Gesellschaft zur Rechtlichen und Humanitären Unterstützung e.V.
Der Vorstand

 

 

Sonderdruck
der Arbeitsgruppe Sport der GRH

 

 

 

Olympische Spiele in Peking –
Festtage für Völkerverständigung und Frieden

 

 

Für Mitglieder und Sympathisanten

Berlin, September 2008

 

 

 

 

Spiele der Superlative
Von Erhard Richter

Die XXIX. Olympischen Sommerspiele, in Peking ausgetragen, sind Geschichte. „Tolle Organisation, ein vorbildliches olympisches Dorf, großartige Wettkämpfe lobte IOC-Präsident Rogge. Eine faszinierende Eröffnungsveranstaltung begeisterte die Teilnehmer und Gäste im Stadion und an den Bildschirmen des Fernsehens. Sportler aus 204 Ländern wetteiferten um sportliche Lorbeeren, für ihre Heimat, für die Wahrung der olympischen Idee, für Völkerverständigung und Frieden. Dank allen Siegern, aber auch den Verlierern. Es waren Spiele der Superlative, vorbildliche Wettkampfstätten und eine perfekte Logistik.
ZDF und ARD, die beiden deutschen staatlich-rechtlichen Fernsehanstalten, reisten mit 500 (!) Journalisten und Technikern in Peking an.(Zahlen wir dafür die Rundfunkgebühr?) Darunter eine Reihe von Reportern und Redakteuren denen die olympischen Ideale schnuppe waren. Eine Sandra Maischberger, vom Sport keine Ahnung, disqualifizierte sich und ihre Brötchengeber auf das niedrigste Niveau. Ständig auf der Suche nach „Provokationen“ strapazierte sie den Fernsehzuschauer. Sicher eine gewollte Aktion der Chefredaktion der ARD. Die „Menschenrechtsexperten“ Beckmann und Kerner standen ihr dabei nicht nach. Überheblichkeit und Großmannssucht prägten dieses Auftreten. Wie recht hat doch die Ex-Schwimmweltrekordlerin Franziska van Almsick als sie u.a. sagte: „Woher nehmen wir eigentlich das Recht, selbstgerecht über ein anderes Land, eine andere Kultur zu urteilen?
Bereits vor den Spielen in Peking hatte sich die AG Sport, gemeinsam mit dem Freundeskreis der Sport-Senioren, gegen die Verleumdungskampagne der Medien und auch einiger Regierungen gewandt. Der langjährige Botschafter der DDR in der VR China, Rolf Berthold, schilderte anlässlich einer Veranstaltung die Hintergründe der antichinesischen Propaganda, die ja bereits mit der Vergabe der Spiele an Peking begann. Der Verein Sport und Gesellschaft e.V. bezog bei einer Vortragsveranstaltung mit dem Leiter der Kulturabteilung der Chinesischen Botschaft in Deutschland, Junxin Dong, eine eindeutige Haltung mit dem Inhalt: Olympia soll Olympia bleiben. Ende März 2001 war im außenpolitischen Ausschuß des Repräsentantenhauses der USA mit 27:8 Stimmen ein Antrag eingebracht worden, der sich mit der Wahl des Olympiaortes befasste. In einer „scharfen Erklärung“ wurde das IOC vor einer Vergabe der Spiele 2008 an Peking gewarnt. Damit begann die Propagandawelle. Chinas Außenminister, Sun Yuxi, nannte die Aktion einen Rückfall in den Kalten Krieg. In der Propaganda steigerte man sich in eine abscheuliche Hetze gegen die VR China. Verleumdungen, Fälschungen von Ereignissen standen auf der Tagesordnung. Die gezeigten Bilder von Unruhen im Tibet stammen zu einem Teil aus Nepal. Demonstranten, die den Fackellauf stören sollten, wurden von einem Ort zum anderen gekarrt. Mit einigen „Dissidenten“ wurden Honorarverträge abgeschlossen, damit man diese ständig vor die Kameras holten konnte.
In einem Sonderdruck der AG Sport vor den Spielen wurden Ziele und Inhalte der Hetze gegen die VR China entlarvt.

Das IOC ist stark an der Vermarktung der Spiele interessiert. Der amerikanische Fernsehsender NBC zahlte dem IOC 544 Millionen Dollar mit dem Ziel, die Schwimmwettbewerbe in die werbeträchtigen Zeiten zu legen. Das IOC kassierte und legte den Wettkampfplan nach den amerikanischen Wünschen fest. Durch Werbeeinschaltungen während der Schwimmwettbewerbe kassierte der Sender NBC runde 720 Millionen Dollar. Ein ertragreiches Geschäft! Eine Werbeeinschaltung pro halbe Minute bringt 450.000 bis 500.000 Dollar.
Das Abschneiden der deutschen Olympiamannschaft wird in den nachfolgenden Beiträgen ausführlich eingeschätzt. Hier nur soviel: Die sportlichen Ergebnisse blieben weit unter den gestellten Erwartungen. Für uns aber keine Überraschung.
Wenn in den Kernsportarten der Olympischen Spiele wie in der Leichtathletik (38. Platz in der Länderwertung) das Niveau von 1904 erreicht wurde, im Schwimmen, Turnen, aber auch im Rudern, Radsport, Boxen (hier Platz 25) und in den Ballsportarten totale Einbrüche zu melden waren, dann hatte es Ursachen, die im System des deutschen Sports liegen. Da hilft auch keine Entlassung von Bundestrainern. Die Leistungssportstrukturen, die wissenschaftliche Arbeit, die Trainingsinhalte, vor allem die Förderung von Anschlusskadern sind mehr als dürftig und primitiv. Das föderale Schulsystem und die Sportförderung tragen zur Misere entscheidend bei. In den Schulen gibt es kaum qualifizierte Sportlehrer. 32 Prozent der Kinder haben Übergewicht, das Schwimmen wird nicht gefördert. Es heißt ja wohl heutzutage „Bewegung im Wasser“ und nicht mehr „Schwimmen“. Wenn viele der Sechsjährigen so einfache Übungen wie „auf einem Bein stehen“ nicht beherrschen, wird es dünn mit dem Nachwuchs. Erinnert sei daran, dass in der DDR 70.000 Kinder in den Trainingszentren trainierten, 12.000 die Kinder- und Jugendsportschulen besuchten und 3.500 Aktive als A-und B-Kader den Sportclubs angehörten.
Mit den Beiträgen von Prof. Dr. Horst Röder, Helmut Horatschke und Dr. Klaus Huhn legt die Arbeitsgruppe Sport der GRH eine umfassende Analyse der Spiele in Peking vor.

 

Olympische Spiele Peking 2008 -
eine Nachbetrachtung aus anderer Sicht

Von Prof. Dr. Horst Röder

Bei der Festlegung des Themas schien mir der Satzteil „eine Nachbetrachtung aus anderer Sicht“ wichtig. Was ist damit gemeint? Leider war ich nicht in Peking hautnah bei den Spielen dabei. Es ist also die Sicht eines „Daheimgebliebenen“, der die Olympischen Spiele in Peking am Fernseher und durch Presseveröffentlichungen erlebt hat und dem bewusst ist, dass ihm dadurch wichtige Eindrücke, Emotionen und Details, die oft Urteile über Wesentliches mitbestimmen, fehlen. „Andere Sicht“ soll vor allem auf Kenntnisse, Erfahrungen und Maßstäbe hinweisen, die ich in drei Jahrzehnten im Sport der DDR und bei 13 Olympischen Spielen sammeln konnte. Vor den Olympischen Spielen 1956 kämpfte ich als Sportler bei den damals üblichen Ausscheidungswettbewerben zwischen den Sportlern beider deutschen Staaten um einen Platz in der Olympiamannschaft. Mehrere Jahre als Zehnkämpfer in der Leichtathletik aktiv, vermag ich mich in die Sichtweise eines Leistungssportlers hinein zu versetzen. Bei den Spielen von 1960 bis 1972 war ich als Mitglied bzw. als Leiter in den Wissenschaftler- und Beobachterdelegationen tätig. Neben der wissenschaftlich-technischen Unterstützung der DDR-Athleten sammelten wir damals akribisch Daten zum Entwicklungsstand und zu Entwicklungstendenzen des Leistungssports in der Welt, die uns beim Aufbau eines eigenen Sportsystems hilfreich waren. Bei den Spielen 1976, 1980 sowie bei den Sommerspielen 1988 leitete ich als Chef de Mission die Olympiamannschaft der DDR. Stolz erfüllt mich auch heute noch, wenn ich an die erfolgreichen Sportler und an unsere Mannschaft in Seoul denke, die in der Gesamtwertung den zweiten Rang vor dem Team der USA mit 102 Medaillen, davon 37 Goldmedaillen, errang. Das alles prägte meine Sicht auf den Sport und auf die Olympischen Spiele von heute. Auch mit dem Abstand von 20 Jahren ist und bleibt sie optimistisch was die Ausstrahlung spannungsvoller Wettkämpfe und deren Werbung für eigenes sportliches Tun anbelangt, aber auch kritisch und in mancher Weise distanziert gegenüber den Problemen, Gefahren und Fehlentwicklungen der Olympischen Bewegung und der Olympischen Spiele von heute.
Den chinesischen Sport lernte ich anlässlich einer Studiendelegation 1985 in Peking und Shanghai näher kennen. Die breite staatliche Unterstützung des Sports, das gewaltige Potential an Talenten, die Masse der ausgebildeten Sportlehrer, Trainer und Organisatoren wie auch die wissenschaftliche Forschung auf dem Gebiete des Sports beeindruckten uns. Wir schätzten ein, dass Chinas Sport in etwa drei bis vier Olympiaden in die Spitzengruppe der stärksten Sportländer aufsteigen würde und waren davon überzeugt, dass China jederzeit große internationale Sportveranstaltungen und auch Olympische Spiele ausrichten könne. Wenn auch einige Jahre später als damals angenommen, China ist heute, nach der überaus erfolgreichen Durchführung der XXIX. Spiele in Peking, nicht nur geopolitisch und wirtschaftlich, sondern auch im Sport eine reale Großmacht!

