Sonderdruck 6/2010

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Sonderdruck

der Arbeitsgruppe Sport der GRH

 

Für Mitglieder und Sympathisanten
 

Berlin, Juni 2010
 

 

Sportwissenschaft und Leistungssportforschung
in der DDR

Autor: Prof. Dr. Horst Röder, Mitglied der AG Sport der GRH

 

Mit einem Vorwort von Erhard Richter, Leiter der AG Sport der GRH



 



Vorwort

Einheit von Wissenschaft und Praxis

Mit dem vorliegenden Sonderdruck der AG Sport der GRH wird ein Thema aufgegriffen und auch ausführlich behandelt, das für die Entwicklung des Leistungssports in der DDR von immenser Bedeutung war. Der Autor, Prof. Dr. Horst Röder, viele Jahre Vizepräsident des DTSB der DDR und verantwortlich für die wissenschaftliche und koordinierte Arbeit auf dem Gebiet der Sportwissenschaft, beschreibt neben dem Gegenstand der Sportwissenschaft, den wichtigen Bereich der Einheit von Lehre und Forschung und deren Nutzung in der Sportpraxis der Sportverbände.

Einen breiten Raum in der Führungstätigkeit des DTSB nahm die Einheit von Ausbildung und Weiterbildung ein. Die Deutsche Hochschule für Körperkultur (DHfK) Leipzig, das Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport sowie die wissenschaftlichen Zentren der Sportverbände pflegten eine enge Zusammenarbeit, um den Sportverbänden praxiswirksame Erkenntnisse mit einem hohen Wissenschaftsgrad zuzuarbeiten. Ein Schlüssel für den Erfolg des Leistungssports der DDR. In jedem Olympiazyklus wurden die Funktionäre, vor allem die Trainer, weitergebildet und mit den neuesten Erkenntnissen von Wissenschaft und Forschung ausgestattet. Grundlage hierfür war die sportspezifische Forschung und Lehre.

Bedauerlicherweise wurden die wissenschaftlichen Kapazitäten nach 1990 in Deutschland nicht mehr genutzt. Bekanntlich fiel die DHfK der Abwicklung zum Opfer und Angebote an den DSB der BRD wurden in den Wind geschlagen.

Borniertheit, Neid und Haß auf die wissenschaftliche Arbeit und ihre Erfolge bestimmten die Handlung der Verantwortlichen im deutschen Sport.

 

Erhard Richter, Leiter der AG Sport der GRH


 

 

Prof. Dr. Horst Röder, Mitglied der AG Sport der GRH

Sportwissenschaft und Leistungssportforschung in der DDR


Die über mehrere Jahrzehnte erfolgreiche Entwicklung des DDR-Sports in Breite und Spitze war ohne den Beitrag der Sportwissenschaft nicht denkbar. Bereits seit der Konstituierung der DDR als Staat im Jahr 1949 - zu einer Zeit als noch viele materielle Mängel das tagtägliche Leben und den Aufbau einer neuen, demokratischen Sportbewegung behinderten - wurde dieser Zusammenhang gesehen und bewusst gefördert. Es waren vor allem drei Faktoren, die meines Erachtens diese frühzeitige Verflechtung wesentlich begünstigten und prägten:

  1. Der durch das Jugendgesetz vom Februar 1950 beschlossene Aufbau der Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport (DHfK), die noch im gleichen Jahr als zentrale Ausbildungs- und Wissenschaftseinrichtung in Leipzig ihre Tätigkeit aufnahm. Bereits im Oktober wurden die ersten 96 Studenten für das Diplomsportlehrerstudium immatrikuliert. Neben einigen erfahrenen Lehrern mussten vor allem junge Kräfte gewonnen, Vorlesungen und Seminare erarbeitet und erste Studienpläne vorbereitet werden. Im September 1951 wurde an der DHfK eine Arbeiter- und Bauernfakultät (ABF) eingerichtet und 1952 verließen die ersten Absolventen die neue Hochschule. Eine Reihe von ihnen verstärkte den rasch anwachsenden Lehrkörper.

  2. Der erfolgreiche sowjetische Sport und die Sportwissenschaft der UdSSR bildete für die junge Sportwissenschaft der DDR eine solide Grundlage, auf der sie unmittelbar aufzubauen vermochte. Bereits in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts hatten sich in der UdSSR wesentliche Strukturen und Elemente einer Wissenschaft von Körperkultur, Körpererziehung und Sport herausgebildet. Es bestanden Sportinstitute mit einheitlichen Lehrprogrammen und Lehrbüchern für die Hochschulausbildung von Sportkadern. Nach dem Ende des II. Weltkrieges wurde in Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 1952 die wissenschaftliche Arbeit zur Theorie und Methodik des Trainings und Wettkampfes sowie zur Entwicklung der Sportarten verstärkt. Der Sport in der DDR konnte sich also auf einen großen Fundus von Publikationen stützen, die relativ schnell übersetzt für die Ausbildung von Sportstudenten und für den Erfahrungsaustausch unter den Trainer genutzt wurden.

  3. Es gehörte zu einer grundsätzlichen Erkenntnis des historischen Materialismus, dass die Entwicklung einer neuen, sozialistischen Gesellschaft nur über die breite Entfaltung von Wissenschaft und Technik und deren enge Bindung an die Produktion und an die Gesellschaft möglich ist. Schon zu Beginn der fünfziger Jahre setzte sich zunehmend die Einsicht durch, dass der weitere Aufbau von Körperkultur und Sport in der DDR eine entsprechende Theorie erforderlich mache. Die 1952 erfolgte Einrichtung eines Wissenschaftlichen Rates mit mehreren Fachkommissionen beim Staatlichen Komitee für Körperkultur und Sport sowie eines Wissenschaftlichen Rates an der DHfK, das Erscheinen der Fachzeitschriften „Theorie und Praxis der Körperkultur“, „Körpererziehung“ und „Sportorganisator“ und der damit verbundene Informations- und Meinungsaustausch von Wissenschaftlern und Praktikern beförderten diesen Prozess wesentlich.

Vor allem Beiträge zur Geschichte und zu den Traditionen des Sports und des Arbeitersports in Deutschland, zur Bewegungslehre, zur Lehre des russischen Physiologen Pawlow sowie zum Gegenstand einer Theorie der Körperkultur bzw. der Körpererziehung lösten in den Folgejahren lebhafte Debatten aus. Namhafte Sportwissenschaftler aus dem Ausland, wie Samoukow, Krestownikow, Osolin (Sowjetunion), Wohl (Polen), Altrock, Körbs (BRD), Rekla (Österreich) bereicherten die oft streitbaren Debatten. In diesem Prozess wuchs und festigte sich in den fünfziger Jahren die Auffassung, dass sich die junge, in Lehre und Forschung herausbildende Sportwissenschaft auf eine in sich geschlossene progressive theoretische Basis stützen müsse.

 

1. Wissenschaftspolitische und wissenschaftstheoretische Grundlagen der Sportwissenschaft in der DDR *
 

Der von Marx und Engels begründete historische und dialektische Materialismus wurde zur wichtigsten theoretischen und methodologischen Grundlage für die sportwissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Lehre, der Forschung und Wissenschaftsentwicklung in der DDR. Die Anwendung dieser Theorie und Methode trug in den vier Jahrzehnten des Bestehens maßgeblich zu dem erreichten hohen Erkenntnis- und Wissensstand bei. Der von einigen Wissenschaftlern und auch Sportwissenschaftlern nach der Implosion der DDR und anderer sozialistischer Staaten in Europa vorschnell verkündete „Tod des Marxismus“ erwies sich als peinliche Fehlinterpretation. Im Gegenteil: Die gegenwärtige globale Finanz- und Wirtschaftskrise des Kapitalismus bekräftigt nachdrücklich die starke Erklärungs- und Beweiskraft dieser Lehre. In der vom Pluralismus geprägten heutigen Wissenschaftslandschaft erweist sie sich als effizient und nach wie vor als ein wichtiges wissenschaftliches Instrument für die Analyse und Erforschung der Gesellschaft, der Natur und des Denkens.

Besonders in den letzten zwei Jahrzehnten seit 1990 haben sich die Begriffe Sport und Sportwissenschaft international und national zunehmend verbreitet und durchgesetzt. Die Termini Theorie der Körperkultur oder Theorie der Körpererziehung, die in der DDR vorrangig angewendet wurden, fanden im Sprachgebrauch der meisten anderen Länder kaum bzw. keine Verwendung. G. Wonneberger (1) und W. Sieger (2) wiesen bereits in den 80er Jahren auf Schwierigkeiten bezüglich der Kompatibilität der genannten Begriffe hin, was vor allem die internationale Zusammenarbeit erschwerte. Die weitere Differenzierung des Sports in Theorie und Praxis, das Entstehen neuer Sportarten und ihre weltweite Verbreitung wie auch der Gebrauch der Begriffe Sport und Sportwissenschaft in der Olympischer Bewegung haben unserer Auffassung nach ganz wesentlich zu dieser Entwicklung beigetragen. Diesen Prozessen Rechnung tragend, verwenden wir in unseren weiteren Darlegungen ausschließlich den Begriff Sportwissenschaft.

 

Sportwissenschaft als wesentliche Triebkraft der Entwicklung

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war das Wachstum der Wissenschaft, sowohl in der Breite neuer Erkenntnisse als auch im Grad ihrer Anwendung so bedeutend, dass man berechtigt von einer neuen Phase der wissenschaftlich-technischen Revolution sprechen konnte. Sie bewirkte nicht nur eine Umwälzung des Produktionsprozesses, sondern führte direkt oder indirekt zu wesentlichen Veränderungen in nahezu allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. In Kontext zu diesen Entwicklungen definierte man in der DDR Wissenschaft - ihrer sozialen Funktion nach - als „eine Produktivkraft der Gesellschaft“, die „sowohl die Grundlage der Beherrschung der Gesetzmäßigkeiten in Natur und Gesellschaft als auch in der Planung und Leitung gesellschaftlicher Prozesse „ bildet (3). Beim Aufbau von Körperkultur und Sport in der DDR wurde diese produktive Kraft über nahezu vier Jahrzehnte planmäßig genutzt und gefördert. Auf den sich dynamisch erweiternden Erkenntnisstand von Wissenschaft und Technik aufbauend, entwickelte sich unter den gesellschaftlichen Bedingungen in der DDR eine leistungsfähige Sportwissenschaft. In diesem Prozess wuchs und festigte sich die Auffassung, dass wir im Sport Wissenschaft nicht nur schlechthin brauchen, sondern dass wir sie für die Lösung praktischer Aufgaben aktiv gebrauchen. Wenn auch im Umfang und Intensität unterschiedlich, durchdrangen Wissenschaft und Sportwissenschaft alle hauptsächlichen Bereiche des Sports – vom Schul- und Studentensport über den Betriebs- und Freizeitsport bis hin zum Wettkampf- und Hochleistungssport.

Die Forschungsprogramme im Bereich von Körperkultur und Sport widerspiegelten die relativ große Breite und die Vielfalt der ausgewählten und bearbeiteten Themen Mitte der achtziger Jahre wiesen diese Programme im und außerhalb des Leistungssports ca. 150 durch staatliche Mittel finanzierte Projekte aus, die weitgehend als Auftragsforschung mit hohem Nutzen für die Sportpraxis bearbeitet wurden. **

In der Lehre, der Aus- und Weiterbildung von Sportfachkräften für die Schulen, die Sportorganisation und andere gesellschaftliche Bereiche wurde international Vorbildliches erreicht.
Tausende Schulsportlehrer, Trainer und weitere Fachkräfte wurden auf der Basis einheitlicher und moderner Lehrprogramme zu einem staatlich anerkannten Hochschul- oder Fachschulabschluss geführt und postgradual systematisch weitergebildet.

Neue, für den Sport aussagefähige Disziplinen der Gesellschafts-, der Natur- und der technischen Wissenschaften wurden im Verlaufe der Jahre bewusst einbezogen. Sie bereicherten mit ihren spezifischen Arbeitsansätzen, Methoden und Beiträgen maßgeblich die Theorie und Praxis des Sports und etablierten sich als eigene Wissenschaftsdisziplinen.

Seit den 60er Jahren entwickelte sich die Forschung im Leistungssport zunehmend zu einem Schrittmacher, da sie den notwendigen wissenschaftlichen Vorlauf für Spitzenleistungen in Sportarten bzw. zu grundlegenden Reserven der Leistungsentwicklung schaffen sollte. Im Ergebnis einer zielbewussten und langfristigen Arbeit führte das:

  1. zu einer anwendungsorientierten sportartspezifischen und übergreifenden Forschung mit zunehmend interdisziplinären Charakter
     
  2. zu einem System umfangreicher prozessbegleitender wissenschaftlicher Untersuchungen zur Trainings- und Leistungsentwicklung, einschließlich der damit verbundenen Analyse- und Planungstätigkeit,
  3. zu einer auf Schwerpunkte gerichteten wissenschaftlich-technischen Entwicklung von Messtechnik und –verfahren, Trainings- und Wettkampfgeräten von internationalen Spitzenniveau,
     

  4. sowie zu einer verstärkten Erschließung und wissenschaftlichen Verallgemeinerung der Erfahrungen der Trainer sowie ihrer Einbeziehung in die Forschungstätigkeit selbst.
  5. Von den in der Leistungssportforschung erzielten Fortschritten gingen auch immer wieder Impulse für die ständige Vervollkommnung der Lehrprogramme und der Ausbildung und Weiterbildung von Sportfachkräften aus. Sie vermittelten Anregungen für die Wissenschafts- und Forschungsorganisation außerhalb des Leistungssports und leisteten einen wichtigen Beitrag zur wissenschaftlichen Fundierung der Planungs- und Leistungstätigkeit im Sport insgesamt.

    Die komplexe und auf eine hohe Leistungsfähigkeit gerichtete Entwicklung der Sportwissenschaft in der DDR erforderte einen entsprechenden materiellen und immateriellen Aufwand. Staat und Regierung stellten über vier Jahrzehnte die dafür benötigten personellen, finanziellen und materiellen Mittel zur Verfügung. Das ermöglichte eine weitgehende Konzentration der in der Sportwissenschaft tätigen Kräfte auf inhaltliche Aufgaben, auf die Gewinnung neuer Erkenntnisse und auf den erforderlichen Vorlauf in Forschung, Lehre und Wissenschaftsentwicklung.

     

    Zum Gegenstand der Sportwissenschaft in der DDR

    Bekanntlich stellt sich die moderne Wissenschaft heute als ein vielschichtiges und kompliziertes System dar, dass sich in seinen drei Hauptgruppen – den Naturwissenschaften, den technischen Wissenschaften und den Gesellschaftswissenschaften – ständig weiter entwickelt und neue Einzelwissenschaften hervorbringt. Die Sportwissenschaft gehört in diesen langen Differenzierungsprozess zu den jüngeren Wissenschaftsdisziplinen. Vernetzt mit vielen anderen Einzelwissenschaften analysiert und erforscht sie wesentliche Zusammenhänge, Bedingungen und Aspekte der gesellschaftlichen Erscheinung Sport. Damit ist jedoch der Arbeitsgegenstand einer Sportwissenschaft nur sehr allgemein skizziert. Man könnte hier von einer Gegenstandsbestimmung im weitesten Sinne des Wortes sprechen. Es war Friedrich Engels, der darauf hinwies, dass eine Differenzierung des Gegenstandes der Wissenschaften vorrangig nach den Bewegungsformen der Materie, der Natur, der Gesellschaft und des Denkens, erfolgen sollte. Verwendet man dieses Einteilungsprinzip, so ortet sich Sportwissenschaft mit ihren Kernbegriffen sportliche Tätigkeit, körperliche Vervollkommnung, Training und Wettkampf zwischen pädagogischen und biologischen Wissenschaften ein. Pädagogik und Medizin waren es vor allem, die historisch betrachtet, die Entwicklung der Theorie der Körpererziehung bzw. der Wissenschaft des Sports wesentlich prägten und gewissermaßen als Mutterwissenschaften beeinflussten. Versucht man von einer derartigen Position aus eine konkretere (engere) Definition des Gegenstandes einer Sportwissenschaft, so besteht er nach W. Sieger in der wissenschaftlichen Analyse und Erforschung des „Prozess(es) der psychophysischen Vervollkommnung des Menschen durch Körperübungen in seiner historischen, sozialen und ontogenetischen Entwicklung“(2). Bereits Jahre zuvor definierte G. Erbach die Aufgabenstellung der sportwissenschaftlichen Forschung wie folgt: „Sportwissenschaft erforscht die sozialen und biologischen Gesetzmäßigkeiten der körperlichen Vervollkommnung des Menschen als psychosoziale Einheit; sie deckt die wesentlichen Eigenschaften und kausalen Zusammenhänge dieser Prozesse auf; überprüft sie in der gesellschaftlichen Praxis und stellt sie in Form von Begriffen, Kategorien und Theorien dar“ (4). H. Kunath „ersetzt“ die Begriffe „körperliche Vervollkommnung“ oder „psychophysische Vervollkommnung des Menschen durch Körperübungen“ durch den (moderneren) der „sportlichen Betätigung“ und sieht vor allem im Prozess „der sportlichen Betätigung auf unterschiedlichen Niveaustufen körperlicher und sportlicher Leistungsfähigkeit und sportbezogener Ziele sowie Wirkungen der sportlichen Betätigung auf den Menschen in seiner biopsychosozialen Einheit und in seiner aktiven Auseinandersetzung mit der konkret-historischen gesellschaftlichen und natürlichen Umwelt“ den Gegenstand der Sportwissenschaft (5). Alle drei Definitionen weisen wichtige Gemeinsamkeiten auf. Sie betonen einerseits die hohe Komplexität des Gegenstandes, aus der sich die Rolle und Bedeutung einer Reihe von Wissenschaftsdisziplinen ergibt, die aufbauend auf ihren Mutterwissenschaften zu einem wichtigen Bestandteil auch der Sportwissenschaft geworden sind. Andererseits heben die ins Zentrum gestellten Kategorien „sportliche „Betätigung“, „körperliche Vervollkommnung“, „psychophysische Vervollkommnung“ und „Körperübungen“ die Stellung solcher originären Wissenschaftsdisziplinen wie Trainingswissenschaft und Wettkampflehre, Theorie und Methodik der Sportarten, Theorie und Methodik des Sportunterrichtes hervor, die sich direkt und genuin aus der „Bewegungsform“ Sport ableiten.***. Wir befinden uns hier in Übereinstimmung mit K. Rohrberg (7). Diese Disziplinen rückten in der sportwissenschaftlichen Forschung, Lehre und Wissenschaftsentwicklung der DDR in den siebziger und achtziger Jahren zunehmend in den Vordergrund und bildeten mit den anderen Teilwissenschaften, wie zum Beispiel der Sportgeschichte, Sportsoziologie, Sportpsychologie, Biomechanik, Sportphysiologie u.a. in ihrer Gesamtheit die sich entwickelnde komplexe und interdisziplinäre Sportwissenschaft.

