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Sonderdruck der Arbeitsgruppe Sport der GRH
Für Mitglieder und Sympathisanten
Berlin, Mai 2008
Olympia soll Olympia bleiben
Von Erhard Richter
Die Arbeitsgruppe Sport unserer GRH legt heute einen Sonderdruck vor, der sich mit dem brisanten Thema „Olympische Sommerspiele in Peking“ beschäftigt.
Die nachfolgenden Autoren, Dr. Klaus Huhn, Helmut Horatschke, Heinz Czerwinski und Rolf Berthold, weisen überzeugend nach, dass sich die Politik eines Olympia-Boykotts immer nachteilig auf den Weltsport und der Sportler ausgewirkt hat.
Es wird die politische Verleumdungskampagne gegen die Volksrepublik China und der organisierte „Protest“ gegen die chinesische Politik dokumentiert. Schon zur Zeit der „Orange-Revolution“ in der Ukraine, wo Demonstrationen von außen organisiert und finanziert wurden, ist nun auch China zum Angriffspunkt von Medien und Politikern geworden. Auch Deutschland zeigt sich aggressiv und lehnt sich weit aus dem Fenster. Immer, wenn „Exil-Tibeter“, die von einer Stadt in die andere gefahren wurden, um den olympischen Fackellauf zu stören, standen Kameras und Fotoreporter, besonders von der ARD und dem ZDF, zur Aufnahme bereit.
Der Dalai Lama und seine Handlanger nutzten für ihren Feldzug gegen die VR China auch plumpe Fälschungen. So wurde u.a. ein Bild in die Medien lanciert, wo Soldaten der chinesischen Volksbefreiungsarmee abgebildet sind, die als Mönche verkleidet, die Krawalle in Lhasa provoziert haben sollen. Die Uniformen sind aber schon seit Jahren aus dem Verkehr gezogen. Fahrradtaxis, auf dem Foto sichtbar, sind seit 2005 in Tibet nicht mehr im Einsatz. Also, eine plumpe Fälschung. Eines sollte der Dalai Lama und seine, auch ausländischen, Hintermänner, wissen: Verhandlungen mit der VR China können nur erfolgreich sein, wenn die Politik der Lostrennung Tibets und weiterer Provinzen aufgegeben wird. Ein neues Jugoslawien wird es nicht geben.
Sicher ist es nicht leicht, ein Volk von über 1,3 Milliarden Einwohnern im Gleichschritt marschieren zu lassen. Aber diese Medienkampagne hat nur ein Ziel: Verunglimpfung der VR China durch puren Antikommunismus.
Die Stoßrichtung ist dabei die Floskel von Menschenrechtsverletzungen. Politiker und Journalisten mahnen Menschenrechte in China an und übersehen dabei wissentlich, dass Deutschland in Punkto Menschenrechtsverletzungen in Europa ganz vorn marschiert. Bei Alters-und Kinderarmut (in Deutschland leben über 2,5 Millionen Straßenkinder), Arbeits-und Obdachlosigkeit, Analphabetentum, Kriminalität, Rentenungerechtigkeit, Ausgrenzung ganzer Personengruppen und Bespitzelung der Bürger ist die BRD in vorderster Reihe.
Die massivsten Einwürfe gegen Chinas Olympiatauglichkeit kommen naturgemäß aus den USA, jenem Land, das nach 1945 die meisten Olympischen Spiele – je zwei im Sommer und im Winter – und die meisten Kriege, im Winter wie im Sommer, veranstaltet hat. Das allein macht die „hehren Anliegen“ der Menschenrechtsinternationale höchst zweifelhaft.
Wenn es um Menschenrechte geht, dann ist es höchste Zeit, dass die USA durch Abschaffung der Todesstrafe, das Einstellen aller Kriegshandlungen, den Abzug der Militärs aus allen von den USA besetzten Gebieten, die Entlassung der US-Kolonie Puerto Rico in die Unabhängigkeit, die Rückgabe des Staates Hawaii an die Ureinwohner, die Entlassung aller politischen Gefangenen in den USA und den von ihnen betriebenen Gefängnissen in anderen Ländern, die Aufhebung der Blockade gegen Kuba sowie die Freilassung der in den USA inhaftierten Kubaner, schließlich Entschädigungszahlungen u.a. an Chile, Guatemala, Nikaragua, Nordkorea, Vietnam, Panama, Sudan, Serbien und Somalia, einen Beitrag zur Einhaltung der Menschenrechte leisten.
Wenn der derzeitige USA-Präsident Bush erklärt, dass er nicht zur Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele nach Peking reisen will, dann muß man sagen, dass er auch dort nicht hingehört. Für seine Kriegsverbrechen gegen Irak sollte er – bei Wahrung der Menschenrechte – international längst zur Verantwortung gezogen werden. Selbst die von Bush verbreiteten Lügen über den Besitz von atomaren Waffen im Irak führten weder bei der UNO noch bei der EU zu Protesten. Auch die deutschen Repräsentanten Merkel und Köhler billigten stillschweigend das Morden und die Vertreibung im Irak.
Die AG Sport der GRH führte am 17. April gemeinsam mit dem Freundeskreis der Sport-Senioren eine Veranstaltung durch, wo sich die Teilnehmer zu einem klaren Bekenntnis zur olympischen Idee und zur ungestörten Durchführung der Olympischen Sommerspiele in Peking ausgesprochen haben. Gesprächspartner waren der letzte Botschafter der DDR in China, Rolf Berthold und der Abteilungsleiter im Bundesvorstand des DTSB, Helmut Horatschke. Auch die Mitglieder des Vereins Sport und Gesellschaft e.V. wandten sich am 7. März in einer Erklärung gegen die Verleumdungskampagne gegen die VR China. Gastredner war der Leiter der Kulturabteilung der Chinesischen Botschaft, Gesandter Junxin Dong.
Salven gegen Olympia
Von Dr. Klaus Huhn
Ich halte zwar nichts vom Gewerbe der Wahrsagerei, habe aber dennoch keine Hemmungen, vorauszusagen, dass kein Tag vergehen wird, ohne dass die herrschenden bundesdeutschen Medien irgendeine aggressive Anti-Peking-Nachricht veröffentlichen.
Mein Mut zur Wahrsagerei hat sich damit keineswegs erschöpft: Ich wage zu prophezeien, dass irgendwann auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking eine gefälschte Ausgabe der Renmin Ribao verteilt wird, und wenn Polizisten auftauchen sollten, werden mindestens vier Kameraleute eines Fernsehsenders aus einem Land freier Wahl zur Stelle sein. Nicht auszuschließen ist auch, dass Teilnehmer der Spiele, verärgert darüber, dass die Tanzmusik in einer Diskothek des olympischen Dorfes schon um Mitternacht abgeschaltet wird, in den benachbarten Speisesaal ziehen und dort so lange mit Tomaten um sich werfen, bis Ordner auftauchen, die mit den Rufen „Libérez le Tibet“ in Rage gebracht werden, was tags darauf in vielen Schlagzeilen nachzulesen sein wird.