Eine kurze Gesamtwertung der Pekinger Spiele aus meiner Sicht
Getragen durch die Beteiligung und die Leistungen von Sportlern aus 204 Ländern sowie durch die breite Unterstützung durch die Bevölkerung und den chinesischen Staat wurden die XXIX. Olympischen Spiele in Peking zu einem großartigen und „außergewöhnlichen“ Ereignis des Weltsports. Sie waren eine eindrucksvolle Demonstration für die Ideale Olympias – Völkerfreundschaft, Toleranz und Frieden – und eine wirkungsstarke Werbung für den Sport in der Welt und in China selbst. Besonders für die Jugend in allen Ländern waren sie ein nachhaltiger Anstoß selbst Sport zu treiben und ihre Leistungsfähigkeit zu stärken.
In allen Belangen perfekt organisiert, boten die Spiele in Peking den über 11.000 Athleten bestmögliche Voraussetzungen für ihre Wettbewerbe in 302 Disziplinen.
Es wurden – ähnlich wie zu den Olympischen Spielen zuvor – vielfach große Wettkämpfe mit großen Emotionen. Wir genossen die Spannung, die Überraschung und den erwarteten oder unerwarteten Ausgang der Wettkämpfe. Wir erlebten die Euphorie der Sieger wie die Tränen der Unterlegenen. Uns bewegte die persönliche Geschichte und das Schicksal manches Sportlers. In der Mehrzahl der Sportarten fanden die Wettkämpfe vor einer großen, begeisterten Zuschauerkulisse statt, wie zum Beispiel in der Leichtathletik mit täglich über 90 Tausend Besuchern, oder im Schwimmen, Wasserspringen, Tischtennis, Basketball und anderen Sportarten mit durch Besucher vollbesetzten Tribünen. Etwas enttäuschend war die geringe Zuschauerbeteiligung bei einigen anderen Wettbewerben. Man erklärte das mit den von den Sponsoren reichlich bestellten, aber leider nicht genutzten Eintrittskarten. Von chinesischer Seite war auch zu hören, dass das zum Teil wechselhafte regnerische Wetter mit daran schuld gewesen sei.
Auf höchstem künstlerischem, choreografischem und organisatorischem Niveau standen die Eröffnungsveranstaltung und das Abschiedsfest der Olympischen Spiele. Sie gestalteten einen weitgespannten, farbenfrohen Bilderbogen zur Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Ausrichterlandes bzw. zur Übergabe der olympischen Fahne von Peking an London, der Ausrichterstadt der nächsten Olympischen Spiele. Spektakulär die Entzündung des olympischen Feuers nach einer „atemberaubenden Flugrunde“ des dreimaligen Turn-Olympiasiegers Li Nin. Mich beeindruckte einmal mehr, welche Wirkung und Ausstrahlung sich durch Bewegung, Gymnastik, Tanz, Artistik, verbunden mit Musik, modernster Technik und hervorragender Choreographie erzielen lässt. Man fragt sich: „Ist das noch zu übertreffen?“
Großes Lob verdienen natürlich auch die Olympischen Wettkampfstätten. Das Pekinger „Vogelnest“, die farbenprächtige Schwimmhalle, das Nationale Hallenstadion und andere der zwölf neu entstandenen Sportstätten wurden von Sportlern und Fachleuten in ihrer Funktion und Architektur als das zur Zeit Beste und Modernste gelobt. Die Kosten für die Neubauten sollen bei über zwei Milliarden Euro gelegen haben.
Bei aller Würdigung der Sportler, der Wettkämpfe, der Veranstaltungen und der Sportstätten – eines hat mich besonders berührt. Das war die herzliche Anteilnahme der Pekinger bzw. der chinesischen Bevölkerung an den Olympischen Spielen. Diese natürliche Freude und Begeisterung der Menschen, sie war auch per Fernsehen zu spüren und zu erleben. Olympia hatte in Peking mit seinen fast 17 Millionen Einwohnern sowie in weiten Teilen der Bevölkerung des Landes eine Welle der Begeisterung ausgelöst. Diese ansteckende Begeisterung sprang auf den sportinteressierten, unvoreingenommenen Fernsehzuschauer über und zwar ungeachtet aller peinlichen und beschämenden Versuche von manchen deutschen Kommentatoren, China, Peking und die dortigen Spiele wo es nur ging „mies“ zu machen. Die Kraft der Bilder, der Gesichter, der Worte, der Freude und des Stolzes waren stärker. Und noch mehr: Die durch die Reporter befragten deutschen Athleten bestätigten den eigenen positiven Eindruck. Sie lobten die Gast- und Hilfsbereitschaft der Chinesen, die gute Atmosphäre der Spiele, die Sportstätten und nicht zuletzt auch das großzügige Olympische Dorf, das für sie in der Gemeinschaft mit vielen Sportlern aus anderen Ländern für einige Wochen zur Heimstatt geworden war. Hoffentlich ist diese Lektion bei den entsprechenden Vertretern der Medien, und ganz besonders bei den extra nach Peking entsandten „politischen Journalisten“ auch angekommen. Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die aus Peking berichtenden Medienvertreter einem nicht unerheblichen politischen Druck ausgesetzt waren, die Olympischen Spiele in zum Teil absurder Weise als „seelenlose Spiele“ oder als „chinesischen Olympiazirkus“, der ausschließlich der Selbstdarstellung diene, abzuwerten, anstatt sie, so wie sie waren, so einmalig, so perfekt und so gastfreundlich und so asiatisch, zu akzeptieren.
Natürlich wurden die Spiele in Peking durch den Staat und die Kommunistische Partei auch zur Selbstdarstellung genutzt. Das ist ihr Recht, denn noch jedes gastgebende Land hat dieses weltweit wirkende Fest im Zeichen der fünf Ringe auch zur politischen, wirtschaftlichen und kulturell-sportlichen Eigendarstellung genutzt. Zum Beispiel auch George Bush, der die Winterspiele 2002 in Salt Lake City bewusst für den Feldzug gegen den internationalen Terrorismus gebrauchte und bei der Eröffnungsfeier entsprechende patriotische Töne anschlug. Niemand glaubt noch daran, dass Sport unpolitisch sei. Entscheidend ist, welche Politik mit und für den Sport gemacht wird. Die chinesische Staatsführung hat nie verhehlt, dass China weltoffene und perfekte Spiele ausrichten wollte, die der Völkerverständigung dienen, die China als friedliebendes Land darstellen und die den Stolz und das Selbstbewusstsein der Bevölkerung auf das in den letzten Jahren Erreichte fördern. Das ist China mit diesen Olympischen Spielen gelungen. China ist heute nicht nur eine wirtschaftliche und politische Großmacht, sondern mit diesen Spielen auch im olympischen Sport in die Weltspitze aufgestiegen. Für die Ausrichter künftiger Spiele setzte Peking viele neue, hohe Maßstäbe.