     

    Zur Einheit von Theorie und Praxis

    Nach marxistischem Verständnis erwächst die Wissenschaft aus dem praktischen Lebensprozess der Gesellschaft. Praxis und Theorie sind demnach eng miteinander verbunden. Die Praxis ist in diesem Kontext für die wissenschaftliche wie auch sportwissenschaftliche Arbeit nicht nur Ausgangsbasis, sondern zugleich auch Ziel und Kriterium (7). Bekanntlich war es Marx, der postulierte: Das Kriterium der Wahrheit ist die Praxis. Die Sportwissenschaft gilt allgemein als eine anwendungsorientierte Wissenschaft. In der DDR entstand sie, „anders als in der BRD, aus den Anforderungen der Gesellschaft und des Sports, wissenschaftliche Analysen und entsprechende Vorgaben für die planmäßige Gestaltung des Sports bereit zu stellen. Diese Anforderungen hat sie auch nachweisbar erfüllt“ (7).

    Die Beziehungen zwischen Sportpraxis und Sportwissenschaft wurden in der DDR bewusst gefördert; sie waren vielgestaltig und eng. Es waren Wechselbeziehungen und keine Einbahnstraße, bei der die Praxis einseitig Vorgaben und Aufträge erteilte. Als hauptsächlicher Praxispartner wirkte der Deutsche Turn- und Sportbund (DTSB). Zwischen ihm und den Wissenschaftseinrichtungen auf dem Gebiet des Sports bestanden vielfältige Arbeitsbeziehungen. In Abstimmung mit dem Staatsekretariat für Körperkultur und Sport regelten teilweise längerfristige Vereinbarungen und gemeinsame Arbeitspläne die Zusammenarbeit. So besaß zum Beispiel die DHfK mit 21 Sportverbänden Kooperationsvereinbarungen. Die Leitungen und Arbeitsgremien des DTSB und seiner Sportverbände unterstützten die Hochschule auf vielen Aufgabenfeldern: Durch Anforderungsprofile für die einzelnen auszubildenden Kadergruppen (Diplomsportlehrer/Trainer, Diplomsportlehrer für den Freizeit- und Erholungssport, Leitungsassistenten u.a.), durch die Gewinnung von Sportlern für das Studium, durch die Übernahme von ausgewählten Lehrveranstaltungen, bei den durchzuführenden Berufspraktika und durch die Einsatzlenkung der Absolventen. Neben der Zusammenarbeit in der Forschung bestanden weitere wichtige Bereiche der Kooperation in einem geplanten wechselseitigen Austausch von Kadern und in der wissenschaftlichen Qualifizierung von Fachkräften des DTSB (Diplom, Promotion). Als besonders wertvoll für die Verknüpfung von Theorie und Praxis erwies sich die direkte Mitarbeit von Hochschulangehörigen auf den verschiedensten Ebenen der Sportpraxis. Nach Angaben von H. Schnürpel wirkten über 300 Wissenschaftler der DHfK ehrenamtlich in den unterschiedlichsten Funktionen im DTSB-Bundesvorstand, in Sportverbänden, Bezirks- und Kreisvorständen, Sportclubs und Sportgemeinschaften sowie als Übungsleiter oder als Leiter von Trainingszentren (8). Sie unterstützten mit ihrer hohen Sachkenntnis die Sportpraxis und gewannen dabei wertvolle Impulse für ihre eigene wissenschaftliche Tätigkeit in Lehre und Forschung. Auch das Zusammenwirken zwischen Wissenschaftlern und Praktikern während der Weiterbildungslehrgänge der Trainer und Leiter gestalteten sich zu einer effizienten Form des Erfahrungsaustausches mit Gewinn für beide Seiten.

    Was die Forschung und das Wechselspiel zwischen Theorie und Praxis auf diesem Gebiet anbelangt, so wirkte sich die Einführung von Auftraggebern und Auftragnehmern als außerordentlich produktiv aus. Die Umsetzung dieses Grundsatzes der Wissenschaftspolitik der Partei- und Staatsführung führte in den 70er und 80er Jahren dazu, dass die Mehrzahl der Forschungsvorhaben im Sport entsprechend diesem Prinzip geplant und gestaltet wurde. Das galt für die Forschung sowohl im als auch außerhalb des Leistungssports. Je nach Themenstellung nahmen unterschiedliche Leitungsgremien, deren Bereiche und Abteilungen sowie die Sportverbände des DTSB die Aufgaben als Auftraggeber, die entsprechenden Forschungsgruppen und zuständigen Wissenschaftseinrichtungen die als Auftragnehmer wahr. Gemeinsam entschieden Auftraggeber und Auftragnehmer über die Ziel- und Themenstellung der Forschungsprojekte und deren zeitlichen und organisatorischen Ablauf. Das stand keineswegs im Widerspruch zu einer theoretisch und methodisch anspruchsvollen wissenschaftlichen Arbeit. Eine Vielzahl von neuen, praxisrelevanten Erkenntnissen, von international anerkannten Publikationen von Sportwissenschaftlern aus der DDR, die Qualität Lehrprogramme der DHfK und der Sportwissenschaftlichen Sektionen der Universitäten, interessante Vorschläge und Zuarbeiten zu Leitungsbeschlüssen und deren Umsetzung in der Sportpraxis waren und sind ein eindrucksvoller Beleg dafür. Sie bildeten eine wichtige Grundlage für den Aufbau des Gesamtsystems von Körperkultur und Sport und seiner Teilsysteme, sowie für deren wissenschaftlich gestützte Planung und Leitung. Natürlich gab es auch Probleme und Konflikte in der Verwirklichung dieses Prinzips der Einheit von Theorie und Praxis. Diskussionspunkte waren z. B. das optimale Verhältnis von sportartspezifischer, übergreifender und grundlegender Forschung, die Kurzfristigkeit von zusätzlichen Aufgaben und Terminen durch Auftraggeber, die nicht ausreichenden Kapazitäten oder auch der Einsatz leistungsfähiger Wissenschaftskader an dieser oder jener Position des Forschungs- oder Umsetzungsprozesses. Die Resultate des Erfolgsmodells Praxis – Wissenschaft – Praxis usw. waren offensichtlich und überzeugend. Sie bestanden nicht nur in den Spitzenleistungen der Topsportler und ihrer Trainer im Leistungssport. Auch das hohe Ausbildungsniveau der Sportlehrer, des obligatorischen Sportunterrichts der Schüler, Lehrlinge und Studenten, die Turn- und Sportfeste, die Kinder- und Jugendspartakiaden, die Einheitliche Sichtung und Auswahl von Talenten u. a. waren das Ergebnis des überaus erfolgreichen Zusammenwirkens von Wissenschaft und Praxis im Sport der DDR. Ein Vorzug, um den uns andere Länder oft beneideten.

     

    Zur Einheit von Lehre und Forschung

    Die enge Verknüpfung von Lehre und Forschung gehört zu den vielen guten Traditionen der Wissenschaft und ihrer Geschichte. Lehre benötigt zu ihrer dynamischen Fortentwicklung den ständigen Erkenntnisgewinn und den Beweis durch die Forschung; sie baut darauf auf.

    Umgekehrt erwachsen aus der Lehre neue Fragestellungen für die Forschung; sie bereichert durch Verallgemeinerung und Strukturierung die Wissenschaftsentwicklung insgesamt. Diese Zusammenhänge galten bzw. gelten natürlich auch für die wissenschaftliche Arbeit im Sport. In der Anfangsphase, zu Beginn der fünfziger Jahre, standen dabei die Lehrarbeit, die unter Zeitdruck zu erarbeiteten Lehr- und Lernmaterialien im Vordergrund der wissenschaftlicher Arbeit an den damaligen Instituten für Körpererziehung und der jungen DHfK. In dieser Zeit schuf eine Gruppe junger Doktoranden um G. Erbach, H. Schuster, L. Skorning, H. Simon und G. Wonneberger durch ihre Forschungen zur Geschichte der Körpererziehung und des Sports wichtige Grundlagen.Unter Verantwortung von K. Meinel wurde das Fachgebiet Bewegungslehre aufgebaut. Auf naturwissenschaftlichem Gebiet begannen erste biomechanische und medizinische Untersuchungen von Fachleuten, die hauptsächlich als Lehrkräfte tätig waren (G. Hochmuth, K. Tittel). Die Einrichtung einer Forschungsstelle an der DHfK im Jahre 1956 bildete einen Durchbruch hin zu einer komplexen sportmethodischen, gesellschaftswissenschaftlichen und naturwissenschaftlich-technischen Erforschung des Sports in der DDR. Weitere Meilensteine der Entwicklung waren die Zusammenlegung der Forschungsstelle mit dem Institut für Sportmedizin zu dem eigenständigen Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport (1969) sowie die erhöhte Verantwortung der DHfK für die Forschung in den Sportspielarten und zum Nachwuchsleistungssport insgesamt (1973). Damit entstanden neuartige Voraussetzungen für die Verknüpfung von Lehre und Forschung, für eine effektive Gemeinschaftsarbeit sowie für eine zunehmend interdisziplinäre Forschung. Obwohl dieser Prozess mit einer Konzentration auf Schwerpunkte der Forschung und der Sportarten einher ging, entstand daraus in der Folgezeit eine höhere Qualität und Wirksamkeit der Forschungs- und Lehrtätigkeit. Besonders an der Hochschule in Leipzig, aber auch an den Sportwissenschaftlichen Instituten in Jena, Halle und Berlin entstanden neue Forschungskapazitäten. In den achtziger Jahren war an der DHfK nahezu jede Lehrkraft auf der Ebene der Fakultäten, Sektionen und Wissenschaftsdisziplinen mit unterschiedlichem Umfang in die Bearbeitung von Forschungsthemen eingebunden. Umgekehrt erhöhte sich auch systematisch die Anzahl der am FKS beschäftigten Hochschullehrer, die in der Ausbildung und Fortbildung Vorlesungen, Spezialseminare wahrnahmen. Durch ein ganzes Bündel von Maßnahmen entstand an der DHfK ein System, das erfolgreich dazu beitrug, die Studenten zur selbstständigen wissenschaftlichen Arbeit zu befähigen, für eine Mitarbeit an Forschungsprojekten zu gewinnen oder für eine mögliche wissenschaftliche Laufbahn zu begeistern. Durch Studentenzirkel, Jugendobjekte und Jugendforschungskollektive waren zum Beispiel Anfang des Jahres 1989 fast 70 Prozent der Studierenden in die Vertragsforschung einbezogen. Über den damit verbundenen Gewinn an zusätzlichen Forschungskapazitäten hinaus, wuchs eine „generelle forschungs- und wissenschaftsfreundliche Haltung“ unter den Studenten, die sich erfahrungsgemäß „in ihrer späteren Tätigkeit als Trainer oder Sportlehrer widerspiegelte und ein wesentlicher Grund ihrer erfolgreichen Tätigkeit“ war (9). Ein Beispiel, das für die hohe Wirksamkeit dieses für die sportwissenschaftliche Arbeit in der DDR typischen Prinzips der Einheit von Lehre und Forschung spricht.

     

    Zur Einheit von Ausbildung und Weiterbildung

    Aufbauend auf progressiven humanistischen Bildungsidealen der Vergangenheit zielte die Bildungskonzeption der DDR auf eine allseitige und harmonische Entwicklung der Menschen. Bildung war dabei Ziel als auch Mittel der Persönlichkeitsentwicklung. Im Artikel 25 der Verfassung der DDR hieß es: „Das einheitliche sozialistische Bildungssystem gewährleistet jedem eine kontinuierliche sozialistische Erziehung, Bildung und Weiterbildung“ (10). Dieser Anspruch galt – bei Anerkennung mancherlei Widersprüche in der praktischen Umsetzung – in besonderem Maße für die berufliche Qualifizierung durch Ausbildung und Weiterbildung.

    Über die akademische Berufsausbildung der Sportlehrer und Trainer haben wir uns bereits im Kapitel über Trainer und Trainerwesen hinreichend geäußert. Sie gewährleistete eine moderne vierjährige Grundlagen- und Spezialausbildung in sportwissenschaftlichen, gesellschaftswissenschaftlichen und naturwissenschaftlichen Lehrgebieten auf Hochschulniveau. Das war die Basis für eine solide Weiterbildung der Absolventen, die jedoch in den fünfziger und sechziger Jahren weitgehend durch Maßnahmen der Sportverbände, Sportclubs und anderer Sporteinrichtungen selbst gestaltet wurde. Der in hohem Tempo anwachsende Erkenntnisfortschritt wie auch die steigende Anzahl der ausgebildeten Sportlehrer/Trainer führten ab 1969 zu einer planmäßigen Fortbildung aller im Leistungssport hauptberuflich tätigen Trainer und Funktionäre an der DHfK. Es galt der Grundsatz, dass jeder dieser Kader innerhalb eines Olympiazyklus an einem vierwöchigen Weiterbildungslehrgang an der Hochschule in Leipzig teilnimmt. Ungeachtet mancher Schwierigkeiten in der Anfangsphase, die Vorzüge eines derartigen von der Sportorganisation, dem Staatssekretariat und der Hochschule gemeinsamen getragenen Systems lagen auf der Hand: Hohes fachliches Niveau der Weiterbildung aufbauend auf der Hochschulausbildung, starke Ziel- und Praxisgerichtetheit der Vorlesungen und Seminare, breite Förderung des Erfahrungsaustausches unter den Teilnehmern und mit den Lehrkräften. Belegarbeiten zu einem von jedem Teilnehmer selbst gewählten Fachthema bis zum Ende des Lehrganges vermittelten wertvolle Erfahrungen und Erkenntnisse. Praktiker wie Hochschullehrer profitierten von dieser Form der Weiterbildung, die über fünf Olympiazyklen Tausende von Teilnehmern erfasste. „Zu Recht kann man dieses System als einmalig in der Welt bezeichnen. Leider hat der Sport in der Bundesrepublik Deutschland auch diese Erfahrungen nicht übernommen und genutzt“ (11).

     

    Zur Differenzierung und Integration der Sportwissenschaft

    Aus wissenschaftshistorischer Sicht besteht zwischen den Prozessen der Differenzierung und der Integration in der Wissenschaft ein dialektischer Zusammenhang. Qualitative und quantitative Fortschritte in der Gewinnung von Einzelerkenntnissen induzieren über kurz oder lang eine Zusammenführung und wissenschaftliche Verallgemeinerung. Die Entwicklung der Sportwissenschaft selbst ist in diesem Kontext Beispiel und Ergebnis von Differenzierungs- und Integrationsprozessen. Besonders in den 70er und 80er Jahren kam es zu einer beschleunigten Differenzierung und zugleich auch Integration der sportwissenschaftlichen Disziplinen und der sportwissenschaftlichen Arbeit in der DDR. Neue Theoriegebiete und Wissenschaftsdisziplinen fanden in Lehre und Forschung Eingang. Ein Vergleich der Studienpläne für das Direktstudium an der DHfK macht das deutlich.

