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Gesellschaft zur Rechtlichen und Humanitären Unterstützung e.V. Der Vorstand
Information
Nr. 5 / 2009
Solidarität und Betreuung in der GRH nach der 8. Vertreterversammlung
Für Mitglieder und Sympathisanten
Berlin, August 2009
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Auszug aus dem Bericht des Vorstandes an die 8. Vertreterversammlung
3. Positionspapier der AG Betreuung
4. Aktive Solidarität und politisches Wirken in der GRH
5. Interviewbeitrag zur Betreuungsarbeit in der TAG Königs Wusterhausen „Klaus-Dieter Baumgarten“
6. Erfahrungen aus der Betreuungsarbeit der TAG Berlin-Lichtenberg
7. Zur gegenwärtigen Betreuungsarbeit und absehbaren Entwicklungen - TAG Berlin-Marzahn
8. Informationen zum Gesetz zur strukturellen Weiterentwicklung der Pflegeversicherung - Thea Kleine, TAG Berlin-Hohenschönhausen
9. Wie wollen wir im Alter leben? Hans Peter Wokittel, TAG Berlin-Hohenschönhausen
10. Information über einen Erfahrungsaustausch zur Betreuungsarbeit - Harald Gambig, TAG Berlin-Lichtenberg
Vorwort
Die Erarbeitung des 2. Informationsheftes zur Betreuungsarbeit in der GRH ist erfolgreich abgeschlossen. Wir danken den Kollektiven und Mitgliedern, die mit ihren Erfahrungen und Beiträgen daran mitgewirkt haben. Es bestätigt erneut eindrucksvoll, dass die Solidaritäts- und Betreuungsarbeit innerhalb der GRH im zurückliegenden Zeitraum eine qualitativ gute Entwicklung genommen hat. Sie ist unverzichtbar geworden und hat wesentlichen Anteil daran, dass für die meisten unserer Mitglieder die GRH zur politischen Heimat geworden ist.
Die 8. Vertreterversammlung hat mit dem Referat und der Diskussion neue Akzente gesetzt und Impulse für die weitere Qualifizierung unserer Arbeit gegeben. Um diese Entwicklung zu festigen, ist künftig noch stärker Wert zu legen auf die Vielfalt der Betreuung, die einen ganzen Komplex von Maßnahmen und Hilfen für Freunde umfasst, die aus den verschiedensten Gründen selbst nicht mehr nach außen wirksam werden. Dabei verfügen viele Betreute über reiches Wissen und umfangreiche Erfahrungen, die es gilt, mit Unterstützung noch wirksamer in unseren Kampf einzubringen. Unverzichtbar zur Sicherung unserer Aufgaben ist auch die regelmäßige Entrichtung des Mitgliedsbeitrages. Sie ist Ausdruck der engen Verbundenheit mit unserer Widerstands-, Solidar- und Opfergemeinschaft. Wer sich im Rahmen seiner Möglichkeiten in unsere Gemeinschaft einbringt, kann auch jederzeit der Solidarität und Hilfe von Freunden und Genossen durch Rat und Tat sicher sein. Jeder Beitrag ist gefragt – von der finanziellen Unterstützung über das Auftreten in der Öffentlichkeit bis zur Publikation. All das zusammen dient der weiteren Festigung der Stabilität und Geschlossenheit und der Verstärkung der Außenwirkung unserer Gesellschaft. Dass wir dabei noch enger mit unseren Partnern in anderen Organisationen und Verbänden zusammen arbeiten werden, versteht sich als eine wichtige Voraussetzung künftiger erfolgreicher Tätigkeit.
Hans Bauer Günter Seidel Vorsitzender Leiter AG Betreuung
Auszug aus dem Referat zur 8. Vertreterversammlung …
Liebe Freunde, ausgehend von den Orientierungen der 7. Vertreterversammlung zur weiteren erfolgreichen Festigung unserer Solidargemeinschaft, hat sich in diesem zweiten Kernbereich unserer Arbeit der angestrebte Wandel weiter sichtbar vollzogen. Der Vorstand der GRH, seine AG Betreuung, aber vor allem unsere TAG-Vorstände im Zusammenwirken mit vielen aktiven Mitgliedern, haben erfolgreich daran gearbeitet, eine Atmosphäre aktiver, freundschaftlicher Solidarität unter unseren Mitgliedern nicht nur zu erhalten, sondern weiter zu entwickeln. Wir sind dabei, die von der 7. Vertreterversammlung geforderte qualitative und quantitative Ausrichtung auf die veränderten Anforderungen an die Solidaritäts- und Betreuungsarbeit weiter schrittweise umzusetzen. Die 8. Vertreterversammlung wird dafür neue Impulse geben. Offensiv nach außen, solidarisch nach innen, das macht auch künftig die Stärke und das Ansehen unserer Gemeinschaft aus. Es bleibt bei dem Grundsatz unserer Arbeit, Hilfe und Selbsthilfe in den TAG so zu organisieren, dass jedem Mitglied oder dessen Angehörigen, das Hilfe braucht und Hilfe wünscht, diese Hilfe zuteil wird und niemand in unserer Gemeinschaft allein gelassen wird. Dabei fand insbesondere Beachtung, dass sich die Aufgaben bei der Betreuung unserer Mitglieder infolge der Altersstruktur und der bis zum heutigen Tag anhaltenden negativen und zum Teil sich verschärfenden sozialpolitischen Entwicklungen bis hin zur Altersarmut wesentlich erweitert haben. Diese neuen und höheren Anforderungen unter Berücksichtigung der noch andauernden materiellen, finanziellen, physischen und psychischen Auswirkungen der Strafverfolgung wurden in Bericht und Diskussion der 7. Vertreterversammlung und besonders in den Diskussionen danach zur Grundlage für die Weiterentwicklung unserer Arbeit. Fortschreitendes Alter, damit oft verbundene negative Auswirkungen auf die Gesundheit mit finanziellen Mehrbelastungen kommen hinzu. Die beunruhigenden Signale aus Politik, Wirtschaft und Medien über die Situation im Gesundheitswesen und um die Rente geben zu zusätzlichen Sorgen Anlass. Deshalb erneuern wir den Appell nach noch stärkerer menschlicher Zuwendung, noch breiterer Solidarität gegenüber und zwischen unseren Mitgliedern.
Liebe Freunde, all diese Faktoren waren und sind wesentliche Kriterien der Arbeit des Vorstandes, seiner AG und vor allem der Vorstände der TAG. Als erste Schlussfolgerung nach der 7. Vertreterversammlung wurde dem Vorstand der GRH eine Konzeption zur Betreuungsarbeit vorgelegt und als Arbeitsgrundlage bestätigt. Darauf basierend wurde eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, die unseren höheren Ansprüchen schrittweise gerecht werden sollen. Die AG Betreuung eröffnete im Mitteilungsblatt zu diesen Problemen eine Diskussion, forderte zu Meinungsäußerungen auf und führte Beratungen mit TAG-Vorständen und Mitgliedern durch. Sie holte sich externen Sachverstand aus dem Bereich Gesundheitswesen u. a., erarbeitete eine katalogisierte Sammlung von Ratgebern, Informationen, Gesetzesvorschriften, Adressen von Ansprechpartnern und ein Stichwortverzeichnis zu Sachproblemen, abruf- und einsehbar in der Geschäftsstelle der GRH. Ein Brief des Vorsitzenden mit Hinweisen zur Arbeitsweise mit diesen Materialien und die Übersendung einer Diskette unter Hinweis auf eine stärkere Nutzung des Internets unterstrichen die Bedeutung diese Tätigkeit.
Die AG Betreuung sah und sieht ihre Verantwortung bei der Um- und Neuorientierung der Betreuungsarbeit, ihrer inhaltlichen und organisatorischen Umsetzung und Weiterentwicklung vor allem in ihrer Beratungs- und Informationspflicht gegenüber dem Vorstand der GRH und den TAG-Vorständen, in der Organisation und Entwicklung eines wechselseitigen Kommunikationsnetzes zum Austausch von Erfahrungen und bei der Entwicklung neuer oder zweckmäßigerer Praxis in der täglichen Arbeit. Natürlich ist uns noch nicht alles gelungen, die Arbeitsweise ist differenziert und zum Teil auch territorial sehr unterschiedlichen Bedingungen geschuldet. Qualität und Quantität hängen aber nach wie vor von der Aktivität des jeweiligen Vorstandes und seiner Fähigkeit ab, möglichst viele Mitglieder einzubeziehen.
Was wir bisher gemeinsam erreicht haben, ist in der Information 1/2008 des Vorstandes der GRH enthalten. Sie macht die gesamte Breite der Betreuungsarbeit deutlich und dokumentiert Solidaritätshandlungen auf hohem Niveau. Mit der Information wurde vor allem ein Beitrag zu der Erkenntnis geleistet, dass es nicht darum geht, alle Aufgaben in der Betreuung selbst zu lösen, sondern verlässliche Ratschläge und Orientierungen zu geben, Verbindungen zu Ämtern, Ansprechpartnern, Heimen und Einrichtungen herzustellen, jede neue Erfahrung zu prüfen und vor allem, sie anderen zu vermitteln. Überall dort, wo mit der Umsetzung dieser höheren Anforderungen durch TAG-Vorstände und weitere in die Arbeit einbezogene aktive Mitglieder begonnen wurde, ging auch die Verstärkung der persönlichen Kontakte zu den Mitgliedern einher. Diejenigen, um die wir uns sorgten und denen wir halfen, nahmen diese Hilfe dankbar an.
