15 Jahre GRH - Grund zum Feiern?


Rechtsanwalt Hans Bauer über Probleme und Erfolge des Vereins / Der Jurist ist Vorsitzender der Gesellschaft zur rechtlichen und humanitären Unterstützung (GRH)

ND: Herr Bauer, die Gesellschaft zur rechtlichen und humanitären Unterstützung begeht ihr 15. Jubiläum. Ein Grund zum Feiern?
Bauer: Zum Feiern sicherlich nicht, denn viele unserer Freunde und Mitglieder sind zu Unrecht bestraft und verfolgt worden. Da kann man natürlich nicht feiern. Auf der anderen Seite können wir durchaus mit Stolz auf die letzten 15 Jahre zurückblicken, weil sich eine sehr starke Solidargemeinschaft gebildet hat, die bei Freunden hohes Ansehen genießt und bei politischen Gegnern gefürchtet ist.

Wofür setzt sich die GRH ein?
Wir setzen uns für die gesellschaftliche Rehabilitierung unserer Mitglieder ein. Wir gehen gegen die Ursachen, die zu diesen Verfolgungen geführt haben, auch weiterhin vor. Die GRH fordert eine objektive, wahrheitsgemäße Betrachtung historischer Vorgänge in Bezug auf die DDR.

War Ihre Arbeit bislang von Erfolg gekrönt?
Die politische Strafverfolgung gegen Bürger der DDR, aber auch Westdeutsche, hat sich in Grenzen gehalten. Das, was die politischen Gegner, Justiz und Medien planten, konnten sie nicht vollständig umsetzen. Insoweit denke ich, dass dieser organisierte gemeinsame Widerstand auch dazu beigetragen hat, dass hier eine Schadensbegrenzung erfolgte.

Welche Ungerechtigkeiten haben nach wie vor Bestand?
Nach wie vor haben die Verurteilungen Bestand, denn die sind nicht aus der Welt. Die Betreffenden haben hohe Kosten zu tragen, die sich auf mehrere zehntausend Euro belaufen. Hinzu kommt, dass sie offiziell als Kriminelle und Vorbestrafte stigmatisiert sind. Ihre bürgerlichen Rechte wurden eingeschränkt und ihr Eigentum ist eingezogen bzw. verringert worden. Auch die Gründe dieser Verfolgung sind nicht beseitigt worden. Immer noch wird die DDR-Geschichte gefälscht oder verkürzt dargestellt. Hier liegen die wahren Ursachen für die Verurteilungen.

Welche Berufsgruppen der DDR sind besonders betroffen von staatlicher Verfolgung?
Besonders betroffen sind die Angehörigen von Schutz- und Sicherheitsorganen. Ich denke hier an NVA und MfS, aber auch Juristen, Grenzer, Politiker, Sportfunktionäre und Ärzte, die im Zusammenhang mit angeblicher Körperverletzung durch unterstützende Mittel, also Doping, belangt wurden.

In letzter Zeit kam es auch zu Kontroversen um Veranstaltungen der GRH.
Ja, da war zum Beispiel eine Konferenz des Forschungsprojektes »Zentrum für das Studium des Kalten Krieges« im Jahre 2007, die ja auch von der GRH begleitet wurde. Diese Konferenz musste von Berlin ins dänische Odense verlegt werden. Ein aktuelles Beispiel betrifft die GBM, also eine verbündete Organisation, die ja durch die Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Lichtenberg in ihren Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt werden sollte. Der Antrag ist zwar abgelehnt worden, aber wenige Tage später hat unsere Gruppe in Lichtenberg, die immerhin 160 Mitglieder umfasst, die Kündigung aller Räumlichkeiten in einer öffentlichen Einrichtung erhalten.

Wie finanziert sich die GRH ?
Die Finanzierung erfolgt über Mitgliedsbeiträge in Höhe von drei Euro pro Monat. Mehr ist nicht möglich, da die meisten Mitglieder nur eine gekürzte Strafrente erhalten. Es ist also eine Lüge, wenn immer wieder behauptet wird, die Ehemaligen bekämen hohe Renten, das stimmt einfach nicht.

Fragen: Fabian Lambeck

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