    Erstmalig ab 1974 standen solche Ausbildungsinhalte wie Kybernetik, Operationsforschung, Automatische Informationsverarbeitung und Biochemie auf dem Lehrprogramm.

    Die 3. Hochschulreform in der DDR regte zu weiteren wesentlichen Veränderungen hinsichtlich der Struktur (Bildung von Fakultäten, Sektionen), der Ausbildungsschwerpunkte (verstärkte Orientierung auf die Praxis) und der Arbeitsweise (Gemeinschaftsarbeit und interdisziplinäre Forschung) an. Von besonderer Bedeutung für Forschung, Lehre und Wissenschaftsentwicklung waren auch die Beschlüsse zum Leistungssport von 1969 und 1973. Sie führten in Theorie und Praxis zu einer Konzentration auf den Hoch- und Nachwuchsleistungssport. Neue Berufsbilder in der Sportpraxis machten neue Studienpläne für die Grund- und Spezialausbildung erforderlich. Das alles führte zu einer teilweisen Neuprofilierung der DHfK und der Sportwissenschaftlichen Institute an den Universitäten und Hochschulen. Besonders auf dem Gebiet der Theorie und Methodik des Trainings und der Sportarten kam es zu erheblichen Differenzierungen. Im Zeitraum von 1985 bis 1990 bestanden 59 Wissenschaftsdisziplinen an der DHfK, allein 37 davon waren trainingsmethodische Disziplinen. In 27 Sportarten hatte sich eine leistungsfähige Theorie und Methodik des Trainings entwickelt (5). Ähnliche Proportionen lassen sich, sofern die bearbeiteten Sportarten einzeln berücksichtigt werden, auch für das FKS nachweisen. Diese Veränderungen waren Ausdruck einer weiteren Akademisierung der gesamten Aus- und Weiterbildung. Besonders die sportartspezifische Lehre und Forschung in den schwerpunktmäßig geförderten olympischen Sommer- und Wintersportarten erreichte ein hohes theoretisches und methodisches Niveau, das maßgeblich die Spitzenstellung einer Reihe von Sportarten (Leichtathletik, Sportschwimmen, Rudern, Kanurennsport, Geräteturnen, Boxen, Schlitten- und Bobsport, Skisprung, Biathlon) in der Welt beeinflusste. Ein interdisziplinäres Vorgehen von Sportmethodikern, Sportmedizinern, Sportpsychologen und wissenschaftlich-technischen Fachkräften, ihre durch gleiche Ziele geprägte Gemeinschaftsarbeit sowie die schnelle und konsequente Umsetzung neuer Erkenntnisse in die Praxis waren typisch für diese Sportarten. Parallel zu dieser sportartspezifischen Spezialisierung wuchs aber auch die Notwendigkeit einer verstärkten Verallgemeinerung gewonnener Erkenntnisse und Erfahrungen. Das geschah vor allem auf der Ebene der fünf Sportartgruppen (Ausdauer-, Kraft-Schnellkraftdisziplinen, technisch-kompositorische und fahrtechnische Sportarten, Kampf- und Sportspielarten). Dabei entstand eine neue sportwissenschaftliche Arbeits- und Verallgemeinerungsebene – die Theorie und Methodik der Sportartengruppen. Diese Entwicklung war zur damaligen Zeit weltweit einmalig. Sie verschaffte dem Sport der DDR auf diesem Gebiet wissenschaftlichen Vorlauf. Das traf auch auf die zunehmend interdisziplinäre Bearbeitung von Forschungsthemen und auf die Entwicklung einer allgemeinen Trainings- und Wettkampflehre zu. Besonders diese allgemeine Theorie und Methodik des Trainings entwickelte eine starke Integrationskraft und bereicherte die Wissenschaftsentwicklung in den Sportarten und Sportartengruppen.

    Diese Entwicklungsprozesse vollzogen sich – das soll und darf an dieser Stelle nicht verschwiegen werden – nicht ohne strittige Diskussionen. Die Ausgrenzung einer Reihe von Sportarten von einer konsequent auf Schwerpunkte orientierten Forschung, die Befürchtung einer eventuellen Vernachlässigung der Theoriebildung durch eine zu starke Konzentration auf die Leistungssportforschung wie auch die schrittweise Einstellung der Fachrichtung Schulsport an der DHfK ab 1970 stießen auf zum Teil berechtigte Einwände von Wissenschaftlern und Praktikern des Sports. Die durch harte Fakten begrenzten materiellen und personellen Kapazitäten, die nicht einmal für die sportartspezifische Forschung eines Teils der schwerpunktmäßig geförderten olympischen Sportarten ausreichten, die konsequente Ausrichtung unserer wissenschaftlichen Arbeit auf wissenschaftliche Spitzenleistungen sowie die politische Bedeutung des Leistungssports und der Leistungssportforschung in der internationalen Systemauseinandersetzung waren damals unsere stichhaltigen Argumente und Antworten. Namhafte Wissenschaftler der DHfK und des FKS, die an diesen Entscheidungsprozessen, so wie ich in meiner Funktion im Bundesvorstand des DTSB, beteiligt waren, vertreten auch heute noch die Auffassung, dass die konsequente Orientierung auf praxisrelevante Schwerpunkte und auf den Leistungssport die Entwicklung der Sportwissenschaft nicht beeinträchtigt hat, sondern dass sie die Lehre und Forschung sowie die Theoriebildung auf ein Leistungsniveau gehoben hat, dass hohe internationale Anerkennung fand und dass auch heute noch vielfach nachwirkt.

     

    Zur Einheit und Identität der Sportwissenschaft

    In seinen bereits eingangs erwähnten Beitrag „ Zu Problemen der Sportwissenschaft aus der Sicht eines Sportsoziologen“ setzt sich K. Rohrberg (7) mit der gegenwärtigen Situation der Sportwissenschaft in Deutschland und mit dem von nicht wenigen Wissenschaftlern befürchteten Verlust an Einheit und Identität dieser Wissenschaftsdisziplin auseinander. Neben der in den Wissenschaften normalen Tendenz der Spezialisierung verweist Rohrberg berechtigt auf wissenschaftsfremde, gesellschaftlich bedingte Ursachen, wie die bestehenden föderalistischen Strukturen, die Einflüsse des Marktes und der Medien, die Konkurrenz zwischen den Hochschulen und anders, die einen „Verlust an Einheitlichkeit und Identität der Sportwissenschaft“ in Deutschland beeinflussen. Auf die sportwissenschaftliche Forschung bezogen, erfolgt die Auswahl der Themen weitgehend „ohne Systematik, Langfristigkeit und Koordination“. Digel spricht von “theorieloser Forschung“ (13), andere von einer Beliebigkeit der Forschung und Lehre entsprechend den persönlichen Interessen einzelner Wissenschaftler, die zu einer Vernachlässigung der Wissenschaftsentwicklung sowie zu einer Erosion ihres Gegenstandes und ihrer Identität führen. Besonders die weitgehende Ausklammerung einer interdisziplinären Forschung und Lehre steht im Widerspruch zu den Möglichkeiten und Erfordernissen wissenschaftlicher Arbeit und gefährdet deren Wissenschaftlichkeit. Derartige Tendenzen und Gefahren waren in der Wissenschaft und Sportwissenschaft der DDR alles andere als typisch. Ohne vorhandene Schwächen zu verkennen, konnten wir uns, was die Einheit und Identität der Sportwissenschaft anbetrifft, auf wichtige Vorzüge und Errungenschaften stützen. Drei sollen hier noch einmal genannt werden:
     

    1. In der DDR verfügten die Wissenschaft im Allgemeinen und die Sportwissenschaft im Speziellen über eine anerkannte Stellung und Funktion. Durch vielfältige Maßnahmen und wissenschaftspolitische Beschlüsse der Partei- und Staatsführung wurden ihre materielle Basis, ihr Fortschritt und ihre einheitliche Entwicklung entsprechend den real gegebenen gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Möglichkeiten zielstrebig und langfristig gefördert. Nicht die finanzielle Absicherung der wissenschaftlichen Arbeit wie zumeist in der heutigen BRD, sondern inhaltliche Fragen von Forschung und Lehre und deren Nutzen für die gesellschaftliche Praxis standen im Vordergrund.

     

    2. Die von uns beschriebenen wissenschaftspolitischen Grundlagen und Kriterien beförderten in vielerlei Hinsicht die Einheit und Identität der Gesellschaftswissenschaften, der Naturwissenschaften und der technischen Wissenschaften wie auch der sportwissenschaftlichen Disziplinen und deren interdisziplinäres und interaktives Zusammenwirken.

     

    3. In der DDR hatten sich über Jahre festgefügte organisatorische Strukturen im Schulsport, im Breitensport und im Leistungssport herausgebildet. Sie wurden vom Ministerium für Volksbildung und dessen Einrichtungen, vom Deutschen Turn- und Sportbund und seinen Sportverbänden, vom Staatssekretariat für Körperkultur und Sport sowie von weiteren staatlichen und gesellschaftlichen Institutionen getragen und gewährleisteten eine zentral gesteuerte, langfristig orientierte Entwicklung des Sports. Gemeinsam sicherten das Staatssekretariat für Körperkultur und Sport, der DTSB und die Leistungssportkommission der DDR durch strategisch ausgerichtete Beschlüsse die erforderlichen inhaltlichen, organisatorischen und materiellen Arbeitsgrundlagen für die Sportwissenschaft und Leistungssportforschung. Das wirkte sich in vieler Weise positiv auf die langfristige Gestaltung der wissenschaftlichen Tätigkeit, auf ihre Stabilität und den Erfolg aus. Es motivierte die in Bereich der Sportwissenschaft wirkenden Kräfte an diesen Prozessen schöpferisch mitzuarbeiten und dafür aktiv im Sinne der Einheit und Identität der Sportwissenschaft ihren persönlichen Beitrag zu leisten.

     

    Zu viel Verklärung? Gab es keine Probleme, Schwierigkeiten oder Rückstände gegenüber der Entwicklung in anderen Ländern? Natürlich gab es zum Teil erhebliche Niveauunterschiede in der Arbeit und in den Arbeitsergebnissen der einzelnen Forschungsgruppen. Die langjährigen Anstrengungen in der wissenschaftlichen Unterstützung der Sportspiel- und Kampfsportarten oder bei der Beschleunigung der Leistungsentwicklung in einer Reihe von Männerdisziplinen führten nicht zu den angestrebten schnellen Veränderungen. Beim Aufbau neuer Forschungsgruppen gab es teilweise erhebliche Verzögerungen. Unser Rückstand bei der Entwicklung von moderner Rechen- und Messtechnik in eigenem Land und bei dem teilweise nur schleppend verlaufenden Aufbau notwendiger neuer Mess- und Untersuchungsbasen in den Wissenschaftseinrichtungen, zentralen Trainingsstätten und Sportclubs bereiteten ernsthafte Sorgen. Und zu Recht verweisen Rohrberg u. a. auf Schwächen in der Theoriebildung, im Herausarbeiten von theoretisch anspruchsvollen Hypothesen, in der Auswahl und Anwendung effektiver Forschungsmethoden, die es, ebenso wie in anderen Ländern, gleichfalls in der sportwissenschaftlichen Arbeit der DDR gab. Auch die in den achtziger Jahren in der DDR erneut geführte Diskussion über den Gegenstand, über Kategorien, Begriffe und Methoden der Sportwissenschaft(en) fand aus unterschiedlichen Gründen keinen Abschluss, obwohl die Chancen zu einer Übereinkunft zwischen den Vertretern der verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen zu gelangen, unseres Erachtens durchaus herangereift waren. Diese kritischen Anmerkungen schmälern in keiner Weise die bedeutenden Ergebnisse und Fortschritte, die auf dem Gebiet der Sportwissenschaft in der DDR erreicht wurden. Sie hat ein großes Erbe an Erkenntnissen und Erfahrungen hinterlassen. Und sie war auf einem guten Weg zu einer komplexen und zugleich einheitlichen Sportwissenschaft!

 

    2. Zur Leistungssportforschung und zu den daran beteiligten Wissenschaftseinrichtungen

    Die Bezeichnung „Leistungssportforschung“ kam gegen Ende der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts in der Sportwissenschaft der DDR auf. In den zentralen Beschlüssen zum Leistungssport findet man diesen Begriff erstmals in dem Beschluss vom 8. 4. 1969 „ Die weitere Entwicklung des Leistungssports bis zu den Olympischen Spielen 1972“ (14). Dort wurde unter anderen die Bildung eines „Rates für Leistungsforschung“ - später unter der Bezeichnung „Arbeitsgruppe Wissenschaft der Leistungssportkommission“ bekannt – vorgeschlagen. Die forcierte Entwicklung der sportartspezifischen Forschung, die Bildung des FKS und auch die verstärkte Absicherung der auf wissenschaftlichen Vorlauf ausgerichteten Forschung im Leistungssport führten nach unserer Einschätzung dazu, dass der Ausdruck „Leistungssportforschung“ in den 70er und 80er Jahren zunehmend verwendet wurde. Mit ihm sollte die Gesamtheit der Forschungs- und Entwicklungsvorhaben im Leistungssport, einschließlich der dafür in den verschiedenen Struktureinheiten eingesetzten personellen, finanziellen und materiell-technischen Bedingungen gekennzeichnet werden. Eine ähnliche begriffliche Differenzierung vollzog sich auch auf dem Gebiet des Volkssports und des Schulsports, wo unter dem Terminus „Schulsportforschung“ unter Verantwortung der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften und deren Arbeitsstelle Körpererziehung über viele Jahre systematische Untersuchungen zum Schulsport und zur Lehrplanentwicklung durchgeführt wurden.

    Die im ersten Abschnitt erläuterten wissenschaftspolitischen und wissenschaftstheoretischen Grundsätze galten gleichermaßen für die Forschung im Leistungssport. Bedingt durch die Ausrichtung des Leistungssports auf sportliche Höchstleistungen erhielten diese Prinzipien jedoch ihre spezifische Ausprägung, ihre Vertiefung. Zielgerichtetheit und Zeitgebundenheit bestimmten maßgeblich die wissenschaftliche Tätigkeit im Leistungssport! Der Anspruch, Wissenschaft als Triebkraft zu nutzen, bedeutete vor allem, nachhaltig den erforderlichen wissenschaftlichen Vorlauf für neue sportliche Höchstleistungen zu schaffen. Für die hier tätigen Forscher und Forscherkollektive stellte sich die Aufgabe, Neuland zu betreten, neuartige Erkenntnisse und Lösungswege für die sich in hohem Tempo vollziehende Leistungsentwicklung zu gewinnen und der Praxis möglichst frühzeitig zur Verfügung zu stellen. Ein überaus hoher Anspruch an das Schöpfertum und die Zielidentifikation der im Leistungssport tätigen Wissenschaftler.

    Im Sinne der Einheit von Theorie und Praxis übernahmen die in der Leistungssportforschung arbeitenden Forscher zugleich ein hohes Maß an Mitverantwortung für die Umsetzung der von ihnen gewonnenen Ergebnisse. Sie sollten die Trainer aktiv unterstützen und sie wissenschaftlich dazu befähigen, die mit der praktischen Verwirklichung verbundenen inhaltlichen und methodischen Probleme erfolgreich zu lösen.