Woher ich den Mut zu solchen Voraussagen nehme? Die Antwort: Ich war als Journalist bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau akkreditiert und sammelte da hinreichend Erfahrungen. Die gefälschte Zeitung, die auf dem Roten Platz verteilt wurde, war eine Prawda, in Italien gedruckt und von einem Franzosen eingeschmuggelt, die randalierenden Tanzwütigen sprachen vornehmlich Französisch und wussten, was sie im olympischen Dorf skandieren mussten, um die Lautsprecher wieder in Gang zu setzen – damals „Libérez Afghanistan“, und der Segler, der ein schwarzes Armband bei der Siegerehrung in Tallinn trug, war der Österreicher Wolfgang Mayrhofer, und Journalisten verkündeten, dies sei ein Protest gegen die sowjetische Intervention in Afghanistan.
Man darf mir also glauben: Ich bin ein „Veteran“ der Anti-Olympia-Front und einigermaßen im Bilde. Auch wenn Sie mich fragen sollten, wie denn diese Kampagnen motiviert wurden, fällt mir die Antwort leicht: Es war und ist der pure Antikommunismus!
Ich war übrigens auch schon mit von der Partie, als das aller erste Kapitel der entsprechenden Enzyklopädie geschrieben wurde. Das war am 23. Oktober 1974, morgens 9.25 Uhr. Da fiel im Wiener Rathaus bei der Sitzung des Internationalen Olympischen Komitees die Entscheidung, die Spiele 1980 nach Moskau und damit zum ersten Mal in der Geschichte an ein Land zu vergeben, in dem - diese Charakterisierung dürfte niemand in Frage stellen – die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen abgeschafft worden war. Das mobilisierte natürlich alle, die sich wie damals auch heute und morgen zur Ausbeutung bekennen. Daß sie nicht schon im Wiener Rathaus mit ihrem Protest zum Zuge kamen, war der Tatsache zuzuschreiben, dass an der Spitze des Internationalen Olympischen Komitees der Ire Lord Killanin stand, ein Mann, nichts weniger als ein Kommunist, aber eben ein Ire und obendrein einer mit dem eisernen Willen, Olympia nicht in die Hände schmutziger Politik geraten zu lassen. Und das tat er von der ersten Minute an auf höchst irische Weise: Er ließ die Stimmzettel auszählen, verkündete, dass die XXII. Spiele in Moskau stattfinden werden und antwortete auf die augenblicklich von vielen Journalisten gestellte Frage nach dem Abstimmungsverhältnis: „Meine Damen und Herren, ich habe die beiden ältesten IOC-Mitglieder die Stimmen zählen lassen, sie gebeten, mir das Ergebnis mitzuteilen, was ich Ihnen korrekt übermittelt habe und beide aufgefordert, danach die Stimmzettel zu zerreißen und die Schnipsel augenblicklich in die Donau zu streuen.“
Jedem Leser kann ich mit gutem Gewissen versichern: Dieser Killanin wusste schon am Vormittag dieses 23. Oktober 1974, womit er in den folgenden sechs Jahren zu rechnen haben würde, und er hätte für den Stil, in dem er die olympische Idee bis zur Eröffnung der Spiele in Moskau vor Schaden bewahrte, einen Nobelpreis verdient!
Der Boykott von 1980
Wenn heute von den Moskauer Spielen die Rede ist, wird mit Vorliebe behauptet, zum Boykott sei wegen der sowjetischen Intervention in Afghanistan aufgerufen worden, die am 28. Dezember 1979 begonnen hatte. Das wird wieder und wieder behauptet und als Folge der zahllosen Wiederholungen inzwischen als „Wahrheit“ hingenommen.
Die wahre Wahrheit ist: Von dem Augenblick an, da Killanin die IOC-Mitglieder mit seiner Schnipsel-Geschichte vor einer „Untersuchung“ bewahrte, wer für Moskau votiert hatte, wurde Moskau mit Boykott bedroht.
Am 2. September 1976 – der letzte Tag der XXI. Spiele in Montreal war der 1. August 1976 gewesen – meldete AFP aus Santiago de Chile: „Chile will gegen die Abhaltung der Olympischen Spiele 1980 in Moskau protestieren, weil die Sowjetunion dem Sport im allgemeinen nicht genügend Garantien bietet.“ Am 22. November 1977 schrieb die FAZ: „Ein Boykott der Olympischen Spiele in Moskau ist für den Fall gefordert worden, dass die beiden Rundfunksender Radio Free Europe und Radio Liberty von der Berichterstattung ausgeschlossen würden.“ Am 21. Mai 1978 forderte die Londoner Sunday Times von der britischen Regierung, gegen „Prozesse in Moskau“ zu protestieren „und Konsultationen mit anderen Regierungen in der Absicht stattfinden zu lassen, einen möglichst ausgedehnten Boykott der Spiele von 1980 zu erreichen.“ Am 9. August 1978 setzte der Londoner Daily Telegraph eine Frist: „Man sollte den 31. Dezember 1978 als Termin festsetzen, bis zu dem alle Dissidenten freigelassen werden müssen, andernfalls würde Moskau die Spiele verlieren.“
Zwischendurch meldete sich Lord Killanin immer mal wieder und erinnerte daran, wer letztlich das Sagen hatte. Am 28. November 1979 schrieb er in der International Herald Tribune: „Gewisse Personen haben die Forderung erhoben, dass das IOC Druck für die Entlassung politischer Gefangener während der Dauer der Spiele ausüben sollte. Welche Sympathien dabei auch eine Rolle spielen mögen, ich betrachte es nicht als die Pflicht des IOC, sich in die Angelegenheiten des Kreml oder des State Department einzumischen, es sei denn, es handelt sich um Verpflichtungen, die die Verantwortung als Gastgeber der Olympischen Spiele oder die Einladung an alle Nationalen Olympischen Komitees betreffen.
Das IOC stimmte dafür, Moskau die Spiele zu übertragen. Zum ersten Mal in einem kommunistischen Land. Los Angeles, dem inzwischen die Spiele 1984 zugesprochen wurden, war der andere Bewerber. Es wurde dies in dem Glauben getan, dass der Sport universell ist und das politische Regime eines Landes nicht ausschlaggebend ist.“
Am 1. Januar 1980 erklärte der NATO-Rat Brüssel, als Antwort auf die sowjetische Intervention in Afghanistan, dass alle NATO-Staaten die Moskauer Spiele boykottieren würden. Am 21. Januar 1980 ließ US-Präsident James Carter wissen: „Die Spiele sollen Moskau entzogen, an einen anderen Ort verlegt oder verschoben werden.“
Am 10. Februar 1980 verlangte der US-amerikanische Außenminister Cyrus Vance bei der Eröffnung der IOC-Sitzung anlässlich der Olympischen Winterspiele in Lake Placid (USA) vom IOC, der Carter-Forderung Rechnung zu tragen und die Spiele zu verlegen. Wieder sorgte Killanin für eine bündige Antwort, eine Antwort, die so bündig war, dass sich Carter entschloß, das IOC durch seinen Boykott der Spiele in Lake Placid abzustrafen, sich also weigerte, sie zu eröffnen und das dem herantelefonierten Vizepräsidenten Walter Mondale überließ. Die Organisatoren mussten über Nacht die bereits verbreiteten Programme einsammeln und neue für die Eröffnungszeremonie drucken lassen.