Liebe Freunde, einige Bemerkungen zur Arbeit der AG Betreuung. In ihr arbeiten 11 Mitglieder, darunter 2 Frauen. Der Altersdurchschnitt liegt über dem der übrigen Mitgliedschaft und spiegelt unter Berücksichtigung des Gesundheitszustandes den realen Zustand unserer Organisation wider. Um die Arbeitsfähigkeit zu garantieren, wurden nach krankheitsbedingtem Ausscheiden dreier Mitglieder und nach Beratung im Vorstand Mitglieder aus anderen AG in die AG Betreuung entsandt. Dadurch besteht eine zusätzliche Informationslinie zu den anderen AG. Grundlage der Arbeit sind Halbjahresarbeitspläne. Die Sitzungen finden regelmäßig monatlich bei guter Beteiligung statt. Zur Beratung wichtiger Sachthemen werden die Erfahrungen von kundigen Mitgliedern, TAG-Vorsitzenden, Sympathisanten, Vertretern von Seniorenheimen, gewählten Vertretern von Seniorenbeiräten bei den Kommunalvertretungen bis hin zum Bestattungsunternehmen genutzt. Der Gedankenaustausch mit Vertretern von TAG-Vorständen wird künftig noch stärkeres Gewicht bekommen. Die monatlichen Vorstandssitzungen werden ausgewertet mit dem Ziel, Schlussfolgerungen zu ziehen und wichtige Informationen weiter zu leiten. Anträge auf materielle Unterstützung wurden zügig beraten und überwiegend in der folgenden Vorstandssitzung zur Abstimmung vorgelegt.
Liebe Freunde, die Förderung des solidarischen und humanitären Beistandes mit Betroffenen von menschenrechtswidriger Verfolgung war auch in den vergangenen 2 Jahren ein besonderes Anliegen der AG Betreuung. Seit der 7. Vertreterversammlung erhielten durch Beschluss des Vorstandes der GRH 42 Mitglieder entsprechen der Richtlinie zur Gewährung materieller humanitärer Unterstützung Geldleistungen insgesamt in Höhe von 21 030 € sowie 5 500 Dollar.
Hinzu kommen Leistungen zur Finanzierung von juristischen Auseinandersetzungen, die durch den Vorstand geführt bzw. initiiert wurden. Die finanzielle Hilfe wurde in erster Linie für individuelle Unterstützung in sozialen Notlagen und zum geringeren Teil für juristischen Beistand gewährt. Bei den Betroffenen handelt es sich vorwiegend um verurteilte Angehörige der Grenztruppen und um Kundschafter sowie andere Freunde, die eine Strafhaft verbüßen mussten, z. T. seit Jahren auf Sozialhilfeniveau leben und deshalb wiederholt Leistungen erhielten.
Liebe Freunde, zu diesem Teil unserer Arbeit möchte ich noch einige abschließende und in die Zukunft weisende Gedanken äußern. Sie betreffen vor allem Probleme, auf die wir uns künftig noch stärker orientieren müssen und weitere, z. T. neue, höhere Anforderungen an uns stellen. Natürlich sind wir stolz auf das Erreichte. Es bleibt dabei und gilt für alle Mitglieder und ihre Angehörigen weiter: Unsere anhaltende Solidarität ist ein wesentliches Fundament unserer politischen Geschlossenheit und Garant weiterer Erfolge im Kampf um Rehabilitierung wegen erlittenen Unrechts und gegen jede Art von Diskriminierung. Dabei ist unser Blick nach vorn gerichtet. Deshalb ist es legitim, die Frage nach der Festigung der Solidarität untereinander und vor allem die Formen und Methoden ihrer praktischen Umsetzung immer wieder ins Zentrum gemeinsamer Überlegungen zu stellen. In der AG Betreuung haben wir darüber eine Diskussion begonnen. Solche Fragen bewegen uns wie z. B.:
Ist der Begriff Betreuung für unsere Tätigkeit nicht zu eng und vielleicht sogar ein wenig irreführend? (Ich erinnere daran, dass einige uns mit der Volkssolidarität verglichen.) Geldzuwendungen nach der Richtlinie müssen dann sei, wenn die tatsächliche soziale Notlage es gebietet. Hier liegt eine große Verantwortung bei den TAG für eine noch gründlichere und differenziertere Prüfung bei strikter Beachtung der Richtlinie zur Gewährung materieller humanitärer Unterstützung, besonders ihrer §§ 4 und 5, um jeden Automatismus zu vermeiden.
Nutzen wir schon ausreichend das ganze uns zur Verfügung stehende Instrumentarium solidarischen Beistandes und aktiver Hilfeleistung, wie es beispielhaft und längst nicht umfassend in unserer Richtlinie dargestellt ist?
Sollten wir im Ergebnis der Diskussion nicht auch zu dem Schluss gelangen, der AG Betreuung einen anderen Namen zu geben, der treffender die Gesamtheit unserer politischen, moralischen, finanziellen und materiellen Möglichkeiten und Aktivitäten zum Ausdruck bringt? Hintergrund dieser Überlegung ist die Erkenntnis, dass alle denkbaren Formen und Methoden der Unterstützung des einzelnen Mitglieder seiner moralischen und politischen Stabilisierung dienen, Kraft geben, den Einzelnen aufrichten, Geborgenheit in unserer Gemeinschaft vermitteln und ihm zugleich helfen, an einem Leben in Würde aktiv teilzunehmen.
Wir denken, es ist an der Zeit, unsere Gedanken darüber auszutauschen und wünschen, dass sich möglichst viele Mitglieder an dieser Diskussion beteiligen.
AG Betreuung Berlin, 11. 01. 2009
Positionspapier der AG Betreuung in Auswertung der 8. Vertreterversammlung der GRH zur weiteren erfolgreichen Umsetzung des Betreuungskonzeptes des Vorstandes vom 06.03.2007
Immer wieder – vom Bericht bis zur Diskussion – wurde auf der 8. Vertreterversammlung die GRH als Heimat für viele unserer Mitglieder bezeichnet. Das muss in unserer gesamten Arbeit täglich spürbar sein; es muss sich im Verhältnis untereinander widerspiegeln, in der freundschaftlichen und vertrauensvollen Atmosphäre, in der tiefen Solidarität innerhalb unserer Organisation, die es weiter zu festigen gilt. Auf diesem Weg haben wir gute Fortschritte gemacht.
Die AG vertritt den Standpunkt, dass das Kurzkonzept des Vorstandes zur Betreuungsarbeit in seinen grundsätzlichen Aufgabenstellungen und inhaltlichen und organisatorischen Orientierungen für die weitere Ausgestaltung des solidarischen Handelns seine Gültigkeit behält. Der Bericht an die 8. Vertreterversammlung hat die dabei erreichten Ergebnisse gewürdigt, allen daran beteiligten Mitgliedern gedankt, zugleich aber auf einige Aspekte hingewiesen, die künftig noch stärker in der Betreuungsarbeit beachtet werden sollten. Mit diesen Aspekten hat sich die AG Betreuung in zwei Beratungen beschäftigt und schlägt folgende Ergänzung des bisherigen Konzeptes vor:
1. Der politische Erfolg der GRH als Menschenrechtsorganisation, als Widerstands-, Solidar- und Opfergemeinschaft gegen Unrecht und Unfrieden insgesamt hängt von der Stärke jedes einzelnen Kollektivs ab. Die feste Solidarität untereinander ist wesentliches Fundament dieser Stärke und unserer politischen Geschlossenheit. Sie muss sich als Gemeinschaft des Verstandes und der Herzen erweisen und ist Garant weiterer Erfolge im Kampf um Rehabilitierung wegen erlittenen Unrechts und gegen jede Art von Diskriminierung, Geschichtsfälschung, Ausgrenzung, Beschimpfung, sozialer Abstrafung und würdeloser Behandlung.
2. Beide Aufgaben haben einen engen Zusammenhang. Der gemeinsame Kampf um ihre Bewältigung hilft, unsere Würde zu wahren und den Humanismus einer sozialistischen Gesellschaft nachzuweisen. Deshalb sollten in den TAG aktive Solidarität und politisches Wirken noch stärker verbunden werden. Der begonnene Weg, für diese wichtige Arbeit die direkte Verantwortung des Vorstandes der TAG zu stärken bzw. von ihm ausgewählte Mitglieder mit der Koordinierung der Betreuungsarbeit zu beauftragen, hat sich bewährt und sollte unbedingt fortgesetzt werden.
3. Dabei ist unser Blick nach vorn gerichtet. Es ist notwendig, die Frage nach der Festigung der Solidarität untereinander und vor allem die Formen und Methoden ihrer praktischen Umsetzung immer wieder ins Zentrum gemeinsamer Überlegungen und Aktivitäten zu stellen. Wir sind uns bewusst, dass die Bewältigung dieser Aufgaben aus verschiedenen und uns allen bekannten Gründen nicht leichter, sondern schwerer wird. Wir appellieren deshalb an alle Mitglieder, im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit Rat und vor allem Tat daran mitzuwirken.
4. Wir betrachten deshalb die Betreuungsarbeit als gelebte Solidarität und Gesamtheit aller politischen, moralischen, finanziellen und materiellen Möglichkeiten und Aktivitäten unserer Gesellschaft. Sie umfasst alle denkbaren Formen und Methoden der Unterstützung des einzelnen Mitgliedes, die seiner moralischen und politischen Stabilisierung dienen, ihm Kraft geben, aufrichten, Geborgenheit vermitteln und ihm zugleich helfen, an einem Leben in Würde aktiv teilzunehmen. Sie trägt entscheidend dazu bei, dass unsere Gemeinschaft für viele zu einer Heimat geworden ist. Dieser Anspruch sollte auch nach außen noch sichtbarer werden und in der Öffentlichkeit stärker seinen Ausdruck finden.