    Der wissenschaftlich qualifizierte und interessierte Trainer erwies sich in diesem Prozess zugleich als enger Partner für den Forscher. Er erhielt durch ihn einen tieferen Einblick in diesen oftmals schwierigen Umsetzungsprozess, aber zugleich auch die Möglichkeit die dabei gewonnenen Erfahrungen wissenschaftlich zu verallgemeinern. Die hohe Komplexität sportlicher Leistungen und deren Struktur bedingte neben einer spezifischen disziplinären Forschung nahezu zwangsläufig eine interdisziplinäre Bearbeitung der Forschungsthemen im Leistungssport. Das betraf sowohl die sportartspezifische Forschung in den Sportarten, als auch die Bearbeitung von sportartenübergreifenden komplexen Themen. Neben der Trainingsmethodik waren besonders solche Wissenschaftsgebiete wie Sportmedizin, Sportphysiologie, Biochemie und Biomechanik, Sportpädagogik, Sportpsychologie und Sportsoziologie sowie auch Elektronische Datenverarbeitung, Elektronik und Foto-/Videotechnik gefragt. So entstanden die objektiven wie subjektiven Voraussetzungen für eine Gemeinschaftsarbeit von Spezialisten mit klar definierter Einzelverantwortung, die stark motivierte und sehr effizient war. In einem Erfahrungsbericht bewertet der langjährige Stellvertretende Direktor des FKS, A. Lehnert, die interdisziplinäre Forschung als „die wesentliche Quelle für das hohe Niveau und den Systemcharakter der Theorie und Methodik des Trainings und der gesamten Sportwissenschaft in der DDR“ (11). - Abschließend sei noch auf eine weitere Besonderheit, auf die hohe Zeitgebundenheit der Forschung im Leistungssport hingewiesen. Sie orientierte sich vorrangig an dem Olympiazyklus und war mit einer durchschnittlichen Laufzeit von ca. 4 Jahren mittelfristig angelegt. Selbstverständlich gab es auch längerfristig orientierte Projekte wie die über mehrere Jahrzehnte von R. Stemmler, W. Crasselt u. a. durchgeführten Untersuchungen zur „Physischen Entwicklung der jungen Generation“ oder die für mehrere Olympiazyklen geplanten Projekte „Stütz- und Bewegungssystem“ und „Hypoxietraining“. Vertraglich zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer vereinbart, erwartete die Praxis im Verlaufe des jeweiligen Olympiazyklus termingemäß Zwischenergebnisse und wissenschaftliche Vorleistungen. Auch die direkte Einbindung der Forscher in die ideelle und materielle Stimulierung hoher sportlicher Leistungen in der DDR war eine besondere Form der Anerkennung wissenschaftlicher Arbeit und deren Praxiswirksamkeit.

     

    Kurze Charakteristik der in die Leistungssportforschung einbezogenen sportwissenschaftlichen Einrichtungen

    Auf der Basis von Veröffentlichungen, eigener Kenntnisse und Erfahrungen sowie den uns nach Jahren noch zugänglichen archivierten Dokumenten wird der Versuch unternommen, einen Überblick über die in die Leistungssportforschung einbezogenen wissenschaftlichen Einrichtungen zu geben. Wir beschränken uns dabei auf eine kurze Darstellung ihrer Entwicklung und ihrer Aufgaben auf dem Gebiet der Forschung im Leistungssport und verzichten bewusst darauf, auf andere wichtige Funktionen der einzelnen Struktureinheiten, wie die Aus- und Weiterbildung von Sportlehrkadern, die sportmedizinische Betreuung, die wissenschaftliche Informations- und Dokumentationstätigkeit oder auf die Entwicklung von Sportgeräten und -bauten einzugehen. Aus Gründen der Machbarkeit und des zu erwartenden Umfanges bitten wir um Verständnis, dass wir grundsätzlich darauf verzichten mussten, die Forschungsleistungen der einzelnen Eirichtungen detaillierter zu bewerten.

    In den von uns genutzten Archiven – Bundesarchiv Berlin (DR 5 Staatssekretariat für Körperkultur und Sport und unterstellte Einrichtungen sowie DY 12 DTSB und Sportverbände) befinden sich jedoch eine relativ große Anzahl von Ergebnisberichten der Einrichtungen bzw. der Forschungsgruppen selbst. Abhängig von der Quellenlage erschien es uns angebracht, zu möglichst jeder Struktureinheit auf einzelne, uns wesentlich erscheinende veröffentlichte Beiträge und archivierte Dokumente hinzuweisen.

     

    1. Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport (FKS)

    Das FKS entstand im Mai 1969 durch die Vereinigung der Forschungsstelle und des Instituts für Sportmedizin der DHfK. Damit bildete sich eine große, leistungsstarke Basis für die Forschung im Leistungssport, die zugleich die Rolle eines fachlich-inhaltlichen Leitzentrums wahrnehmen sollte. Über 5 Olympiazyklen hat das Forschungsinstitut diese Aufgabenstellung sehr erfolgreich erfüllt. Es leitete längerfristig eine Neuausrichtung der Forschung im Leistungssport ein, entwickelte eine praxisgerichtete, weitgehend komplex und interdisziplinär gestaltete Arbeit, integrierte weitere Wissenschaftsdisziplinen, baute zielgerichtet neue Forschungsgruppen auf und schuf zunehmend den erforderlichen wissenschaftlichen Vorlauf für die Spitzenleistungen der Sportler der DDR in einer wachsenden Anzahl von olympischen Sommer- und Wintersportarten. In den Mittelpunkt der Arbeit des FKS „rückte die sportartspezifische Forschung bei gleichzeitiger Herausbildung der Fähigkeiten, grundlegende und übergreifende Themen zu bearbeiten, die für die Weiterentwicklung theoretischer Positionen und Trainingskonzeptionen erforderlich waren. Zugleich wurden die Verflechtungsbeziehungen zwischen Wissenschaft und Praxis deutlich enger“ (1).

    Auf die sportartspezifische Forschung bezogen, erforderte das vor allem eine enge Kooperation der entsprechenden Forschungsgruppen mit den Sportverbänden des DTSB, die als Auftraggeber wirkten. In den 70er Jahren gewährleistete das FKS die Forschung in den Sportarten Leichtathletik (Sprung, Wurf und Stoß, Mittel- und Langstreckenlauf), Schwimmen, Wasserspringen, Gerätturnen, Gewichtheben, Skisprung, Skilauf, Ringen, Volleyball und Straßenradsport. Mit zeitlichen Verzögerungen kamen in den 80er Jahren solche Sportarten wie Boxen, Fechten und Bahnradsport hinzu. In allen diesen Sportarten, aber auch durch Übertragungseffekte in andere Disziplinen, erbrachte das FKS umfangreiche Forschungsergebnisse, die maßgeblich das Trainings- und Leistungsniveau in den Sportarten vorantrieben. Als Teil der Forschung und der Umsetzung gewonnener Ergebnisse wirkten die Wissenschaftler aktiv an langfristigen Trainingskonzeptionen, jährlichen Rahmentrainingsplänen, rechnergestützten Trainingsanalysen, an der komplexen Leistungsdiagnostik und Trainingssteuerung sowie an der Entwicklung von sportartspezifischen Trainings- und Messgeräten mit. Bei der Umsetzung gewonnener Erkenntnisse und neuer Konzepte spielten die Trainerräte, die Wissenschaftskommissionen, die so genannten Steueraktive der Sportverbände sowie die Arbeitskreise der Sportartengruppen, in denen die Forscher des FKS vertreten waren, eine wichtige Rolle. Hier vor allem mussten gewonnene Erkenntnisse und neue Erfahrungen verteidigt und mit Fakten und Argumenten begründet werden, um alle Praktiker zu überzeugen und ein gemeinsames Vorgehen zu gewährleisten. Natürlich bestanden im Niveau und im Wirkungsgrad der sportartspezifischen Forschung auch Unterschiede zwischen den einzelnen Forschungsgruppen. Die Gründe dafür waren verschiedenartig, z. B. fehlende Fachkräfte, unzureichende Untersuchungsbasen aber auch subjektive Gründe.

    Die sportartspezifische Forschung bildete auch das Fundament für die Bearbeitung von übergreifenden und grundlegenden Forschungsprojekten. In Anlehnung an ein Interview des langjährigen Direktors des FKS, H. Schuster, mit der Fachzeitschrift „Beiträge zur Sportgeschichte“ (1) seien hier die folgenden übergreifenden Hauptrichtungen zusammengefasst:

  1. Wissenschaftliche Untersuchungen zu Leistungsstrukturen, Leistungsprognosen und zur komplexen Leistungsdiagnostik
  2. Untersuchungen zur Gestaltung und Steigerung der Trainingsbelastung in Einheit mit einer beschleunigten Wiederherstellung nach hohen Trainingsbelastungen
  3. Analysen zum Komplex der sportlichen Technik sowie zu den damit verbundenen Lern- und Korrekturprozessen
  4. Forschungen zum Höhentraining in Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 1968 in Mexiko City, in Vorbereitung auf Wettkämpfe unter normaler Höhe sowie zur Trainingsgestaltung unter Hypoxiebedingungen
  5. Wissenschaftliche Arbeiten zum Anschlusstraining als Phase zwischen Aufbau- und Hochleistungstraining
  6. Forschungen zum Thema Doping, das ab 1974 als Staatsplanthema 14.25 in Kooperation mit Forschungspartnern außerhalb der Sportwissenschaft bearbeitet wurde.****
  7. Technologische Entwicklung der Untersuchungs- und Messtechnik für Forschung und Sportpraxis (Strömungskanäle für Sportschwimmen, kippbare
    Laufbänder, Bildauswertegeräte u.a.), Entwicklung von speziellen Trainingsgeräten (Skiroller u. a.) sowie Entwicklung und Einrichtung komplexer Mess- und Untersuchungsbasen.
     
  8. Diese Themenkomplexe wurden im Zeitraum eines oder mehrerer Olympiazyklen unter Beteiligung mehrerer Wissenschaftsdisziplinen interdisziplinär bearbeitet (2).
     

    Neben den umfangreichen Forschungsprojekten, die das FKS und seine Forschungsgruppen zu bewältigen hatten, trug es dieVerantwortung als inhaltlich-fachliches Leitinstitut für den Gesamtbereich der Forschungen im Leistungssport.

    Das stellte das Forschungsinstitut vor weitere inhaltliche und auch zeitaufwendige wissenschaftsorganisatorische Aufgaben. So war die fachliche Koordinierung der Forschungsarbeiten des gesamten Wissenschaftspotentials im Leistungssport wahrzunehmen und das Zusammenwirken zwischen den Wissenschaftseinrichtungen, insbesondere dem FKS, der DHfK und dem SMD effektiv zu gestalten. Ein weiterer Schwerpunkt bildete die Einflussnahme auf die konzeptionelle Arbeit sowie die Bewertung des wissenschaftlich-theoretischen Niveaus und des Erkenntniszuwachses. Für neue, grundlegende Projekte mussten Kapazitäten innerhalb und außerhalb der Sportwissenschaft erschlossen werden. Und berechtigt stellte sich die Forderung, den Erfahrungsaustausch und den Meinungsstreit zwischen den Wissenschaftlern als auch zwischen ihnen und den Praxispartnern zu intensivieren. Dazu führte das FKS zahlreiche wissenschaftliche Seminare und Konferenzen zu übergreifenden als auch zu sportartspezifischen Problemen des Trainings durch. Immer wieder waren auch analytische und strategische Materialien für die Leistungssportforschung bzw. für den Leistungssport insgesamt zu erarbeiten. Unterstützt von der Leistungssportkommission, ihrer Arbeitsgruppe Wissenschaft sowie von den Fachbereichen des Staatssekretariats für Körperkultur und Sport und des DTSB leistete das FKS mit seinen etwas mehr als 600 Mitarbeitern einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der Sportwissenschaft, des Leistungssports und des Sports in der DDR.

    Im Artikel 39 des Einigungsvertrages von 1990 wurde eine Übernahme des FKS vereinbart. In Wirklichkeit war es eine „Abwicklung“ dieser Einrichtung und der großen Mehrheit der Mitarbeiter. Gegen den Widerstand mancher Politiker und Wissenschaftler der alten BRD kam es zwei Jahre später zur Bildung einer neuen Einrichtung, des Instituts für angewandte Trainingswissenschaft (IAT), dass auf der Basis eines Trägervereins mit damals 80 Mitarbeitern, zumeist aus dem FKS, seine Tätigkeit begann (1). Im Mittelpunkt der Arbeit des IAT steht vor allem eine prozessbegleitende Trainings- und Wettkampfforschung mit vielen Angeboten und Möglichkeiten der Leistungsdiagnostik und des Messplatztrainings.

    Literatur und archivierte Dokumente:

    1. Vor 50 Jahren – Gründung der Forschungsstelle an der DHfK. Gespräch mit Hans Schuster. In: Beiträge zur Sportgeschichte, Heft 22/ 2006, S.32-44

    2. Lehnert, A.: Erfahrungen bei der Organisation und Leitung interdisziplinärer Forschungsprojekte im Sport. In: Schriftenreihe Sport. Leistung. Persönlichkeit. Heft 3, S. 85 – 95

    3. Grundlinie der Forschung und Entwicklung im Leistungssport 1984 – 1988. Vorlage für die Leistungssportkommission der DDR vom 16. 5.1984. BArch. DR5/1476

    4. Wikipedia:www.wikipedia.org/Forschungsinstitut_für_Körperkultur_und_Sport

     

    2. Deutsche Hochschule für Körperkultur (DHfK)

    Von Beginn an verwirklichte die DHfK ihre Aufgaben als zentrale Einrichtung der Sportwissenschaft in der DDR in Einheit von Lehre und Forschung. War in den Anfangsjahren die Forschung noch auf wenige ausgewählte Themen ausgerichtet, die häufig der Graduierung von Lehrkräften dienten, so gestaltete sich die Forschungsarbeit mit der 1956 an der DHfK gegründeten Forschungsstelle zunehmend umfangreicher, komplexer und planmäßiger. Die Forschungsstelle leistete bis 1969 eine wichtige Aufbauarbeit auf dem Gebiet der gesellschaftswissenschaftlichen, naturwissenschaftlichen und sportmethodischen Forschung. Mit der Bildung des FKS veränderten sich die entsprechenden Aufgaben der DHfK wesentlich. Neben den Forschungsprojekten außerhalb des Leistungssports (Breitensport, gesellschaftswissenschaftliche Projekte) übernahm die Hochschule ab 1973 federführend die Verantwortung für die Forschung im Nachwuchsleistungssport. Darüber hinaus zeichnete sie für die Forschung im Hochleistungs- und im Nachwuchsbereich in den Sportspielarten Fußball, Handball, Volleyball und im Kanusport verantwortlich (1). Auftraggeber der Forschung wurden die Leitungen der Sportverbände sowie die entsprechenden Fachabteilungen des Bereiches Leistungssport im Bundesvorstand des DTSB.

    In den 70er und 80er Jahren konzentrierte sich die Forschung im Nachwuchsleistungssport nach S. Rahn (2) auf fünf große Komplexe, die zunehmend interdisziplinär von Fachkräften aus etwa 10 Wissenschaftsdisziplinen und in 16 Sportarten bearbeitet wurden:

    1. Sportartspezifische und übergreifende Forschungen zum Grundlagen- und Aufbautraining

    2. Untersuchungen zur Gestaltung der Wettkampfsysteme im Kinder- und Jugendsport und im Nachwuchsleistungssport, insbesondere der Spartakiadewettkämpfe in der DDR

    3. Untersuchungen zur Eignung, Sichtung, Auswahl sowie zur Erarbeitung von Leistungsnormen für die ersten beiden Etappen des Nachwuchstrainings. (Als Teil dieses Forschungskomplexes wurden auch die Querschnitt- und Längschnitterhebungen zur physischen Entwicklung der jungen Generation weitergeführt.)

    4. Forschungen zur erzieherischen Gestaltung des Nachwuchstrainings

    5. Untersuchungen zur effektiven Leitung des Nachwuchsleistungssports im DTSB.

     

    In Verbindung mit diesen Forschungskomplexen entwickelte sich auch eine bilaterale Zusammenarbeit zwischen der DHfK und der Sporthochschule in Moskau, die sich hauptsächlich auf die Optimierung des Trainings sowie auf Fragen der Eignung, Sichtung und Auswahl konzentrierte. Zu den oben aufgeführten Schwerpunkten lieferten die Forschungsgruppen der Hochschule im Verlauf von mehreren Olympiazyklen eine Fülle von Untersuchungsergebnissen, Lösungsvorschlägen, pädagogischen Handreichungen und Konzeptionen, die maßgeblich und nachhaltig die Qualität des Nachwuchstrainings, die Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendspartakiaden, die Einführung der Einheitlichen Sichtung und Auswahl (ESA), die Aus- und Weiterbildung der Trainer und Übungsleiter sowie die Planung und Leitung des Nachwuchsleistungssports beeinflussten. Nach Angaben von Rahn befassten sich über 40 Prozent der an der DHfK angefertigten bzw. verteidigten Diplomarbeiten, Dissertationen, Habilitationsschriften und weiteren Beleg- und Hausarbeiten mit Themen des Nachwuchsleistungssports.

    In diese erfolgreiche Bilanz reihen sich die wissenschaftlichen Ergebnisse der Forschung im Kanusport ein, die sich durch interdisziplinäre Arbeit, hohe Praxiswirksamkeit, die Nutzung des Strömungskanals für Kanu-Rennsport in Potsdam und eine enge Zusammenarbeit zwischen Auftragnehmer – der Forschungsgruppe im Wissenschaftsbereich Wasserfahrsport/Touristik - und Auftraggeber - dem Deutschen Kanusport Verband - auszeichnete (3).