Was die sportlichen Ergebnisse anbelangt, so errangen Chinas Sportler nach der in der Presse veröffentlichten Medaillenwertung, in der vor allem die Anzahl der Goldmedaillen entscheidend ist, mit 51 Goldmedaillen und 100 Medaillen insgesamt erstmalig den 1. Rang. Bei den Spielen 2004 in Athen nahm die chinesische Mannschaft mit 31 Goldmedaillen den 2. Platz ein. Aber auch das USA-Team vermochte sich gegenüber Athen zu steigern. Sie erzielten in Peking 31 Goldmedaillen und mit 110 Medaillen 10 mehr als China. Die Mannschaft Russlands verlor gegenüber 2004 insgesamt 20 Medaillen und kam in Peking auf den 3. Rang. Ihr folgten auf den Positionen 4 bis 10 Großbritannien (mit dem nach China zweitgrößten Medaillenzuwachs gegenüber Athen), Deutschland, Australien, Südkorea vor Japan, Italien und Frankreich.
Im Zweikampf zwischen den Mannschaften Chinas und der USA sowie in der Auseinandersetzung mit den anderen Olympiavertretungen dominierte China in den Sportarten Turnen, Tischtennis, Wasserspringen, Trampolinspringen, Badminton, Gewichtheben, Schießen, aber erstaunlicherweise auch im Boxen. In diesen Sportarten belegten Chinas Athleten in einer Länderwertung jeweils den ersten Platz. Die USA-Sportler bestimmten dagegen die Wettbewerbe in der Leichtathletik ( bei den Frauen hatte Russland die Nase vorn), im Schwimmen (bei den Frauen erreichten die australischen Mädchen den ersten Rang) sowie im Basketball, Volleyball und Beachvolleyball. Die Auswahl von Großbritannien, in Athen noch 10, stieß in Peking auf den 4. Platz vor und ließ keinen Zweifel daran, dass sich ihre Sportler bereits zielstrebig auf die Olympischen Spiele 2012 in London vorbereiten. Die britischen Athleten übernahmen die Spitzenposition in den Sportarten Rudern, Radsport und Segeln. Unser ehemaliger Verbandstrainer im Rudern, Jürgen Grobler, hat an den Erfolgen der britischen Ruderer in Peking als Cheftrainer seit Jahren Anteil. Insgesamt erkämpften Sportler aus 87 Staaten Medaillen und Vertreter von 115 Ländern kamen in die Finalwettkämpfe der verschiedenen Disziplinen, d.h. sie platzierten sich unter den acht Besten der Welt. Im Vergleich zu 2004 spricht das für ein Anwachsen der Konkurrenz in einer Reihe von Sportarten, wobei abzuwarten ist, ob diese Entwicklung kurzzeitig oder nachhaltig ist. Insgesamt wurden 38 Weltrekorde und 85 Olympische Rekorde aufgestellt.

Zu einigen Gefahren und Problemen Olympias und der Olympischen Spiele
In Übereinstimmung mit dem IOC hatte das chinesische Organisationskomitee die Pekinger Spiele unter das Motto gestellt „Eine Welt, ein Traum“. Ein phantasievolles, ein ausdeutbares Motto. Doch eineWelt und ein Traum, das konnten die Spiele in Peking nicht bieten. Zu stark waren die Einflüsse der Politik in dieser von Machtkämpfen und Kriegen zerrissenen Welt. Der am Tage der Eröffnung von Georgien gestartete Angriff auf Südossetien ist ein blutiges Fanal dafür. Und auch Olympia selbst bewegt sich permanent in einem Spannungsfeld von Widersprüchen, Auswüchsen und Problemen. Sie stehen zum Teil seit Jahren als Herausforderung vor dem IOC und der olympischen Bewegung und wirkten im Vorfeld als auch während der Spiele auf diese ein. Sie können und dürfen deshalb in einer Nachbetrachtung aus meiner Sicht nicht ausgespart bleiben.
- 1. Das IOC, ihre weltweit agierenden Sponsoren und Partner, die Sportartikelhersteller und viele andere globale Wirtschaftsunternehmen machten auch mit den Olympischen Spielen in Peking das große Geld. Kommerzialisierung und Professionalisierung durchdringen seit Jahren immer stärker Olympia und den heutigen Leistungssport. Laut Frankfurter Allgemeinen Zeitung (vom 25. 08. 08, Seite 9) beliefen sich die Gesamteinnahmen des IOC in den vergangenen vier Jahren auf über 5 Milliarden Dollar. Davon flossen etwa 2,5 Milliarden an das Pekinger Organisationskomitee der Spiele.
Die Vermarktung der Fernsehrechte ist die wichtigste Einnahmequelle des IOC. Sie brachte für die Spiele in Peking 1,7 Milliarden Dollar ein. Allein der amerikanische Fernsehsender NBC, ein Tochterunternehmen von General Electric, zahlte 894 Millionen Dollar,  die europäische EBU 443 Millionen. Die zweite große Einnahmequelle sind die Einnahmen durch Sponsoren, Partner und Lieferanten des IOC. Sie reichen von Coca Cola, Mc Donalds, Visa bis hin zu Adidas und Volkswagen. Der Beitrag der zwölf Hauptsponsoren liegt nach Angaben des IOC bei 866 Millionen Dollar. Daneben nehmen sich die aus dem Verkauf von 6,7 Millionen Eintrittskarten gewonnenen 50 Millionen Euro bescheiden aus.
Von den großen Projekten zum Ausbau der Pekinger Infrastruktur (z.B. des Flughafens, der U-Bahn, der Brücken und Sportbauten) profitierten natürlich viele weitere internationale Großunternehmen. So verbuchte Siemens rund 1,1 Milliarden Euro aus dem Geschäft mit den Spielen. Am meisten hat jedoch die Industrie des Rohstofflieferanten Australien verdient. Der Umsatz war, den Berichten der FAZ nach, größer als zu den Olympischen Spielen 2000 in Sydney!
Aber auch die Spitzenathleten profitierten direkt und indirekt von den Olympischen Spielen. Mehr denn je wird der Vollprofi, der seine Leistungen maximal vermarktet und dafür - gleich in welchem Land – möglichst Millionen verdient, zum Leitbild des heutigen Sports. Es ist schon bemerkenswert, dass bei der Eröffnungsveranstaltung sechs Basketballspieler, die in der US-amerikanischen Profiliga NBA spielen, als Fahnenträger ihrer Länder fungierten. Nicht der dreimalige Olympiasieger, der Schütze Ralf Schumann, wurde, wie es eigentlich zu erwarten gewesen wäre, als Fahnenträger der deutschen Mannschaft ausgewählt, sondern der Basketballprofi Dirk Nowitzki, der seit Jahren in den USA Millionen verdient. Er sowie der Chinese Yao Ming, über den die NBA den chinesischen Markt mit inzwischen 50.000 Geschäftsfilialen für ihre Produkte erschloss, und natürlich der amerikanische Schwimmer Michael Phelps, der von seinem Sponsor allein für seine Siege in Peking 1 Million Dollar erhielt, das sind die Idole, die Superstars und Helden des heutigen Sports.
Wir hatten derartige Superstars und Helden nicht nötig. Für uns war es wichtiger, dass unsere besten Sportler, neben ihren sportlichen Leistungen und ihrer beruflichen Entwicklung, vor allem auch vielseitig gebildete Persönlichkeiten waren, die als Vorbild für den Sport und die Jugend wirkten.

- 2. Massenmedien, große Sponsoren und Lobbyisten nehmen seit Jahren Einfluss auf die Vergabe, das Programm und die Zeitpläne der Wettkämpfe und verhindern den vom IOC seit Jahren angekündigten Abbau des Gigantismus der Olympischen Spiele. Von Seoul 1988 bis zu den Spielen in Peking wuchs die Anzahl der ausgetragenen Wettbewerbe von 237 auf 302. Das sind mehr als ein Fünftel der Disziplinen. Die Folge davon war, dass die ersten Wettkämpfe bereits zwei Tage vor der Eröffnungsveranstaltung ausgetragen werden  mussten und am Vormittag des Schlusstages noch 13 olympische Entscheidungen stattfanden. Die Zahl der Olympioniken erhöhte sich von 8.397 (1988) auf 11.259 (2008), die der Medienvertreter stieg auf 25.000. Und auch dieses Mal setzte der Fernsehsender, der die Übertragungsrechte für Amerika erworben hatte, durch, dass die olympischen Schwimmwettkämpfe zeitlich so gelegt wurden, dass sie in die für Nordamerika günstigste Fernsehzeit fielen. Dem IOC fehlt der Mut zu wesentlichen Veränderungen. Der Austausch von zwei Sportarten von 2008 (Softball und Baseball) auf 2012 bringt meines Erachtens keinerlei Straffung des eindeutig zu umfangreichen Wettkampfprogramms der Spiele.