5. Nutzen wir deshalb noch konsequenter das ganze uns zur Verfügung stehende Instrumentarium solidarischen Beistandes und aktiver Hilfeleistung, wie es beispielhaft und längst nicht umfassend in unserer Richtlinie zur Gewährung materieller humanitärer Unterstützung für die unmittelbar von der politischen Strafverfolgung betroffenen Mitglieder dargestellt ist. Die Vorstände der TAG regen wir an, noch stärker auch den § 5, Absatz 5 der Richtlinie in Anwendung zu bringen, der auf die organisierte, örtlich mögliche Hilfe der TAG in eigener Zuständigkeit orientiert. Geldzuwendungen nach der Richtlinie sind dann gerechtfertigt, wenn die tatsächliche soziale Notlage es gebietet. Hier liegt eine große Verantwortung bei den TAG für eine noch gründlichere und differenziertere Prüfung bei strikter Beachtung der Richtlinie zur Gewährung materieller humanitärer Unterstützung, besonders ihrer §§ 4 und 5, um jeden Automatismus zu vermeiden.
Die Durchsetzung dieser Überlegungen wäre ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg, in unserer Gemeinschaft die Solidarität untereinander noch stärker zu festigen.
G. Seidel
Aktive Solidarität und politisches Wirken der GRH Günter Seidel, Joachim Hauck
Wenige Monate nach der 8. Vertreterversammlung der GRH bestätigte der Vorstand ein Positionspapier, das nach eingehender Beratung in der AG Betreuung zur aktuellen Umsetzung des Betreuungskonzepts der GRH erarbeitet wurde. Es widerspiegelt die Entwicklung vor allem in den Territorialen Arbeitsgruppen besonders seit dem Jahr 2000 und begründet differenzierte Anforderungen an das solidarische Handeln jedes Mitgliedes, nicht zuletzt unter Berücksichtigung der weltweiten Systemkrise und des Wahlkampfes 2009 in der BRD. Dieses Positionspapier ist aber noch weit mehr. Der Vorstand analysierte erneut die Situation in den TAG, würdigte gute Ergebnisse kollektiver Arbeit und dankte den vielen Mitgliedern und Sympathisanten für ihren langjährigen persönlichen Einsatz, der zu noch festerer Solidarität untereinander führte. Diese Solidarität ist und bleibt entscheidende Voraussetzung für den politischen Erfolg unserer Gesellschaft als Menschenrechtsorganisation.
Immer wieder erreichen uns sehr einprägsame, aber auch aufrüttelnde Informationen aus den TAG, in welch vielfältiger Form die Auseinandersetzungen um gesellschaftliche Rehabilitierung, gegen Diskriminierung, Geschichtsfälschung etc. geführt werden. Darin ist eingeschlossen die Feststellung, wie groß die Zahl der Mitglieder geworden ist, die durch die Betreuungsarbeit der TAG-Vorstände, Kassierer oder Betreuer sehr individuell unterstützt werden. Ein besonderer Ansporn ist die Gewissheit, dass wir unseren Mitgliedern oder deren Angehörigen in konkreter Art und Weise mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn besonders hohes Alter und/oder gesundheitliche Probleme Hilfe erforderlich machen.
Hilfe und Selbsthilfe haben die TAG-Vorstände zunehmend so organisiert, dass jedes Mitglied, welches Hilfe braucht und wünscht, auch Hilfe erhält und niemand allein gelassen wird. Es ist gelebte Solidarität aus 15 Jahren gemeinsamen Wirkens, begründet vor allem aus den Anfangsjahren des Kampfes gegen die politische Strafverfolgung sowie jetzt und künftig im Kampf um unsere gesellschaftliche und juristische Rehabilitierung.
In der Gegenwart ist unser solidarisches Handeln in spezifischen Fragen erweitert, die sich aus den täglichen Angriffen des brutalen Marktkapitalismus auf soziale Leistungen und Rechte der Bürger ergeben. Das bedarf in jedem Territorium einer stets aktuellen Analyse durch die TAG-Vorstände. Sie ist besonders dringlich, da die soziale Unsicherheit immer mehr um sich greift. Diese Beispiele mehren sich, wo Anregungen gefragt sind, wie berechtigte Forderungen nach sozialen Leistungen bei entsprechenden Trägern für unsere betroffenen Mitglieder durchzusetzen sind, denn die Auswirkungen der Krise betreffen in besonderer Weise auch unsere Mitglieder und deren Familien. Wir setzen den z. T. arroganten Äußerungen und Ratschlägen führender Politiker zur Bewältigung der Krise unsere noch festere aktive Solidarität entgegen. Und auf eine besondere Entwicklung ist noch hinzuweisen: Neben den täglich zu bewältigenden solidarischen Aufgaben blicken wir inzwischen auch über die GRH-Strukturen hinaus, suchen in anderen Organisationen und Strukturen Verbündete, tauschen unsere Erfahrungen aus und begreifen uns noch stärker als Teil einer großen Solidargemeinschaft im Verbund des Ostdeutschen Kuratoriums von Verbänden.
In diesem Rahmen vervollkommnen sich Solidarität und aktive Hilfeleistungen zu anderen Partnern der Region. Betreuungsarbeit ist gelebte Solidarität und Gesamtheit aller politischen, moralischen, finanziellen und materiellen Möglichkeiten und Aktivitäten der GRH.
Unser Positionspapier regt an, die zunehmenden Initiativen in den TAG weiter zu entwickeln und gegenseitig zu vermitteln. Wir arbeiten gegenwärtig an einer Fortsetzung unseres Informationsheftes 1/2008 zur Solidaritäts- und Betreuungsarbeit in der GRH, in dem sich unsere gewachsenen Erkenntnisse und praktischen Erfahrungen widerspiegeln sollen. Wir bauen auf vielfältige und konstruktive Mitarbeit möglichst vieler Mitglieder und Sympathisanten, denn sie allein ist Garantie für weitere Erfolge im solidarischen Handeln.
Interview
Gesprächspartner: Vorsitzender TAG Königs Wusterhausen, Hans Joachim Heusinger Mitglied des Vorstandes, Edgar Robitzsch
Zu Problemen der Betreuungsarbeit in der TAG Königs Wusterhausen „Klaus-Dieter Baumgarten“
(Der Inhalt des Interviews wurde durch den Leiter und Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Betreuung beim Vorstand der GRH aus mehreren Gesprächen und Konsultationen zusammengefasst. Grundlage waren Beiträge aus Berichterstattungen vor der Arbeitsgruppe sowie Diskussions- und Informationsbeiträge.) Fragen/Problemstellungen/Antworten/Erfahrungen und Ergebnisse:
Erstens: Wir kennen Eure Orientierungen bei der Erarbeitung einer Analyse zur Gestaltung der Schwerpunkte im Wirken des Vorstandes der TAG. Welchen Platz nimmt sie ein? Wie geht Ihr an die ständige Vervollkommnung dieses Dokuments heran?
Hans Joachim Heusinger Diese Analyse ist ausschlaggebend für unsere Arbeit. Ohne Analyse, ohne ständig wiederkehrende Beurteilung der Lage im Verantwortungsbereich der TAG bleiben die Ergebnisse aus. Da sich die Situation ständig ändert, sind wir dazu übergegangen, durch den Vorstand grundsätzlich in jeder Sitzung im Tagesordnungspunkt 1 das Stimmungsbild und sich abzeichnende Entwicklungen zu beurteilen.
Unsere Erfahrungen besagen: Es gibt existenzielle Gründe dafür, dass wir uns intensiver mit der Zusammensetzung unserer Arbeitsgemeinschaften beschäftigen müssen. Das betrifft die territoriale Struktur, in der unsere Mitglieder leben, genauso wie die soziale, politische, altersmäßige und bildungsmäßige Zusammensetzung. Auch die realen Möglichkeiten und Potenzen einer TAG gehören dazu. So wird der gesamte Prozess der Betreuungsarbeitung und die zentrale Information im beträchtlichen Maße durch die Zersplitterung der Wohnsitzorte der Mitglieder und die Altersstruktur erschwert.
Hinsichtlich der Reproduktion unseres Mitgliederbestandes zeigen sich ernstzunehmende Probleme. Auf der einen Seite der Wille, auf höhere Anforderungen und Beschlüsse reagieren zu wollen und auf der anderen Seite unsere eingeschränkten Möglichkeiten. Maßstäbe und Erwartungshaltungen sind in dieser Beziehung sehr hoch und gemessen an unseren Möglichkeiten überzogen. Jeder Territorialen Arbeitsgruppe sind in dieser Beziehung objektiv Grenzen gesetzt, die man realistischer beurteilen muss.
Edgar Robitzsch Ich möchte in diesem Zusammenhang an die grundsätzliche Orientierung der 8. Vertreterversammlung der GRH erinnern. Mit der Neu- und Umorientierung der Betreuungsarbeit wurde das Wesen und das Anliegen der Betreuungsarbeit ja neu definiert bzw. erweitert.
Wir haben damit die in der Praxis vorhandene Enge und Einseitigkeit überwunden. Vor allem auch deshalb, weil die Betreuungsarbeit nunmehr die Gesamtheit aller Möglichkeiten mit unseren Mitgliedern darstellt und damit die Anwendung alle denkbaren Formen und Methoden erfordert.
In der Vergangenheit haben wir bereits schon nach diesen Erkenntnissen gearbeitet. Unsere Analyse entspricht auch in dieser Beziehung bereits im Ansatz diesen höheren Maßstäben. Sie gestattet uns, über den Rahmen der Schlussfolgerungen hinauszugehen, die sich aus der dezentralisierten Unterbringung der Mitglieder und ihrer Altersstruktur ergebenden Betreuungsbedürfnisse zu erfassen und darauf zu reagieren. Es hat sich gezeigt, dass dieser Betreuungsbedarf sehr vielfältig ist und das gesamte Spektrum des Lebens unserer TAG erfasst.
Betreuungsarbeit ist deshalb immer von ihrem Wesen her konkrete Arbeit mit den Menschen. Das erfordert, die qualitative und quantitative Ausrichtung der Betreuungsarbeit an diesen veränderten Anforderungen zu messen. Das ist leicht gesagt und schwer getan.