    Auch auf dem Gebiet der Sportspielforschung gab es verstärkte Anstrengungen und Fortschritte. Exemplarisch dafür seien hierzu die Forschungsthemen im Fußball für den Olympiazyklus 1984 – 1988 angeführt (4):

    Thema 1: Ermittlung altersbezogenen Komponenten der Schnelligkeitsleistung sowie Erarbeitung und Erprobung trainingsmethodischer Alternativen zur Schnelligkeitsentwicklung in typischen Spielhandlungen des Angriffs- und Abwehrverhaltens unter handlungsregulativen Aspekten

    Thema 2: Entwicklung und Diagnostik der fußballspezifischen lokomotorischen Schnelligkeit unter Beachtung von Handlungen auf engstem Raum

    Thema 3: Untersuchungen zur Leistungssteigerung von Auswahlkadern in Vorbereitung auf entscheidende Höhepunkte des Fußballsports (WM 1986,
    OS 1988)

    Thema 4: Untersuchungen des Einfluss von Lebensbedingungen und leistungssportgerechter Lebensführung auf das Leistungsverhalten von Auswahlkadern der Altersklasse 15/16.

     

    Auftraggeber DFV der DDR

    Auftragnehmer DHfK, Sektion IV, Forschungsgruppe Fußball

    Forschungskapazität: 9 VbE (Vollbeschäftigteneinheiten)

     

    In der Grundlinie für die Forschung im Leistungssport für den Olympiazyklus 1984 bis 1988 wurde die besondere Verantwortung der Leitung der DHfK und der zuständigen Forschungsgruppen für die Sportspielforschung und deren höhere wissenschaftliche Leistungsfähigkeit hervorgehoben. Als weitere hauptsächliche Aufgaben in dieser Zeitspanne nannte die Grundlinie die Bearbeitung von Grundfragen des langfristigen Leistungsaufbaus, die stärkere Orientierung der Forschung auf das Aufbautraining sowie die Umsetzung der weiterentwickelten Konzeption für die Eignungs- und Auswahlforschung.

    Bekanntlich wurde die DHfK als weltweit anerkannte Lehr- und Forschungsstätte 1990 „abgewickelt“. Eine ernsthafte Prüfung ihrer umfangreichen Ergebnisse in Lehre und Forschung, Wissenschaftsentwicklung und Wissenschaftsorganisation erfolgte nicht. Die Arbeit der etwas mehr als 1000 Mitarbeiter fand nicht die verdiente Anerkennung, sondern wurde diskreditiert.*****

     

    Proteste von Persönlichkeiten des In- und Auslandes blieben unbeachtet. Die Gründe für die Auflösung der DHFK bestanden offensichtlich in politischen Motiven, im Konkurrenzdenken und in einer von Arroganz geprägten Haltung der Verantwortlichen.

 

    Literatur und archivierte Dokumente:

  1. Lehmann, G., Kalb, L., Rogalski, N., Schröter, D., Wonneberger, G. (Hrsg.): Deutsche Hochschule für Körperkultur Leipzig 1950 – 1990.Meyer & Meyer Verlag, Aachen, 2007
  2. Schumann, K. (Hrsg.): DHfK – Leipzig 1950 – 1990 Chronologie einer weltbekannten Sporthochschule und das abrupte Ende ihrer Geschichte. DSV – Deutscher Sportverlag Köln, 2003
  3. Rahn, S.: Forschung im Nachwuchsleistungssport. In: Lehmann, G., Kalb, L., Rogalski, N., Schröter, D., Wonneberger, G. (Hrsg.): Deutsche Hochschule für Körperkultur Leipzig 1950 – 1990.Meyer & Meyer Verlag, Aachen, 2007, S. 391 -403
  4. Lenz, J.: Der Wissenschaftsbereich Wasserfahrsport/Touristik. In: Lehmann, Kalb, Rogalski, Schröter, Wonneberger Hrsg.): Deutsche Hochschule für Körperkultur Leipzig 1950 . 1990. Meyer & Meyer Verlag, Aachen 2007, S.: 367 – 378
  5. Grundlinie der Forschung im Leistungssport 1984 – 1988. BArch. DR 5/1476, S. 28-29
  6. Gras, F.: Zur Lebensweise und Persönlichkeitsentwicklung von Leistungssportlern. In:Theorie und Praxis der Körperkultur, 1976,Heft 5, S. 336 - 340
  7. Siehe auch Wikipedia:www.wikipedia.org/Deutsche_Hochschule_für-Körperkultur
  8.  

    3. Zentralinstitut und Hauptberatungsstellen des Sportmedizinischen Dienstes

    Der bereits 1963 auf der Grundlage eines Beschlusses der Regierung gebildete Sportmedizinische Dienst der DDR (SMD) hatte vor allem die Hauptaufgabe, die sportmedizinische Betreuung der Sport treibenden Bevölkerung zu gewährleisten. So hatte jeder organisiert Sporttreibende das Recht und auch die Verpflichtung sich einmal jährlich sportärztlich untersuchen zu lassen. Über diesen Schwerpunkt hinaus übernahm der Dienst laut Statut auch die Aufgabe „sportmedizinische Themen im Rahmen staatlicher Forschungspläne“ zu bearbeiten (1). Den Sportärztlichen Hauptberatungsstellen sowie dem Zentralinstitut des SMD in Kreischa bei Dresden fiel in den Folgejahren die Verwirklichung dieser Aufgabe zu, während die Leitung des Dienstes die Führung und Koordinierung der entsprechenden Forschungsvorhaben gewährleistete.

    Über mehrere Olympiazyklen stand dabei das übergreifende Forschungsthema „Steigerung der Belastbarkeit des Stütz- und Bewegungssystems“ (SBS) im Mittelpunkt. In Kooperation mit dem FKS und der DHfK übernahm das Zentralinstitut des SMD federführend die Bearbeitung dieses für die Optimierung der Trainingsgestaltung, der Prophylaxe und der Wiederherstellung der Sportler so bedeutsamen Themas. Mit dem Ziel den Wirkungsgrad spürbar zu erhöhen, wurden ab 1980 in Kreischa weitere sportmedizinische und sportmethodische Fachkräfte eingesetzt, die Voraussetzungen hinsichtlich der Erfassungs-, Rechen- und Auswertetechnik verbessert sowie eine neuartige Messplattform und entsprechende Untersuchungsmethoden entwickelt. Die drei Wissenschaftseinrichtungen konzentrierten sich auf abgestimmte Forschungsschwerpunkte. Während Kreischa für die Vorbereitung von wissenschaftlich begründeten Prophylaxe- und Therapieprogrammen sowie für Maßnahmen zur Wiederherstellung des Stütz- und Bewegungssystems nach hohen Belastungen verantwortlich zeichnete, konzentrierte sich das FKS auf die epidemiologische Erforschung der Ursachen von SBS-Schädigungen und die dazu erforderlichen diagnostischen Verfahren. Die Spezialisten der DHFK erkundeten mit ihren Untersuchungen wesentliche Anpassungsmechanismen des Stütz- und Bewegungssystems und wirkten dabei mit medizinischen Einrichtungen außerhalb des Sports zusammen (2). Im Ergebnis dieses Vorgehens entstanden für Sportler, Trainer und Sportärzte wichtige trainingsmethodische Empfehlungen für eine optimale Belastungsgestaltung und Standards für die Prophylaxe des SBS, die in allen Trainingsetappen und in allen Sportarten konsequent angewendet werden sollten.

    Über dieses wichtige übergreifende Thema hinaus zeichneten der SMD und sein Zentralinstitut auch für die sportspezifische Forschung im Marathonlauf und im Gehen sowie im Biathlon verantwortlich. Auftraggeber waren der Leichtathletikverband und der Skilaufverband. Bei Anerkennung der sportmedizinischen Ergebnisse in der prozessbegleitenden Leistungsdiagnostik, zeigten sich in den 80er Jahren zunehmend auch Schwächen in der trainingsmethodischen Bearbeitung der Projekte. Es fehlte neben den vorhandenen Sportmedizinern insbesondere an Trainingsmethodikern und an einer modernen spezifischen Mess- und Untersuchungsbasis (mit kippbaren Laufbändern und rechnergestützten Biotestgeräten) in oder in der Nähe von Kreischa. Über diese Hauptprojekte des Zentralinstituts hinaus, wirkten mehrere Sportärztliche Hauptberatungsstellen der Bezirke (u. a. Berlin, Leipzig, Rostock) an weiteren Forschungsthemen des Leistungssports mit. Die Übernahme der sportartspezifischen Forschung und der Aufbau einer Forschungsgruppe im Eisschnelllauf durch die SHB der Sportvereinigung Dynamo soll an dieser Stelle genannt und positiv hervorgehoben werden.

    Das am Zentralinstitut in Kreischa bestehende Doping-Kontroll-Labor befasste sich schwerpunktmäßig mit der Analyse von Dopingkontrollproben anlässlich von wichtigen nationalen und internationalen Wettkämpfen, mit so genannten Ausreisekontrollen von Athleten der DDR sowie mit der Weiterentwicklung der Dopinganalytik. 1977 erhielt das Labor den Status eines selbstständigen Labors und entwickelte sich zu einem international anerkannten Kontrolllabor, ausgestattet mit modernster Untersuchungstechnik. Neben dem Argument, dass das in der DDR für alle Bereiche des Sports aufgebaute System der sportmedizinische Betreuung nicht in die Strukturen der BRD passen würde und keineswegs finanzierbar sei, waren es auch die von den Medien ständig verbreiteten Un- und Halbwahrheiten über ein flächendeckendes, sportmedizinisch gestütztes Doping, die zu einer rigorosen Beseitigung der Sportmedizin insgesamt führten. Alle in der DDR bestandenen 227 sportärztlichen Beratungsstellen in den Kreisen und Bezirken wurden aufgelöst, ebenso das Zentralinstitut des SMD und weitere Einrichtungen. Berechtigt spricht der renommierte Sportmediziner K. Gottschalk von einem in der DDR gewachsenen sportmedizinischen Betreuungssystem als einer beispielhaften „gesamtgesellschaftlichen Errungenschaft“, die „ab 1990 in den deutschen Einigungsprozess“ eingebracht, „ein gesamtgesellschaftlicher Gewinn von historischen Wert gewesen“ wäre (3).

    Literatur und archivierte Quellen:

  9. Statut des Sportmedizinischen Dienstes der DDR vom 1. 9. 1963. In: GBl. 1963 II, Nr. 87, S. 695

  10. Einschätzung der Leistungssportforschung des Zentralinstituts des SMD im Jahr 1986. Vorlage für die Arbeitsgruppe Wissenschaft vom 3.1.1986. BArch. DR 5/1749

    - Gottschalk, K. : Wie die Sportmedizin der DDR „abgewickelt“ wurde. In: Beiträge zur Sportgeschichte, Heft 23, 2006, S. 71 – 76

     

    4. Forschungs- und Entwicklungsstelle für Sportgeräte (FES)

    Als eigenständige Einrichtung und unter den Namen „Forschungs- und Entwicklungsstelle für Sportgeräte“ wurde das FES im März 1965 gegründet. Es unterstand dem damaligen Staatlichen Komitee für Körperkultur und Sport beim Ministerrat der DDR und hatte seinen Sitz in Berlin-Schöneweide. Das FES baute dabei auf die seit 1962 bestehende Entwicklungsabteilung für Sportgeräte der DHfK auf. Die Aufgabenstellung des FES bestand darin, durch eine praxis- und vorlaufgerichtete Forschungs- und Entwicklungsarbeit in Sportarten, in denen das Sportgerät einen leistungsmitbestimmenden Einfluss hatte, hochmoderne, dem Welthöchststand entsprechende Sportgeräte für Training und Wettkampf zu entwickeln und in Kleinserien zu fertigen. In Verbindung damit waren die erforderlichen Mess- und Rechenverfahren sowie messtechnischen Systeme zu erarbeiten bzw. aufzubauen. Das FES löste diese Aufgaben gemeinsam mit anderen Wissenschaftseinrichtungen der Leistungssportforschung sowie durch eine enge Zusammenarbeit mit Betrieben und Kombinaten der Volkswirtschaft der DDR. Schon frühzeitig setzte sich im FES die Auffassung durch, dass bei der Entwicklung von Sportgeräten vor allem das System von Sportler und Gerät in den Mittelpunkt der Arbeit gestellt werden muss. Vor allem die konsequente Anwendung dieses Arbeitsprinzips garantierte die Anfertigung optimaler, individuell angepasster Einzelgeräte von Spitzenniveau in den betreffenden Sportarten.

    Bereits in der ersten Hälfte der 60er Jahre begannen die Entwicklungsarbeiten in den Wasserfahrsportarten Rudern, Kanu und Segeln. In diesen Sportarten führte der Ersatz des Holzes durch glasfaserverstärkte Kunststoffe sowie die Einführung der Leichtbauweise durch die Sandwichwabentechnologie zu einer deutlichen Verbesserung der Boote in diesen Sportarten.

    Ab 1968 kam die Sportart Schlittensport hinzu. Die von der FES entwickelten Einsitzer- und Doppelsitzerschlitten bewährten sich überzeugend bei den Olympischen Winterspielen 1972 in Sapporo - alle in dieser Sportart möglichen Medaillen wurden von den Athleten des DDR-Verbandes errungen. In den siebziger Jahren erweiterte sich der Kreis der von der FES betreuten Sportarten um Bobsport und Radsport.

    Im Zusammenwirken mit dem Kombinat Textimaforschung Malimo gewährleistete das FES in den achtziger Jahren die zunehmende Anwendung von faserverstärkten Kunststoffen und entwickelte mit dem Scheibenlaufrad und dem ersten durch Carbonfasern verstärkten Fahrradrahmen Rennmaschinen, mit denen die besten Straßenradsportler der DDR bei den Olympischen Spielen 1988 im 100 km Mannschaftszeitfahren zum Sieg fuhren. Im Jahresbericht des FES 1986 wurden die zum damaligen Zeitpunkt erbrachten wissenschaftlich-technischen Leistungen stichwortartig wie folgt zusammengefasst:

  11. Schlitten- und Bobsport: Kufenwerkstoffe, Bearbeitungsverfahren, Kufenaufhängungen Rennschlitten,

  12. Rudern: Erprobung neuer Harzsysteme, Konstruktion neuer Ausleger und Rollsitze, Riemen und Skull aus Plastwerkstoff mit optimierten Parametern,

  13. Kanu: neue Bootsformen, neue Laminataufbauten, verschiedene Paddel,

  14. Segeln: neue Laminate, Masten aus Aluminium und Plaste, Untersuchungen zur Massenverteilung,

  15. Radsport: Rahmen und Scheibenräder aus Plaste (1).

Ende der achtziger Jahre verfügte das FES in Berlin sowie in den Außenstellen Potsdam und Niederlehme über 180 Planstellen für Ingenieure, Techniker und weitere Mitarbeiter. Nach der Wende waren natürlich die betreffenden Sportverbände der BRD, der damalige Deutsche Sportbund und das für den Sport zuständige Bundesinnenministerium sehr interessiert, die über mehrere Jahrzehnte so erfolgreich arbeitende FES zu übernehmen. Bei Beibehaltung des Kürzels FES arbeitet es heute unter dem Namen „Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten“ umstrukturiert und als Teil des Trägervereins IAT/FES e.V. mit 50 Mitarbeitern.

Literatur und archivierte Quellen:

  1. Bericht über den Stand der Sicherung der erforderlichen Olympiageräte und Materialien in den Sommersportarten vom 7. 3.1988. BArch. BR 5/1349
  2. Internet www.fes-sport.de/chronik
     

 

    5. Sektionen für Sportwissenschaften an den Universitäten Berlin, Jena und Halle sowie weitere Einrichtungen

    Von den acht an Universitäten in der DDR bestehenden Sektionen für Sportwissenschaften (SSW), deren hauptsächliche Aufgabe in der Ausbildung von Sportlehrern für die Schule bestand, waren drei als Kooperationspartner in der Leistungssportforschung tätig. Es waren die Sektionen an der Humboldt-Universität Berlin im Rudersport, an der Friedrich-Schiller -Universität Jena im Schlitten- und Bobsport sowie an der Martin-Luther-Universität in Halle im Sprintbereich der Leichtathletik. Im Zusammenwirken mit den entsprechenden Sportverbänden und weiteren Kooperationspartnern leisteten diese SSW über Jahre eine erfolgreiche sportartspezifische wissenschaftliche Arbeit. Themenumfang und Wirkungsgrad dieser Arbeit wiesen dabei Unterschiede auf.