- 3. Seinem Wesen nach ist der Sport mit seinen Wettkämpfen international und so verwundert es nicht, dass die fortschreitende Globalisierung ihm immer stärker ihren Stempel aufdrückt. Zwei Tendenzen ließen sich in dieser Hinsicht anlässlich der Pekinger Spiele beobachten: Die wachsende Anzahl von eingebürgerten Sportlern in vielen Olympiamannschaften sowie der sich ausbreitende Transfer bzw. Wechsel von, den Sport professionell betreibenden Athleten von einem Verein bzw. einem Land zum anderen.
Beide Tendenzen können sich nicht nur negativ, sondern teilweise auch durchaus positiv auf den Sport und die Entwicklung in den verschiedenen Sportarten auswirken, wie das am Beispiel des aus Österreich stammenden Olympiasiegers im Gewichtheben Mathias Steiner zeigt. Er hat seine Sportart eindrucksvoll in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gestellt und sicherlich das Interesse vieler Jugendlicher für das Gewichtheben gewonnen.
Laut Presseinformationen starteten in der deutschen Olympiamannschaft 38 Sportler - in Athen waren es 25 - die in Deutschland eingewandert und inzwischen Bürger der BRD sind. Sie hatten keinen geringen Anteil am Abschneiden der deutschen Mannschaft. Im Boxen waren alle vier Starter Immigranten. Besonders in den Spielsportarten hat sich seit Jahren durchgesetzt, dass viele ausländische Spieler in hiesigen und Deutsche in ausländischen Mannschaften spielen. Das so genannte „Bosmann-Urteil“ der EU zum Fußball und die Verkürzung der Sperrzeiten für Sportler, die ihr Land wechseln durch das IOC und die Internationalen Föderationen haben dazu beigetragen, dass nicht nur im Fußball, sondern in fast allen Spielsportarten, aber auch im Ringen oder Boxen und anderen Sportarten Ausländer die Mannschaften verstärken.
Den Berichten aus Peking konnte man entnehmen, dass zum Beispiel 6 deutsche Handballspielerinnen der Olympiamannschaft derzeit in Dänemark spielen. Die Olympischen Spiele machen darauf aufmerksam, dass sich diese Entwicklung fortsetzen und vertiefen wird. Auch mit ihren möglichen Gefahren – wie zum Beispiel der Vernachlässigung des Kinder – und Jugendsports und der oft im Argen liegenden Entwicklung von Nachwuchsathleten oder der beschleunigten Einbürgerung von ausländischen Spitzensportlern, um kurzfristig die eigene Leistungsstärke für die Qualifikation für die Olympischen Spiele zu erhöhen. So geschehen bei der mit Unterstützung des Bundesinnenministeriums erfolgten Einbürgerung des nordamerikanischen NBA-Spielers Kalman im Schnellverfahren Anfang Juli dieses Jahres, damit er gemeinsam mit Nowitzki die am 23. Juli erfolgte Olympiaqualifikation der deutschen Basketballmannschaft sichert. Aber auch Kalman konnte das frühzeitige Ausscheiden der deutschen „Basketballer“ in der Vorrunde des olympischen Turniers nicht verhindern. Das Königshaus von Bahrein hatte da mehr Glück, indem es den marokkanischen Mittelstreckler Ramzi einbürgerte, der in Peking über 1.500 Meter die Goldmedaille gewann.

- 4. Bei Anerkennung der international und national erreichten Fortschritte in den Kontrollmechanismen, die Seuche des Dopings wirkt fort und machte auch um die Pekinger Spiele keinen Bogen. Egal ob 30 Dopingfälle, wie vom IOC-Präsident Rogge für die Spiele in Peking erwartet, oder lediglich 10 nachgewiesene Verstöße, das ist nur die Spitze eines Eisberges!
Bekanntlich gehörte auch ein deutscher Reiter zu den Dopingsündern. Vor Beginn der Spiele wurden bereits über 40 Sportler durch Trainings- bzw. Ausreisekontrollen erwischt und von einer Teilnahme von den Spielen ausgeschlossen. Dopingexperten gehen davon aus, dass immer wieder neue Pharmaka, unter anderen auch Wachstumshormone, auf den Markt kommen bzw. speziell für den Sport entwickelt werden, die derzeit nicht durch die Dopinglabore nachgewiesen werden können.
Bereits bekannte Mittel, die lediglich zeitlich sehr begrenzt (bei manchen Mitteln sollen es nur 2 oder 3 Stunden sein) nachweisbar sind, finden im Training Anwendung. Sie werden rechtzeitig vor den Wettkämpfen abgesetzt oder durch Vermischung mit anderen Substanzen  nicht mehr nachweisbar gemacht. Der Wettlauf zwischen Dopern und Kontrolleuren hält also an. Die Flut von Weltrekorden im Sportschwimmen, in Teilen der Leichtathletik und im Gewichtheben vor und während der Spiele hat vielfältige neue Diskussionen, Befürchtungen und Verdächtigungen im Sport und in der Öffentlichkeit ausgelöst. Sind diese Rekorde in dieser Fülle und in diesen Dimensionen glaubwürdig? Ich bin gegen eine pauschale Verdächtigung von Sportlern und des Sports. Doping bedarf des Beweises. Auf der anderen Seite schließe ich mich jenen Wissenschaftlern an, die davon ausgehen, dass die körperliche Leistungsfähigkeit des Menschen, seine ihm, wie es Marx einmal formulierte, von Natur aus gegebenen „Wesenskräfte“ ihre biologisch-genetischen Grenzen haben und dass diese Grenzen in einer Reihe von Sportdisziplinen, wie dem Sprint, dem Sprung, dem Gewichtheben annähernd erreicht oder erreicht sind. Das schließt nicht eine weitere schrittweise Steigerung von Leistungen durch verbesserte Sportgeräte, Sportmaterialien und Sportstätten aus. Doch Doping stellt heute eine große existenzielle Gefahr für den olympischen Sport dar. Es zersetzt zunehmend die Glaubwürdigkeit sportlicher Leistungen, sportlicher Wettkämpfe und schließlich des Sports insgesamt.Wehe, wenn er diese Glaubwürdigkeit bei den Fans, den Zuschauern, den Eltern und deren am Sport interessierten Kinder mehr und mehr verliert. Nicht zuletzt auch deshalb unterstütze ich den Kampf gegen diese Seuche und alle effizienten Maßnahmen für ihre Zurückdrängung, wie die ständige Verbesserung der Dopinganalytik, die Ermittlung von individuellen Steroidprofilen bei Spitzenathleten oder die Aufbewahrung von Dopingproben bis zu acht Jahren. Auch wenn man zum Vorgehen des IOC teilweise unterschiedlicher Auffassung sein kann: Nicht nur Abschreckung, mehr Aufklärung und Prävention bis hinein in die vielen Fitnessstudios und die Bekämpfung der gesellschaftlichen Ursachen für Doping und Drogen scheint mir unerlässlich zu sein. Heinz Florian Oertel hat in einem Interview einmal gesagt, dass in dieser Gesellschaft das Geld das wohl größte Dopingmittel sei. Er hat recht!