Und wenn wir heute sagen, dass die Befriedigung der Betreuungsbedürfnisse in ihrer ganzen Vielfalt konkrete Arbeit mit den Menschen bedeutet, dann ist das harte Arbeit für den Vorstand, oft bis an die Grenzen des Möglichen, das bedeutet viel Kleinarbeit sowie Aufwand an Zeit und Kraft.
Eine Hilfe für uns sind erweiterte Vorstandssitzungen, wo wir kompetente Mitglieder der TAG und Sympathisanten einladen und zu ausgewählten Problemen sachbezogene Beratung durchführen. Das war z. B. in Auswertung der Beschlüsse der 8. Vertreterversammlung und der Beratung der Schwerpunkte und Hauptmaßnahmen für das Jahr 2009 der Fall. In dieser Beratung wurden ausgewählte Probleme des erweiterten Betreuungsbedarfes behandelt und beschlossen. In der Neujahrsauftaktveranstaltung wurden diese Probleme dann allen Mitgliedern erläutert.
Nur durch die Einbeziehung eines größeren Teils der Mitglieder der TAG in die Entscheidungsfindung lassen sich schwierige und anspruchsvolle Probleme meistern. Der Vorstand alleine wäre mit der Lösung der wachsenden Anforderungen an den Betreuungsbedarf überfordert.
Welche Erkenntnisse lassen sich aus der Analyse für die Ermittlung des Betreuungsbedarfes bzw. für die Befriedigung der Betreuungsbedürfnisse der Mitglieder verallgemeinern? Welche praktischen Erfahrungen und Ergebnisse liegen vor?
Edgar Robitzsch Unsere in diesem Zusammenhang erreichten Ergebnisse und gewonnenen Erfahrungen bestätigen, dass die erfolgreiche Bewältigung der Anforderungen an die Betreuungsarbeit eine gründliche Analyse über die Zusammensetzung und Struktur unserer TAG in vielfacher Hinsicht voraussetzt. Wie ist bei uns die Lage?
Die Gesamtstärke unserer TAG beträgt 67 Mitglieder. Sie wohnen in 21 (!) Städten bzw. Ortschaften des Landkreises Dahme-Spreewald.
Die Versorgung der Mitglieder mit Informationsmaterialien ist und bleibt deshalb die Hauptmethode der Information und des Kontaktes zur GRH und der TAG. Die Informationsblätter, Sonderhefte und Rundbriefe stoßen auf Resonanz und finden Zuspruch
Die Praxis, Informationsgespräche in ausgewählten Stützpunkten mit kleinen Gruppen von Mitgliedern durchzuführen, wurde bereits erfolgreich praktiziert, erstmalig mit Frauen, die Mitglied der TAG sind bzw. ihren Ehepartner verloren haben. Bewährt hat sich auch eine Jahresauftaktversammlung über Hauptmaßnahmen und Schwerpunkte des betreffenden Jahres mit darauf folgender Information über Rundbrief an alle Mitglieder und Sympathisanten. Traditionell wird auch in diesem Jahr der Erfahrungsaustausch mit den Vorständen der TAG Hohenschönhausen und Lichtenberg zu ausgewählten Problemen der Betreuungsarbeit fortgesetzt.
Hans Joachim Heusinger Bezeichnend für die Zusammensetzung der TAG ist ihre hohe altersmäßige Zusammensetzung. Das durchschnittliche Lebensalter beträgt in der Gruppe 73 Jahre. Hinter dieser relativ hohen Altersstruktur verbergen sich vielfältige und ernstzunehmende Probleme und Menschenschicksale. Erheblichen gesundheitlichen und altersmäßig bedingten Einschränkungen unterliegen vor allem solche Mitglieder, die das 80. Lebensjahr überschritten haben. Der Anteil von Mitgliedern mit schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen erhöht sich ständig. Von diesem Zustand sind gegenwärtig 13 Mitglieder betroffen.
Bezeichnender Weise werden all diese von mir genannten Fälle mit großer Fürsorge von ihren Ehepartnern bzw. Familienangehörigen, vor allem durch die Kinder betreut. Unsere Erwartungshaltung, dass sich aus dieser Lage heraus höhere Ansprüche an die TAG für Beratungs- und Unterstützungsleistungen ergeben, hat sich aus diesen Gründen nicht bestätigt.
Rechtliche und soziale Hilfsangebote durch zuständige Einrichtungen in unserem Territorium werden durch die betroffenen Familienangehörigen eigenständig und mit hoher Sachkenntnis in Anspruch genommen (Internetadressen, Literatur u. a.).
Es bleibt dabei, dass insbesondere solche Betreuungsformen zur Anwendung kommen, die unseren Möglichkeiten entsprechen wie: Hinweise und Ratschläge in Rundbriefen sowie Vorträge zu ausgewählten Problemen der Gesundheitsfürsorge und der Pflege; sinnvolle Nutzung langjähriger Freundschaften und existierender Bindungen für unmittelbare Hilfe und Unterstützung Betroffener; Kranken- und Hausbesuche; Gespräche und Kontakte aus verschiedenen Anlässen und in Einzelfällen direkte und unmittelbare Betreuungsformen.
Edgar Robitzsch Interessant ist die Erkenntnis, dass sich der Betreuungsbedarf einer TAG auch aus den Bedürfnissen nach politischer Bildung und Auseinandersetzung über die Grundfragen unserer Zeit ergibt.
Unsere Analyse vermittelt dazu interessante Aspekte. In ihrer Grundaussage wird sichtbar, dass die Betreuungsbedürfnisse unserer Mitglieder in dieser Beziehung ständig anwachsen und eng mit der Forderung verbunden sind, die TAG zur politischen Heimstatt weiter zu profilieren.
Es sind vor allem zwei Ansatzpunkte zu berücksichtigen: 1. Das Leben unserer Mitglieder vollzieht sich nicht nur im Rahmen der Satzung und der Beschlüsse de GRH. Erstaunlich sind ihre Aktivitäten auf vielen Gebieten des persönlichen und gesellschaftlichen Lebens. Nicht wenige sind Mitglieder in der Partei „Die Linke“ oder der DKP. Sie arbeiten aktiv in uns nahe stehenden linken Organisationen wie ISOR, Rutfuchs u. a. Bemerkenswert ist ihr Einsatz in Vereinen und Interessengemeinschaften, so z. B. in Kleingartenvereinen, der Volkssolidarität und Sozialverbänden. Sie gehen persönlichen Hobbys nach, realisieren Urlaubswünsche, haben ein anspruchsvolles Familienleben und vieles andere mehr. Der Platz, am Mitgliederleben der TAG teilzunehmen, ist deshalb auch nicht unerschöpflich. Umso mehr geht es um interessante und ansprechende Mitgliederversammlungen und andere politische Veranstaltungen.
2. Vielfältig ist auch die Zusammensetzung in unserer TAG: Ehemalige Aufklärer, Grenzer, Juristen, Volkspolizisten, Genossen der Abwehr, Sport- und Staatsfunktionäre, ehemalige Minister u. a. prägen das Bild in unserem Kollektiv. Auch hier sind hohe geistige Ansprüche der Maßstab für die Teilnahme und Mitarbeit. Der Sinn einer Solidargemeinschaft verlangt auch hier, Partei zu ergreifen für solche Mitglieder, die noch am stärksten von der Rentenungerechtigkeit betroffen sind.
Große Resonanz finden Mitgliederversammlungen und Podiumsdiskussionen mit Persönlichkeiten aus dem gesellschaftlichen und öffentlichen Leben. So haben wir z. B. in den letzten Monaten als Gesprächspartner bzw. Referenten Klaus Steiniger, Sarah Wagenknecht und Christa Luft eingeladen. Ihr Auftreten und die Gespräche haben nachhaltige Wirkungen bei unseren Mitgliedern hinterlassen. Auch in dieser Beziehung werden Bereiche des Betreuungsbedarfes in der TAG abgesichert. Derartige Veranstaltungen organisieren wir gemeinsam mit der Partei „Die Linke“ und der TIG von ISOR. Der Anlass für das Auftreten von Christa Luft war z. B. das große Interesse bei unseren Mitgliedern für die Entwicklung und die Ursachen der Finanzkrise.
Hans Joachim Heusinger Gute Erfahrungen haben wir auch bei der Einbeziehung der Mitglieder in die Bewältigung des Betreuungsbedarfes zur Traditions- und Nachlasspflege sowie der Zusammenarbeit mit ortsansässigen Vereinen und Organisationen gesammelt. Letztere wird durch den Vorstand über Mitglieder unserer TAG organisiert. Ein Vorstandsmitglied gewährleistet z. B. den regelmäßigen Informationsaustausch mit Vertretern von ISOR und dem Bundeswehrverband. Ich selbst halte ständige freundschaftliche Verbindung zum Vorsitzenden der Partei „Die Linke“ im Landkreis. Im Ergebnis dieser Arbeit erreichen wir, dass unsere Mitglieder verstärkt an Maßnahmen in der Öffentlichkeit teilnehmen, u. a. Veranstaltungen in Ziegenhals, Protestveranstaltungen gegen Sozialabbau, Unterschriftensammlungen, Veranstaltungen der GBM und des OKV. Wir wollen diesen Weg weiter beschreiten.
Auch gilt der Grundsatz, dass wir insbesondere unter den Bedingungen unserer begrenzten Möglichkeiten „mit wenig Aufwand viele Mitstreiter erreichen“. Bewährt hat sich dabei, den Informationsbedarf von unseren Mitgliedern regelmäßig zu ermitteln und schnell mit geeigneten Maßnahmen zu reagieren.
Die Bereitschaft, nach Lösungswegen zur Traditions- und Nachlasspflege zu suchen und sie dann auch in der Praxis zu realisieren, ist besonders stark bei den Mitgliedern ausgeprägt, die als Angehörige der Grenztruppen tätig waren.