Carters Druck auf Verbündete, die Spiele in Moskau zu boykottieren, beugten sich überraschend wenige. Als Regierungen ihren Nationalen Olympischen Komitees die Reisekosten sperrten, kam eine in der olympischen Geschichte beispiellose Solidaritätsbewegung in Gang. Australiens Athleten, die bei der Dimension der Anreise verständliche Schwierigkeiten hatten, die Flugkosten aufzubringen, feierten die bei drei Spielen weltbeste Kraulsprinterin Dawn Frazer, die in ihrem Hotel das Hauptquartier einer Sammelaktion einrichtete und vor allem von den Gewerkschaften unterstützt wurde.
Die BRD boykottierte bekanntlich die Spiele. Am 17. März 1980 schrieb die Stuttgarter Zeitung: „Vor drei Tagen war Willi Daume noch Olympier, da schloß er nicht aus, ohne Regierungssegen nach Moskau zu gehen. Jetzt war er Staatsbürger: Wenn Bonn nein sagt, bleiben wir daheim. Mitte vergangener Woche wies NOK-Präsident Willi Daume in Gegenwart seines IOC-Kollegen Vitali Smirnow noch darauf hin, wie man 1960 nach Rom zog, trotz des Einspruchs des Kanzlers Adenauer, der die Fahne mit den fünf Ringen auf dem Schwarz-Rot-Gold (als Symbol einer gesamtdeutschen Mannschaft) als Verhohnepiepelung des staatlichen Emblems ansah. Warum also nicht nach Moskau ohne den Segen und ohne das Geld aus Bonn? Und jetzt? In einem Rundfunkinterview hat der deutsche Olympier nun gesagt, dass man zu Hause bleiben will, wenn die Regierung das wünscht.“
Die bundesdeutschen Medien, die Moskau nicht boykottierten, sondern ihre Korrespondenten in Scharen an die Moskwa schickten, verbreiteten manche Horrorstory, hatten aber auch ihre liebe Not mit Dementis. So ließ der eingangs erwähnte Schwarz-Armband-Segler Mayrhofer die Öffentlichkeit wissen, dass er gar nicht gegen den Einmarsch in Afghanistan protestieren, sondern seine Abneigung gegen den Boykott kundtun wollte.
Noch einmal wäre der Mann zu rühmen, der sich mit seinem erfolgreichen Kampf gegen Carter & Co. einen leider nie an ihn vergebenen Nobelpreis verdient hätte: Lord Killanin. Er bewahrte Olympia vor dem Untergang. In Moskau trat er 1980 von seinem Präsidentenamt zurück, lebte noch 19 Jahre zurückgezogen in Irland und wurde in Galway beigesetzt.
Keine Retourkutsche
Vier Jahre nach Moskau fanden die Spiele in Los Angeles statt, und mit Ausnahme Rumäniens, das für diese Haltung von den USA stattlich honoriert wurde, nahmen die sozialistischen Staaten nicht teil. Dies sei die „Antwort“ auf den Boykott der Moskauer Spiele gewesen, lautet die heute allgemein geltende Version. Wer sich die Mühe macht, Hintergründen nachzuspüren, stößt darauf, dass die Vereinigten Staaten den Auftritt der UdSSR und auch der DDR aktiv vereitelten, indem sie etwa dem Chef de Mission der sowjetischen Mannschaft unter Vorwänden die Einreise verweigerten. Die USA hatte einige triftige Gründe, die Teilnahme dieser Staaten an den Spielen zu verhindern. So kämpfte deren
Präsident Ronald Reagan im November 1984 um seine Wiederwahl 1985, und ein durchaus denkbarer spektakulärer Triumph der sozialistischen Länder, darunter immerhin auch Kuba, passte nicht in die politische US-Landschaft jener Tage. Dafür gewannen die Vereinigten Staaten ein Viertel aller Medaillen!
Da die Spiele 1988 nach Seoul in Südkorea vergeben worden waren, schien ein neuer Boykott nicht auszuschließen zu sein, aber der spanische Killanin-Nachfolger, Juan Antonio Samaranch, fand einen wichtigen Verbündeten für boykottlose Spiele: DDR-Staatschef Erich Honecker. Samaranch vergaß ihm das nicht, kam zum Turn- und Sportfest 1987 nach Leipzig und überreichte dem Leiter der Abteilung Sport im ZK der SED, Rudi Hellmann, den olympischen Orden.
Noch demonstrativer war sein Besuch in Berlin 1988 kurz vor den Spielen in Seoul. Deren Eröffnung fand am 17. September statt, und es hatte sich herumgesprochen, dass Nordkorea ankündigte, sie zu boykottieren. Faktisch über Nacht meldete sich Samaranch zu den vom 20. bis 22. Juni in der DDR arrangierten „Internationalen Treffen für kernwaffenfreie Zonen“ -1000 Teilnehmer aus 111 Ländern – an, obwohl schwer zu erkennen war, welche Bindungen das IOC zu kernwaffenfreien Zonen unterhielt. Die Rede, die Samaranch dort hielt, ist heute nur noch mühsam auffindbar. Die Passage, die er Erich Honecker widmete, erklärt das hinreichend: „Ich überbringe Ihnen heute die brüderlichen Grüße der gesamten olympischen Bewegung in der Hoffnung, dass unser Bemühen um Frieden auf unserer Erde schließlich von Erfolg gekrönt sein wird. Ich möchte hier einem Mann, der sich in diesem Sinne besonders verdient gemacht hat und uns sehr nahe steht, eine verdiente Ehrung zuteil werden lassen. Ich meine den Vorsitzenden Erich Honecker. Denn seitdem Sie das Schicksal Ihres Landes in Ihre Hände genommen haben, zeugten Ihre Handlungen immer von dem tiefen Verständnis und der Wertschätzung, die Sie, wie ich zu wissen glaube, unserer olympischen Bewegung entgegenbringen. Sie haben die Bedeutung, die diese Bewegung in unserer modernen Gesellschaft besitzt, sehr gut verstanden, und ich weiß, dass Sie sie billigen, denn Sie haben immer streng persönlich darauf geachtet, dass unsere Traditionen gewahrt werden. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich das Privileg hatte, Ihnen, Herr Honecker, anlässlich der Session des Internationalen Olympischen Komitees 1985 in Berlin den Olympischen Orden in Gold überreichen zu dürfen. Sie waren es, der als erster ohne Winkelzüge einen Schritt nach vorn tat, als es darum ging, bei der Wiedervereinigung der olympischen Bewegung zur Durchführung der Olympischen Spiele von 1988, also dieses Jahres, zu helfen. Aus all den genannten Gründen bin ich heute hier in Berlin als Vertreter des Internationalen Olympischen Komitees präsent.“
Das im Deutschen etwas abgenutzte Wort „Wiedervereinigung“ hatte Samaranch in diesem Fall für die Beendigung der olympischen Boykottphase benutzt, und er dürfte besser als jeder andere gewusst haben, welche Verdienste sich Erich Honecker in dieser Hinsicht erworben hatte. Als 1990 bundesdeutsche Schreihälse – in Kooperation mit DDR-Wendehälsen – das IOC aufforderten, Honecker den Olympischen Orden abzuerkennen, bissen sie bei Samaranch auf Granit.