- 5. Wie schon oftmals in der Geschichte Olympischer Spiele waren auch die in Peking der Gefahr und den Versuchen des Missbrauchs für sportfremde politische Interessen ausgesetzt. Es sei nur kurz an den schlimmen Missbrauch der Spiele 1936 durch den deutschen Nationalsozialismus, an den Terroranschlag gegen die Mannschaft Israels in  München 1972, an den Boykott der Spiele von Moskau und von Los Angeles, an dem  leider auch die BRD und die DDR beteiligt waren, und an die so genannten Coca-Cola-Spiele 1996 in Atlanta erinnert.
Dieses Mal hatte sich eine sehr eigenartige „Allianz“ Zusammengefunden, um die Spiele in Peking für vermeintlich ganz unterschiedliche politische Interessen zu nutzen. Diese Allianz reichte von Bush und den Dalai Lama über oppositionelle Kräfte innerhalb und außerhalb Chinas bis hin zu dem Bundesbeauftragten für Menschenrechte und einem Großteil der Massenmedien in den so genannten westlichen Ländern. Auch manche dem „Kalten Krieg“ noch immer verhaftete Politiker und Sportpolitiker in Deutschland schlossen sich an. In den Monaten vor den Spielen zogen sie alle Register der Politik. Die in Tibet im März inszenierten blutigen Unruhen, die Störungen des olympischen Fackellaufes, die Berichte über Oppositionelle, über Umweltkatastrophen, das Elend der Wanderarbeiter, über Doping und über das Training von chinesischen Kindern gehörten dazu. Ein Trommelfeuer ging über China, Peking und den chinesischen Sport nieder, obgleich die Olympischen Spiele nicht an ein Land, sondern an eine Stadt vergeben werden, die im Auftrage und im Namen des Internationalen Olympischen Komitees diese Spiele ausrichtet. Es verging kein Tag an dem nicht im deutschen Fernsehen, im Radio, in der Tagespresse und im Internet über China und die Gefahren der Olympischen Spiele in kritischer Absicht berichtet wurde. In der  Wochenzeitschrift „Stern“ vom 24. 7. 08 schrieb der Chefredakteur: „Wohl noch nie in der Geschichte ist der Gastgeber von Olympischen Spielen so kritisch beäugt worden wie China.“ In einem weiteren Artikel folgt danach eine ganze Liste von Behauptungen, Unterstellungen und gemutmaßten Befürchtungen. Kein Wort und kein Vergleich zum Beispiel mit den in den letzten Jahren in den USA durchgeführten Sommer- und Winterspielen, einem Land in dem es gleichfalls noch die Todesstrafe gibt und das nicht vor Angriffskriegen und die Besetzung fremder Länder zurückschreckt.
Diese und andere Spiele standen weit mehr im Zeichen eines politischen Missbrauches und hätten es weitaus mehr verdient durch die Massenmedien „kritisch beäugt“ zu werden. In Wirklichkeit geht es nach meinem Ermessen gar nicht erstrangig um Tibet, um Rechtsstaatlichkeit, Pressefreiheit oder Umweltschutz oder um die korrekte Durchführung der Olympischen Spiele. Es geht geopolitisch um China als dem bevölkerungsreichsten Land der Erde, das in den letzten zwanzig Jahren zu einem der stärksten Wirtschaftsmächte der Welt aufstieg und das von der Führungsmacht des „Westens“ und seinen Bündnispartnern zunehmend im Kampf um Rohstoffquellen, Absatzmärkte und globalen Einfluss gefürchtet wird. Es soll sich dem Westen weiter öffnen und sich ihm letztlich anschließen. Ein weiter erstarkendes China mit einer kapitalistischen Marktwirtschaft und einem in weiten Teilen sozialistischen Überbau, geführt von einer kommunistischen Partei, das ist für den „Westen“ „eine Horrorvision“.

In diesem Kräftespiel wollte man China mit den Olympischen Spielen politisch unter Druck setzen und eine Lektion erteilen. Manche Politiker schreckten im Vorfeld der Spiele auch nicht vor einem Boykott der Olympischen Spiele zurück. Angesichts der Lehren der achtziger Jahre setzten sich Besonnenheit und Vernunft in der Politik, im IOC und auch bei den verantwortlichen Politikern und Sportverantwortlichen in Deutschland durch. Der Sport und Olympische Spiele sind kein geeignetes Mittel um Machtpolitik durchzusetzen. Die Olympischen Spiele gehören dem Sport und den Sportlern.
In diesem Zusammenhang spielte auch die Pressekonferenz des chinesischen Präsidenten Hu eine wichtige Rolle. Das „Politisieren der Olympischen Spiele“ sei keine angemessene Reaktion auf die „unvermeidbar“ unterschiedlichen Sichtweisen „verschiedener Völker“.
Er forderte die Journalisten zu „objektiver und vorurteilsfreier“ Berichterstattung auf und versicherte „Chinas Tür zur Welt ist immer weit offen“. Sein Land sei für niemanden eine Bedrohung und werde während Olympia zeigen,  „dass das chinesische Volk ein friedliebendes Volk ist“. (Zitiert nach ND vom 2./3. 08, Seite 1).
Jetzt, nach Beendigung der Pekinger Spiele kann man einschätzen, dass China aus diesen Auseinandersetzungen vor und während der Spiele keineswegs geschwächt, sondern gestärkt hervorgegangen ist. In seiner Rede zur Abschlussfeier sprach IOC-Präsident Jacques Rogge davon, dass die Welt durch die Olympischen Spiele mehr über China und China mehr über die Welt gelernt habe. Es waren in diesem Sinne also lehrreiche Spiele! Lehrreich nicht nur für den Sport, sondern besonders lehrreich auch für die Politik!

 

Zu den Ergebnissen der deutschen Olympiamannschaft
Bekanntlich belegte die deutsche Mannschaft in einer Medaillenwertung, die von der Anzahl der errungenen Goldmedaillen ausgeht, einen 5. Rang.
In Peking waren es 16 dieser Medaillen, bei den Spielen 2004 13. Allein auf Grund dieser Steigerung an ersten Plätzen wird das Abschneiden der deutschen Mannschaft als Erfolg gewertet. Auf der Internetseite des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) vom 25.8. liest sich das folgendermaßen:
„Abwärtstrend gestoppt, Ziele erreicht – die Olympia-Bilanz des deutschen Teams fällt nach 16 Tagen positiv aus“. Der im DOSB für den Leistungssport zuständige Vizepräsident Gienger, in den 70er Jahren Weltmeister im Turnen und heute für die CDU Mitglied des Bundestages, spricht sogar von einem „großen Erfolg“ und hebt neben den errungenen Gold-, Silber-und Bronzemedaillen „insbesondere die zahlreichen vierten Plätze und Finalplatzierungen hervor“. Dass in Sydney 2000 56, in Athen 47 Medaillen und in Peking aber nur 41 erreicht wurden, das bleibt nahezu unerwähnt. Ähnlich wie Gienger äußerten sich auch der Chef de Mission, Michael Vesper und der Leistungssport-Direktor im DSOB, Bernhard Schwank. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung zitiert Schwank: „Wir haben lieber 16 goldene als mehr andere Medaillen“. Der Artikelschreiber schließt daraus: „Mehr Gold, mehr Geld“ (FAZ vom 25.08.08, Seite 26).
Um nicht missverstanden zu werden: Mit großem Interesse habe ich das Auftreten gerade auch der deutschen Teilnehmer bei den Olympischen verfolgt. Mein Glückwunsch und meine Anerkennung gilt allen Athleten, die in den Wettkämpfen ihr Bestes gegeben haben und um persönliche Bestleistungen, gute Platzierungen und um den Sieg gekämpft haben.
Hier aber geht es um eine sachliche Bewertung des Gesamtergebnisses der deutschen Mannschaft. Da kann und muss man bei aller Freude über das Erreichte vor allem Realitätssinn, Sachkenntnis und die Fähigkeit zu einer kritischen Bewertung der eigenen Leistungen erwarten.
Im Leistungssport der DDR waren wir gegen eine einseitige Fixierung auf Goldmedaillen. Das, so unsere Auffassung, wertet zwangsläufig die Leistungen aller Platzierten in einer nicht vertretbaren Weise ab. In einer Medaillenwertung wie sie bei uns über viele Jahre üblich war, gingen alle Medaillen mit 7 Punkten für den ersten, 5 für den zweiten und 4 Punkten für den dritten Platz ein. Übrigens, so war in der Presse zu lesen, macht man das in den USA auch heute noch ebenso. Parallel dazu gab es bei uns eine Punktewertung der ersten sechs Plätze. Damit sollte die Leistungsdichte in der Spitze je Wettkampfdisziplin, je Sportart und Land besser erfasst und eine differenzierte Wertung ermöglicht werden.
Legt man eine derartige Bewertung zugrunde, so wird deutlich:
- Die deutsche Mannschaft belegt mit 41 Medaillen und 222 Wertungspunkten hinter Australien mit 46 Medaillen und 241 Punkten nicht den 5., sondern den 6. Rangplatz.
Das wäre der gleiche Rang wie zu den Olympischen Spielen 2004;
- aber auch die Bewertung der ersten beiden Länder würde sich ändern. Auf Grund der höheren Anzahl der Medaillen, aber auch der Plätze 4 bis 6 würde nach bei der bei uns angewandten Wertungsmethode die USA vor China einzuordnen sein.
Doch zurück zu Deutschland.
- Auch bei der Wertung der Plätze 4 bis 6 gibt es keinen Grund von einer positiven Entwicklung zu sprechen. 2004 belegten 55 deutsche Sportler bzw. Mannschaften die Rangplätze 4 bis 5, in Peking waren es lediglich 43;
- noch kritischer ist das Abschneiden in den so genannten Kernsportarten Leichtathletik, Sportschwimmen und Turnen einzuschätzen. Diese drei Sportarten machen nahezu ein Drittel der 302 bei den Spielen in Peking ausgetragenen Wettbewerbe aus. Jedes Sportland, welches das Ziel verfolgt, sich über Olympiaden hinweg stabil in der Spitzengruppe der Länder zu platzieren, muss zwangsläufig ein hohes Breiten- und Spitzenniveau in diesen Sportarten aufbauen. Und zwar vom Kinder- über den Nachwuchsleistungssport bis zum Erwachsenen- und Hochleistungssport. In der DDR war uns die Bedeutung dieser Sportarten für den Breiten- und für den Leistungssport schon in den frühen fünfziger Jahren bewusst
Als Grundlagensportarten wurden sie kontinuierlich gefördert und genossen in der sportinteressierten Bevölkerung eine relativ hohe Popularität. Das wirkte sich auch für den Hochleistungssport positiv aus.
1988 erreichten die Olympioniken der DDR allein in diesen drei Sportarten 60 Medaillen, davon 18 Goldmedaillen. 20 Jahre später belegen diese Sportarten nur noch hintere Rangplätze und erzielten nur insgesamt 2 Goldmedaillen (durch die Berliner Schwimmerin Britta Steffen), 1 Silbermedaille und 2 Bronzemedaillen.
Selbst ein besseres Abschneiden von Fabian Hambüchen, was ihm und dem deutschen Turnverband sehr zu wünschen gewesen wäre, hätte an der kritischen Lage nur wenig geändert. In der Medaillenwertung landet die Leichtathletik auf dem Platz 38, davor solche Länder wie die Bahamas, Panama und Bahrain;
- und noch ein Beispiel, das die Leistungssituation nach den Spielen in Peking drastisch beleuchtet. Die deutschen Ruderer, 1988 noch mit 9 Goldplätzen überlegen in den 14 Endkämpfen, kehrten als Sportart erstmals ohne eine Goldmedaille von Olympischen Spielen zurück.
Was ist aus dieser im Weltrudersport von beiden deutschen Ruderverbänden einstmals so dominierten Sportart geworden? Wie konnte das geschehen und wer ist dafür verantwortlich?
- Mit Ausnahme von Hockey und Fußball der Frauen sind auch die Resultate in den anderen in Peking teilnehmenden Spielsportarten unbefriedigend. Wie kann man da von „Abwärtstrend gestoppt, Ziele erreicht“ sprechen?
Natürlich ist es sehr erfreulich, dass die Sportler und Sportlerinnen der so genannten Randsportarten bei den Olympischen Spielen in Peking aus dem Schatten, der sie zumeist vier Jahre lang wegen mangelnder Fernsehpräsenz umgibt, traten und mit ihren Leistungen für Aufmerksamkeit, ja für Furore sorgten. Das kann jedoch in keiner Weise über die insgesamt kritische Lage in der Mehrzahl der anderen Sportarten hinwegtäuschen.
Der Sportkommentator Rudi Czerne, selbst einmal ein erfolgreicher Eiskunstläufer, brachte es auf die einfache Formel: „Randsportarten Top, Kernsportarten Flop“.