    ImRudern gab es die einmalige Lösung, dass der Sportverband Auftraggeber und zugleich auch Auftragnehmer der sportartspezifischen Forschung war. Nachdem sich zeigte, dass das WZ des DRSV, neben den für alle Wissenschaftlichen Zentren gültigen Aufgaben, mit der Organisation und Koordination der Forschung zunehmend überfordert war, wurde Anfang der achtziger Jahre ein eigenständiger Bereich Forschung und Entwicklung im Rudersportverband gebildet. Er gewährleistete im Auftrage der Leitung des Verbandes die Zusammenarbeit mit den in die „Kooperationsforschung Rudern“ einbezogenen wissenschaftlichen, sportmedizinischen und technischen Einrichtungen. Wichtige Partner waren die Sektion Sportwissenschaft der Berliner
    Humboldt-Universität, die Sportärztlichen Hauptberatungsstellen Berlin und der Sportvereinigung Dynamo, die Wissenschaftsdisziplin Rudern an der DHFK sowie die FES. Die SSW bearbeitete vorrangig erziehungswissenschaftliche, trainingsmethodische und biomechanische Themen im Hochleistungsbereich. Sportmedizinische Fragestellungen wurden durch Mitarbeiter der Sportärztlichen Beratungsstellen Berlin und der Sportvereinigung Dynamo untersucht. Die Spezialisten der DHfK forschten im Nachwuchsbereich zum Thema „Optimierung des Trainingsprozesses im Rudern unter besonderer Berücksichtigung der Entwicklung des technisch-koordinativen Faktors“. Und das FES zeichnete in Partnerschaft mit dem VEB Yachtwerft Berlin für die Entwicklung und Fertigung der Boote der Olympiaflotte verantwortlich. Die trainingsmethodische Forschung konzentrierte sich schwerpunktmäßig auf analytische und experimentelle Untersuchungen, auf die komplexe Leistungsdiagnostik, auf Leistungstests im Ruderergometer und auf Messbootfahrten. Es entstand eine über viele Jahre effektive interdisziplinäre Forschung mit einem hohen Wirkungsgrad auf die Trainings- und Leistungsentwicklung.

      Auch im Schlitten- und Bobsport entwickelte sich unter Führung des Sportverbandes eine leistungsfähige interdisziplinäre Forschung. Träger der beiden Forschungsgruppen Schlittensport und Bobsport war die SSW Jena. Außerdem bestand eine dritte Forschungsgruppe, die im Schlittensport Probleme des Nachwuchstrainings sowie der Sichtung, Eignung und Auswahl untersuchte. Die Sektion setzte dafür Wissenschaftler und Forschungsstudenten ein, die sowohl trainingsmethodische, mathematisch-biomechanische als auch sportmedizinische Aspekte zu ausgewählten Fragestellungen bearbeiteten. Im Zeitraum 1984 – 1988 standen zum Beispiel im Bobsport folgende Themen im Mittelpunkt:

    Thema 1: Untersuchungen zur Weiterentwicklung der Fahrtechnik und des bobspezifischen Fahrtrainings

    Thema 2: Untersuchungen zur Startphase und zur Weiterentwicklung des Kraft- und des Sprinttrainings

    Thema 3: Untersuchungen zur Periodisierung und zur Belastungsgestaltung

    Thema 4: Optimierung der komplexen Leistungsdiagnostik und der Arbeit mit Leistungsprognosen

    Auftraggeber: DSBV der DDR

    Auftragnehmer: Friedrich-Schiller-Universität Jena, Sektion Sportwissenschaft, Forschungsgruppe Bobsport, Forschungskapazität: 5,4 Vollbeschäftigte

    Die Felduntersuchungen fanden zumeist auf der Schlitten- und Bobbahn in Oberhof statt - hier hatte auch das Wissenschaftliche Zentrum seinen Sitz. Wie im Rudern, so besaß die Entwicklung und Fertigung modernster Trainings- und Wettkampfgeräte auch im Schlitten- und Bobsport höchste Priorität. Diese Aufgaben wurden gleichfalls über mehrere Olympiazyklen sehr erfolgreich durch die Forschungs- und Entwicklungsstelle in Berlin gelöst.

    Verglichen mit den Bedingungen und Ergebnissen der SSW im Rudern und im Schlitten- und Bobsport waren die Voraussetzungen für eine leistungswirksame Forschung im leichtathletischen Sprint und Hürdenlauf durch die SSW in Halle bescheidener. Der Mangel an Trainingsmethodikern und das Fehlen einer modern ausgestatteten Untersuchungs- und Messbasis (vorgesehen an der Sportschule Kienbaum) schränkten von Beginn an die Leistungsfähigkeit der Forschung ein (Vgl.: Protokoll der AG Wissenschaft vom 29. 5. 1989). Die Einbindung der Forschungsgruppe in Lehrgänge der Auswahlkader und dort durchgeführte Leistungstests und Trainingsmitteluntersuchungen erwiesen sich als nützlich und förderten insbesondere den Wissens- und Erfahrungsaustausch der Trainer und Wissenschaftler.

    Für die Forschungsarbeit im Segeln konnte die Ingenieurschule für Seefahrt (IHS) in Warnemünde/Wustrow als Auftragnehmer gewonnen werden. Weitere Kooperationspartner waren das Wissenschaftliche Zentrum des Verbandes, die Wissenschaftsdisziplin Segeln der DHfK, die Sportärztliche Beratungsstelle Rostock sowie die FES als Auftragnehmer für die Boots- und Geräteentwicklung. Ungeachtet mancher personeller und auch räumlicher Probleme an der IHS stellten sich die einbezogenen Wissenschaftler und Techniker engagiert einer Reihe von Themen, wie der Ermittlung von leistungsbestimmenden Faktoren zur Verbesserung des Trainings, der Objektivierung der segelsportlichen Leistung im Training und im Wettkampf, der Steuerung der psychophysischen Trainings- und Wettkampfbelastung oder der Gewinnung sportartspezifischer Kenntnisse über örtliche Strömungen in der Luft und im Wasser sowie den Möglichkeiten ihrer meteorologischen Voraussage. Über die Optimierung der Boote und des Materials wurden im Abschnitt FES bereits Angaben gemacht.

    ImSportschießen entstand durch die aktive Unterstützung der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) und des Sportschützen-Verbandes eine personell und gerätetechnisch relativ gut ausgestattete Forschungsbasis. Auch die Sportclubs der GST verfügten über eine relativ umfangreiche Ausstattung an Messgeräten, die eine den Trainingsprozess begleitende Objektivierung einzelner leistungsbestimmender Faktoren ermöglichten. Träger der Forschung war eine Gruppe mit 10 wissenschaftlichen und wissenschaftlich-technischen Mitarbeitern. Zwei Schwerpunkte standen für den Zeitraum 1984 bis 88 im Mittelpunkt der sportartspezifischen Forschung:

    - Beschleunigte Heranführung junger, talentierter Schützen durch Untersuchungen zu Lerninhalten, methodischen Reihen und zur Steuerung des motorischen Lernens im mehrjährigen Leistungsaufbau von Sportschützen.

  • Leistungsobjektivierung zur Ausprägung der individuell optimalen Technikvariante der Spitzenkader in den Disziplinen Gewehr, Freie Pistole und Laufende Scheibe.
  • In Verbindung damit galt es, die umfangreich erhobenen Leistungsdaten verstärkt mit dem durchgeführten Training zu vergleichen und die Wechselwirkungen zwischen Ursache und Wirkung zu ermitteln. Durch zusätzliche psychologische und sportmedizinische Untersuchungen sollte die Forschung komplexer und interdisziplinär ausgerichtet werden. (Vgl. Vorlage der Abteilung Leistungssport des Zentralvorstandes der GST vom 28.1.1983 an die AG Wissenschaft).

     

    6. Wissenschaftliche Zentren der Sportverbände (WZ)

    Die wachsende inhaltlich-methodische Verantwortung der Sportverbände im DTSB für die Ausbildung und Erziehung der Leistungssportler und ihr Zusammenwirken mit den vorhandenen sportwissenschaftlichen Einrichtungen machte es bereits in den sechziger Jahren notwendig, bei den Sportverbänden entsprechende Arbeitsorgane zu schaffen. Im Leistungssportbeschluss vom 10. 8. 1965 hieß es dazu: „Zur Verstärkung der sportartspezifischen wissenschaftlichen Arbeit, insbesondere der Forschung, der Verbesserung der Informations- und Dokumentationstätigkeit sowie der sportfachlichen Qualifizierung des Lehrkaders sind in den olympischen Sportverbänden im Zeitraum 1965/66 wissenschaftliche Zentren aufzubauen, die je nach der Größe des Verbandes mit einer entsprechenden Anzahl von wissenschaftlichen und technischen Mitarbeitern besetzt werden“(1). Nach dem Beschluss sollten die Zentren ursprünglich auch die sportartspezifische Forschung aufbauen und tragen. Diese Festlegung wurde später als unrealistisch korrigiert, hätte doch eine derartige Lösung zu einer Zersplitterung der vorhandenen begrenzten Kapazitäten sowie zu einer Aufspaltung der Forschung zu übergreifenden Fragen auf das damalige Staatliche Komitee für Körperkultur und die DHfK und zur sportartspezifischen Forschung auf die Sportverbände des DTSB und deren WZ geführt. Künftig wirkten die Wissenschaftlichen Zentren vor allem als „wissenschaftlich-operative Arbeitsorgane der Sportverbände“(2). Sie waren für die breite Umsetzung des wissenschaftlich-methodischen Fortschritts in den jeweiligen Sportverbänden zuständig. Das schloss solche Aufgaben wie die zentrale Planung und Analyse des Trainings und der Leistungsentwicklung der Auswahl- und Nachwuchskader, die Heranführung der Trainer an schöpferische wissenschaftliche Arbeit, die Verallgemeinerung des Erfahrungswissens der Trainer, die Organisation ihrer regelmäßigen fachlichen Weiterentwicklung und die Erarbeitung und Nutzung von Bild-, Film- und Videomaterial ein. Gegenüber den bei den Wissenschaftseinrichtungen bestehenden sportartspezifischen Forschungsgruppen nahmen die WZ im Auftrag der jeweiligen Verbandsleitungen auch Rechte und Pflichten des Auftraggebers wahr. Sie zeichneten für „die Koordinierung der sportartspezifischen Forschung“ und für die wirksame Umsetzung der Ergebnisse der Forschung gemeinsam mit den Forschungspartnern verantwortlich. Sie wirkten an den zu erarbeitenden Leistungsverträgen und Forschungskonzeptionen mit, bereiteten gemeinsame Ergebniskonferenzen vor, unterstützten die Vorbereitung und Durchführung von Trainingsexperimenten mit Sportlern der Verbände und wirkten bei der Entwicklung neuer Trainings-, Wettkampf- und Messgeräte mit.

    In den achtziger Jahren bestanden in den schwerpunktmäßig geförderten olympischen Sommer- und Wintersportarten 20 Wissenschaftliche Zentren. Sie verfügten über 145 Planstellen für Trainer und Mitarbeiter sowie über 48 Planstellen für wissenschaftlich technische Kräfte.

    Literatur und archivierte Quellen:

    1. Beschluss vom 10.08.1965 „Weitere Entwicklung des Leistungssports bis 1972“

    Quelle: BArch. SAPMO DY 30/J/IV 2/2, S. 22-23

    2. Beschluss des Sekretariats des DTSB über die WZ-Arbeit vom 10.06.1981

    Quelle: BArch. SAPMO DY 12/12338, S. 1-5



     

    3. Zur Leitung und Planung der Leistungssportforschung

    Wie im Abschnitt 2, so konzentrieren sich unsere Aussagen zur Leitung, Planung und Organisation auf die Forschung im Leistungssport. Planungs- und Leitungsaspekte der Entwicklung von Mess- und Sportgeräten sowie von Sportartikeln wurden berücksichtigt, sofern sie in engem Zusammenhang zur (sportwissenschaftlichen) Forschung standen. Unsere Ausführungen stützen sich, neben den eigenen Kenntnissen und Erfahrungen, vor allem auf die in den achtziger Jahren gültigen Beschlüsse zur Forschung im Leistungssport, insbesondere auf die bestehenden Forschungsordnungen. Diese Ordnungen sollten einen weitgehend einheitlichen und effizienten Ablauf der Forschung, ihrer Planung und Leitung gewährleisten. Auf einen Beschluss der Leistungssportkommission zurückgehend, entstand eine erste „Ordnung der Forschung“ im Jahr 1966. In größeren Zeitabständen wurden diese Ordnungen überarbeitet bzw. neu verfasst. Wir stützen uns vorwiegend auf den 1988 in der Diskussion befindlichen Entwurf der „Ordnung für Forschung und Entwicklung im Leistungssport“ vom 21. 4. 1988 (15).

    Die Leitung und Planung der Forschung im Leistungssport umfasste im wesentlichen die Festlegung der Ziele und Aufgaben, der Kräfte, Mittel und Verantwortlichkeiten für die Forschung sowie die Regelung, Organisation und Optimierung der Forschungstätigkeit und der Kooperation der in die Forschung einbezogenen Wissenschaftseinrichtungen und wissenschaftlichen Gremien. In unseren Darlegungen konzentrieren wir uns auf vier Komplexe.

     

    Forschung mit Auftraggebern und Auftragnehmern

    Was die Zusammenarbeit von Forschern und Technikern mit den Vertretern der Sportpraxis und die Bildung entsprechender Kollektive betrifft, so hatte sich über Jahre eine vertragsgebundene Gemeinschaftsarbeit von Auftragnehmern und Auftraggebern entwickelt und bewährt. Sie baute auf Erfahrungen der Forschungskooperation zwischen der Akademie der Wissenschaften und der Universitäten und Hochschulen mit den Kombinaten und Betrieben in der DDR auf. Die entsprechenden Verträge enthielten Vereinbarungen über die gemeinschaftliche Lösung der Aufgaben, über die Organisation der Gemeinschaftsarbeit und über die Bildung gemeinsamer Forschungs-, Entwicklungs- oder Überführungskollektive. Sie umfassten alle Arbeitsphasen des Forschungsprozesses, von der Planung der Aufgaben, über die Realisierung und Abrechnung bis hin zur Überführung der Ergebnisse in die Praxis. Diese Verträge bildeten die Arbeits- und zugleich auch Abrechnungsbasis für den vereinbarten Vertragszeitraum. Die Forschung im Sport baute auf diesen Erfahrungen auf.

    Die oben genannte Forschungsordnung definierte die Rechte und Pflichten der beiden Seiten wie folgt:

    Dem Auftraggeber obliegt:

     „- die Bestimmung der Richtungen von Forschung und Entwicklung im Leistungssport sowie die Erteilung der Aufträge (Inhalte, Parameter, Stückzahlen, Ecktermine)

    - die Mitwirkung bzw. Abstimmung bei der Erarbeitung der Konzeptionen und Pflichtenhefte

    - die Bestätigung und Abrechnung der Aufträge und Verträge

    - die Sicherung entsprechender Bedingungen für die Realisierung der Aufgaben im Verantwortungsbereich bzw. die gemeinsame Realisierung von Forschungs- und Entwicklungsaufgaben und ihre Abrechnung

    - die Überführung der Ergebnisse in die Praxis

    - die Festlegung des Geheimhaltungsgrades entsprechender Dokumente und Materialien bzw. Geräte.“

    Dem Auftragnehmer obliegt:

     „- die Erarbeitung der Forschungsrichtungen bzw. Entwicklungsaufgaben im Planungszeitraum, der Ausarbeitung der Konzeption, Verträge, Pflichtenhefte

    - der effektive Einsatz der personellen, materiellen und finanziellen Fonds zur Erzielung wissenschaftlicher und wissenschaftlich-technischer Spitzenleistungen

    - die Gewinnung von Kooperationspartnern

    - die qualitäts- und termingerechte Erfüllung bzw. mit den Praxispartnern gemeinsame Erfüllung von Forschungs- und Entwicklungsaufgaben sowie von Verträgen und ihre Abrechnung

    - die planmäßige Überführung der Ergebnisse in die Praxis gemeinsam mit dem Praxispartner bis zu dem vertraglich festgelegten Endergebnis

    - die Neuerer- und Schutzrechtstätigkeit auf der Grundlage der gültigen gesetzlichen Regelungen und Weisungen…..zur Erhöhung von Niveau und Effektivität wissenschaftlich-technischer Leistungen sowie den patentrechtlichen Schutz der Entwicklungsergebnisse entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen“.******

     

    Wie bereits erläutert, war der DTSB hauptsächlicher Auftraggeber der Forschungs- und Entwicklungsvorhaben im Leistungssport. In der Regel nahmen Vizepräsidenten, Abteilungsleiter und die Generalsekretäre der Sportverbände die Funktion als Auftraggeber wichtiger Forschungsprojekte und -themen wahr. Eine Analyse des Themenplanes zur Grundlinie für Forschung und Entwicklung im Leistungssport für den Zeitraum 1980 – 1984 (16) ergab zum Beispiel, dass etwas mehr als 70 % aller Auftraggeber durch die Sportverbände und weitere 24,6 % durch die Bereiche und Abteilungen des Bundesvorstandes des DTSB gestellt wurden. Darüber hinaus übernahmen auch die Gesellschaft für Sport und Technik (Sportschießen), der Sportmedizinische Dienst und die DHfK die Aufgaben des Auftraggebers für einzelne Forschungsprojekte. Bei den Auftragnehmern standen die Hochschule für Körperkultur (44,8 %) und das Forschungsinstitut (36,2 %) an der Spitze, wobei das FKS zumeist federführend die Verantwortung für die großen Komplexthemen des Hochleistungssports trug. Der Sportmedizinische Dienst und die Sportwissenschaftlichen Sektionen der Universitäten wiesen ein Anteil von jeweils 5,2 Prozent auf. Bei der Planung der wissenschaftlich-technischen Entwicklungsaufgaben übernahm vor allem das Staatssekretariat für Körperkultur und Sports mit seinen Bereichen und Abteilungen sowie eine Reihe von Sportverbänden, in denen das Wettkampfgerät einen die sportliche Leistung mitbestimmenden Einfluss hatte, die Verantwortung als Auftraggeber.