Die Kampagne gegen Peking
Am 13. Juli 2001 stimmte das IOC über die Spiele des Jahres 2008 ab. 1993 waren die des Jahres 2000 mit zwei Stimmen Vorsprung an Sydney vergeben worden. Peking wurde Zweiter. Acht Jahre später nahm die chinesische Hauptstadt einen neuen Anlauf und feierte einen eindeutigen Abstimmungserfolg. Bereits im zweiten Wahlgang erhielt Peking 56 Stimmen. Da nur 22 Stimmen an Toronto gingen, gab es keinen weiteren Wahlgang.
Nur drei Jahre vergingen, dann begann die Kampagne gegen Peking. Am 5. August 2004, eine Woche vor der Eröffnung der Olympischen Spiele in Athen, veranstalteten europäische Ableger der Falun-Gong-Sekte dort zusammen mit der Juristenvereinigung International Advocates for Justice (IAFJ) eine Pressekonferenz, auf der mitgeteilt wurde, dass zwei renommierte griechische Rechtsanwälte Strafanzeigen gegen den ehemaligen chinesischen Präsidenten, Jiang Zemin, den ehemaligen Vizeministerpräsidenten, Li Langing, und das Mitglied des ständigen Komitees des Politbüros der chinesischen Kommunistischen Partei, Luo Gan, „wegen Völkermordes und Folter“ erstattet hatten. Die Veranstaltung fand wenig Beachtung, ließ aber ahnen, was bevorstand. Die spirituelle Sekte, deren Gründer inzwischen von den USA aus praktiziert, hatte mit diesem Auftritt zu erkennen gegeben, wie sie die Spiele zu benutzen gedachte.
Auch in der Bundesrepublik wurden die Peking-Gegner bald aktiv. Die Fraktion der Grünen im Landtag von Baden-Württemberg hatte am 19. März 2007 zu einer Anhörung zum Thema Doping auch die „Literaturprofessorin“, Ines Geipel, - Jahre zuvor hatte sie in einer DDR-Weltrekordsprintstaffel gestanden – eingeladen, die ihren Vortrag „Doping, über was reden wir?“ titelte und behauptete: „Bereits vor fünf Jahren verschwanden fünfzig von hundert hoffnungsvollen Schwimmrekruten auf dem Weg in eine der Pekinger Eliteschulen. Sind sie in die supermodernen Strömungskanäle von Frau Prof. Helga Pfeifer, ehemalige Leiterin der Forschungsgruppe Schwimmen des geheimen Leipziger Forschungsinstitutes FKS, abgetaucht, die die kriminelle Trainerkommandeuse in China installieren durfte? Oder gerieten sie in die Fänge ominöser KP-Provinzmandarine? Ihr Verbleib ist ungeklärt, genauso ungeklärt wie die Funde im Kühlschrank des Direktors der Anshan-Schule für Sport in der Provinz Liaoning.“
Auf diese Passage kann nicht verzichtet werden, weil mit der Erwähnung Helga Pfeifers einmal mehr versucht wurde, angebliche DDR-„Dopingtäter“ als heutige „Spießgesellen“ der Chinesen zu verdächtigen. Die in Leipzig als Rentnerin lebende Helga Pfeifer gehört zu den renommiertesten Schwimmwissenschaftlerinnen der Welt und ist beratend für ein Unternehmen in der Messestadt tätig, das Strömungskanäle für Schwimmtraining herstellt. Als in Schanghai ein solcher Kanal installiert werden sollte, gewannen die Leipziger die Ausschreibung gegen ein US-Unternehmen und entsandten Helga Pfeifer vor Ort, was Journalisten – Australier, US-Amerikaner, aber auch Bundesdeutsche – veranlasste, wüste Dopingvorwürfe gegen sie und die Chinesen zu erheben. Das war 2005, die Vorwürfe wurden von einem seriösen britischen Journalisten beim Besuch einer Kanalanlage in Potsdam und einem Gespräch mit Helga Pfeifer hinreichend widerlegt. Das hinderte die „Literatin“ Geipel nicht, Helga Pfeifer 2007 in ihrem Vortag als „kriminelle Trainerkommandeuse“ zu bezeichnen. Nur einer von vielen Hinweisen darauf, dass der Kampf gegen Peking gnadenlos geführt wird.
Zitat aus der ARD-Tagesschau vom 26. März 2008: „Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke, hat das Internationale Olympische Komitee aufgefordert, während der Spiele in Peking Sportlern politische Protestaktionen zu erlauben.“ Der in der DDR Aufgewachsene – Baufacharbeiter, Diplomphysiker, Fachphysiker der Medizin- dessen politische BRD-Karriere in der Treuhandanstalt begann (deren Tätigkeit Menschenrechtsverletzungen keineswegs ausschloß), sollte als Bundesbeauftragter wissen, dass IOC-Regeln eindeutig formuliert sind und dass er antikommunistische „Ausnahmeregeln“ forderte. Er tat es: „Wenn das IOC die Spiele weiter an Länder wie China und Russland vergeben will, dann muß es den Sportlern auch erlauben, sich politisch zu äußern, und ihnen nicht mehr mit Konsequenzen drohen, sagte Nooke der Berliner Zeitung.“
Andere Unionspolitiker, so der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Ruprecht Polenz, rieten, es sei klüger, aktuell zur Boykottfrage nichts zu sagen, „denn wir wissen ja nicht, wie sich die Dinge in China und Tibet weiter entwickeln.“ Ergo: Boykott schlossen die regierenden Politiker keineswegs aus. Anders reagierte die Industrie. Das Unternehmen Siemens verbreitete schon letztes Jahr: „Die Olympischen Spiele in Peking bescheren Siemens bereits dicke Auftragsbücher. Die Chinesen hätten Technik im Gesamtwert von 1,1 Milliarden Euro bei dem Konzern bestellt, sagte China-Chef Richard Hausmann. Siemens liefere unter anderem Stadtbahnzüge, eine Wasseraufbereitungsanlage, die Technik für die Schwimmhalle und eine neue Gepäckförderanlage für den Flughafen in Peking.“ Bei Adidas hofft man „nach wie vor auf eine friedliche Lösung des Konfliktes“. Ein Rückzug von dem Sponsorenengagement ist für beide Unternehmen derzeit genauso wenig ein Thema wie für Volkswagen, die Deutsche Bahn, Payback oder die Sparkassen, die Olympia-Sponsoren oder exklusive Dienstleister sind. „Die Lösung der Menschenrechtsprobleme ist in erster Linie Aufgabe der Politik“, heißt es beim Deutschen Sparkassen-und Giroverband (DSGV).
Wie standhaft bleibt das IOC?
Die Welt befragte den früheren Turner Eberhard Gienger, der für die CDU im Bundestag sitzt und Boykott-Erfahrungen hat, da er 1980 auf seinen Start hatte verzichten müssen.