Unser Resümee lautet:
Der langfristige Abwärtstrend des bundesdeutschen Leistungssports seit den Olympischen Spielen 1992 hielt auch im Olympiazyklus von 2004 bis 2008 weiter an. Er betrifft vor allem die großen olympischen Kernsportarten, aber auch solche traditionsreichen Sportarten wie Rudern, Boxen, Radsport und andere.
Durch die Siegleistungen von Sportlern in einigen Randsportarten fiel das Ausmaß der Abwärtsentwicklung insgesamt mit ca. 10 Prozent etwas geringer aus als in den vorangegangenen Olympiazyklen.
An dieser Stelle stellt sich für mich zwangsläufig die Frage:

Was ist aus dem Erbe des erfolgreichen DDR-Sports geworden?
Vizepräsident Gienger hat auch dazu eine Antwort parat. Kurz vor Beginn der Spiele erklärte er auf die Frage eines Journalisten nach den Erfolgsaussichten in der Leichtathletik, einst, so der Journalist, „das Zugpferd des deutschen Sports“: „Das DDR-Erbe ist inzwischen total aufgebraucht und der Übergang vom Junioren- in den Erwachsenenbereich gelingt längst nicht wie gewünscht.“ (Vgl.: Webseite des DOSB vom 30. 07. 08). Jetzt wissen wir es: Die DDR ist Schuld, sie hätte noch mehr Spitzensportler hinterlassen sollen, die auch heute nach 20 Jahren immer noch Medaillen für den deutschen Sport hätten bringen können. Immerhin: 2004 in Athen trugen Athleten, die aus der „Schule des DDR-Leistungssports“ hervorgingen, noch 62,5 Prozent der Goldmedaillen, 55 Prozent der Silbermedaillen und 30 Prozent der Bronzemedaillen zum Gesamtergebnis bei. (vgl. Horatschke, Helmut: Athen 2004 – eine sportliche Bilanz. In Beiträge zur Sportgeschichte, Heft 19/2004).
Doch noch interessanter an der oben zitierten Aussage ist nach meinem Ermessen, wie einseitig das Erbeverständnis des Bundestagsabgeordneten und Sportfunktionärs Gienger ist. Erbe des DDR-Sports, das sind für ihn ausschließlich die Sportler und deren zeitlich begrenzte nutzbare Leistungen! Und die Trainer, die erstrangig hinter den Leistungen der Sportler stehen? Die Sportwissenschaftler und Techniker, die heute am Institut für angewandte Trainingswissenschaften in Leipzig bzw. an der Forschungs- und Entwicklungsstelle für Sportgeräte in Berlin erfolgreich wirken. Oder die Tausende von Übungsleitern, Sportlehrern und Betreuern, die an der Basis noch immer für den Breiten- und Schulsport tätig sind. Und die Sportstätten, Sportschulen und KJS? Und nicht zuletzt – dieser umfangreiche Schatz an wissenschaftlichen Erkenntnissen und bewährten Erfahrungen, der in Form von Forschungsberichten, Diplom- und Doktorarbeiten sowie als Belegarbeiten von Hunderten von Trainern weitgehend ungenutzt brach liegt. Das alles ist Erbe des DDR-Sports! Ein großes, umfangreiches Erbe! Von hohem Wert sind auch die schlüssigen, wissenschaftlich fundierten Konzepte der erfolgreichen Sportverbände und des Leistungssports insgesamt. Sie könnten nach meiner Auffassung noch immer bei der Suche nach den Ursachen und nach Lösungen im heutigen Leistungssport manche hilfreiche Einsicht vermitteln. Ihre Stützpfeiler bestanden – natürlich in starkem Maße begründet in der gesellschaftlichen Stellung und Förderung des Sports in der DDR – vor allem
- in der engen Verknüpfung von Hochleistungs- und Nachwuchsleistungssport und dem langfristigen Trainings- und Leistungsaufbau von jungen Sportlern bis zum  Spitzenathleten;
- in der effektiven Sichtung, Auswahl und Förderung von sportlichen Talenten mit Unterstützung der Schulen und der Sportlehrer;
- in der optimalen Verbindung von leistungssportlicher, schulischer und beruflicher Entwicklung der Sportler und ihrer gesicherten beruflichen Perspektive;
- in der gesellschaftlichen anerkannten Tätigkeit der Trainer und deren qualifizierten sportfachlichen und pädagogischen Tätigkeit im Zusammenwirken mit den Sportlern;
- in einer sportartspezifischen als auch übergreifenden Forschung und Entwicklung mit hohem Nutzen für die Sportpraxis;
- sowie in einer professionellen zentralen Führung des Leistungssports in arbeitsteiliger Kooperation mit den Leitungen der Sportverbände, der Sportclubs sowie der Bezirke und Kreise.
Doch an solchen und anderen inhaltlichen Denkanstößen besteht kein Interesse. Die in den letzten Wochen nach den Olympischen Spielen geführten Diskussionen lassen befürchten, dass es vor allem wieder um Geld, um mehr Geld, aber nicht um Inhalte, um neue, bessere Konzepte und deren Durchsetzung gehen wird. Manche „Meinungsmacher“ haben schon wieder die altbekannten Grenzpflöcke in den Boden gerammt: Ja keine Zentralisierung und an den bewährten föderalistischen Strukturen und der Vereinsmeierei darf auch nicht gerüttelt werden. Kreativität, Anstöße von außen, Kritik, Offenheit für neue Lösungen bleiben wahrscheinlich wieder auf der Strecke.
In den Gesprächen über die Zusammenführung der beiden deutschen Nationalen Olympischen Komitees im September 1990 mahnte der langjährige Präsident des NOK der Bundesrepublik Willi Daume: „Die Nachwelt wird es uns nie verzeihen, wenn wir den stolzen DDR-Sport kaputt machen.“ (Quelle: Archiv Volker Kluge).
Politische Arroganz der Sieger, der mangelnde Wille und die teilweise fachliche Unfähigkeit haben es seit 1990 vielfach verhindert, mit dem Erbe, das dem Sport der alten BRD durch die Implosion der DDR in den Schoß gefallen ist, sorgfältig und klug umzugehen. Ausnahmen wie im Kanurennsport oder in einigen Wintersportarten bestätigen nur die Regel.