    Über die Vorzüge dieser Gemeinschaftsarbeit von Wissenschafts- und Praxispartnern haben wir uns teilweise schon in den Abschnitten 1. und 2. geäußert. Sie stärkte das Interesse und die gemeinsame Verantwortung für die wissenschaftliche Arbeit und die vereinbarten Forschungsaufgaben, sie erleichterte den Wissenschaftlern den Zugang zur Sportpraxis und zu dem Erfahrungsschatz der Praktiker wie auch umgekehrt und sie unterstützte maßgeblich die schnelle und konsequente Überführung der gewonnenen Ergebnisse in die Praxis. In den 80er Jahren wurde zunehmend auch darüber diskutiert, ob diese auftragsgebundene Forschung nicht noch effizienter gestaltet werden könnte, wenn sie, wie in der Akademie- und Hochschulforschung mit den Kombinaten und Betrieben, nach den Prinzipien der wirtschaftlichen Rechnungsführung gestaltet würde. Das hätte bedeutet, dass der Auftraggeber dem Auftragnehmer die Forschungsleistungen direkt bezahlt. Da im Bereich des Sports sowohl das Staatssekretariat für Körperkultur und Sport als auch der DTSB seine finanziellen Mittel vorrangig aus dem Staatshaushalt erhielt, hätte das lediglich zu einer mit hohen bürokratischen Aufwand verbundenen Umschichtung der Finanzmittel von einer Hand in die andere geführt. Es blieb also bei einer Finanzierung der Forschung aus dem Mitteln des Staatshaushaltes auf der Grundlage der jährlichen Haushalts- und Finanzpläne der Einrichtungen. Anders war die Lage auf dem Sektor der Entwicklung und des Baus von wissenschaftlich-technischen Geräten. Sofern sie durch Verträge mit Herstellern und Betrieben außerhalb des Sports vereinbart wurde, erfolgte die Finanzierung durch den Auftraggeber aus dem Sport bzw. der Sportwissenschaft.

    Zur Planung der Leistungssportforschung

    Die Planung der Forschungsaufgaben und -themen vollzog sich allgemein in drei Schritten: die Auswahl, die Beratung und die Bestätigung der Themen. Der Forschungsordnung nach bestand eine der wichtigsten Aufgaben des Auftraggebers in der Bestimmung der Richtungen der Forschung, während der Auftragnehmer für die Ausarbeitung dieser Richtungen in Form von Forschungskonzeptionen verantwortlich zeichnete. Damit verbanden sich zum Teil überhöhte Erwartungen an das wissenschaftlich-theoretische Leistungsvermögen des Auftraggebers. Die Erfahrung zeigte, dass die von Beginn an gemeinsame Erarbeitung der Richtungen, Ziele und Aufgaben der effektivste Weg war, neue Forschungsthemen von hoher Praxisrelevanz und hohem wissenschaftlich-theoretischen Anspruch zu bestimmen. Die Sportpraxis vermittelte dafür immer wieder wichtige Impulse, wie sich am Beispiel der Olympischen Spiele 1964 in Tokio und 1968 in Mexiko-City zeigte. Über Jahre rückte die Forschung zur psychophysischen Anpassung und zur Trainings- und Wettkampfgestaltung unter den Bedingungen extremer Zeitverschiebungen und des Aufenthalts unter Höhenbedingungen in das Zentrum wissenschaftlicher Arbeit. Die mit den deutsch-deutschen Ausscheídungswettkämpfen vor den Olympischen Spielen und weiteren internationalen Wettkampfhöhepunkten verbundenen Probleme führten praktisch zu der Folgerung, die zwischen diesen Wettkämpfen liegende Trainingsphase näher zu untersuchen und sie als eine eigene Phase der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung zu gestalten. Ebenso entstanden aus der Entwicklung neuer Wissenschaftsdisziplinen, wie beispielsweise der Kybernetik, wichtige Anstöße für sportartspezifische und übergreifende Untersuchungen zur Steuerung und Regelung des Trainings und der Leistungsentwicklung. In den Grundsatzbeschlüssen der Leistungssportkommission und anderen strategischen Materialien zusammengefasst, bildeten diese praktischen Probleme eine wichtige Grundlage für die Ableitung von konkreten Forschungsaufgaben, Forschungskonzeptionen und Leistungsvereinbarungen. Hinzu kamen viele weitere spezifische Fragestellungen aus den Sportarten wie auch aus den verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen selbst.

    Eine überaus wichtige Rolle spielte die Beratung der geplanten Forschungsthemen in Fachgremien inner- und außerhalb der sportwissenschaftlichen Einrichtungen. Vor allem die am FKS und an der DHfK bestehenden Wissenschaftlichen Räte und Beiräte übernahmen die Aufgabe der Beratung von Forschungsprojekten wie auch der Verteidigung von Forschungsergebnissen. In diesen Gremien wirkten hochqualifizierte Fachkräfte, die besonders die theoretisch-methodische Anlage, den interdisziplinären Ansatz und die gewählten Forschungsmethoden zu beurteilten vermochten. Sie kamen hauptsächlich aus den beiden Einrichtungen selbst, aber auch außerhalb tätige, ausgewählte Wissenschaftler gehörten ihnen an. Als fachlich-inhaltliches Leitzentrum trug das Forschungsinstitut nicht nur die Verantwortung für die eigenen Themen, sondern zunehmend auch für die inhaltliche Betreuung aller Forschungsprojekte. Als „zentrales Organ“ des FKS als Leitzentrum wirkte das Präsidium des Wissenschaftlichen Rates (18). Es befasste sich vorwiegend mit „übergreifenden, komplexen und strategischen Fragen der Leistungssportforschung“. Bei den vier Fakultäten (Trainingsmethodik, Gesellschaftswissenschaften, Sportmedizin und Biowissenschaften sowie Natur- und technische Wissenschaften) bestanden Fachkommissionen, die für die fachlich-inhaltliche Beratung in den einzelnen Wissenschaftsdisziplinen zuständig waren. Der Arbeitsgegenstand der Wissenschaftlichen Beiräte der Sportartengruppen, vier am FKS, die Sportspielarten an der DHfK, bestand im Wesentlichen in der Beratung von sportartspezifischen Themen sowie in der wissenschaftlichen Vertiefung der Theorie und Methodik der Sportartengruppen. Neben diesen Gremien innerhalb der beiden großen Wissenschaftseinrichtungen bestanden auch weitere Möglichkeiten der Beratung und Verteidigung von Forschungsthemen und –ergebnissen in den Arbeitskreisen der Sportartengruppen, in den Trainerräten oder Wissenschaftskommissionen der Sportverbände des DTSB. Hierbei handelte es sich zumeist um ausgewählte Projekte der sportartspezifischen Forschung. Insgesamt gesehen, bestand also zwischen der Auswahl der Themen und ihrer Bestätigung eine sehr wirkungsvolle Ebene von wissenschaftlichen Beratungsorganen zu übergreifenden und sportartspezifischen Forschungsvorhaben. Durch diese aufwendige, aber inhaltlich unverzichtbare Arbeit gestützt, erarbeiteten die Forschungsgruppen ihre Forschungskonzeptionen für den entsprechenden Olympiazyklus. Vom FKS als Forschungs- und Themenplan zusammengefasst, bestätigte die Arbeitsgruppe Wissenschaft diese Konzeptionen. Unter der Verantwortung der Arbeitsgruppe entstand auf dieser Grundlage für den Zeitraum eines Olympiazyklus ein Material über die Grundrichtungen der Forschung und Entwicklung, das als Vorlage der Leistungssportkommission zur Bestätigung unterbreitet wurde.

    Die inhaltliche Bewertung der erzielten Ergebnisse erfolgte nach zwei Jahren als Zwischeneinschätzung und als Abschlusseinschätzung am Ende eines Olympiazyklus. Die zwischen Auftragnehmer und Auftraggeber abgeschlossenen Leistungsverträge hatten in der Regel eine Laufzeit von einem Jahr. Sie enthielten für diesen Zeitraum die konkreten, terminlich fixierten Leistungen beider Partner. Ihre jährliche Abrechnung trug vorrangig einen leitungspolitischen Charakter.

    Zur Verantwortung der zentralen Leitungen auf dem Gebiet der Leistungssport-forschung

    Als zentrale Leitungsorgane, die auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Arbeit im Leistungssport eine Verantwortung wahrzunehmen hatten, wirkten in der DDR das Staatssekretariat für Körperkultur und Sport, der Bundesvorstand des DTSB sowie die Leistungssportkommission der DDR und ihre Arbeitsgruppe Wissenschaft. Die Grundlage ihrer Arbeit bildeten die von der Leistungssportkommission vorbereiteten und von der Partei- und Staatsführung der DDR bestätigten Leistungssportbeschlüsse. Die Beschlüsse zur Forschung im Leistungssport bauten auf diesen Dokumenten auf. In der „Grundlinie für Forschung im Leistungssport 1984 – 1988“ (17) wurden die Hauptaufgaben der zentralen Leitungen des Sports bei der Planung, Leitung und Organisation der Forschung folgendermaßen zusammengefasst:


     

    "Die Hauptaufgabe in der Leitungstätigkeit besteht darin, eine spürbare Erhöhung der Effektivität der Forschungsprozesse sowie eine weiterentwickelte Qualität der Verflechtungsbeziehungen zwischen den Forschungskollektiven und den Praxispartnern des DTSB der DDR zu erreichen. Das Prinzip der Konzentration in der Leistungssportforschung ist sowohl durch die Auftraggeber als auch durch die Auftragnehmer mit größerer Konsequenz durchzusetzen.

    Die Leitungstätigkeit konzentriert sich auf folgende Schwerpunkte:

    DasStaatssekretariat für Körperkultur und Sport (STKS) sichert in seiner Verantwortung als staatliches forschungsleitendes Organ:

  • schwerpunktmäßige Anleitung und Kontrolle der Wissenschaftseinrichtungen sowie der Forschungsgruppen außerhalb des Verantwortungsbereiches des STKS zur Durchsetzung der Beschlüsse für die Leistungssportforschung;

  • in enger Zusammenarbeit mit dem DTSB der DDR und den Wissenschaftseinrichtungen einen höheren Grad der Konzentration beim Einsatz der Forschungskapazitäten;

  • die materiellen und finanziellen Bedingungen zur Realisierung der Forschungsaufgaben an den Wissenschaftseinrichtungen. Dabei ist die Effektivität beim Einsatz der bereitgestellten Fonds weiter zu erhöhen;

  • in enger Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Wissenschaft und Technik, dem Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen und den ihnen unterstellten Akademien, Universitäten und Hochschulen die straffe Leitung und Koordinierung der Themen des Staatsplanes sowie die weitere Erschließung von Forschungskooperationen für die Leistungssportforschung."


     

    Die genannten Aufgaben lassen erkennen, dass sich die Verantwortung des Staatssekretariats besonders auf die leitungspolitische Anleitung und Kontrolle der unterstellten Einrichtungen, auf die Sicherung der materiellen und finanziellen Voraussetzungen und auf die Gewinnung neuer Forschungskapazitäten außerhalb des Sports konzentrierte. Die inhaltliche Ausrichtung und Steuerung der Forschung selbst vollzog sich in stärkerem Maße über das FKS als fachlich-inhaltliches Leitzentrum, über den DTSB als Hauptauftraggeber und über die Arbeitsgruppe Wissenschaft der Leistungssportkommission. Innerhalb des Staatssekretariats wurden die oben formulierten Aufgaben vorrangig durch den Stellvertreterbereich Wissenschaft und der Abteilung Forschung wahrgenommen.

    “DerBundesvorstand des DTSB der DDR nimmt seine Verantwortung als Hauptauftraggeber für die Leistungssportforschung wahr, vor allem durch:

  • Vorgabe der Forschungsrichtungen, die Auftragserteilung und die Sicherung der Bedingungen für die Realisierung der Forschungsaufgaben im Verantwortungsbereich des DTSB der DDR sowie Einflussnahme auf eine stärkere Konzentration bei der Bearbeitung der inhaltlichen Aufgaben, insbesondere über die Forschungskonzeptionen und die Leistungsverträge;
  • Weiterführung des bewährten Vorgehens der Diskussion von Forschungskonzeptionen sowie Verteidigung und Wertung von Forschungsergebnissen in den Arbeitskreisen und in den Trainerräten der Sportverbände;
  • Schöpferischen Einbeziehung von Trainern und Funktionären in die Lösung von Forschungsaufgaben;
  • Erhöhung der Verantwortung der Leitungen der Sportverbände bei der konsequenten zeitlich gebundenen Überleitung wissenschaftlicher Erkenntnisse und deren effektive Nutzung;
  • Ein enges Zusammenwirken der WZ der Sportverbände mit den Forschungspartnern. Die WZ erhöhen ihre Verantwortung bei der Führung des Umsetzungsprozesses von wissenschaftlichen Ergebnissen in die Praxis.”
  •  

    Innerhalb des DTSB waren diese Aufgaben vorrangig durch den Bereich Wissenschaft und Trainingswesen, durch die Abteilungen Wissenschaft, Trainingsmethodik und Nachwuchsleistungssport und natürlich durch die Leitungen der Sportverbände zu erfüllen.

     

    Neben dem Ausbau der komplexen Verantwortung der Leitungen der Sportverbände für die Wissenschaftsarbeit in den Sportarten, erwies sich die Einbindung der Trainer in die sportspezifische Forschung immer mehr als ein Faktor von strategischer Bedeutung. Wir sahen darin einen wichtigen Vorzug des Sports in der DDR. In den für die Olympiazyklen bis 2000 erarbeiteten Plänen wurde diese zu verstärkende Integration der Trainer in die Forschungsarbeit als eine der wichtigsten Aufgaben gekennzeichnet.

    Über die hier dargestellte arbeitsteilige Aufgabenstellung von Staatssekretariat und DTSB hinaus, trug die Leistungssportkommission der DDR(LSK) eine übergreifende Verantwortung für den Leistungssport und die Leistungssportforschung insgesamt. Sie hatte, wie es in den Arbeitsrichtlinien für die Kommission hieß, „die straffe und komplexe Leitung des Leistungssports in der DDR in den Fragen der Prognostik, der Perspektivplanung, der wissenschaftlichen Forschung und Anwendung der wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Praxis, der Ausbildung der Leistungssportler und des Nachwuchses im Hinblick auf die Olympischen Spiele, Welt- und Europameisterschaften sowie auf andere bedeutende internationale Wettkämpfe“ zu gewährleisten.(19). Die Grundlage der Beschlüsse des Politbüros und des Sekretariats des Zentralkomitees der SED zum Leistungssport sowie der darauf beruhenden Beschlüsse bzw. Festlegungen des Bundesvorstandes des DTSB, des Staatssekretärs für Körperkultur und Sport sowie der Minister für Volksbildung und für das Hoch- und Fachschulwesen hatte die LSK das Recht zu allen Fragen des Leistungssports in der DDR Entscheidungen zu treffen, die von den Mitgliedern der Kommission in ihrem Verantwortungsbereich durchzuführen waren. Das vermittelte der Kommission eine hohe Autorität und gab ihr weitreichende Vollmachten, die ein zielgerichtetes, weitgehend einheitliches und effizientes Vorgehen aller im Leistungssport beteiligten Einrichtungen und Kräfte ermöglichten. Was die wissenschaftliche Arbeit im Leistungssport anbetraf, so enthielt die Richtlinie unter anderen die folgende Aufgaben, die es durch die Leistungssportkommission zu beschließen und zu gewährleisten galt:

  • „Die Prognose des Leistungssports der DDR …“
  • „Das Programm der Leistungssportforschung zur Sicherung des wissenschaftlichen Vorlaufs in den einzelnen Sportarten, einschließlich der Verteilung der Kräfte und Mittel“
  • „Die Durchsetzung des wissenschaftlich-methodischen Fortschritts durch die komplexe Ausarbeitung und Verallgemeinerung der fortschrittlichsten Erkenntnisse und Erfahrungen“
  • „Die Sicherung der konsequenten Anwendung der neuesten Erkenntnisse im Trainings- und Wettkampfprozess der verschiedenen Sportarten“
  • „Die weitere Verbesserung der wissenschaftlichen Führungs- und Leitungstätigkeit im gesamten Bereich des Leistungssports …“ (19).