Von unschätzbarem Wert sind dabei die vielfältigen Kontakte der Mitglieder und Sympathisanten unserer Gruppe untereinander. Die unersetzliche Kleinarbeit und der hohe persönliche Einsatz vieler unserer Mitstreiter bei der Vorbereitung und Durchführung von Traditionstreffen ehemaliger Kollektive hinterlassem tiefe Spuren der Zusammengehörigkeit und festigen das solidarische Handeln. Vorbildlich in dieser Beziehung sind Initiativen zu Traditionsveranstaltungen, besonders mit den Dienstkollektiven im ehemaligen Kommando der Grenztruppen.
Als sich im vergangenen Jahr eine Interessengemeinschaft Grenzernachlässe/Archiv „IGRA“ formierte, gehörten zwei Vorstandsmitglieder mit zu den Initiatoren. Vier weitere Mitglieder erklärten ihre Bereitschaft, in dieser Gemeinschaft mitzuarbeiten. Der Vorstand nimmt auf die Unterstützung solcher Initiativen Einfluss, weil sie der Bedürfnislage vieler unserer Mitglieder entsprechen.
Erfahrungen aus der Betreuungsarbeit der TAG Berlin-Lichtenberg Werner Lüdicke, Vorsitzender
Die Schlussfolgerungen unserer Analyse über den Stand der Betreuungsarbeit in der TAG Berlin-Lichtenberg vom März 2008 wurden auf der Grundlage der Beschlüsse und Orientierungen der 8. Vertreterversammlung und der AG des Vorstandes neu diskutiert und ergänzt.
Die Ergebnisse fanden ihren Niederschlag im Arbeitsplan des Vorstandes 2009 und in der überarbeiteten „Konzeption zur Betreuungsarbeit und den Aufgaben der Ansprechpartner“. Hilfreich waren dabei auch Erfahrungen anderer TAG, wie der TAG Königs Wusterhausen und Hohenschönhausen.
Das System der Ansprechpartner (ASP) bildet die Grundlage der Beziehungen zu den Mitgliedern. Der Ausbau und die Qualifizierung dieses Systems bilden den Schwerpunkt in der Führungstätigkeit des Vorstandes. Unsere ASP, die 6 bis 12 Mitglieder regelmäßig aufsuchen und betreuen, sind hauptsächlich Mitglieder des Vorstandes unserer TAG. Nichtmitglieder des Vorstandes werden monatlich kontaktiert und angeleitet.
In Fortsetzung unserer Analyse sehen wir in erster Linie zwei Schwerpunkte: 1. den persönlichen Bezug zu den Mitgliedern zu verstärken, das Gefühl der Solidarität und des Gebrauchtwerdens spürbar zu machen sowie Hilfe und Selbsthilfe zu organisieren, 2. das politische Interesse an der aktiven Mitarbeit in der GRH e.V. wach zu halten und mit dem Ziel, die Rolle der GRH e.V. als Menschenrechtsorganisation in der Außendarstellung noch erkennbarer zu machen, zu verstärken.
Ausgangspunkt unserer Überlegungen sind die Persönlichkeitsstruktur, politische Erfahrung und Lebenslauf sowie altersmäßige, gesundheitliche und soziale Bindungen der Mitglieder.
Die Zusammensetzung unserer TAG, die Tatsache, dass eine Vielzahl unserer Mitglieder aktiv in Funktionen der GRH e.V. und ihrer Aufgabengebiete eingebunden ist, erleichtert es uns, niveauvolle Veranstaltungen innerhalb der TAG durchzuführen und aus der Außenwirkung dieser Mitglieder zu profitieren. Die zielgerichtete Nutzung dieser Möglichkeiten durch den Vorstand ist wichtig, darf jedoch nicht zur Vernachlässigung der Arbeit mit den Mitgliedern führen, die wir für die Teilnahme an Veranstaltungen innerhalb und außerhalb der TAG noch nicht genügend erreichen.
Die Vertiefung der Beziehung zu den Mitgliedern und das persönliche, die soziale Situation, das soziale Umfeld und das politische Interesse berücksichtigende regelmäßige Gespräch müssen weiter qualifiziert werden. Unaufdringlich, das Interesse und den Wunsch der Mitglieder berücksichtigend, sollte dabei vorgegangen werden. Die Einbeziehung des Ehe- und Lebenspartners in die Verbindung zur GRH e.V. müssen wir weiter fördern. Der erforderliche Zeitaufwand dafür kann jedoch nur erreicht werden, wenn es gelingt, die Anzahl der ASP weiter zu vergrößern, wo wir aus unterschiedlichen Gründen noch nicht entscheidend vorangekommen sind. Das betrifft auch die Betreuung der Mitglieder der TAG, die außerhalb des Territoriums wohnen.
Der Vorstand der TAG Berlin-Lichtenberg gewährleistet, dass alle Mitglieder monatlich die Mitteilungen der GRH e.V., Informationsbroschüren, die vierteljährlichen TAG-Informationen sowie andere durch den Vorstand der GRH e.V. herausgegebenen Informationen erhalten. Gespräche über Veranstaltungen, an denen Mitglieder aus verschiedenen Gründen nicht teilgenommen haben, gibt es jedoch zu wenig.
Schwierigkeiten haben unsere ASP, wenn es gilt, die Orientierungen der AG Betreuung des Vorstandes bei der Organisierung von Hilfe und Selbsthilfe praktisch umzusetzen. Alters- und gesundheitlich bedingte Probleme bei den Mitgliedern gelingt es noch zu wenig, mit den Möglichkeiten und praktischen Hilfsangeboten aus medizinischen und sozialen bereichen zu verbinden. Es gibt auch eine bestimmte Zurückhaltung bzw. Bescheidenheit von Mitgliedern, über benötigte Hilfe und Unterstützung offen zu reden. Uns ist bewusst, dass die Vertiefung der vertrauensvollen Zusammenarbeit eine Voraussetzung dafür ist.
Dazu zählt aber auch die Aneignung von Wissen über praktische Hilfsangebote und Möglichkeiten der Unterstützung. Angeregt durch die AG Betreuung der GREH e.V. gilt es, die vorhandenen Möglichkeiten des Territoriums (Senioreneinrichtungen u. a. sozialpolitische Einrichtungen) noch stärker zu nutzen.
Immer mehr an Bedeutung gewinnt die Beachtung des sozialen Umfeldes bei der Betreuungsarbeit. Zurückliegend mussten wir feststellen, dass bei allein stehenden Mitgliedern Kontakte abreißen, wenn die Verbindung nicht durch Familienangehörige oder Freunde und Bekannte abgesichert wird. Das heißt, die Verbindungsaufnahme unsererseits zu solchen Mitgliedern ist ein Erfordernis.
Der Vorstand hat festgelegt, durch die ASP eine Übersicht zu erarbeiten, die aussagt, was personenbezogen für die Betreuung jedes Mitgliedes zu beachten ist (Krankheitsbild, soziale Situation, Umfeld) und wo welche unterstützenden Maßnahmen erforderlich sind.
Schwerpunkt für uns bleibt weiterhin die Arbeit und Betreuung der Mitglieder, die von der politischen Strafjustiz betroffen sind. Eine jährliche Zusammenkunft zum persönlichen und praktischen Gedankenaustausch wird von diesen Genossinnen und Genossen begrüßt und gewünscht.
Die in den zurückliegenden Jahren vorgeschlagene und gewährte monatliche finanzielle Unterstützung seitens der GRH e.V., um die Strafe nach der Strafe etwas abzumildern, ist neu und individuell zu bewerten, um den Richtlinien und aktuellen Beschlüssen des Vorstandes der GRH e.V. gerecht zu werden.
Mit den jährlich durchgeführten geselligen und kulturell umrahmten Zusammenkünften haben wir dazu beigetragen, das Zusammengehörigkeitsgefühl und die solidarische Verbundenheit zu stärken. Mit der Organisierung von Mitfahrmöglichkeiten wird auch behinderten Mitgliedern die Teilnahme an den Veranstaltungen ermöglicht. Unter Beachtung der Altersstruktur, des Gesundheits- und Mobilitätsfaktors bemüht sich der Vorstand, auch jenen Mitgliedern die Teilnahme an Veranstaltungen zu ermöglichen, die oftmals ferngeblieben sind.
Mit der Popularisierung des Wirkens der TAG im Territorium, bei politischen Aktionen und Gelegenheiten, durch unsere vierteljährlichen TAG-Informationen, persönliches Ansprechen zur Teilnahme usw. wollen wir eine breitere Mitarbeit erreichen.
Mit der GRH bzw. den aktuellen politischen und aktionsbezogenen Themen in den Mitglieder- und Diskussionsveranstaltungen, mit dem Auftritt sachkundiger Referenten, Zeitzeugen, Buchautoren wird das politische und persönliche Interesse zu den Veranstaltungen weiter verstärkt.
Zur gegenwärtigen Betreuungsarbeit und absehbaren Entwicklungen in der TAG Berlin-Marzahn Johannes Schindler
In der TAG sind z. Z. 47 Mitglieder organisiert. Die Betreuung, Kassierung und Materialzustellung wird von den 5 Mitgliedern des TAG-Vorstandes realisiert. Diese Organisation erweist sich als effektiv. Bisher konnte damit auch gesichert werden, dass für Betreuungsarbeit heranreifende oder aktuelle Aufgaben bekannt wurden und die entsprechenden Festlegungen getroffen werden konnten. Gegenwärtig gibt es bei der Bewältigung der Betreuungsaufgaben noch keine Probleme.