 

Peking 2008 / Olympia und der Weltsport
Von Helmut Horatschke

Sport war in der Antike und ist auch in der Gegenwart ein gesellschaftliches Phänomen, das in den Olympischen Spielen seinen glanzvollen Höhepunkt findet. In den letzten zwanzig Jahren haben sich die Kräfte dieser Spiele bemächtigt, denen nicht der Sport, sondern das große Geschäft mit dem Sport am Herzen liegt. Das globale internationale Kapital, an der Spitze Medien- und Sportartikelkonzerne, haben die Spiele für ihre Profitinteressen erschlossen. Das IOC hat sich an die Spitze dieser Vermarktungsstrategie gesetzt und kassiert heute 2,5 Milliarden Dollar aus Übertragungs- und anderen Rechten. Diese Vermarkter bestimmen das Wettkampfprogramm, einschließlich des Zeitplanes, damit die einflussreichsten Sender ihre Übertragungen in die günstigste Zeit legen und hohe Summen für Werbeeinblendungen berechnen können. Die Vermarktung gewinnträchtiger Sportarten und das Erfinden neuer Sportarten, bei denen die Show-Wirkung im Vordergrund steht, hat eine lange Geschichte und ihren Ursprung in Nordamerika und Westeuropa. Sie wurde zum Bestandteil kapitalistischer Globalisierungsstrategie. Diese Bestrebungen blieben nicht unwidersprochen. 1981 beschloß der olympische Weltkongreß, dass Olympische Spiele auch in Zukunft Amateuren vorbehalten bleiben sollen. Unter Bruch dieser Entscheidung wurde unter Führung von IOC-Präsident Samaranch nach 1990 Olympia für den Berufssport geöffnet. Ein olympischer Weltkongreß hat nicht mehr stattgefunden (!) Für die ausrichtende Stadt und das Land bleibt die Aufgabe, den Spielen einen festlichen Rahmen zu geben, erstklassige Sportanlagen mit modernster technischer Ausrüstung zur Verfügung zu stellen, für perfekte Wettkampforganisation, Unterkunft, Verpflegung, Transport, Sanitätsdienst, Presse- und Fernsehzentren zu sorgen und die städtische Infrastruktur den Anforderungen der Spiele anzupassen. Man muß der VR China und ihrer Hauptstadt Peking bescheinigen, dass sie alle diese Aufgaben bis hin zum Bau eines riesigen Flughafenterminals und von U-Bahnlinien in hervorragender Weise gelöst und sowohl die Sportbegeisterung als auch die Leistungsfähigkeit des ganzen Landes überzeugend unter Beweis gestellt hat.
Und das zu einer Zeit, da das Land mit seiner verheerenden Erdbebenkatastrophe  und schweren Überschwemmungen konfrontiert war.
Es ist bekannt, dass die USA und ihre NATO-Partner die VR China nicht lieben und sie gerne nach jugoslawischem Beispiel zerstückeln und beherrschbar machen möchten. Dazu dienen politische und geheimdienstliche Mittel ebenso, wie von außen gesteuerte Unabhängigkeitsbewegungen, Aufstände und eine monatelange Kampagne der internationalen Medienkonzerne. Mit allen Mitteln wurde versucht, die Spiele in Peking für diese unolympische Politik zu missbrauchen und Menschenrechte einzuklagen, die sie selbst täglich mit Füßen treten. Protestierer für westliche Kameras mussten oft aus dem Ausland eingeflogen werden. Es ist eine Frechheit, die VR China auch noch aufzufordern, für derartige unolympische Machenschaften Gesetze des Landes außer Kraft zu setzen. Die einfachsten Anstandsregeln für Gäste gegenüber ihrem Gastgeber sind diesen Leuten, besonders deutschen Fernsehreportern, offensichtlich unbekannt.

Entwicklungen im Weltsport
Im Weltsport stehen sich heute zwei Richtungen gegenüber:
Einerseits die Förderung des Sportes, einschließlich des Leistungssportes, als Anliegen der Gesellschaft, von seiner gesundheitsfördernden Massenwirkung bis zur Vorbildrolle und nationaler Repräsentanz sportlicher Leistung, andererseits das Abqualifizieren des allgemeinen Sportes zur Privatsache und die Auslieferung des Leistungssportes an privatkapitalistische Vermarkter. Nicht gewinnträchtige Sportarten werden von den Medien zu „Randsportarten“ degradiert und bestenfalls noch als Randnotiz erwähnt. Die Folgen dieser verhängnisvollen Privatisierung des Sportes sind statistisch belegt: Bewegungsarmut, Übergewicht, lebenslange Gesundheitsschäden als Massenerscheinung und immer mehr beim Baden ertrunkene Kinder.
Diese, von gegensätzlichen Bestrebungen gekennzeichnete Lage des Weltsportes spiegelt sich auch in den Olympischen Spielen wider. Die Zahl der Länder mit Medaillen ist gegenüber Athen von 75 auf 87 gestiegen. Neu sind vor allem Länder aus Asien, Afrika und Lateinamerika. Insgesamt hat sich das Leistungspotential in den letzten 20 Jahren deutlich in Richtung Asien und zu Lasten von Europa verschoben (Asien plus 12,4 Prozent, Europa minus 20,9 Prozent). Auch Lateinamerika, Australien/Ozeanien und Afrika haben Zuwachs zu verzeichnen. Unter den Ländern ragt China mit 51 Goldmedaillen, 100 Gesamtmedaillen und einer Leistungssteigerung um 60 Prozent gegenüber 2004 deutlich heraus. Eine positive Bilanz haben auch Großbritannien, Kenia, Jamaika, die USA, Kanada, Armenien und Frankreich, eine negative Russland, Griechenland, Japan, Rumänien, Ungarn, Bulgarien, Kuba, Österreich und Südafrika. Rang 28 der Medaillenwertung für Kuba entspricht nicht dem realen Leistungspotential. Nach einer Wertung der ersten sechs Plätze gehört Kuba auf Rang 12.
Was die Leistungen vor allem im Schwimmen und in der Leichtathletik wirklich wert sind, bleibt ein Geheimnis der für 8 Jahre eingefrorenen Dopingproben. Bisher war man noch damit befasst, die Ergebnisse von Sydney 2000 zu korrigieren.

