|
GRH Mitteilungen 11-07 01.11.2007
Gesellschaft zur rechtlichen und humanitären Unterstützung e.V. Franz-Mehring-Platz 1 - 10243 Berlin – Öffnungszeiten der Geschäftsstelle: Dienstag & Donnertag von 9.00 bis 16.00 Uhr Herausgeber: Der Vorstand - Redaktion: Dr. H.-H. Nehmer - Tel/Fax: 030/2978-4225 - E-Mail: verein@grh-ev.org - Internet: <www.grh-ev.org> - Bankverbindung.: Berliner Volksbank - Konto-Nr.: 5788900009 - BLZ 10090000 - Preis: 0,00 € (Spende erlaubt)
Geschichtsfälschung wird hysterisch aggressiv
- Das Zahngold von Jamlitz -
Im September wurde die Wanderausstellung ‚Das hat's bei uns nicht gegeben! - Antisemitismus in der DDR’ nach ihrer Premiere im April erneut in Berlin präsentiert. Weitere Stationen sollen Fürstenwalde, die Berliner Bezirke Pankow und Neukölln sowie Pirna und Bernau sein. Vom „alltäglichen Antisemitismus“ in der DDR bis zu „Stasi-Mitarbeiter schändeten die Leichen von KZ-Opfern“ und „...raubten die Zahnfüllungen jüdischer KZ-Opfer“ reichen die Gräueldarstellungen.
»Eine Tafel beschreibt, wie 1971 im brandenburgischen Jamlitz ein Massengrab ehemaliger jüdischer KZ-Häftlinge entdeckt wurde und wie MfS-Mitarbeiter, bevor die menschlichen Überreste entgegen jüdischem Brauchtum feuerbestattet wurden, ihnen insgesamt >1080 g Zähne und Zahnprothesen< entnahmen.«
Was ist historisch belegt? Am 2. Februar 1945 wurden marschunfähige Häftlinge auf Lastwagen zu einer Kiesgrube gefahren, dort von SS-Einheiten erschossen und verscharrt, genauer abgekippt. Im Mai 1971 stoßen Bauarbeiter in der Nähe des Dorfes Staakow in einer nicht mehr ausgebeuteten Kiesgrube auf die Gebeine der dort von der SS entsorgten Toten. Daraufhin übernehmen Angehörige der Volkspolizei die Grabungen. Sie fördern weitere Skeletteile und Schädel mit Einschusslöchern am Hinterkopf sowie andere Sachbeweise zutage. Teils wurden nur Zähne oder Gebissteile – teils aus Edelmetall -gefunden. Die Fundstücke wurden zwecks Identifizierung der Opfer genau erfasst und katalogisiert. Es waren u.a. die o.g. 1.080 Gramm Gold. Federführend für die ersten Ermittlungen ist die Bezirksstaatsanwaltschaft Cottbus gewesen. Sehr bald steht fest, dass es sich hier um die Skelette der ermordeten Häftlinge aus den Februartagen des Jahres 1945 handelt - das größte Massengrab aus der Zeit des Faschismus, das auf DDR-Boden gefunden wurde. Darum wurde die BV des MfS verständigt, die ein Ermittlungsverfahren zur Aufklärung des Verdachts eines NS-Verbrechens gegen die Menschlichkeit einleitete. Gerichtsmediziner aus Dresden begannen mit der Exhumierung und den Ermittlungen zu Todesursachen. Anschließend wurden die sterblichen Überreste feuerbestattet. Soweit Prothesen – auch aus Edelmetall – den Toten zugeordnet waren, verblieben sie bei den Opfern!
In Lieberose/Jamlitz entstand eine Gedenkstätte, die mit feierlicher Urnenbestattung eingeweiht wurde. Die Beweisstücke, darunter auch das nicht zugeordnete Zahngold, wurden sorgfältig erfasst und für den Fall weiterer Erkenntnisse zum vorläufig eingestellten Ermittlungsverfahren verwahrt. Eine Abverfügung zur Verwertung – wie von den Medien in Szene gesetzt - gab es nicht. In wessen Tasche das Gold im Zusammenhang mit der Plünderung der MfS-Zentrale in der Wendezeit geraten ist, wäre zu erforschen, anstatt aus der Sache Propaganda zu schmieden. Es gab auch keine Anordnung, Zahngold herauszubrechen, bestätigte Dr. Frank als damals beteiliger Gerichtsmediziner.