Welt: „Hatten Sie Verständnis für Carter?“
Gienger: „Nein. Ich hatte gleich den Eindruck, dass Carter hier eine Kampagne für seine Wiederwahl betrieb und dafür den Sport und die Olympischen Spiele benutzte.“
Welt: „Dann kam es irgendwann zu einem Gespräch mit Bundeskanzler Helmut Schmidt. Da war dann jede Hoffnung auf Moskau hin.“
Gienger: „Helmut Schmidt hat damals die Präsidenten der nationalen olympischen Fachverbände und uns vom Aktivenbeirat nach Bonn ins Kanzleramt eingeladen. Er hat uns deutlich gemacht, dass die Bundesregierung ihre Partnerschaft mit den USA nicht aufs Spiel setzen wolle und darum den von Washington geforderten Boykott befürworten würde. Und zwischendurch sagte er ganz subtil: „Sie können ruhig nach Moskau fahren, aber wenn Sie fahren, zahlen Sie bitte alles selber.“
Welt: „Was hätt´s denn gekostet?“
Gienger: „Das Nationale Olympische Komitee hätte seinerzeit für alle Sportler sicher rund sechs Millionen D-Mark zahlen müssen. Das war eine gewaltige Summe und die war für das NOK ohne staatliche Hilfe nicht aufzubringen. Da ist uns die Freude an den Spielen ziemlich vergangen. Aber wirklich sauer war ich nur auf den Herrn Carter.“
Welt: „Was sagen Sie in der Rückschau über den damaligen Boykott?“
Gienger: „Man muß ganz klar sagen: Der Boykott hat nichts gebracht.“
Welt: „Geht es auch den Politikern, die heute einen Boykott der Spiele in Peking fordern eher um persönliche Profilierung als um die Sache?“
Gienger: „In jedem Fall ist doch interessant, dass ein sportlicher Boykott gefordert wird, aber bislang niemand offen über einen Wirtschaftsboykott nachdenkt. Das kostet ja auch gleich Geld, da nimmt man lieber den Sport als preiswertes und zugleich öffentlichkeitswirksames Instrument. Aber erreicht wird durch den Olympiaboykott nichts.“
Medien wie die Frankfurter Allgemeine wissen, dass die bundesdeutschen Wirtschaftsbosse einem Boykott der Spiele nie zustimmen würden. Ihre Profitbilanzen wiegen schwerer als alle in Peking zu gewinnenden Medaillen. So feiert man die Mitteilung, dass die Kanzlerin nicht an der olympischen Eröffnungsfeier teilnehmen wird, wie einen politischen Doppelsieg und erwähnt nur am Rande, dass sie allerdings nie die Absicht hatte, den Olympischen Spielen einen Besuch abzustatten, und verlegt sich auf Aussagen wie: „Wenn das Führungspersonal der Welt am 8.August in Peking zur Eröffnungsfeier erscheint, so wird dies auch eine Verbeugung vor dem kommunistischen Regime und seiner Instrumentalisierung westlicher Symbolik sein. Man wird Frieden und Harmonie beschwören, weiße Tauben in den Himmel fliegen lassen und einer surrealen Vorstellung von ethisch anspruchsvollem Sportsgeist huldigen. Und das Politbüro der chinesischen KP wird alles erreicht haben, was es sich vorgenommen hat.“ Bliebe noch die Frage, wie energisch das IOC seine Spiele gegen solche Attacken verteidigt. Daß sich der jetzige Präsident Jacques Rogge, ein orthopädischer Chirurg, nicht an Killanin messen lässt, steht auf einem Blatt, auf dem anderen steht, dass die übernächsten Winterspiele in Sotschi stattfinden werden, also in Russland und obendrein nicht weit entfernt von Tschetschenien. Möglicherweise bedenkt der Mediziner, dass er einen langen Atem braucht!
Boykott im Sport?
Von Heinz Czerwinski
Natürlich kennt jeder Sportinteressierte die Tragik der Olympischen Spiele 1980 Moskau und 1984 Los Angeles.
Aber wer erinnert sich noch an den Boykott der BRD-Leichtathleten 1969 in Athen? Was war geschehen? Als die BRD-Leichtathletik-Mannschaft in Athen eintraf, gehörte ihr neben 69 ordnungsgemäß gemeldeten Athleten auch der Sportler Jürgen May an. Als ehemaliges Mitglied unseres Verbandes war er nach den gültigen internationalen Regeln der IAAF nicht startberechtigt. Der DLV sah das anders. Er wollte mit allen Mitteln den Start erzwingen. Wir bestanden auf die Einhaltung der gültigen Regel. Sowohl die IAAF als auch das Europakomitee der Leichtathletik entschied, dass J. May nicht für die BRD startberechtigt ist. Daraufhin verkündete die Mannschaftsleitung den Boykott der Europameisterschaften. Natürlich stieß diese Haltung bei den übrigen Mannschaften auf Unverständnis. Vor allem aber wollte die griechische Militär-Junta diese Entscheidung nicht akzeptieren. In der Presse wurde dieser Boykott dann auch als unfreundlicher Akt gegenüber Griechenland verkündet. Es wurde sogar die Überlegung geäußert, ob Griechenland nicht ernsthaft darüber nachdenken sollte, das Olympische Feuer für die Spiele 1972 in München nicht zu entzünden.
In dieser angeheizten Atmosphäre haben sich auch die Bonner Politiker eingeschaltet. Plötzlich hieß es in einer Erklärung, man werde nun doch an der Eröffnung teilnehmen und zumindest in den Staffelwettbewerben starten. Der Einzelstart war den Athleten nicht erlaubt. Es war demnach ein halbherziger Boykott. Die Sportler wurden so um Titel und gute Platzierungen gebracht.
Wie sinnlos, ja vor allem wie sehr zum Schaden der Athleten sportpolitische Boykotts sind, mussten bereits 1976 die afrikanischen Sportler erfahren. Der Protest richtete sich gegen die Teilnahme Neuseelands. Unmittelbar vor den Spielen nahm eine Neuseeländische Rugbymannschaft an Wettkämpfen im damaligen rassistischen Südafrika teil. Dies wollten die afrikanischen Delegationen mit ihrer Nichtteilnahme bestrafen. Wir haben diese Haltung nie akzeptieren können.
Nun entdeckte auch die USA die Waffe des Boykotts. Die Besetzung Afghanistans durch sowjetische Truppen wurde offiziell als Grund angegeben. Während die BRD ohne Zögern und ohne Abstimmung durch die Athleten dieser Forderung der USA gehorsam folgte, haben die Britischen, Französischen und Italienischen Athleten ihre Teilnahme erzwungen. Es bleibt für mich ein unvergessener Eindruck, als Sebastian Coe Olympiasieger im 1500m-Lauf wurde und bei der Siegerehrung seine Hymne nur durch den Gesang seiner Freunde und Kameraden erklang. Die Britische Regierung wollte, dass die Sportler nur als Privatpersonen antreten, selbst die finanziellen Zuschüsse an ihr NOK blieben aus.
Es ist für mich unerträglich täglich in den Medien die Argumente eines Boykotts für Peking zu hören. Nicht etwa die Kriegshandlungen der USA im Irak, nicht die militärischen Aktivitäten der NATO mit der Bundeswehr in Afghanistan, die für 1980 galten, nein Tibet ist nun das große Problem der Politik. Es bleibt die Hoffnung, dass sich die wahren Freunde des olympischen Sportes durchsetzen.