Begründet durch die altersmäßige Zusammensetzung wird es in den kommenden Jahren komplizierter werden, das jetzige Niveau der Betreuung zu gewährleisten. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt haben 7 Mitglieder das 80. Lebensjahr überschritten, 18 Mitglieder sind im Alter von 75 – 80 Jahren. In den Jahren 2010/2011 wird die TAG annähernd zur Hälfte aus Mitgliedern bestehen, die das 80. Lebensjahr erreicht und überschritten haben. Es ist also vorauszusehen, dass der Kreis der zu Betreuenden größer wird, während sich die Anzahl der Mitglieder, die über die Mobilität verfügen, Betreuungsaufgaben zu erfüllen, ganz erheblich verringert. Es zeichnet sich bereits jetzt ab, dass es problematisch wird, einen arbeitsfähigen Vorstand zu bilden und damit auch die bisher wirksame Organisation der Betreuung aufrecht zu erhalten.
Gegenwärtig gibt es bei 16 Mitgliedern – außer dem Alter – schwerwiegende gesundheitliche Probleme, die der aktiven Teilnahme am Wirken der TAG, dem Besuch der Versammlungen und anderen Aktivitäten Grenzen setzen oder grundsätzlich ausschließen. Diesen Mitgliedern widmen wir in der individuellen Arbeit besondere Aufmerksamkeit, damit die Verbundenheit mit der GRH erhalten bleibt und sie die Gewissheit haben, dass ihre Mitgliedschaft und Beitragszahlung für die Existenz und das Wirken der GRH große Bedeutung hat. Schließlich ist durch die individuelle Arbeit zu sichern, dass notwendig werdende Hilfe und Unterstützung rechtzeitig erkannt und gegeben werden kann.
Die individuelle Betreuungsarbeit besteht vorwiegend aus regelmäßigen Kontakten und Besuchen, bei denen über persönliche Belange, das Wirken der GRH und die gesellschaftliche Entwicklung betreffende Probleme gesprochen wird. Unkompliziert wird Hilfe und Unterstützung bei Erledigung von vielfältigen persönlichen Anliegen gegeben. Das trifft auch für die 9 allein stehenden Mitglieder zu. Besondere Fürsorge gilt den 7 Mitgliedern, deren Partner verstorben sind.
Charakteristisch für die Lebensplanung unserer Mitglieder ist die Absicht, den Lebensabend in der gewohnten Umgebung und mit Hilfe der Angehörigen zu gestalten. Die Entscheidung über andere Möglichkeiten wird erst dann in Erwägung gezogen, wenn unvorhersehbare Entwicklungen eintreten.
4 Mitglieder sind noch finanziellen Belastungen infolge der Verurteilung durch die politische Strafjustiz ausgesetzt.
Eine Juristin ist noch mit Gerichtskosten in Höhe von 64 000 € belastet. Die von ihr durchgesetzte Monatsrate beträgt 273 €. Aufgrund ihres monatlichen Einkommens ergeben sich daraus gegenwärtig keine schwerwiegenden sozialen Einschränkungen.
Gleiches betrifft einen Offizier der Grenztruppen der DDR. Auch er ist noch mit Gerichtskosten in Höhe von 25 000 € belastet. Die von ihm durchgesetzte Monatsrate beträgt 100 €. Auch bei ihm ergeben sich gegenwärtig keine schwerwiegenden sozialen Einschränkungen.
Zwei ehemalige Kundschafterinnen sind in besonderer Weise betroffen. Im ersten Fall wurden durch Gerichtsentscheidung das gesamte Vermögen eingezogen, die erworbenen Rentenansprüche aberkannt und die Monatsrente auf 83 € reduziert. Sie erhält monatliche Sozialleistungen in Höhe von 365 €. Für sie ist es kompliziert, davon den gesamten Lebensunterhalt zu bestreiten. Für den Ersatz, dem Verschleiß oder Verbrauch verschiedener für das Leben notwendiger Dinge fehlen oftmals die Mittel. Die TAG wird für sie auch weiter Anträge zur materiellen Unterstützung aus humanitären Gründen stellen.
Im anderen Fall wurde aufgrund ihrer inoffiziellen Tätigkeit für das MfS die Rente widerrechtlich auf 565 € gekürzt. Aufgrund ihres Gesundheitszustandes muss sie „Betreutes Wohnen“ in Anspruch nehmen. Mit ihrer Rente und Pflegestufe kann sie gerade die entstehenden Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Pflege sowie einen Teil anderer lebensnotwendiger Dinge, die dem Verbrauch oder Verschleiß unterliegen, begleichen. Auch für sie wird es deshalb notwendig werden, gelegentlich einen Antrag auf humanitäre materielle Unterstützung zu stellen.
Informationen zum Gesetz zur strukturellen Weiterentwicklung der Pflegeversicherung Thea Kleine, TAG Berlin-Hohenschönhausen
Einige Informationen zum Gesetz zur strukturellen Weiterentwicklung der Pflegeversicherung, das am 01. 08. 2008 in Kraft trat.
Die Pflegereform soll spürbare und konkrete Erleichterungen für Pflegebedürftige, Angehörige und Pflegekräfte bringen. Das Gesetz selbst zur strukturellen Weiterentwicklung der Pflegeversicherung wird nicht veröffentlicht, deshalb kann ich mich nur auf Mitteilungen und Informationsmaterial stützen.
Die wichtigsten Verbesserungen der Pflegereform 2008:
Die Leistungen werden schrittweise erhöht – im Bereich der häuslichen Pflege, aber auch für demenziell erkrankte Pflegebedürftige im stationären Bereich. Dazu stieg der Beitragssatz um 0,25 % ab 01. 07. 2008 von bisher 1,7 v. H. auf 1,95, bei Kinderlosen von bisher 1,95 auf 2,2 v. H.
Pflegestützpunkt und Pflegeberater: Erstmals gibt es einen Anspruch auf individuelle und umfassende Pflegeberatung. Dazu müssen die Pflege- und Krankenkassen Pflegestützpunkte errichten (Fallmanagement). Die Sozialarbeiter werden zu Fallmanagern qualifiziert, um die vielfach beklagten Qualitätsmängel in der Pflege abzustellen. Die Pflege- und Krankenkassen müssen Pflegestützpunkte einrichten, wenn die einzelnen Bundesländer sich für den Aufbau von Pflegestützpunkten entscheiden.
Im Mittelpunkt des Konzepts der Pflegestützpunkte stehen Auskunft, Beratung, ein individuelles Fallmanagement sowie ein möglichst großes Serviceangebot unter einem Dach. Sie werden künftig von den Pflege- und Krankenkassen eingerichtet. Sie helfen den Betroffenen bei der Suche nach einem Pflegeheim, einer Tagesbetreuung, einem Anbieter für Essen auf Rädern oder Angeboten der Altenhilfe.
Nach Anfragen bei den Kranken- und Pflegekassen in Berlin gibt es z. Z. noch keine Stützpunkte, die den Versicherten Pflegeberatung (Fallmanagement) anbieten. Sie sind erst im Entstehen, obwohl ab 1. Januar 2009 ein individueller Anspruch auf Pflegeberatung gesetzlich verankert ist.
Aufgabe des Fallmanagement ist es, Betroffene und deren Angehörige umfassend zu unterstützen, angefangen bei der Organisation der Pflege über die Vermittlung von Pflege- und Haushaltsdiensten bis hin zur Auswahl geeigneter Pflegeheime oder anderer Betreuungseinrichtungen.
Das Fallmanagement kümmert sich um die Formalien, berät die Betroffenen und deren Angehörige über Leistungen, erarbeitet entscheidungsreife Anträge und leitet diese an die Pflegekassen weiter. Die Pflegeberaterin oder der Pflegeberater sucht auch die Betroffenen zu Hause auf. Die Beratung ist unabhängig und umfassend.
Anhebung und Dynamisierung der Leistungsbeiträge
Fast alle Leistungen im ambulanten und teilweise auch im stationären Bereich werden ab 2008 stufenweise angehoben.
Pflegegeld
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Pflegestufe
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bisher
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2008
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2010
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2012
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Stufe I
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205 €
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215 €
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225 €
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235 €
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Stufe II
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410 €
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420 €
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430 €
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440 €
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Stufe III
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665 €
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675 €
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685 €
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700 €
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Ambulante Sachleistungen, Tagespflege
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Pflegestufe
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bisher
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2008
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2010
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2012
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Stufe I
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384 €
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420 €
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440 €
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450 €
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Stufe II
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921 €
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980 €
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1 040 €
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1 100 €
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Stufe III
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1 432 €
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1 470 €
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1 510 €
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1 550 €
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Die Stufe für Härtefälle im ambulanten Bereich in Höhe von 1 918 € bleibt bestehen.
Vollstationäre Versorgung
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Pflegestufe
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bisher
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2008
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2010
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2012
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Stufe III
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1 432 €
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1 470 €
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1 510 €
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1 550 €
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Stufe III Härtefall
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1 688 €
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1 750 €
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1 825 €
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1 918 €
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Die stationären Leistungen der Stufen I und II bleiben unverändert.
Nach Abschluss der stufenweisen Anhebung im Jahre 2012 wird alle drei Jahre eine Anpassung aller Leistungen geprüft und ggf. vorgenommen. Insbesondere wird die teilstationäre Pflege gestärkt. Bisher werden die Möglichkeiten der Tagespflege in der Praxis noch wenig genutzt. Deshalb wird der höchstmögliche Gesamtanspruch an den Leistungen der häuslichen Pflege und den Leistungen der teilstationären Pflege auf das 1,5fache des bisherigen Betrages erhöht.
Wer Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen will, kann dies künftig schneller verwirklichen: Leistungen bekommt, wer mindestens zwei Jahre eingezahlt hat oder familienversichert war. Die Vorversicherungszeit wird von fünf auf zwei Jahre verkürzt.
Mehr Hilfe für Demenzkranke: Angehörige, die Demenzkranke versorgen und umsorgen, sind hohen physischen und psychischen Belastungen ausgesetzt. Sie sollen mehr unterstützt werden in der Pflege des unter Altersdemenz leidenden Angehörigen.