Aber „erschüttend“ fand man nun, wie die Welt am 27. Juli 2007 berichtete, dass vom MfS „nicht wesentlich anders“ verfahren wurde, als seitens der Nazis, die “76mal Zahngold bei der damaligen Reichsbank“ abgeliefert haben, das „in den Vernichtungslagern aus den Kiefern ermordeter Juden herausgebrochen worden“ ist. Da ist sie wieder, nur noch penetranter, die Gleichsetzung des Faschismus mit der DDR bei gleichzeitiger Delegitimierung als antifaschistischer und Denunzierung als antisemitischer Staat. (Hans-Herbert Nehmer - teils zitiert aus ‚junge Welt’ vom 05.10.07)
Aus der Arbeit des Vorstandes
Der Vorstand beriet in der Oktober-Sitzung folgende Themen:
1. Auswertung der Beratung mit den TAG-Vorsitzenden bzw. deren Vertreter der Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen am 19.09.07 in Leipzig (siehe Mitteilungen 10-07). Den Teilnehmern der Beratung wurde für die kritische und selbstkritische Beurteilung der Lage in ihren Territorialen Arbeitsgruppen gedankt. Auch diese dritte dezentrale Beratung hat bestätigt, dass die Beschlüsse der 6. und 7. Vertreterkonferenz vor Ort differenziert, insgesamt jedoch erfolgreich umgesetzt werden. Durch die zumeist guten Kontakte und durch die Zusammenarbeit mit örtlichen Vertretungen befreundeter Organisationen und linker Parteien wird die Ausstrahlungskraft der GRH erhöht. Trotzdem ist der eigenständigen Vereinstätigkeit sowie der Festigung der Solidargemeinschaft durch gegenseitige Hilfe, persönliche Betreuung und Unterstützung weiterhin verstärkte Aufmerksamkeit zu schenken.
2. Der Vorstand bekräftigte seine Bereitschaft, bei der von der Bundestagsfraktion DIE LINKE für November 2007 und März2008 geplanten Anhörungen / Konferenzen zu Problemen Ostdeutschlands mitzuarbeiten.
3. Die Teilnahme von 250 ehemaligen Angehörigen der Grenztruppen der DDR, weiteren Mitgliedern und Sympathisanten der GRH sowie Kampfgefährten aus Tschechien und Polen am diesjährigen Herbsttreffen bestätigte, dass diese Treffen angenommen werden und auch weiterhin durchgeführt werden sollten. Der Vortrag von Prof. Dr. Gerhard Fischer fand großen Anklang. Sein Referat sowie die anschließende Diskussion in einer kämpferischen Atmosphäre passten genau in die gegenwärtige Zeit der zunehmenden Verleumdung und Diffamierung der DDR. Die Veranstaltung bestärkte die Teilnehmer in ihrer Verantwortung, dagegen vorzugehen, gab ihnen Zuversicht und Mut, den Kampf weiterzuführen. (Inzwischen ist der Sonderdruck der Arbeitsgruppe Grenze, der das Referat, die Diskussionsbeiträge und das Schlusswort des Vorsitzender der GRH enthält, bereits erschienen)
4. Der Vorstand bestätigte die Aufnahme von fünf neuen Mitgliedern sowie den Antrag einer TAG zur Gewährung einer finanziellen Unterstützung.
Buchempfehlungen
I
Zeitzeichen – 40 Jahre Spionageabwehr und Aufklärung von Heinz Geyer
Auch 17 Jahre nach dem Ende der DDR wird eine international einmalige ‚Stasi’-Hysterie geschürt. Der letzte Stabschef der HVA erinnert sich und stellt richtig. Kai Homilius / Spotless, Edition Zeitgeschichte, Band 8, ISBN 978-3-89706-859-9, Preis 12,80 €
II
“Priester der Klio - Neokonservativer Geschichtsklitterung Paroli bieten“ Dieter Becker, Siegfried Mechler (Herausgeber)
Auch nach dem Ende der DDR setzt das große Kapital den Kalten Krieg fort. Eine wachsende Rolle spielt die massive Verfälschung der deutschen Nachkriegsgeschichte, besonders der DDR-Geschichte. Mit Hetzfilmen wie „Die Frau vom Checkpoint Charlie“ wurde dabei eine neue Offensive eröffnet. Der Zweck ist klar: der Sozialismus soll mit aller Macht diskreditiert, den Menschen soll mit den Mitteln der Massenmanipulation jeder Gedanke an eine bessere Alternative zum real existierenden Imperialismus ausgetrieben, die Öffentlichkeit von den eigenen Schandtaten abgelenkt werden.
