Mitteilungen 05/10
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Abschied von einer Unbeugsamen

 

- Irmgard Jendretzky -

 

Wie jedes Mal bei unseren Besuchen, auch während unserer letzten Begegnung im Herbst 2009 war sie eine aufmerksame Gastgeberin und wissende und fragende Gesprächspartnerin. Nicht den kleinen Alltäglichkeiten und den gesundheitlichen Beschwerden galt ihr besonderes Interesse, es waren politische Entwicklungen und Einschätzungen und es war die solidarische und offensive Arbeit der GRH, über die sie sprechen wollte. Und die sie mit regelmäßigen Spenden unterstützte. Ihre Fragen und ihre eigenen Einschätzungen waren präzise und klar. Man merkte, dass sie sich ihr Leben lang mit Fakten und deren Bewertung befasst hatte, beschränkt auf das Notwendige. Als Richterin in der DDR und später als Lektorin in einem Verlag. Und man spürte die überzeugte Sozialistin – sachkundig und sachlich.  Ihre politische Überzeugung war ihr gewissermaßen in die Wiege gelegt. Schon als Kind erlebte sie im Elternhaus Verfolgungen durch die Gestapo. Vater und Bruder waren wegen Hochverrats verurteilt worden. Nach der Befreiung vom Faschismus stellte sie sich einer antifaschistischen Entwicklung vorbehaltlos zur Verfügung. Volksrichterlehrgang und Richterin an verschiedenen Gerichten folgten, ab 1950 am OLG Dresden. Hier wirkte sie in den so genannten Waldheim-Prozessen mit und verurteilte Nazi- und Kriegsverbrecher. Das war auch ein Gebot des Potsdamer Abkommens. Wie überall in Deutschland waren damals die tatsächlichen und juristischen Möglichkeiten der Verfolgung faschistischer Verbrecher und Umtriebe begrenzt, die Gefahr für die neue Ordnung aber riesengroß. Für ihre antifaschistische Überzeugung und Rechtsprechung wurde sie fast 50 Jahre später in dem Staate, an dessen Spitze Faschisten standen, verurteilt. Zu vier Jahren Gefängnis. Sie blieb standhaft. Auch die Beugung des Rechts durch die BRD-Justiz konnte die Antifaschistin Irmgard Jendretzky nicht beugen. Vor wenigen Tagen starb sie im 92. Lebensjahr. Sie wird unvergessen bleiben. (Hans Bauer).

     

 

Olympia-Treff

 

Am Olympia – Treff im Sportmuseum Marzahn-Hellersdorf nahmen kürzlich 80 Freunde Olympias, darunter zahlreiche Mitglieder unserer GRH, teil. Aus erster Hand wurden Erfahrungen und Ergebnisse des Leistungssports der DDR, so von Inge Wischnewski, Joachim Franke und Joachim Ziesche, dargelegt. Joachim Franke sah in der Traineraus – und weiterbildung sowie der Nachwuchsförderung den Schlüssel des Erfolgs.

Das Mitglied der AG Sport, Helmut Horatschke, nahm eine Auswertung der Olympischen Winterspiele in Vancouver vor. Unübersehbar war die fortschreitende Kommerzialisierung des Leistungssports.

(Erhard Richter)

 

 

Lesung in Bayern

 

Auf Einladung des DKP-Unterbezirks Oberfranken fand am 9. April in Schweinfurt eine Lesung zum Buch "Freischützen des Rechtsstaates", verbunden mit einer digitalen Darstellung ausgewählter Abschnitte des Buches, statt.

25 Genossen und Sympathisanten der DKP, mehr als die Hälfte unter 40 Jahre alt, nahmen daran teil, die mit großer Aufmerksamkeit den Ausführungen zu den Netzwerken der Delegitimierung der DDR, der Verleumdung des MfS sowie zu den angewandten Strategien, Mittel und Methoden folgten.
In einer lebhaften, fast zwei Stunden andauernden Diskussion konnten insbesondere Fragen zum Scheitern des ersten Sozialismusversuchs in der DDR, zur Tätigkeit des MfS und zur Rolle der inneren Opposition in der DDR behandelt und auf der Grundlage des Buches beantwortet werden.