Wie sehen der Rat und die Unterstützung aus? Ab 1. Juli 2008 wurden für solche Fälle je nach Betreuungsbedarf ein Grundbetrag und ein erhöhter Betrag eingeführt.
Das Pflege-Weiterentwicklungsgesetz sieht vor, dass Demenzkranke oder Menschen mit geistiger Behinderung statt der bisher 460 € nunmehr je nach Betreuungsbedarf bis zu 2 400 € im Jahr erhalten können. Auch Kranke mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz, der sog. Pflegestufe 0 zugeordnet, erhalten erstmals diese Leistungen. Zudem kann dieser Personenkreis künftig halbjährlich auch einen Beratungsbesuch in Anspruch nehmen.
In den Heimen leben heute 300 000 bis 400 000 Menschen, die ebenfalls besondere Betreuung benötigen. Für diese Fälle dürfen die Heime in Zukunft Betreuungsassistenten-/innen einstellen – zusätzlich zum bestehenden Personal, um den Pflegebedürftigen zu helfen und das Pflegepersonal zu entlasten.
Bei dem Entschluss, den pflegebedürftigen Angehörigen in ein Heim zu geben, sollte man immer nach einem Betreuungsassistenten, einer Betreuungsassistentin fragen und zu diesem persönlichen Kontakt aufnehmen.
Mehr Zeit für die Pflege der eigenen Angehörigen: Die Mehrzahl der Pflegebedürftigen möchte daheim versorgt werden. Das geht aber nur dann, wenn die Angehörigen das schaffen können. Darum werden die Angehörigen künftig nach Möglichkeit unterstützt. Deshalb gibt es ab 1. Juli 2008 den Anspruch auf eine Pflegezeit von bis zu 6 Monaten. Für die Dauer der Pflegezeit kann sich der Angehörige ohne Lohn- oder Gehaltszahlung von der Arbeit freistellen lassen. Er bleibt für diese Zeit in aller Regel über die Pflegekasse rentenversichert.
Die Kranken- und Pflegeversicherung läuft entweder über die beitragsfreie Familienversicherung oder über eine freiwillige (Weiter)Versicherung. Auf Antrag wird der Beitrag hierfür von der Pflegekasse bis zur Höhe des Mindestbeitrages erstattet. Die Beiträge für die Arbeitslosenversicherung werden ebenfalls von der Pflegekasse übernommen.
Wird ein Angehöriger unerwartet zum Pflegefall, gibt es die Möglichkeit der kurzzeitigen Freistellung für bis zu 10 Tagen. Auch in dieser Zeit ist der freigestellte Arbeitnehmer sozialversichert.
Qualitätssicherung / Qualitätsprüfung: Wie wird gute Pflege leichter zu erkennen sein? Bis Ende 2010 wird jede zugelassene Pflegeeinrichtung mindestens einmal geprüft. Ab 2011 werden Einrichtungen einmal jährlich geprüft, die sog. Regelprüfung. Alle Prüfungen erfolgen grundsätzlich unangemeldet. Wesentliche Aspekte der Prüfung sind der Pflegezustand, die Wirksamkeit der Pflege- und Betreuungsmaßnahmen (Ergebnisqualität). Die Ergebnisse der Prüfberichte sind verständlich und verbraucherfreundlich zu veröffentlichen, z. B. im Internet, in der ambulanten Einrichtung im Pflegestützpunkt. In den Heimen müssen Zusammenfassungen des Prüfberichtes gut sichtbar aushängen. Das Bewertungssystem kann z. B. ein Ampelsystem (rot, gelb, grün) oder ein Sternesystem sein. An diesen Symbolen ist auch für Außenstehende leicht zu erkennen, ob eine Pflegeeinrichtung gut Pflegearbeit leistet oder nicht.
Unverzichtbare ehrenamtliche Hilfe: Die Bereitschaft der Bürger, sich ehrenamtlich in der Betreuungsarbeit zu engagieren, ist groß. Mit der Pflegereform wird es den vielen Helfern leichter gemacht zu helfen. Die Forderung von niedrig schwelligen Betreuungsangeboten, z. B. Betreuungsgruppen, eine Tagesbetreuung oder Helferinnenkreise zur stundenweisen Entlastung von pflegenden Angehörigen, wird das Budget von 15 Mill. im Jahr auf 25 Mill. € angehoben. Mit der Kofinanzierung der Länder und Kommunen stehen im Jahr 50 Mill. € zur Verfügung, damit soll künftig auch die Sterbehilfe gefördert werden.
Begutachtungsfristen: Wer einen Antrag auf Pflegebedürftigkeit gestellt hat, muss künftig unverzüglich, spätestens nach fünf Wochen, das Ergebnis von seiner Pflegekasse mitgeteilt bekommen. Eine verkürzte Zeit von zwei Wochen gilt, wenn im häuslichen Bereich ein pflegender Angehöriger Pflegezeit beantragt hat, die in der Regel mit einer Notsituation einhergeht. Bei Klinikaufenthalt oder in Rehabilitationseinrichtungen ist der Antrag auf Pflegezeit innerhalb von einer Woche zu begutachten.
Bedingungen für Verhinderungs-, Urlaubspflege sowie Kurzzeitpflege: Wer einen Angehörigen pflegt, hat einen Anspruch auf Pflegevertretung von bis zu vier Wochen im Jahr. Die Inanspruchnahme der Verhinderungs- bzw. Urlaubspflege wird von einer Pflegezeit von zwölf Monaten auf sechs Monate verkürzt. Zukünftig werden die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung auch während des Urlaubs der Pflegeperson entrichtet. Damit erhöht sich deren Rentenanspruch.
Besseres Entlassungsmanagement und Stärkung von Prävention und Rehabilitation: Oft ist es vorgekommen, dass Menschen, obwohl pflegebedürftig, nach einem Krankenhausaufenthalt entlassen wurden, ohne dass man sich um die weitere Pflege kümmerte, so dass dieser Mensch, meist allein stehend, hilflos und völlig überfordert vor der neuen Situation stand. Künftig soll sich eine Mitarbeiterin, ein Mitarbeiter noch während des Krankenhausaufenthaltes um den Pflegebedürftigen kümmern. Durch Entlassungsmanagement sollen die Krankenhäuser den nahtlosen Übergang von der Krankenhausbehandlung in die ambulante Versorgung, zur Rehabilitation oder Pflege gewährleisten. Pflegekassen werden verpflichtet, mit Einverständnis des Versicherten unmittelbar das Verfahren zur Einleitung einer Rehabilitationsmaßnahme in Gang zu setzen.
„Poolen“ in neuen Wohnformen und mehr Möglichkeiten für Einzelpflegekräfte: Immer mehr Menschen haben den Wunsch, im Alter in anderen Wohnformen, z. B. in Senioren-WGs, und möglichst selbstbestimmt zu leben.
Das sog. „Poolen“ von Leistungsansprüchen – das umschreibt die gemeinsame Inanspruchnahme von Leistungen durch mehrere Pflegebedürftige. Die Ansprüche mehrerer Pflegebedürftiger auf grundpflegerische Leistungen und hauswirtschaftliche Versorgung werden so gebündelt. Aus diesem „Pool“ können dann Betreuungsleistungen bezahlt werden. Z. B. eine Pflegekraft betreut mehrere Pflegebedürftige in der Senioren-WG. Die Senioren-WG legt ihr Geld zusammen und teilt sich die Kosten für eine Pflegekraft. Eine selbstständige Einzelpflegekraft kann jetzt leichter Verträge zur Selbstständigkeit mit der Pflegekasse abschließen, da nicht mehr nachzuweisen ist, dass der ambulante Pflegedienst die Versorgung nicht gewährleisten kann.
Zum Schluss noch ein Gedanke: Solange Sie glauben, es allein schaffen zu können, werden Sie mit der Situation allein gelassen. Nur wer klar und bestimmt um Hilfe bittet, wird auch Hilfe bekommen.
Pflegestützpunkt Berlin: Träger/Anbieter: Diakonisches Werk Berlin e. V. Koordinierungsstelle Rund ums Alter, Friedrichshain-Kreuzberg Frau Gisela Seidel Wilhelmstraße 115, 10963 Berlin Tel.: 030/25700673, Fax: 030/25700802 E-Mail: koordinierung o dw-stadtmitte.de Internet: www.dw.stadtmitte.de
Pflegestützpunkt Berlin-Köpenick Salvador-Allende-Str. 91, 12559 Berlin Träger/Anbieter: Albatros e. V. Frau Andrea Schulz Spreestr. 6, 12439 Berlin Tel.: 030/5143093, Fax: 030/39063826 E-Mail: andrea.schulz.@ albatrosev.de Kst.treptow-koepenickoalbatros.de
Ansprechpersonen im Pflegestützpunkt: Frau Andrea Schulz Tel.: 030/20689611 E-Mail: lebenimkiez@web.de
Hinweis: Eine Orientierungshilfe zu Unterhaltsrecht und Sozialhilfe im Pflegebereich gibt die telefonische Beratung der Verbraucherzentrale unter folgenden drei themenspezifischen Rufnummern:
- 01803 / 770500-1 - Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung;
- 01803 / 770500-2 - Heim- und Pflegeverträge
-01803 / 770500-3 - betreutes Wohnen und ambulante betreute Wohngruppen
Sie sind allesamt für 9 Cent pro Minute montags und mittwochs von 10.00 bis 13.00 Uhr und donnerstags von 14.00 bis 18.00 Uhr aus dem deutschen Festnetz zu erreichen.
Wie wollen wir im Alter leben? Hans-Peter Wokittel, TAG Berlin-Hohenschönhausen
Irgendwann stellt sich wohl jeder die Frage, ob die gegenwärtige Wohnsituation im fortgeschrittenen Alter beibehalten werden kann. So auch meine Ehefrau und ich, nachdem wir das 70. bzw. 75. Lebensjahr überschritten haben. Was geschieht, wenn wir uns nicht mehr selbst versorgen oder gegenseitig betreuen können? Natürlich möchten auch wir – wie wohl die meisten unserer Altersgenossen – so lange wie möglich in der heutigen Wohnung bleiben, doch erschien es uns ratsam, sich rechtzeitig über künftiges Wohnen Gedanken zu machen, wenn die ersten „Zipperlein“ kommen.
