu bekommen. In Gesprächen mit Offizieren, die vor Ort eingesetzt waren, hörte man immer wieder: „Heute Nacht sind wir verkauft worden!“ Sie waren total enttäuscht und fassungslos. Am Brandenburger Tor spitzte sich die Lage in den Abendstunden des 10. November zu. Bis in die Nachtstunden bestiegen ca. 3.000 Personen die Grenzmauer von der Westberliner Seite. Unsere Grenzposten wurden beschimpft und bedroht. Mittels Spitzhacken und anderen Geräten wurde versucht, die Grenzmauer zu beschädigen. Wir übergaben am 10. November gegen 22.30 Uhr auf der Grenzübergangsstelle Friedrich-Zimmerstraße einen mündlichen Protest an die Polizei von Westberlin. Im Lagebericht der Westberliner Polizei heißt es dazu: „Förmlicher Protest eines Angehörigen der DDR-Grenztruppen.
Am 10.11.1989, 22.30 Uhr, wurde an der UST 5.1 von einem Major der DDR-Grenzorgane an Polizei |