Die Teilnehmer legten ein eindeutiges Zeugnis zum Antifaschismus und zur Friedens-, Sozial- und Bildungspolitik der DDR ab. Kritische Anmerkungen gab es zur Regelung der Reisetätigkeit und zum Umgang mit der Opposition. Eine Delegation der DKP-Gruppe führte am 11. 4. eine Besichtigung des KZ-Buchenwald durch. (Gotthold Schramm)

 

 

Aus der Postmappe

 

Die TAG Leipzig führte am 13. 4. mit Prof. Dr. Schneider  aus Dresden eine Veranstaltung zum Thema: 20 Jahre "Einheit" - eine kritische Bilanz durch. Hierzu waren auch Mitglieder von ISOR und der DKP eingeladen. Der Vortrag von Prof. Schneider war wegen der hervorragenden Faktenkenntnisse, dem Detailreichtum und der schlüssigen Beweisführung und Argumentationslinie sehr beeindruckend. Hervorzuheben ist die Darstellung der konterrevolutionären Rolle bestimmter "Bürgerrechtler" und der Kirche nicht nur in Deutschland sondern auch in den ehemaligen sozialistischen Nachbarstaaten, nachgewiesen an entsprechender Äußerungen und Selbstbeweih- räucherung durch ihre Vertreter (Wojtyla u. Walesa in Polen, Führer, Eppelmann, Meckel, Bischof Huber, Dibelius u.a. in Deutschland). 

Anhand der zu dieser Zeit noch gültigen Verfassung der DDR und dem von den westlichen Besatzungsmächten genehmigten und bestätigten GG wies er den von der de Maiziere-Regierung begangenen Hochverrat an der DDR u. Verfassungsbruch nach, der mit dem Nach-Modrowschen Treuhandgesetz und der "Wiedervereinigung" von dieser als auch der derzeitigen Volkskammer begangen wurde. Besondere Zustimmung der Versammlungsteilnehmer fand die Feststellung, dass zwischen Geschichte u. Geschichtsbild in Deutschland keine Identität bestehe, weil das Geschichtsbild von Siegern geschrieben wurde. Diese Versammlung hat den Kenntnisstand der Teilnehmer nicht nur aufgefrischt, sondern in vielem erneuert und ihre Argumentationsfähigkeit gestärkt.
(Karl Munkwitz)
 

 

 

 

Die TAG Leipzig richtete an Wilfried Bretschneider aus Döbeln (siehe Mitteilungen 4/10) ein Solidaritätsschreiben, aus dem wir zitieren:

 

“...Wir schätzen Ihr Engagement für eine richtige und gerechte Bewertung der Geschichte Deutschlands und der beiden deutschen Staaten. 

Ihr Handeln, Ihre Beharrlichkeit und Ihre Motivation sind leider noch selten in Deutschland, weil Bürger, die so denken wie Sie, die Konsequenzen fürchten, die Sie zu ertragen hatten. Das Ihre Verfolgung durch die Justiz kein Einzelfall ist, zeigt die Strafverfolgung von Bürgern und Abgeordneten in Sachsen, die Widerstand gegen Naziaufmärsche leisteten. Allerdings hatten die dafür Verantwortlichen nicht mit der Solidarität der Menschen für Sie und andere Leidensgefährten gerechnet und mit dem damit verbundenen Vertrauensverlust in die bürgerliche Demokratie.

Wir stehen an der Seite solcher Menschen wie Sie es sind. Gerade weil die meisten von uns schon Rentner sind oder wegen ihrer Tätigkeit für die DDR mit Kürzung ihrer Rente bestraft wurden, wollen wir, daß keiner für sein gesellschaftliches Engagement mit materiellen Nachteilen sanktioniert wird. Deshalb haben wir im Rahmen unserer Möglichkeiten für Sie Geld gesammelt. Sollten die Kosten der gerichtlichen Verurteilung bereits gedeckt sein, bitten wir die verantwortlichen Kollegen für die Sammlungen, das Geld für ähnliche Fälle zu verwenden.”