 

    Zur Lösung dieser grundsätzlichen Aufgaben bestand bei der Leistungssportkommission die Arbeitsgruppe Wissenschaft. Als Beratungs- und Arbeitsorgan der LSK hatte diese Gruppe einen relativ breiten Kreis von inhaltlichen und wissenschaftsorganisatorischen Aufgaben wahrzunehmen. Sie war dazu von der LSK mit einem relativ hohen Maß an Selbstständigkeit ausgestattet. Aus Gründen der Vollständigkeit und der Authentizität zitieren wir auch hier die Aufgaben nach der vom Vorsitzenden der LSK bestätigten „Ordnung über Stellung, Aufgaben und Arbeitsweise der Arbeitsgruppe Wissenschaft der Leistungssportkommission der DDR“ (20).

 

 „Die AG ist verantwortlich für

  1. die Erarbeitung und Durchsetzung der Hauptrichtungen und der Pläne der Forschung und Entwicklung im Leistungssport
  2. den effektiven Einsatz der zur Verfügung stehenden Forschungs- und Entwicklungskapazitäten.

Die AG bestätigt

  1. die Grobkonzeptionen der Forschungs- und Entwicklungsvorhaben des Leistungssports
  2. die Konzeptionen zur langfristigen Entwicklung der an der Leistungssportforschung beteiligten Wissenschaftsdisziplinen sowie der Anwendung der Datenverarbeitung und der Technik im Leistungssport

Die AG begutachtet

  1. die Importpläne des Leistungssports für wissenschaftliche und technische Geräte
  2. Studienpläne und ausgewählte Programme zur Aus- und Weiterbildung von hauptamtlichen Kadern des Leistungssports einschließlich sportwissenschaftlicher und sportmedizinischer Kader.

Die AG unterstützt

  1. den Aufbau neuer und die Weiterentwicklung der vorhandenen Forschungs- und Entwicklungskapazitäten
  2. die Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen des Leistungssports bei der Realisierung der Forschungs- und Entwicklungsaufgaben durch operative’
    Kontrollen, Analysen und Entgegennahme von Abschlussberichten
  3. die Entwicklung der sozialistischen Gemeinschaftsarbeit von sportwissenschaftlichen Einrichtungen und Praxispartnern.“

  4.  

    Die Leitung der Arbeitsgruppe hatte der für Wissenschaft zuständige Stellvertreter des Staatssekretärs für Körperkultur und Sport, weitere Mitglieder waren der zuständige Vizepräsident des DTSB-Bundesvorstandes und der Direktor des FKS als Stellvertreter sowie der Rektor und der für Wissenschaftsentwicklung verantwortliche Prorektor der DHfK, die Direktoren des SMD, des Zentralinstituts Kreischa, der FES, der 1. Stellvertreter des Direktors des Forschungsinstitutes sowie die Leiter der Fachabteilungen im Staatsekretariat und im DTSB. Auch für die Arbeitsgruppe galt, dass die Verbindlichkeit der Festlegungen durch Weisungen der Mitglieder der AG gesichert wurde. In der Regel kam die AG vier- bis fünfmal im Jahr zu ihren Tagungen zusammen. Ergänzend dazu führte der Vorsitzende, unterstützt von einzelnen Mitgliedern der AG, jährlich eine Reihe von

    Rapporten in den verschiedenen Wissenschaftseinrichtungen durch. Zudem konnte sich die Arbeitsgruppe bei der Lösung ihrer Aufgaben auf die Mitarbeit des FKS und der zuständigen Fachabteilungen des Staatssekretariats und des DTSB stützen und zu fachspezifischen Problemen Fachkommissionen bilden. Das alles sicherte maßgeblich das Entscheidungs- und Durchsetzungsvermögen der Arbeitsgruppe.


 

    Prognostische Arbeiten für den Zeitraum bis zum Jahr 2000

     

    Einer der leitungspolitischen Schwerpunkte der Leistungssportkommission und ihrer Arbeitsgruppe Wissenschaft bestand in ihrer Verantwortung für die prognostische Arbeit. Gestützt auf die Auffassung von einem planmäßigen Aufbau der sozialistischen Wirtschaft und der Gesellschaft insgesamt, bedurfte auch die Entwicklung des Sports, des Leistungssports und der Sportwissenschaft einer langfristigen, vorausschauenden Planung und Prognose. Es galt der Anspruch, die prognostische Arbeit zu einem wesentlichen und ständigen Bestandteil der Leitungstätigkeit zu machen. Bereits in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begann der Übergang von einer mehr oder minder kurzfristigen zur mittelfristigen Planung im Sport. Analog zu den Fünfjahresplänen in der Volkswirtschaft, bot sich für den Leistungssport eine Planung von Olympiazyklus zu Olympiazyklus an. Das führte in der DDR zu den bekannten Leistungssportbeschlüssen. Wissenschaftlich begründet, erwies sich die Leistungs- und Persönlichkeitsentwicklung von Sportlern der Spitzenklasse immer mehr als ein langfristiger Prozess, der zumeist über mehrere olympische Zyklen verlief. Die Berechenbarkeit sportlicher Leistungen und des Trainingsaufwandes, die Zusammenführung von Hochleistungs- und Nachwuchsleistungssport sowie das Erkunden von Gesetzmäßigkeiten der Leistungssteigerung durch die Wissenschaft ermöglichten zunehmend Vorarbeiten prognostischer Art. Die im März 1969 vorgelegte „Grundlinie der Entwicklung des Leistungssports in der DDR bis 1980“ war das erste Dokument im Sport, das den Charakter einer prognostischen Vorausschau trug. Aufbauend auf einigen ausgewählten Leistungsprognosen in der Leichtathletik, im Sportschwimmen und im Gewichtheben für das Jahr 1980, markierte die Grundlinie die Hauptrichtungen der weiteren Entwicklung unseres Leistungssportsystems über den Zeitraum von 12 Jahren. Der Kreis der behandelten Fragen reichte von der Verbreiterung der Basis des Nachwuchssportes über den Ausbau des Förder-, Trainings- und Sichtungssystems bis hin zur höheren Wirksamkeit von Wissenschaft, Technik und Leitungstätigkeit. In Kontext mit den Beschlüssen zu den einzelnen Olympiazyklen erfolgte auf der Basis dieses prognostischen Dokumentes der weitere erfolgreiche Aufbau des Leistungssportsystems in der DDR. Auf einen anderen wichtigen Aspekt des Beschlusses von 1969 sei noch hingewiesen: Er war von außerordentlichem Wert für die ideologische und fachlich-inhaltliche Motivierung der Sportler, der Übungsleiter und Trainer, der Wissenschaftler, Sportmediziner und Leiter und stärkte ihre individuelle und kollektive Leistungsbereitschaft im Kampf um künftige Weltspitzenleistungen.

    Diesem Beschluss folgten in den 80er Jahren weitere prognostisch ausgerichtete Materialien. Neben der „Grundlinie für die perspektivische Entwicklung des Leistungssports der DDR bis zum Jahre 2000“ (21) sei hier besonders auf die „Konzeption einer weiterentwickelten Forschungsstrategie im Leistungssport“ (22) hingewiesen.

     

    Diese „Forschungsstrategie 2000“ entstand im Auftrage der LSK bereits 1987, vorbereitet von einer gemeinsamen Arbeitsgruppe des FKS, der DHfK und des SMD. Beide Materialien wurden weitgehend parallel erarbeitet und sicherten so die Übereinstimmung von Leistungssportstrategie und Forschungsstrategie. Damit verfügte der Leistungssport in der DDR über ein Gesamtkonzept für den Zeitraum bis zum Jahre 2000. Die in diesen Dokumenten formulierten Denkanstöße, Thesen und Grundrichtungen einer langfristig ausgerichteten sportpraktischen und sportwissenschaftlichen Arbeit sind auch heute noch von Interesse und Bedeutung. Sie widerspiegeln beispielhaft die produktive Kraft einer vorrangig an der Praxis orientierten komplexen Sportwissenschaft wie sie in der DDR bestand.

 


* - Für ihre wertvollen Hinweise zu diesem ersten Abschnitt des Artikels bedanke ich mich bei Prof. Dr. Lehmann, Prof. Dr. Ingomar Klein sowie Prof. Dr. Fred Gras. Mein Dank für das mir zur Veröffentlichung überlassene Bildmaterial gilt besonders Prof. Dr. Alfons Lehnert sowie Jörg Weißig, Prof. Dr. Gerhard Lehmann, Prof. Dr. Günther Wonneberger, Prof. Dr. Jochen Lenz und Dr. Norbert Rogalski. Zugleich möchte ich mich bei Diplomingenieur Kay Kagelmann, der seit Jahren meine Homepage betreut und technisch gestaltet, herzlich bedanken.

 

** - An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass es parallel zu den Forschungs- und Entwicklungsplänen im Leistungssport und zur Entwicklung von Sportgeräten und Sportbauten eine „Grundlinie für Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet Körperkultur und Sport“ gab. In ihr waren neben dem Staatssekretariat für Körperkultur und Sport und dem DTSB, die Akademie der Pädagogischen Wissenschaften und das Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen als wichtige Auftraggeber der Forschung vertreten. Für die Jahre 1986 – 1990 enthielt diese Grundlinie zum Beispiel insgesamt 39 Forschungsprojekte zum Vorschul- und Schulsport, zum Studentensport, Massensport, zur Geschichte der Körperkultur sowie zu anderen Wissenschaftsfeldern des Sports. Der Themenplan für den Leistungssport wies für den Zeitraum 1980 – 84 57 Forschungsthemen aus.

 

*** Ergänzend fügen wir hier eine von A. Lehnert 1989 vorgenommene Definition des Gegenstandes der Trainingswissenschaft an :“Gegenstand der Theorie und Methodik des Trainings sind die theoretischen Grundlagen – die Gesetzmäßigkeiten – der sportlichen Leistung und die Methodik der Ausbildung der sportlichen Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft im Prozeß des Trainings sowie der Leistungsvollzug im sportlichem Wettkampf.“ Lehnert A.: Zwischenbilanz zur Diskussion zum Gegenstand zur Theorie und Methodik des Trainings. In: Theorie und Praxis der Körperkultur. 1989, Heft 4, s. 251.

 

****- Die Bezeichnung des Staatsplanthemas 14.25 bezog sich dabei ausschließlich auf die Forschung des FKS in Zusammenarbeit mit anderen staatlichen Wissenschaftseinrichtungen und Volkseigenen Betrieben außerhalb des Sports und nicht, wie z. B. bei Wikipedia (4) ausgeführt, auf die Organisation und Anwendung von Dopingmitteln in der Sportpraxis selbst.

 

***** - Nach Angaben der im Staatssekretariat zuständigen Abteilung waren im Herbst 1989 1069 Mitarbeiter, davon ca. 600 wissenschaftliche Mitarbeiter, an der DHfK tätig. Der für 1989 bestätigte Lohnfonds betrug 16, 6 Millionen Mark der DDR. Entsprechend dem Haushaltplan standen für die geplanten Ausgaben ohne Investitionen insgesamt 38,7 Millionen Mark zur Verfügung. Siehe: Schumann, K. (Hrsg.): DHfK – Leipzig 1950 – 1990. DSV – Deutscher Sportverlag Köln, 2003, S. 118

 

****** - Weisung des Staatssekretärs 1/81 zur Arbeit auf dem Gebiet der Erfinder- und Schutzrechtstätigkeit im Verantwortungsbereich des Staatssekretariats für Körperkultur und Sport


 

Literatur/Quellen:

1. Wonneberger, G.: Gedanken zur Sportwissenschaft und ihrer Geschichte. In: Schriftenreihe Sport. Leistung. Persönlichkeit. Heft 1. S. 13

2. Sieger, W.: Die Theorie der Körperkultur als Wissenschaftsdisziplin. In: Theorie und Praxis der Körperkultur, 4 – 1988, S. 277

3. Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Soziologie, Dietz Verlag, Berlin , S. 516.

4. Erbach, G.: In: Kleine Enzyklopädie Körperkultur und Sport. VEB Bibliographisches Institut Leipzig 1979, S. 74

5. Kunath, H.: Reflexionen über die wissenschaftstheoretische Arbeit. In: Schriftenreihe Sport. Leistung. Persönlichkeit. Heft 1. S. 43-51

6. Berger, H./Wolf, H. F. (Hrsg.): Handbuch der soziologischen Forschung. Berlin 1989, S. 16

7. Rohrberg, K.: Zu Problemen der Sportwissenschaft aus der Sicht eines Sportsoziologen. In: Beiträge zur Sportgeschichte, Heft 19/2009, S. 5-21

8. Schnürpel, H.: Die Zusammenarbeit der DHfK mit dem DTSB der DDR. In: Lehmann, Kalb, Rogalski, Schröter, Wonneberger (Hrsg.): Deutsche Hochschule für Körperkultur Leipzig 1950 – 1990. S. 67-75)

9. Schröter, B.: Befähigung der Studenten zur selbstständigen wissenschaftlichen Arbeit. In: Deutsche Hochschule für Körperkultur und Sport Leipzig 1950 – 1990. Meyer & Meyer Verlag, Aachen 2007, S. 264

10. Verfassung der DDR, Artikel 25

11. Rogalski, N.: Die Ausbildung von Trainern. In: : Deutsche Hochschule für Körperkultur Leipzig 1950- 1990. Meyer & Meyer Verlag, Aachen, 2007, S. 115

12. Lehnert, A.: Erfahrungen bei der Organisation und Leitung interdisziplinärer Forschungsprojekte im Sport. In.: Schriftenreihe Sport. Leistung. Persönlichkeit. Heft 3, S. 95

13. Digel, H.: Wohin soll die Sportwissenschaft gehen? In: Sportwissenschaft, 32/ 2002, S. 3-15

14. Die weitere Entwicklung des Leistungssports bis zu den Olympischen Spielen 1972. Leistungssportbeschluss vom 8.4.1969, BArch. SAPMO, DY 30/1223

15. Staatssekretariat für Körperkultur und Sport, Abteilung Forschung: Entwurf: Ordnung für Forschung und Entwicklung – Forschungsordnung – vom 21.4.1988. BArch. DR 5/1749, S.. 5-6

16. Themenplan zur Grundlinie für Forschung und Entwicklung im Leistungssport 1980 – 1984. Vorlage an die Leistungssportkommission vom 10.10.1980, BArch. DR 5/1750, S. 42 - 50

17. Grundlinie für Forschung im Leistungssport 1984 – 1988. Vorlage für die LSK der DDR vom 16.5.1984, BArch. DR 5/1476, S.: 25 – 27

18. Beschlussvorlage des FKS an den Staatssekretär für Körperkultur und Sport vom 1.9.1981: Zu Funktion, Aufgaben und Arbeitsweise des FKS und seines Wissenschaftlichen Rates in Wahrnehmung der Verantwortung als fachlich-inhaltliches Leitzentrum der Leistungssportforschung. BArch. DY 12/3334

19. Arbeitsrichtlinien für die Leistungskommission der DDR vom 8.11.1967. BArch. SAPMO IV A2/18/5, S. 1 - 4

20. Ordnung über Stellung, Aufgaben und Arbeitsweise der Arbeitsgruppe Wissenschaft der Leistungssportkommission der DDR vom 23.10.1974. BArch. DR 5/1442, S. 1 - 4.

21. Grundlinie für die perspektivische Entwicklung des Leistungssports der DDR bis zum Jahre 2000. BArch. SAPMO DY 30/2245

22. Konzeption einer weiterentwickelten Forschungsstrategie im Leistungssport (2000). Entwurf einer gemeinsamen Arbeitsgruppe von FKS/DHfK/SMD unter Leitung von Prof. Dr. Schuster vom 27.10.1987, BArch. DR 5/1349

23. Fornoff, P.: Anmerkungen zur Entwicklung der Sportwissenschaft in der Deutschen Demokratischen Republik. In: Schriftenreihe Sport. Leistung. Persönlichkeit. Heft 1, S. 37 - 42

 



 

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