Wichtig erschien uns zu überlegen, ob man im Falle einer Betreuungs- oder gar Pflegebedürftigkeit gegebenenfalls in ein Seniorenheim umziehen sollte, weil wir in der heutigen Wohnung dafür keine Möglichkeit sehen. Die von den Senioreneinrichtungen gebotenen Möglichkeiten empfinden wir heute als vielfältiger denn je, sie sollten frühzeitig durchdacht werden.
Wir haben im Sommer 2006, also vor drei Jahren, begonnen, uns ernsthaft damit zu befassen, welche Wohnform die richtige sein könnte. Dabei haben wir sowohl unsere familiäre Situation als auch unsere persönlichen Charaktereigenschaften und Veranlagungen, unsere eigenen Bedürfnisse genau überdacht. Sehr hilfreich war uns der Ratschlag von kompetenter Seite, dem Leiter einer Seniorenstiftung, nicht zu warten, bis die Kräfte einmal nachlassen, weil nicht nur eine Umstellung dann viel schwerer fällt, sondern kaum die Möglichkeit bestehe, eigene Wunschvorstellungen bei der Auswahl einer bestimmten Senioreneinrichtung zu erfüllen. Dennoch haben wir beide noch einmal ein ganzes Jahr gebraucht, um eine verbindliche Entscheidung zu treffen.
Für altersgerechtes Wohnen bzw. eine alternative Wohnform im Alter sind unseres Erachtens das an Senioren- und Pflegeheime angebundene „Betreute Wohnen“ und das „Service-Wohnen“ hervorragende Angebote – für das „Service-Wohnen“ haben wir uns entschieden.
Wie kam es dazu, und wie ist die gegenwärtige Situation, denn noch wohnen wir in unseren „eigenen vier Wänden“?
Im Sommer 2006 war der Neubau eines Seniorenhauses der Senioren-Stiftung Prenzlauer Berg, dessen Errichtung wir vom Balkon unserer Wohnung aus verfolgen konnten, in Vorbereitung. Ein Neubau mit 120 Pflegeplätzen und 80 Appartements des „Betreuten Wohnens“ sollten entstehen, der Abriss des alten Gebäudes hatte begonnen. Das jährliche Sommerfest der Stiftung war immer mit einem „Tag der offenen Tür“ verbunden – diesmal wurde für den Neubau geworben. Wir hatten (wie in den Vorjahren) das Fest besucht und konnten uns an diesem Tag vor Ort über den geplanten Neubau informieren. Grundriss-Skizzen der Appartements konnten eingesehen und mitgenommen werden, interessierte Senioren konnten sich in eine Interessentenliste eintragen. Obwohl wir vom Leiter der Stiftung ermutigt wurden, die Gelegenheit zur Eintragung sofort zu nutzen, da unverbindlich und ein Rücktritt jederzeit möglich sei, waren wir noch unentschlossen. Wir hatten ihn nach dem zweckmäßigen Zeitpunkt einer solchen Interessenbekundung befragt.
Doch ein Jahr später, im Sommer 2007 und mit Baubeginn für den Neubau, haben wir unser Interesse für das „Betreute Wohnen“ angemeldet. Wir wurden in die Interessentenliste eingetragen und bekamen ein Anmeldeformular zugeschickt. Noch keine verbindlichen Aussagen konnten zu dieser Zeit zu den Kosten und zur Bezugsfertigkeit des neuen Hauses getroffen werden. Jedoch konnten wir bei der Anmeldung bereits bekunden, an welchen Dienstleistungen der Stiftung wir Interesse hätten. Zu den Angeboten gehörten u. a. - Mittagessen/Frühstück/Abendessen im hauseigenen Restaurant; - Zimmerservice bei Krankheit; - Schwimmbad/Sauna; - Wohnungs-/Fensterreinigung; - Kulturveranstaltungen; - Umzugshilfe beim Einzug; - Therapieangebot.
Gleichzeitig ließen wir wissen, dass wir durchaus noch in der Lage sind, ohne Betreuung auszukommen, vorerst in unserer derzeitigen Wohnung bleiben möchten und mit einer Berücksichtigung im Erstbezug nicht rechnen, jedoch als Interessenten bekannt bleiben wollen. Schließlich wiesen wir auch darauf hin, dass unser Interesse nicht zuletzt deshalb besteht, weil wir bei Bedarf des „Betreuten Wohnens“ in unserem vertrauten Wohnbereich, in unserem Kiez verbleiben könnten.
Keinen Hehl machten wir daraus, dass die zu erwartenden Kosten möglicherweise entscheidendes Kriterium für unsere endgültige Entscheidung sein könnten, da wir beide Altersrentner mit geringer Rente sind.
Im Juli 2008 wurden wir seitens der Stiftung über den Beginn der Wohnungsvergabe in ihrem „Service-Wohnen“ informiert, einschließlich der kalkulierten Höhe der Mietkosen und der Betreuungspauschale. Das löste erst einmal Erschrecken aus, lagen diese Kosten doch etwa 260 € über unserer derzeitigen Miete (die allerdings bisher jährlich erhöht wurde und auch in den Folgejahren steigen wird). Die Information über die kalkulierten Mietkosten enthielt den Hinweis, dass in den Nebenkosten Strom und Kosten für Fernsehen enthalten seien. Dennoch haben wir nun schriftlich erklärt, dass wir zwar an einem Erstbezug nicht interessiert sind, aber weiterhin auf der Interessentenliste verbleiben möchten.
Im genannten Informationsschreiben der Stiftung wurde pflegebedürftigen Menschen qualifizierte Betreuung in Einzelzimmern des „Pflege-Wohnens“ angeboten, „Service-Wohnen“ solchen Senioren, die selbstbestimmt leben, zugleich aber die seniorenspezifischen Angebote der Stiftung nutzen möchten. Das sind die oben genannten. Im Dezember 2008 erhielten wir, als auf der Interessenliste Verbliebene, Weihnachts- und Neujahrsgrüße und wurden gebeten, etwa jedes halbe oder dreiviertel Jahr durch Rückmeldung unser aktuelles Mietinteresse zu bekunden.
Information über einen Erfahrungsaustausch zur Betreuungsarbeit Harald Gambig, TAG Berlin-Lichtenberg
Der Vorstand der TAG Berlin-Lichtenberg führte am 08. 06. 2009 mit den Ansprechpartnern einen Erfahrungsaustausch zur Betreuungsarbeit durch. Als Gäste nahmen an dieser Beratung Günter Seidel, GRH-Vorstand, die Vorsitzenden der TAG Berlin-Hohenschönhausen und Berlin-Treptow, Achim Hauck und Konstantin Brandt, teil.
Im Mittelpunkt der Diskussion standen Erfahrungen und Probleme bei der Verwirklichung der Aufgabenstellung der 8. Vertreterversammlung der GRH zur Betreuungsarbeit und der darauf basierenden Konzeption des Vorstandes der TAG. Alle genannten Gäste der Beratung haben durch ihre Diskussionsbeiträge wesentlichen Anteil an der konstruktiven und optimistischen Atmosphäre. Günter Seidels Orientierung auf die beiden Schwerpunkte, Solidarität und Außenwirkung als politische und Menschenrechtsorganisation, fand die Zustimmung aller Beteiligten. Trotz der uns gesetzten Grenzen hinsichtlich der Mitgliederzahl, ihres zunehmenden Alters und ihrer abnehmenden physischen Leistungsfähigkeit kommt es darauf an, im Kampf um die gesellschaftliche und juristische Rehabilitation unserer Mitglieder und gegen die Verfälschung der Geschichte der DDR nicht nachzugeben.
Gewürdigt wurden die Aktivitäten vieler Mitglieder unserer TAG sowie die aktive Unterstützung unserer Bündnispartner im OKV und im Bündnis für Soziale Gerechtigkeit.
Die von den Ansprechpartnern dargelegten Erfahrungen und Probleme haben gezeigt, dass es wesentlich von der inneren Stabilität unserer Organisation und der Aktivität der Mitglieder abhängt, ob wir die Anforderungen unseres Kampfes auf lange Sicht mit Optimismus und der noch besseren Ausschöpfung unserer Möglichkeiten erfüllen können.
Dabei ist die Einheit von Betreuung und aktiver Mitwirkung unserer Mitglieder bei der Lösung der unserer TAG gestellten Aufgaben in immer besserer Qualität zu gewährleisten.
Impressum
Herausgeber: Vorstand der Gesellschaft zur Rechtlichen und Humanitären Unterstützung (GRH ) e.V. Vorsitzender: Rechtsanwalt Hans Bauer; Geschäftsführer: Dieter Stiebert Geschäftsstelle des Vorstandes: Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin, Tel./Fax : 030/2978 4225, Internet: www.grh-ev.org, E-Mail: verein@grh-ev.org Öffnungszeiten der Geschäftsstelle: Dienstag und Donnerstag jeweils 9.00 bis 16.00 Uhr
Bei namentlich gekennzeichneten Beiträgen sind die Autoren für deren Inhalt verantwortlich. Die „Informationen“ dienen der Unterrichtung der Mitglieder und Sympathisanten der GRH e.V. und dürfen bei Behörden nicht als rechtsverbindliche Auskunft benutzt werden.
Spenden zur materiellen Unterstützung von Opfern der politischen Strafjustiz und zur Finanzierung weiterer humanitärer Tätigkeit der GRH e.V. werden erbeten auf das
Konto der Berliner Volksbank Nr. 578 890 00 09, BLZ 100 900 00.
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