Olympia im Griff der Marktwirtschaft
Von Helmut Horatschke
Gegen einen Beschluss des letzten (!) olympischen Kongresses von 1981, wurde nach 1988 unter IOC-Präsident Samaranch ein brachialer Kurs vom Amateur – zum Berufssport und zur profitablen Vermarktung der olympischen Bewegung und ihrer Spiele durchgesetzt. Mit den Coca-Cola-Spielen, 1996 in Atlanta, war die Sache perfekt. Diesen Vorgang beschrieb bereits Karl Marx sinngemäß so: Einmal auf den Plan getreten, unterwirft das Kapital einen gesellschaftlichen Bereich nach dem anderen seinen Verwertungsbedingungen. Vermarktet werden die Olympischen Spiele insgesamt und alle Sportarten und Sportler, die Profit versprechen. Die Welt des Leistungssportes spaltet sich auf in
- Berufswettkämpfer, die für Geld von einem Wettkampf zum anderen reisen; - sponsorenabhängige Profis mit Werbeverträgen; - Angehörige militärischer Sporteinheiten; - begrenzt staatlich oder halbstaatlich geförderte Sportler, die eine berufliche Perspektive außerhalb des Sportes verfolgen; - Sportler, die sich selbst finanzieren müssen.
In das Showgeschäft und die Werbung integriert, ist der Profisport inzwischen ein Milliardengeschäft, an dem die Profisportler selbst, nach Einschätzung von Sportjournalisten, mit cirka 10 Prozent beteiligt sein sollen. Das IOC wurde zur Vermarktungsgesellschaft. Bei den Olympischen Spielen tritt ein Grundwiderspruch des modernen Sportgeschehens zu Tage, zwischen
- Förderung des Sportes, einschließlich des Leistungssportes als gesellschaftliches Anliegen, wie z.B. in der 1968 durch Volksabstimmung angenommenen DDR-Verfassung in vier Artikeln festgelegt, oder - Sport als Privatsache und Leistungssport als Objekt privatkapitalistischer Vermarktung, ohne z.B. im Grundgesetz der BRD den Sport überhaupt zu erwähnen.
Während Profis aus ihren Wettkampfserien zu den Olympischen Spielen eilen, um dort ihren „Marktwert“ zu erhöhen, setzen Länder wie China, Japan, Australien, Kuba und andere auf nationale Programme der Sportförderung und eine langfristig gezielte Olympiavorbereitung. Ein solcher Kurs ist auch bei nationalen Sportverbänden zu beobachten, die für Unternehmerkreise nicht profitträchtig sind, wie z.B. Rudern oder Feldhockey.
Anders als bei den Winterspielen zeigt die deutsche Bilanz bei den Sommerspielen eine anhaltende Talfahrt bis unter 50 Prozent des Leistungsvermögens des DDR-Sportes 1988 und das, obwohl das Bevölkerungspotential, aus dem der Sport schöpfen könnte, heute das Fünffache der DDR beträgt. Ursache ist die politisch motivierte Ignoranz und Arroganz mit der ein effektives und weltweit geachtetes System der Auswahl und langfristigen Förderung sportlicher Talente zerschlagen wurde. Neben Wintersportarten blieben nur im Kanusport Reste davon erhalten.
Die noch vorhandene Leistungsspitze wird im Durchschnitt immer älter und medaillenreifer Nachwuchs immer seltener. Die Defizite beginnen beim Zustand des Schulsportes, bei einer Talentgewinnung als Zufallsfund und dem Fehlen eines landesweiten soliden Aufbaues sportlicher Nachwuchskräfte. Der Einkauf und die Einbürgerung meist schon älterer Profis auf dem „internationalen Markt“ löst kein deutsches Nachwuchsproblem. Inzwischen fürchtet die deutsche Wirtschaft um den Verlust eines Werbeträgers.
Der 2006 gegründete Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) soll es jetzt richten. Das im deutschen Superland der Demokratie sein Vorstand nicht gewählt, sondern durch eine „Findungskommission“ bestimmt wurde zeigt, woher der Wind weht.
Das Ganze ist ein verspäteter Versuch, das Blatt für die Spiele in Peking noch zu wenden. Ein überzeugendes Konzept für den Aufbau einer leistungsfähigen Nachwuchsbasis ist bislang nicht zu erkennen und würde selbst im günstigsten Fall erst in 8 bis10 Jahren seine Wirkung zeigen. Realistisch betrachtet sollten sich deutsche Erwartungen für Peking in Grenzen halten.
Tibet – einige Fakten
Von Rolf Berthold
Eine Prinzessin des chinesischen Kaiserhofes wurde 641 u.Z. mit dem König des tibetischen Reiches verheiratet. So begann die Zugehörigkeit Tibets zu China. Mitte des 13. Jahrhunderts war Tibet offiziell in das chinesische Territorium eingegliedert. Tibet wurde, wie die anderen Teile des Landes, durch die Strukturen des chinesischen Kaiserreiches verwaltet.
Die Politik der entwickelten kapitalistischen Mächte, China unter sich in Einflusssphären einzuteilen, wurde insbesondere in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vorangetrieben. China wurde zu einer Halbkolonie. 1888 und 1903 überfielen britische Truppen von ihrer indischen Kolonie aus Tibet, um es seiner Einflusssphäre einzugliedern. Die britischen Truppen besetzten zeitweise Lhasa, der XIII. Dalai Lama musste 1904 fliehen. Tibetische Behörden gaben unter britischem Druck 1913 eine „Unabhängigkeitserklärung“ ab, die auf den Widerstand der chinesischen Zentralregierung stieß und auch international nicht anerkannt wurde. Großbritannien forderte die Übernahme der Finanzen und der Verteidigung Tibets, also die schrittweise Kolonialisierung. Es entspricht nicht der historischen Wahrheit, wenn heute in der bürgerlichen Presse und in einigen Geschichtsbüchern behauptet wird, Tibet sei in der Zeit von dem Sturz der Kaiserherrschaft in China 1911 und der Gründung der VR China 1949 de facto ein unabhängiger Staat gewesen. In seiner Antrittsrede als erster Provisorischer Präsident der Republik China verkündete Sun Yat Sen am 1.1.1912 die Vereinigung der Han, Mandschuren, Mongolen, Hui und Tibeter in einem Staat, zu Mitgliedern einer großen Familie. Die Provisorische Verfassung der Republik China legte eindeutig fest, dass Tibet Bestandteil des Territoriums der Republik China ist. Die Vertreter der tibetischen Lokalregierung nahmen an offiziellen Akten der Guomindang zur Bildung der Nationalregierung und der Nationalversammlung teil. Entsprechend der mehrere Jahrhunderte bestehenden Prozedur wurde auch der XIV. Dalai Lama 1940 durch die Zentralregierung bestätigt. Die Guomindang-Regierung hatte ihre Vertreter in Tibet stationiert.