Und Deutschland?
Der deutsche Standort wurde bereits mit der Auswahl des Fahnenträgers bestimmt: Dirk Nowitzki, Olympianeuling, aber reichster deutscher Profi in ausländischen Diensten. Erklärtes Ziel des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) war, nicht schlechter zu sein als in Athen 2004, also Rang 6 in der Medaillenwertung, mindestens 13 Goldmedaillen und 49 Medaillen insgesamt. Mit 16 Goldmedaillen und Rang 5 feiert man bereits die Umkehr des jahrelangen Abwärtstrends.
Sehr aufschlussreich: DDR 1988 – 102 Medaillen, BRD 2008 – 41 Medaillen.
Auf den ersten sechs Plätzen hat sich Deutschland gegenüber Athen um weitere 10,3 Prozent verschlechtert. Eine Fixierung auf Goldmedaillen trägt dieser Realität nicht Rechnung. Legt man die realere Punktewertung zugrunde, liegt sogar Australien noch vor Deutschland. Gute Leistungen haben Pferdesport, Hockey, Kanu, Fechten und Wasserspringen, eine Leistungssteigerung auch Turnen und Segeln, hervorragende Einzelleistungen Gewichtheben, Judo, Triathlon, Moderner Fünfkampf und Mountinbike erreicht. Herausragend im Schwimmen allein Britta Steffen.
Die deutsche Misere heißt:
- Leichtathletik: eine Bronzemedaille und Rang 38 in der Weltleichtathletik;
- Schwimmen: außer Britta Steffen nicht besser als die Leichtathletik;
- Rudern: Vom 2. auf den 13. Rang zurückgefallen und seit 52 Jahren erstmalig ohne  Goldmedaille;
- Straßenradsport: Bei 4 Disziplinen nur ein 6. Platz;
- Boxen: Seit 1948 erstmalig ohne Medaille;
- Tennis, Badminton und Bogenschießen ohne zählbares Ergebnis;
- Basketball, Handball, Volleyball und Wasserball mit Nullrunde.

Insgesamt glanzlose Spiele für Sportarten, in denen Profiställe und Sponsoren das Sagen haben und die zum Teil erst kurz vor Olympia ihre Akteure aus dem In-und Ausland zusammenrufen.
Die Ursachen sind vielschichtig, beginnen beim Zustand des deutschen Schulsportes, einer Talentgewinnung als Zufallsfund, dem Elterbeitrag für einen Platz am Sportgymnasium, einem dominierenden Einfluß einer sich verselbständigenden Profiszene, deutschen Länderföderalismus und Vereinsmeierei bis zu einer staatlichen Förderung, die nur den erfolgreichen Verband belohnt und dem erfolglosen die Mittel weiter kürzt.
Wesentlich auch eine Unterschätzung der Rolle hochschulausgebildeter Sportfachleute vom Schulsport bis hin in die Führungsetagen des deutschen Sportes. Die fehlende Bereitschaft, Sport nicht als privates, sondern als gesellschaftliches Problem zu begreifen und die Unfähigkeit zu effektiver Organisation, sind die deutschen Grundprobleme.
China hat aller Welt gezeigt, wie es geht!

Medaillengewinne der BRD-Olympiamannschaften
Barcelona                      82
Atlanta                          65
Sydney                         56
Athen                          49
Peking                         41

 

Olympia und Coubertin
Von Dr. Klaus Huhn

Ich kenne keinen Journalisten, der sich darauf eingelassen hätte, am Tag vor der Eröffnung der Olympischen Spiele eine „Nachbetrachtung“ zu schreiben. Auf meine alten Tage entschloss ich mich, dass ich es dennoch riskieren sollte.
Man muss alles im Leben mal versucht haben.
Ich habe ein langes „olympisches Leben“ hinter mir und vergesse nie, dass ich 1956 meine Reise zu den Winterspielen nach Cortina d´Ampezzo so geplant hatte, dass sie Lausanne berührte. Dort hoffte ich das Original einer Broschüre des Begründers der modernen Spiele, Baron de Coubertin, über Arbeiter-Universitäten zu finden. Coubertin hatte nämlich zu Beginn der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts einen Plan zu Papier gebracht, der etwa unseren späteren Arbeiter- und Bauernfakultäten entsprach. Das Büro des IOC war 1956 noch in der Etage der Villa „Mon Repos“, die Coubertin angemietet hatte und am Tisch der Sekretärin saß noch die Frau Zangghi, die schon Coubertins Briefe getippt hatte. Die wusste auch, wo noch eine jener Broschüren auf dem Boden zu finden sein würde und schenkte sie mir. Dann hatten wir noch einen langen Kaffee-Plausch über Coubertin und Olympia und dies und das.
Als ich am Sonntag, dem 3. August 2008 Schrippen holen ging und die Sonntagsausgaben der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und des „Tagesspiegel“ am Zeitungsstand holte, kam mir dieser Besuch in Lausanne wieder in den Sinn. Ein tausende Meter tiefes Tal klaffte zwischen jenem Wintermorgen 1956 und dem vorolympischen Sonntag 2008.
Ich mache es kurz und zitiere einiges aus den beiden Blättern: „...die Kommunisten haben sich der Spiele systematisch in bisher nicht gekannter Weise bemächtigt.“ (FAS, S. 13) – „Die vorolympischen Wettkämpfe sahen diesmal so aus: Freistilringen um die erlaubten Formen des politischen Protests. Boxkämpfe zwischen Demonstranten und einer rabiaten Eskorte der olympischen Flamme.“ (Tagesspiegel, S. 8). „Monate des Ringens mit der chinesischen Führung liegen hinter dem IOC, Monate des Ringens auch um die Glaubwürdigkeit der Olympier, die besonders nach den Aufständen in Tibet und Angriffen auf den internationalen Fackellauf wie Marionetten des chinesischen Politbüros wirkten“. (FAS, S. 31). Aber dann fand ich doch noch einen bemerkenswerten Satz. Und der stammte ausgerechnet von Minister Schäuble: „Allerdings dürfen wir Deutsche nicht leichtfertig über andere urteilen, wenn man an die Olympischen Spiele von 1936 denkt.“ In diesem Falle konnte ich nur konstatieren: Hut ab vor Schäuble, was immer er sonst noch so an antikommunistischen Plattitüden von sich gab. Er hatte immerhin ein wichtiges Stichwort gegeben, das heute so oft und so gern an die Überlebenden der DDR gerichtet wird: „Aufarbeitung“! In den langen Monaten der Anti-Peking-Kampagne hatte kaum jemand eine Silbe über die olympische Vergangenheit Deutschlands verloren, die nicht gerade ruhmvoll ist. Kein Wort darüber, dass Deutschland an den I. Spielen gar nicht teilgenommen hätte, wenn sich nicht der tapfere Gebhardt gegen die deutsch-nationalen Schreihälse durchgesetzt hätte, kein Wort darüber, dass Deutschland statt die Olympischen Spiele 1916 auszurichten, die Welt in den Krieg stürzte, weshalb es von den nächsten beiden Spielen ausgeschlossen blieb, kein Wort über den grandiosen Missbrauch der Spiele 1936, hinter dessen bunten Tarnnetzen der Zweite Weltkrieg vorbereitet wurde, kein Wort über den Boykott der Spiele 1980 in Moskau. Nichts von alledem, aber Schlagzeilen über „Aufstände“ in Tibet. Und erst recht keine Silbe darüber, was China tat, um – im Sinne Coubertins – nicht nur ein strahlendes Fest zu feiern. Nämlich: 50.000 Fitness-Ecken wurden im Land eingerichtet, 100 neue Hallen-Fitnesscenter eröffnet, 2.300 Jugendclubs neu gegründet, rund um Peking entstanden 10.000 neue Sportclubs und in den ländlichen
Gebieten des Landes wurden 20.000 neue Sportanlagen eingeweiht. Bis 2010 sollen 100.000 weitere Sportanlagen geschaffen werden. Vier Millionen Euro wurden für die Opfer des Erdbebens gesammelt und das IOC gab noch fünf Millionen dazu. Das alles hätte Coubertin begeistert, aber im Deutschland des Jahres 2008 war es für die Medien keine Zeile wert. Sie zählten die „Dissidenten“.
Das kann ich guten Gewissens versichern: Frau Zangghi hätte sich gefreut!

 

 

 

Impressum:

Herausgeber:
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Vorsitzender: Hans Bauer; Geschäftsführer: Dieter Stiebert
Geschäftsstelle des Vorstandes: Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin
(Tel./Fax: 030/2978 4225)
Internet: www.grh-ev.org ; E-Mail: verein@grh-ev.org
Geschäftszeiten: Dienstag und Donnerstag 09.00 bis 16.00 Uhr

Spenden zur materiellen Unterstützung von Opfern der politischen Strafjustiz und zur Finanzierung weiterer humanitärer Tätigkeit der GRH e.V. werden erbeten auf das Konto der Berliner Volksbank Nr. 578 890 000 9, BLZ 100 900 00.

Bei namentlich gekennzeichneten Beiträgen sind die Autoren für deren Inhalt verantwortlich.
Der „Sonderdruck der Arbeitsgruppe Sport der GRH“ dient der Unterrichtung der Mitglieder und Sympathisanten der GRH e.V. und darf bei Behörden nicht als rechtsverbindliche Auskunft benutzt werden.

 

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