 

 

Das Mitglied der TAG Lichtenberg, Peter Schröder, hat uns einen Bericht über das von der Lager-Arbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora organisierte Treffen ehemaliger Häftlinge des KZ Buchenwald, von Angehörigen, Kindern und Enkeln, am 11. April 2010 anläßlich des 65. Jahrestages der Selbstbefreiung des KZ zukommen lassen. Darin heißt es u.a.:
Lange vor Beginn des offiziellen Staatsaktes erschienen die Teilnehmer, unter ihnen auch bisher unbekannte Nachkommen von ehemaligen Häftlingen. Junge Linke aus Thüringen, Mitglieder von Antifa-Gruppen aus Sachsen, eine Gruppe der Jungen Naturfreunde aus NRW, eine Frauengruppe aus Russland, interessierte Bürger aus Weimar und Umgebung, jung und alt, erschienen. Nur wenige der 200 Plätze des Kinosaals der Gedenkstätte blieben unbesetzt. Es flossen Tränen der Wiedersehensfreude und als unser Kamerad Mordechais Weinryb seinen Leidensweg als junger Häftling im Lager beschrieb. Er betonte, dass er sein Überleben allein der Tatsache verdanke, dass deutsche Häftlinge, deutsche Kommunisten der illegalen Lagerorganisation, ihn vor Transport und Vernichtung bewahrten...

Wir danken allen Mitgliedern der GRH, die durch ihre Geldspenden unser Treffen ermöglichten.”

 

 

 

Ergänzung zu einem Leserbrief

 

In meinem im ND veröffentlichten Leserbrief bezog ich mich auf die Meldung, daß die Bundesanwaltschaft das Ermittlungsverfahren gegen Oberst Klein im Zusammenhang mit dem Bombenabwurf auf Unschuldige in Afghanistan eingestellt hatte, weil kein Verstoß gegen das Völkerrecht vorliege. Der Verteidigungsminister hatte diese Entscheidung „mit großer Erleichterung“ zur Kenntnis genommen. Den Leserbrief hatte ich aus Erfahrung absichtlich sehr kurz gehalten. Er wurde dann auch ungekürzt veröffentlicht. Über die Problematik Völkerrecht/ Naturrecht und Radbruch´sche Formel gab es in der GRH während der Grenzerprozesse Veröffentlichungen. Ich kann sie jetzt nicht wiederholen. Es wäre aber schon wünschenswert, wenn sich unter Bezugnahme auf die jetzige Begründung der Bundesanwaltschaft ein Jurist noch mal näher mit dieser Thematik bei Rückgriff auf die Argumentation während der Grenzerprozesse beschäftigen würde. Die Justiz der BRD kommt nämlich hier in Erklärungsnot. Immerhin handelt es sich um einen ranghohen Militär, ebenso wie bei vielen verurteilten Offizieren der Grenztruppen. Ich halte es schon für sehr wichtig, auf Zusammenhänge aufmerksam zu machen, die die heute Mächtigen gern übersehen haben möchten. Wo sich aktuelle Bezüge anbieten, müssen wir das uns widerfahrene Unrecht immer wieder zur Sprache bringen. Wünschenswert wäre es schon, wenn dieser oder jener von uns auch wieder mal zur „Feder“, bzw. heute zur Tastatur am Computer greifen würde.
(Dr. Rolf Ziegenbein, TAG Dresden)

 

 

 

Beratung mit Vorsitzenden und Kassierern der TAG

 

Mitglieder des Vorstandes berieten am
28. April in Schwerin mit Vorsitzenden und Kassierern der TAG Rostock, Schwerin, Neubrandenburg und Perleberg über Schwerpunkte der Tätigkeiten der TAG in Vorbereitung der 9. Vertreterversammlung, über ihr Wirken in territorialen sozialen Netzwerken sowie zur weiteren Qualifizierung der Finanzarbeit und Mitgliederstatistik. Es entwickelte sich eine freimütige, offene Aussprache und ein Erfahrungsaustausch, an der sich alle Anwesenden beteiligten. Sichtbar wurden unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit in sozialen Netzwerken. Berichtet wurde von schriftlichen Vereinbarungen der beteiligten Organisationen, von gemeinsamen Veranstaltungen mit anderen Organisationen wie ISOR, RotFuchs, GBM, Bundeswehrverband mit unterschiedlicher zum Teil wechselnder Verantwortlichkeit. Interessant war, dass sich über diese sozialen Netzwerke auch Beziehungen zu staatlichen Stellen aufbauen ließen. Hervorgehoben wurde, dass für ein gutes Klima innerhalb der Netzwerke und für deren Funktionieren ein guter persönlicher Kontakt zu den Vorsitzenden bzw. Sprechern anderer linker Organisationen von nicht geringer Bedeutung ist.