In der Endphase des Bürgerkrieges, in der sich die Niederlage der Truppen Tschiang Kai Scheks immer deutlicher abzeichnete, und besonders nach der Gründung der VR China haben die USA ihre Aktivitäten in dieser Region intensiviert. Die USA schickten Abgesandte zu Gesprächen nach Tibet. In den USA wurde ein Pressebericht veröffentlicht, in dem es hieß, „die USA sind bereit, Tibet als ein unabhängiges und freies Land anzuerkennen.“ Waffen und Munition wurden nach Tibet geliefert, um dem Einmarsch der Volksbefreiungsarmee Widerstand entgegenzusetzen. Am 8.7.1949 hat die tibetische Lokalregierung auf Anraten der USA die Guomindang-Beamten aus Tibet ausgewiesen, um die Befreiung Tibets durch die Volksbefreiungsarmee zu verhindern. Als im Juni 1950 der Korea-Krieg ausbrach, wurde Tibet ein Glied in der strategischen Kette der USA zur Einkreisung des Ostens. Am 13. Juni kündigte das State Department der USA in einer Note an den britischen Botschafter in Washington an, dass die USA sehr wahrscheinlich Aktionen durchführen, um tibetische Ambitionen, sich von China loszusagen, zu ermuntern und zu unterstützen. Im Befreiungskrieg gegen die Guomindang-Herrschaft wurden die Nachbarprovinzen Tibets friedlich befreit. Die lokalen Behörden Tibets aber lehnten Verhandlungen mit der neuen Zentralregierung ab und massierte Truppen im Osten Tibets. Deshalb wurde das Gebiet Qamdo im Osten Tibets 1950 von der Volksbefreiungsarmee befreit. Am 23. Mai 1951 wurde ein Abkommen über die friedliche Befreiung Tibets zwischen der Zentralregierung und der Lokalregierung Tibets unterzeichnet. Dalai Lama und Panchen Lama nahmen 1954 an dem Ersten Nationalen Volkskongreß teil, auf dem die Verfassung der VR China angenommen wurde, die auch die Prinzipien der nationalen Gebietsautonomie festlegte.
Auch nach der friedlichen Befreiung Tibets setzten die USA ihre Einmischung fort. Im Juli 1951, kurz nach der friedlichen Befreiung Tibets, traf Thubten Norbu, der älteste Bruder des damals 16-jährigen Dalai Lama in New York ein und führte Geheimgespräche mit den USA-Behörden unter Mitwirkung der CIA. Zur gleichen Zeit unterzeichnete ein weiterer älterer Bruder des Dalai Lama, Gyalo Thondup, eine Vereinbarung mit der CIA über Nachrichtenbeschaffung und Guerillakampf in Tibet. Die USA begannen mit der Ausbildung von tibetischen Terroristen, u.a. in Colorado.
Bis in die 50er Jahre herrschte in Tibet finsterste Leibeigenschaft. 5 Prozent der Bevölkerung bildete die herrschende Schicht, darunter der weltliche und der geistliche Adel in den Klöstern. 90 Prozent der Bevölkerung waren Leibeigene und 5 Prozent waren Sklaven. Die Feudalherren widersetzten sich Reformen und verstärkten mit Unterstützung der CIA separatistische Bestrebungen. Am 10. März 1959 inszenierten sie einen bewaffneten Putsch in Lhasa mit dem Ziel, Tibet von China loszutrennen. Am 17. März wurde der zu jener Zeit 23-jährige Dalai Lama, an die Grenze zu Indien gebracht, von wo aus die Aufrührer nach dem Scheitern des Putsches nach Indien flohen. Die CIA unterstützte den Dalai Lama bei seiner Flucht nach Indien auf vielfältige Weise. Flugzeuge der CIA drangen Hunderte von Meilen in den chinesischen Luftraum ein, um die Flüchtlinge zu eskortieren, sie beobachteten die Bewegungen der Chinesischen Volksarmee, warfen Lebensmittel, Landkarten, Rundfunkempfänger und Geld für die Flüchtenden ab, ein in den USA ausgebildeter Tibeter begleitete den Fluchtkonvoi des Dalai Lama.
Der Putsch wurde niedergeschlagen, demokratische Reformen eingeleitet. Dadurch wurde das System der theokratischen feudalen Leibeigenschaft aufgehoben, die Leibeigenen und Sklaven wurden befreit. 1961 fand in Tibet die erste allgemeine Wahl statt.
Der Tibeter Dainmba kehrte nach langjährigem Aufenthalt im Ausland, darunter in einem speziellen Ausbildungslager für Tibeter in Colorado, USA, nach China zurück. Er äußerte im Mai 1991 zu seinem Aufenthalt in Colorado: „Ein Politinstrukteur dieses Ausbildungslagers hat erklärt, um zu verhindern, dass China reich und stark wird, bestehe die Strategie darin, China zu teilen, solange es noch arm ist. Das erste Ziel sei die Lostrennung Tibets, dann von Xinjiang, danach der Inneren Mongolei und schließlich der Mandschurei.
Die USA unterhielten eine Reihe von Lagern, in denen Tibeter für Sondereinsätze in Tibet vorbereitet wurden. Nach offiziellen Verlautbarungen von USA-Dienststellen sollen diese nach dem Nixon-Besuch in China 1972 und der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den USA und der VR China 1976 aufgelöst und die finanzielle und waffentechnische Unterstützung für die tibetischen Separatisten beendet worden sein.
Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre haben die USA mit dubiosen Mitteln versucht, die sog. „Tibet-Frage“ in der UNO auf die Tagesordnung zu bringen. Später wurde die „Tibet-Frage“ eine Karte in der „Menschenrechtsdiplomatie“ der USA. Am 18. Juni 1987 hat das Repräsentantenhaus der USA eine Entschließung „Chinas Verletzung der Menschenrechte in Tibet“ angenommen. Sie wurde Bestandteil des US Foreign Relations Authorisation Act für die Jahre 1988-89. Parlamente anderer westlicher Staaten, u.a. das Europa-Parlament, folgten mit inhaltsgleichen Dokumenten. Am 21. September 1987 sprach der Dalai Lama vor dem Menschenrechtskomitee des Repräsentantenhauses der USA. Es ist sicher nicht zufällig, dass wenige Tage danach, am 27. September 1987, erstmals seit 1959 in Lhasa Unruhen ausbrachen mit der Forderung nach „Unabhängigkeit Tibets“. Am 14. Oktober 1987 fand im Komitee für Auswärtige Beziehungen des Repräsentantenhauses eine Anhörung über Menschenrechte in Tibet statt, bei der versucht wurde, Druck auf China auszuüben.
In den Jahren 1987-1989 ereigneten sich in Tibet zahlreiche Unruhen, die Menschenleben kosteten und große Zerstörungen zur Folge hatten. Diese wurden von tibetischen spalterischen Elementen im Ausland geplant und angezettelt, blieben aber ohne Erfolg für die Spalter. In den Folgejahren haben die USA, die anderen imperialistischen Staaten und ihre tibetischen
Verbündeten ihre Politik, teilweise mit veränderter Stimmlage, fortgesetzt. Es soll hier nur am Rande auf die terminliche Nähe der Aktionen der USA 1987-1989 zu den Ereignissen Mitte 1989 in Beijing und danach in Europa hingewiesen werden.
Gestützt auf den „Foreign Relations Authorisation Act 2003“ vom September 2002 gab Präsident Bush am 8. Mai 2003 einen Bericht über „Tibet-Verhandlungen“ an den US-Kongreß. In diesem Bericht wird einerseits wiederholt, dass die USA Tibet als Bestandteil der VR China betrachten, gleichzeitig wird für Tibet „wirkliche Selbstbestimmung“ gefordert und von der chinesischen Regierung verlangt, das einzigartige religiöse, linguistische und kulturelle Erbe des Volkes von Tibet sowie dessen Menschenrechte und Freiheiten der Bürger zu respektieren. Die USA äußern sich für einen „substantiellen Dialog“, der zu einer Verhandlungslösung der „Tibet betreffenden Fragen“ führen soll.