Im Zusammenwirken mit dem Ostdeutschen Kuratorium von Verbänden (OVK) gibt uns der Kai Homilius Verlag mit der Publikation des Buches„Priester der Klio“ eine wertvolle Waffe gegen neokonservative Geschichtsklitterung in die Hand. Dieter Becker und Prof. Siegfried Mechler legen als Herausgeber das ausführliche Protokoll des „Kolloquiums über Verfälschung und Klitterung der DDR- Geschichte …“ vor, das am 20. März 2007 in Berlin stattfand. 24 Autoren – Historiker, Journalisten, Juristen und andere Wissenschaftler – zeichnen ein genaues, wenn auch nicht erschöpfendes Bild der mannigfaltigen Erscheinungsformen dieser Geschichtsfälschung und –klitterung. Die weite Skala umfasst unter anderem so wichtige Gegenstände wie die kritische Auseinandersetzung mit der Arbeit der sog. „Eppelmann- Kommission“ und der Umsetzung ihrer „Erkenntnisse“ über die DDR in die offizielle Staatspolitik der BRD sowie anderer „Expertenkommissionen westlicher Provenienz (Ludwig Elm, Gerhard Fischer) die Beseitigung von DDR- Kunstwerken aus dem öffentlichen Raum (Klaus Höpke) und die ebenso verlogene wie gekrampfte Entwicklung einer „Gedenkstättenkultur“ (Horst Schneider, Günter Wehner) und die Janusköpfigkeit der BRD- Justiz bei der (Nicht-) Verfolgung von Naziverbrechern und DDR- Verantwortungsträgern (Hans Bauer, Detlef Joseph), die massiven Lügengebäude zur Tätigkeit des MfS (Wolfgang Schwanitz) bis hin zur Diskreditierung der erfolgreichen Sportpolitik der DDR (Günter Erbach), um nur einige der Problemkreise zu nennen.
In seiner Gesamtheit ist der vorliegende Protokollband eine wertvolle, ja unentbehrliche Fundgrube zu brennenden Fragen der Zeitgeschichte. Viele, die „dabei gewesen“ sind beim ersten Sozialismusversuch in Deutschland, werden eigene Erfahrungen und Erlebnisse bestätigt finden. Jedem, der sich dafür interessiert, „wie es wirklich gewesen ist“, besonders Jüngeren, denen die eigene Anschauung fehlt, wird die Lektüre wichtige Erkenntnisse vermitteln. (Hans Kaiser)
Kai Homilius Verlag, Berlin, 07. ISBN 978-3-89706-851-3. Preis: 9.90 €.
GrĂĽĂźe von Kurt Stand
Kurt Stand bedankt sich in einem Brief bei allen, die ihm und den anderen in den USA eingekerkerten Freunden vom Friedensfest in Strausberg und vom Berliner Tag der Erinnerung und Mahnung Grüße übersandt haben, fast 300 hatten unterschrieben. „Das Betrachten all der Namen auf den Unterschriftslisten“ schreibt er „ist ein besonders großartiger Ausdruck der Solidarität zu einer Zeit, da meine Revisions-Anhörung im November ansteht. Für mich war es besonders bedeutungsvoll, dass diese Unterschriften in Strausbergzum Friedensfest und in Berlin zum Aktionstag gegen Rassismus, Neonazismus und Krieg gesammelt wurden. ...Ich glaube immer, dass die beste Verteidigung gegen Unrecht vor Gericht der Protest durch Solidarität ist. Das ist der Weg, den ich für meine eigene Verteidigung sehe und mein Appell. Ich will versuchen, dass Freunde und Sympathisanten hier die Unterschriftenlisten kennen lernen sowie die Mitglieder meiner Familie. Ich denke, ich spreche nicht nur für mich allein, wenn ich mich nochmals für Eure Solidarität bedanke. Meine allerbesten Wünsche.“
Zur Thematik siehe auch Artikel von Dr. Hans Kaiser in RotFuchs / Oktober 2007.
Wir gratulieren sehr herzlich unseren Mitgliedern
zum 90. Geburtstag
Dr. Kurt Gossweiler Berlin;
zum 85. Geburtstag
Rolf Richter Leipzig, Helmut Walther Baden-Baden;
zum 80. Geburtstag
Walter Kowal Halle, GĂĽnther Hoferichter Perleberg;
zum 75. Geburtstag
Gerhard Behnke Werder, Traude Hahn Berlin, Adalbert Hermann Bestensee, Wilhelm Lehmann Berlin, Josef Schaffer Suhl, Dieter Vogel Stendal, Werner Wagner Berlin;
zum 70. Geburtstag
Richard Ehrenberg Berlin Klaus Ostermann Berlin, Krimhilde Sacher Neubrandenburg, Gerhard Scharf Burgstall;
zum 65. Geburtstag
Dr. Wolfgang Dockhorn Berlin, Dierk Grahlmann Berlin, Dieter Holland Berlin, Lothar Wötzel Berlin.
Allen Geburtstagskindern des Monats November wĂĽnschen wir beste Gesundheit, Kraft, viel GlĂĽck und ein weiterhin erfĂĽlltes Leben.
Hinweis Die Geschäftsstelle der GRH bleibt am 27.12.07 geschlossen.
Ehre seinem Andenken
Am 25.09.07 verstarb unser Mitglied
Erwin Strecker aus Effelder im Alter von 77 Jahren.
Unser tiefes Mitgefühl gilt allen Angehörigen und Freunden Der Vorstand – TAG Suhl
|