Mit dieser Beratung in Schwerin beendete der Vorstand seine dezentralen Beratungen mit TAG-Vorsitzenden und Kassierern auf Länderebene in Vorbereitung der 9. Vertreterversammlung am 2. Oktober 2010.

 

Einige TAG’s haben bereits ihre Vertreter zur 9. VV sowie bei dieser Gelegenheit auch die Vorstände / Sprecherräte neu gewählt. Wir gratulieren allen neuen Funktionären und bedanken uns sehr herzlich bei den ausgeschiedenen Funktionsträgern für ihr bisheriges Engagement.

 

Dem Vorstand ist es ein besonderes Bedürfnis, allen Mitgliedern der GRH, Sympathisanten und Unterstützern für ihren Einsatz am 1. Mai 2010 zu danken, mit denen sie durch die Teilnahme an friedlichen Blockaden maßgeblich dazu beigetragen haben, dass Nazis ihre geplanten und genehmigten Aufmärsche zum Beispiel in Berlin, Erfurt, Rostock, Zwickau, Würzburg und Schweinfurt nicht durchführen konnten.

 


Wir gratulieren sehr herzlich

unseren Mitgliedern

zum 90. Geburtstag

Erika Lippert Dresden;

zum 85. Geburtstag

Herbert Kegler Potsdam,

Horst Stechbart Wildpark-West;

zum 80. Geburtstag

Harry Beutner Suhl,

Günter Krüger Wittenburg,

Fred Liermann Potsdam,

Gerhard Lorenz Metzingen,

Werner Lucke Berlin,

Günter Matthes Strausberg;

zum 75. Geburtstag

Dr. Gerhard Eichhorn Berlin,

Helfried Krüger Berlin,

Wolfgang Mutz Berlin,

Gerhard Nemitz Rostock,

Johannes Schindler Berlin,

Erika Schulz Strausberg,

Karl-Heinz Wilke Potsdam,

Helmut Wölke Wandlitz;

zum 70. Geburtstag

Ralf Devaux Bonn,

Bernd Fischer Vorbeck,

Hartwig Müller Berlin,

Siegfried Ramm Chemnitz,

Horst Schäfer Stendal,

Siegfried Zien Perleberg;

zum 65. Geburtstag

Ernst-Jürgen Kreyß Falkensee,

Hans-Joachim Trappen Berlin;

zum 60. Geburtstag

Rolf Rebhan Erfurt.

Allen Geburtstagskindern des Monats Mai wünschen wir beste Gesundheit, Kraft, viel Glück und ein weiterhin erfülltes Leben.
 

 

Unsere Arbeitsgruppe Betreuung hat Vertreter der TAG Berlin und Umland zum

31. Mai 2010, ab 14:00 Uhr,

in die Geschäftsstelle der GRH zu einem Erfahrungsaustausch zur Solidar- und Betreuungsarbeit in der GRH eingeladen.

 

Am 15. Juni 2010, ab 17:00 Uhr, stellen die GRH, der Verlag Wiljo Heinen und Prof. Dr. Buchholz im Seminarraum 1 des ND-Gebäudes sein neues Buch „Rechtsgewinne?“ vor.

 

 

Ehre ihrem Andenken
 

Am 24.04.2010 verstarb unser Mitglied

Irmgard Jendretzky

aus Potsdam im Alter von 91 Jahren;

 

am 04.04.2010 verstarb unser Mitglied

Dr. Klaus Niehaus

aus Suhl im Alter von 76 Jahren;

 

am 11.04.2010 verstarb unser Mitglied

Manfred Weber

aus Schreierdgrün im Alter von 80 Jahren;

 

am 09.04.2010 verstarb unser Mitglied

Gerhard Ziener

aus Chemnitz im Alter von 81 Jahren;

 

Unser tiefes Mitgefühl gilt allen Angehörigen und Freunden

 

Der Vorstand – TAG Potsdam, Suhl, Plauen, Chemnitz


 

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