Kein Staat der Erde, so auch nicht die USA, hat Tibet jemals als souveränen Staat anerkannt oder diplomatische Beziehungen mit der in Dharamsala (Indien) residierenden „tibetischen Exilregierung“ aufgenommen (auch Indien nicht). Selbst der US-Botschafter in China erklärte bei seinem Besuch in Lhasa am 17. April 1997: „Seit der Ära Sun Yat Sens hat die US-Regierung stets Tibet als untrennbaren Teil Chinas anerkannt.“
Das autonome Gebiet Tibet
Auf der Grundlage der Verfassung der VR China von 1954 wurde am 1. September 1965 das Autonome Gebiet Tibet offiziell gegründet. Tibet hat ein Territorium von 1,2 Millionen km², 2,8 Millionen Einwohner (davon über 90 Prozent Tibeter und 6 Prozent Han). Wirtschaft und Lebensstandard haben sich auch unter den extrem harten Naturbedingungen (durchschnittliche Höhenlage über 4.000 m, schwierige Verkehrsbedingungen und Energieversorgung usw.) deutlich entwickelt. Kultur, Bildung und Gesundheitswesen haben deutlich positive Veränderungen erfahren. Der rekonstruierte Potala-Palast ist Zeuge des Aufblühens der Region.
Zentrale Gesetze können nach den lokalen Gegebenheiten flexibel gehandhabt werden. Das Neujahrsfest und andere Feste werden entsprechend dem tibetischen Kalender gefeiert; unter Berücksichtigung der Natur- und Klimabedingungen beträgt die Arbeitswoche 35 Stunden; es gibt flexible Bestimmungen zum Ehegesetz (Polyandrie und Polygynie können als eheliche Beziehungen aufrechterhalten werden).
Tibetisch und Chinesisch sind gleichberechtigte Amtssprachen, wobei Tibetisch an erster Stelle steht. Das Brutto-Inlands-Produkt erreichte bereits im Jahre 2000 das dreißigfache im Vergleich zu 1951. Über 90 Prozent der schulpflichtigen Kinder besuchen heute die Schule, im alten Tibet waren das nur 2 Prozent, 95 Prozent der Jugendlichen und Erwachsenen waren Analphabeten (heute unter 30 Prozent). In Tibet arbeiten 25 wissenschaftliche Institute und 4 Universitäten. 80 Prozent der Kader Tibets gehören der Nationalität der Tibeter oder anderen nationalen Minderheiten an.
Seit Gründung des Autonomen Gebietes Tibet wurden 1400 Klöster und Tempel renoviert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Mehrheit der tibetischen Bevölkerung bekennt sich zum tibetischen Buddhismus. Aber auch Islam und Katholizismus haben in Tibet Anhänger. Es gibt über 1700 Stätten für tibetisch-buddhistische religiöse Handlungen, etwa 46.000 buddhistische Mönche und Nonnen, vier Moscheen und 3.000 Moslems, eine katholische Kirche und 700 Katholiken.
Die Bevölkerung Tibets wuchs von 1,14 Millionen auf 2,7 Millionen 2003, davon 2,5 Millionen Angehörige der tibetischen Nationalität. Die Lebenserwartung stieg von 35,5 auf 67 Jahre.
Tibet verfügt über 41.000 km befestigte Straßen und eine über 1.000 km lange Erdölleitung von Golmud nach Lhasa, mit der die Treibstoffversorgung gesichert wird. 2007 wurde die erste Bahnstrecke nach Lhasa in Betrieb genommen. 18 Naturschutzgebiete haben eine Gesamtfläche von 33,9 Prozent des Territoriums von Tibet (416.000 km², mehr als die Fläche der BRD).
Fakten zur jüngsten Entwicklung
Der aktuellen Entwicklung ging eine Reise des Dalai Lama durch mehrere westliche Hauptstädte voraus, bei der er auch von Kanzlerin Merkel empfangen wurde und die im Oktober letzten Jahres in Washington endete. Bereits im Mai letzten Jahres fand in Brüssel eine „Tibet-Konferenz“ statt, zu der die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung eingeladen hatte. Dort wurden „Chancen ausgelotet“, die sich „den Tibetern mit den Olympischen Spielen in diesem Jahr in China bieten“. Im November folgte in Berlin eine Veranstaltung des „Tibet-Gesprächskreises im Deutschen Bundestag“, welche „Tibet und Olympia“ zum Thema hatte. Nach dem Veranstaltungsbericht beinhaltete die Diskussion „hauptsächlich die Frage, ob die Olympischen Spiele einen Hebel bieten, mit dem die Tibet-Politik Chinas beeinflusst werden kann“.
Am 4. Januar 2008 wurde im indischen Exil des Dalai Lama mit dessen ausdrücklicher Billigung ein exiltibetischer Kampfverband, die „Tibetan People`s Uprising Movement“ (TPUM) gebildet, die aus Mitgliedern des militanten „Tibetan Youth Congress“ besteht. Ihr erklärtes Ziel: „Direkte Aktionen“ durchzuführen; „wir werden den historischen Moment der Olympischen Spiele dazu nutzen... das Ende der chinesischen Besetzung herbeizuführen“. Das war eine Neuauflage einer Ende der 80er Jahre gebildeten exiltibetischen Terrororganisation. Kurz nach dieser Gründung kam es zu ersten Gewaltakten in Lhasa und anderen Orten. Es besteht kein Zweifel mehr, dass TPUM maßgeblich an den Gewaltakten in Lhasa und anderen Orten beteiligt war.
Der Botschafter der VR China in der BRD erklärte in einer Ansprache in Berlin am 27. März 2008: „Aber es gibt Menschen auf der Welt, die meinen, die Olympiade in China sei eine gute Gelegenheit, China unter Druck zu setzen... es gibt sogar Boykottdrohungen. Ich sage hier ganz offen, das alles ist nicht korrekt. China begrüßt alle gutwilligen Kritiken und Ratschläge, aber China wird sich niemals dem Druck beugen. China hat nach 30 Jahren Öffnung und Reform einen richtigen Weg für seine Entwicklung gefunden: Den sozialistischen Weg chinesischer Prägung. Mit oder ohne Olympia wird China diesen Weg unbeirrt weiter gehen.“
Noch zu zwei „Argumenten“ Tibet gehöre nicht zu China, weil die Tibeter ethnisch und kulturell nicht zum „chinesischen Volk“ gehören. Es ist richtig, dass das tibetische Volk ethnisch und kulturell nicht zum Volk der Han gehört. In China leben insgesamt 55 nationale Minderheiten, sie bilden mit der Nationalität der Han, die über 90 Prozent der Gesamtbevölkerung Chinas ausmachen, das chinesische Volk. Allein in Tibet leben 8 verschiedene Nationalitäten. Das Territorium von Tibet sei früher viel größer als das jetzige Autonome Gebiet Tibet gewesen.
Das Autonome Gebiet Tibet ist das Gebiet mit dem größten Anteil von Tibetern (über 90 Prozent der Bevölkerung von 2,8 Millionen auf einem Gebiet von 1,2 Millionen km²). Es gibt andere Provinzen und Autonome Gebiete Chinas, in denen traditionell ebenfalls Tibeter wohnen, in denen aber Bürger anderer Nationalitäten den größten Teil der Bevölkerung bilden (z.B. Sichuan, Gansu, Qinghai, Ningxia). Es geht also nicht um „einstige Teile Tibets“, wie der Dalai Lama behauptet, wenn er von einem Groß-Tibet spricht.
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